Nach dem erholsamen Würstl-Picknick bei Rudi auf der Wiese am Ufer des Doblhoffteichs geht es weiter mit dem Thema“ Wasser ist Leben“. Gestärkt von Würstln und kalten Getränken erklärt die Freitaucherin Christin Gerstdöfer dem Atem anhaltenden Publikum ihre abenteuerlichen Erlebnisse Unterwasser. Apropos Wasser: an jenem heißen Vor- und Nachmittag war das Wasser, das die Gastgeber vor- und fürsorglich für die Spaziergänger auf dem Kunstparcours bereithielten, überlebenswichtig. Die prickelnde Erfrischung der Marke Vöslauer beinhaltete eine Zusatzüberraschung: auf ihr warb der Festival-Sponsor Leica für seine Leica „Sofort“, die Sofortbildkamera des Unternehmens.

Prickelnde Erfrischung: Vöslauer Mineralwasser mit Leica Sofort Werbung.
© Heiner Henninges
Christin Gerstorfer – Dieser eine Atemzug
Nach ihrer Vorstellung durch Festivaldirektor Lois Lammerhuber begann die Aboe- oder Freitaucherin Christin Gerstorfer die Präsentation ihrer Ausstellung „Dieser eine Atemzug“ mit einer einfachen Atemübung. Sie lässt das Publikum einatmen, die Luft anhalten und wieder ausatmen. Bei jedem Atemzug verlängert sie den Zeitraum des Atemanhaltens., um dem Publikum zu verdeutlichen, wie Menschen auf längeres Luftanhalten reagieren. Dann erzählt sie von ihrem abenteuerlichen Leben und den Taucherlebnissen, unter denen ihre fantastischen Unterwasseraufnahem entstanden sind, die zu ihrer Serie „Wings in the Deep“ gehören. Ihre Ausführungen lassen das Publikum nicht nur den Atem anhalten, sondern geben auch Einblicke in eine Welt, die den meisten Menschen verborgen bleibt. Sie beschreiben Freitauchen als fotografisches Erlebnis. Sie verbinden den Sport des Apnoetauchens mit inszenierter Unterwasserfotografie.

Atemübung mit Chrstin Gerstorfer
© Heiner Henninges
Apnoetauchen gilt als die ursprünglichste Form des Tauchens. Vor dem Abtauchen wird nur ein einziger Atemzug genommen. Der Begriff Apnoe stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Nicht-Atmung“. Tiefen von mehreren Dutzend Metern erfordern neben körperlicher Vorbereitung vor allem präzise Kontrolle von Atmung und Konzentration.
Christin Gerstorfer gehört zu den bekanntesten Freitaucherinnen Österreichs. Mit 27 Jahren hält sie 14 österreichische Rekorde in den verschiedenen Disziplinen des Freitauchens. Tauchgänge bis 75 Meter Tiefe zählen zu ihren sportlichen Leistungen.
Die Ausstellung stellt jedoch nicht Rekorde in den Mittelpunkt. Die Fotografien zeigen das Zusammenspiel von Mensch, Wasser und Licht. Entstanden sind Aufnahmen, die unter anspruchsvollen Bedingungen in großer Tiefe realisiert wurden. Das Projekt „Wings in the Deep“ wurde beispielsweise in mehr als 45 Metern Tiefe fotografiert.

Dieser eine Atemzug
© Costas Constantinou/La Gacilly-BadenPhoto
Neben ihrer sportlichen Laufbahn arbeitet Christin Gerstorfer als Freitauchlehrerin, Sicherheitstaucherin, internationale Wettkampfrichterin sowie als Unterwassermodel. Darüber hinaus vermittelt sie ihre Erfahrungen in Kursen, Vorträgen sowie Coaching- und Teamentwicklungsprogrammen. Nach gesundheitlichen Rückschlägen kehrte sie in den Spitzensport zurück und verbindet heute Wettkampferfahrung mit der fotografischen Darstellung des Freitauchens.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Unterwasserfotografie nicht nur technische Präzision verlangt. Lichtverhältnisse, Bewegungsabläufe, Sicherheit und die begrenzte Zeit unter Wasser bestimmen jede Aufnahme. Dadurch entstehen Bilder, deren Entstehung ebenso außergewöhnlich ist wie ihr Motiv.
„Wings in the Deep“ erweitert das Festival La Gacilly-Baden Photo um eine Perspektive, die Sport, Natur und Fotografie miteinander verbindet. Die Ausstellung dokumentiert nicht allein Leistungen im Freitauchen, sondern zeigt die besonderen fotografischen Bedingungen unter Wasser. Gerade diese Verbindung aus dokumentarischer und inszenierter Fotografie verleiht der Serie ihren besonderen Charakter.

