Das Münchner Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung ist unter der Leitung der Direktorin und Geschäftsführerin Isabel Siben für die hohe Qualität seiner Ausstellungen bekannt. Das ist auch bei der kommenden Ausstellung „Ragnar Axelsson. Greenland“, die vom 24.7. – 1.11.2026 gezeigt wird, nicht anders.
„Nie war es wichtiger als jetzt, das Leben der Menschen in der Arktis und die Veränderungen, die sie durchmachen, in Worten und Bildern zu dokumentieren, damit die Welt sehen kann, was geschieht.“ (Ragnar Axelsson, *1958 in Reykjavik)
Die Ausstellung Ragnar Axelsson Greenland umfasst 60 Werke. Seine großartigen Fotografien und Texte vermitteln sowohl Schönheit als auch Vulnerabilität. Sie erzählen einfühlsam von Widerstandsfähigkeit, Verlust, Würde und einer Lebensweise unter dem Druck einer Außenwelt, die ihre Existenz ignoriert oder ihnen zu diktieren versucht, wie sie zu leben haben. Ragnar Axelssons Grönland zeigt die Realität einer sich rasch wandelnden Welt – einen Ort von einzigartiger Schönheit und ständiger Gefährdung. Eine Welt, die vor unseren Augen schmilzt – mit unkalkulierbaren globalen Folgen.
Acht Staaten, eine Vielzahl indigener Völker, rivalisierende Großmächte: Die Arktis ist Heimat, Klima-Indikator, geopolitisches Terrain und Ressourcen-Reservoir zugleich. In der Arktis zeigt sich drastisch, was die Erderhitzung bewirkt: Permafrost taut, Küsten erodieren, Ökosysteme geraten aus den jahrhundertealten Bahnen. Der Rückzug des Eises wirkt sich zunehmend auch global aus: Meeresspiegel steigen und Wettersysteme geraten aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig wachsen machtpolitische und wirtschaftliche Begehrlichkeiten. Neue Schifffahrtsrouten, leichter zugängliche Rohstoffe und geopolitische Spannungen machen die Arktis zum Austragungsort von Konflikten. Seit Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine aber auch durch Chinas Ambitionen einer „polaren Seidenstraße“ schwindet das dringend erforderliche multilaterale Engagement für den Klimaschutz noch weiter. Zuletzt wurde insbesondere Grönland zur Projektionsfläche für imperialistische Narrative und Phantasien. Die Achtung vor dem Völkerrecht, das Vertrauen in die internationalen Institutionen und die Bereitschaft zur überstaatlichen Zusammenarbeit ist auf vielen Ebenen gesunken.
Seit über 40 Jahren fotografiert der Isländer Ragnar Axelsson Menschen, Tiere und Landschaften in den entlegensten Regionen Grönlands, Islands und Sibiriens. In dramatischen Schwarz-Weiß-Bildern fängt er die existentielle menschliche Erfahrung am Rande der bewohnbaren Welt ein. Anstatt lediglich den Klimawandel zu veranschaulichen, offenbaren seine Aufnahmen, wie Umweltveränderungen von den Menschen erlebt werden, deren Lebensgrundlage von Land, Meer und Eis abhängt.
Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung Thierschplatz 6, München Ausstellungsdauer: 24.7. – 1.11.2026










