Tony Ray-Jones (Vereinigtes Königreich 1941-1972) ist einer jener Künstler, die viel zu früh von uns gegangen sind. Obwohl er nur 31 Jahre alt wurde, ist sein Name heute untrennbar mit der englischen Fotografie verbunden. Nach seiner Ausbildung am London College of Printing und anschließend im amerikanischen Yale entdeckte er die faszinierende Vitalität der US-Fotoszene, die von den Granden der Street Photography wie Garry Winogrand, Lee Friedlander oder Joel Meyerowitz geprägt wurde. Gezeigt werden aktuell seine Bilder auf dem Festival La Gacilly-Baden Photo, das man noch bis zum 11. Oktober besuchen kann.
Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien bereiste er die Seebäder Blackpool, Margate und Brighton und achtete dabei besonders auf die Details, die das englische Leben jener Zeit prägten: elegante Outfits, vom Regen vereitelte Picknicks und andere gesellschaftliche Rituale. Sein Stil, der sich durch Empathie gepaart mit Ironie und Spontanität auszeichnet, eröffnete der Fotografie neue Wege. Seine Bilder boten eine neue Perspektive auf die Gewohnheiten und Verhaltensweisen seiner Landsleute.
Neugierig auf alles und begierig darauf, ausgetretene Pfade zu verlassen, wurde dieses Ausnahmetalent von einer unstillbaren, aber methodischen Leidenschaft für die Fotografie angetrieben, die jede seiner schelmischen Aufnahmen mit einer makellosen künstlerischen Komposition untermalte. Ein junger Fotograf entdeckte damals seine Arbeit. Für ihn eine Offenbarung! Sein Name? Martin Parr. Ohne Tony Ray-Jones hätte Martin Parr wahrscheinlich nie seine Berufung gefunden.
Tony Ray-Jones starb 1972 im Alter von nur 31 Jahren an Leukämie. Er hinterließ ein tiefgründiges Werk, das nach wie vor zu wenig Beachtung findet. Der Wert von Ray-Jones’ Fotografie wurde erst nach seinem Tod wirklich erkannt. Seine Kontaktabzüge spiegeln seinen Wunsch wider, die „englische Seele“ in ihrer trivialsten und universellsten Form einzufangen. Heute wächst der Einfluss von Tony Ray-Jones, wie bei vielen großen Künstlern nach ihrem Tod, weiter. Er inspiriert nach wie vor viele Fotograf:innen, die sich bewusst oder unbewusst mit seiner Leidenschaft für das Beobachten und Einfangen der kleinen Eigenheiten des Lebens identifizieren.










