Der 1977 in Berlin geborene Leo Seidel studierte dort am Lette-Verein bei Roger Melis Fotodesign und arbeitet seit 2002 als freischaffender Fotograf. Seine rein fotokünstlerischen Arbeiten wurden in den letzten Jahren in vielen Museen und Galerien gezeigt und stießen dort auf großes Interesse. Zudem hat er bereits mehrere Bücher mit seinen Fotografien herausgebracht.
Der im Hirmer Verlag, München, von Leo Seidel erschienene Bildband „Wunderkammer“ enthält Schwarzweiß- und Farbfotografien, die ein Augenschmaus zwischen Traum und Realität sind: Für einen Moment hält er die Zeit an und führt mit seinen Bildern in einen anderen Raum. Voller Fantasie, surrealer Erzählfreude und Mut zu Opulenz zeigt er eine Welt sinnlicher Erfahrung und
spielerischer Leichtigkeit, die selbst Vergänglichem zu eigen ist. Sein Interesse gilt vornehmlich „Stillleben“ und „Fotogrammen“ – so die Titel der beiden Kapitel. Im ersten gruppiert er ästhetisch
und humorvoll Fundstücke, die vergangene Zeiten heraufbeschwören, im anderen kreiert er Formen aus Licht. Seine Fotografien werden jeweils durch fantasievolle Titel und dem Jahr des Entstehens ergänzt.
Zwei Kunsthistoriker führen mit ihren Texten in die Arbeiten von Leo Seidel ein. Hartmut Dorgerloh bereitet den Leser in seinem Vorwort mit dem Untertitel “Der Mensch ohne Kunst ist in öder und jammervoller Armut“ (nach Wilhelm von Humboldt) mit den Worten vor: „Wer so gekonnt mit Bild- und Brennweite operiert, mit Chip und Fotopapier, kann auch die Balance zwischen Panorama und Stillleben. Mal nimmt er uns mit in die traumhaft und zeitlos schön daherkommenden Welten von Schlössern und historischen Gärten, so wie er sie im Wechsel von Jahres- und Tageszeiten oder aus ungewohnten Perspektiven wach wahrnimmt. Mal verführt er uns in die Labyrinthe und Galaxien von Träumen und Erinnerungen, flüchtigen Wahrnehmungen und unerschütterlichen Wahrheiten.“ Und Christoph Tannert stellt unter dem Titel „In sensibler Bildregie“ fest: „In seinen Fotogrammen setzt Seidel Lichtstrahlen wie Pinselstriche. Er malt mit Licht.“
Der Band „Wunderkammer“ von Leo Seidel gleicht einem Dachboden oder einem Flohmarkt, der genießerisch und neugierig durchstöbert werden kann – wobei man stets auf Unerwartetes gefasst sein muss.
H.-G. v. Zydowitz
Leo Seidel
Wunderkammer
Text: Hartmut Dorgerloh, Christoph Tannert
128 Seiten mit 100 Abbildungen
Format: 23 x 25 cm, Hardcover
München, Hirmer Verlag
ISBN: 978-3-7774-4472-7;
Preis 29,90 Euro










