Vom 13. Oktober 2026 bis 31.1.27 wandern „Menschenbilder. Porträt- und Genrefotografien“ aus der Sammlung Dietmar Siegert von der Neuen Pinakothek in der Alten Pinakothek. Die Neue Pinakothek verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Italien. Meist sind Landschaften und architektonische Monumente von Venedig bis Neapel die Motive. Doch bereits sehr früh spielt auch der Mensch eine wichtige Rolle – als Individuum oder als Vertreter einer bestimmten sozialen Schicht.

Carlo Ponti (zugeschrieben) (1822 – 1893), Wasserträgerin aus Chioggia, um 1860, Neue Pinakothek, Sammlung Dietmar Siegert – 2014
Die Porträtfotografie trug ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entscheidend zur Durchsetzung des neuen Mediums bei. Fotografische Bildnisse wurden meist im Carte-de-visite-Format angefertigt und waren so für breite Käuferschichten erschwinglich. In kleinen Alben wurden nicht nur Fotografien der eigenen Familie und des Freundeskreises gesammelt, sondern auch von berühmten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte.

Fratelli De Luca (tätig in Neapel um 1860/70), Straßenküche, um 1860/70, Neue Pinakothek, Sammlung Dietmar Siegert – 2014

Giorgio Sommer (1834 – 1914), Messerschleifer, um 1865/70, Inv.Nr. DS 4550, München, Neue Pinakothek, Sammlung Dietmar Siegert
Porträts der letzten Bourbonen auf dem Thron des Königreichs beider Sizilien in Neapel stehen neben Angehörigen der papsttreuen Adelsfamilien in Rom. Andere Aufnahmen zeigen die Protagonisten des Risorgimento von Mazzini bis Garibaldi. So entsteht im intimen Format der Carte-de-visite ein Panorama der italienischen Gesellschaft und ihrer Gegensätze in den Jahren um 1860.

Stefano Lais (1832 – 1892), Die Brigantin Michelina Di Cesare in der Tracht der römischen Campagna, um 1860/65, Inv.Nr. DS 4351, München, Neue Pinakothek, Sammlung Dietmar Siegert
Genreaufnahmen geben Einblick in soziale Realitäten, auch wenn sie meist inszeniert und im Atelier des Fotografen aufgenommen wurden. Sie zeigen Angehörige verschiedener gesellschaftlicher Gruppen als Typen. Kolorierte Fotografien stellen Modelle in den Trachten verschiedener Regionen vor und konnten von Malern als Vorlagen für Genrebilder verwendet werden.
Die Ausstellung zeigt rund 50 dieser kleinformatigen Porträt- und Genreaufnahmen. Hinzu kommen rund ein Dutzend größerformatige Fotografien mit Genrestudien aus der römischen Campagna, Neapel und Sizilien von Fotografien wie Filippo Belli, Giorgio Sommer und Wilhelm von Gloeden. Die Fotografien stammen aus der Sammlung Dietmar Siegert, die der Pinakotheks-Verein in Verbindung mit der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Sparkassen-Finanzgruppe 2014 für die Neue Pinakothek erworben hat.