Dem Himmel so fern“
© Laurent Balesta/La Gacilly-Baden Photo
Laurent Ballesta: „Dem Himmel so fern“
Ebenfalls In wundersame Unterwasserwelten entführen auch die Aufnahmen des französischen Fotografen Laurant Ballesta, der in diesem Jahr auch auf dem Festival der Dokumentarfotografie Visa Pour l’image, in Perpignan ausgestellt wird. Unter dem Titel „Dem Himmel so fern“ verbindet der Fotograf und Meeresbiologe in seinen nur mit großem technischem Aufwand erreichbaren Aufnahmen Wissenschaft und künstlerisch anspruchsvolle Fotografie. Es sind oftmals Bilder, die selbst für die Meeresforschung noch viele offene Fragen bereithalten.

Aus der Ausstellung „Dem Himmel so fern“ von Laurent Ballesta beim Festival La Gacilly-Baden Photo.
© Laurent Ballest/La Gacilly-Baden Photo
Laurent Ballesta arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten als Biologe, Berufstaucher und Fotograf. Seine Expeditionen führen ihn regelmäßig in die sogenannte Twilight Zone des Ozeans. In dieser Tiefe reicht das Tageslicht nur noch schwach bis zum Meeresboden. Die dort lebenden Organismen sind bislang nur in Teilen erforscht.
Die Aufnahmen entstehen unter Bedingungen, die weit über gewöhnliche Taucheinsätze hinausgehen. Im Jahr 2019 verbrachte Ballesta gemeinsam mit drei weiteren Tauchern 28 Tage in einer Druckkammer von der Größe eines Eisenbahnabteils. Während dieser Expedition absolvierten sie 31 Tauchgänge bis in 142 Meter Tiefe. Geatmet wurde ein Heliox-Gemisch aus Helium und rund vier Prozent Sauerstoff. Die Arbeitsbedingungen glichen eher einer Raumfahrtmission als einem klassischen Tauchgang.

Dem Himmel so fern: Seacam Ambassador Laurent Ballesta.
© Laurant Ballesta/Seacam
Laurent Ballestas Fotografien zeigen die Artenvielfalt und Landschaften der Tiefsee nicht als abstrakte Forschungsobjekte, sondern als Teil eines komplexen Ökosystems.
„Artenvielfalt wird oft in Prozentsätzen ausgedrückt, die sich auf das Aussterben von Arten beziehen. Aber darum geht es nicht: Sie ist in erster Linie eine greifbare Realität aus Fleisch und Schuppen, Tentakeln und Fühlern, deren Ausmaß wir nicht einmal ermessen können. Je tiefer ich tauche, desto mehr erkenne ich das Ausmaß meiner Unwissenheit über diese Tiefen“, beschreibt Laurent Ballesta seine Sicht auf die Unterwasserwelt.
Gerade dieser Gedanke prägt die Ausstellung. Sie erzählt nicht von der Beherrschung einer extremen Umgebung, sondern von den Grenzen menschlicher Erkenntnis. Die Fotografien machen sichtbar, wie wenig über große Teile der Ozeane bekannt ist und welche Bedeutung diese Lebensräume für das ökologische Gleichgewicht der Erde besitzen.

Über seine Arbeit hat Laurent Ballesta den aufwändigen Bildband „Loin du ciel herausgegeben.
© Lurent Ballesta/Andromede
„Dem Himmel so fern“ zeigt Fotografie als Werkzeug wissenschaftlicher Beobachtung und zugleich als kulturelles Medium. Laurent Ballesta verbindet Forschung, Technik und Bildgestaltung zu einer Bildsprache, die Erkenntnis vermittelt, ohne den dokumentarischen Charakter aufzugeben. Die großformatigen Installationen seiner Fotografien im Badener Doblhoffpark zeigen, wie sich der für unsere Gesellschaft so wichtige Dialog zwischen Naturwissenschaft und einem nicht nur an Fotokunst interessierten Publikum anstoßen lässt. Laurant Ballesta ist der meist publizierte Unterwasserfotograf unserer Zeit. Unter dem Titel „Loin de Ciel“ hat der Markenbotschafter des österreichischen Herstellers professioneller Unterwassergehäuse für Foto und Video Seacam seine Erlebnisse als einzigartiges Buch veröffentlicht, das von seiner Firma Andromede in Frankreich herausgegeben wird.

Lois Lammerhuber folgt interessiert den Ausführungen von Harald Hordosch, Inhaber und Geschäftsführer von Seacam, über die Beutung von Präzision und Zuverlässigkeit von Unterwasserequipment.
© Heiner Henninges
Wer mehr über die Arbeiten des Wissenschaftlers, wissen möchte oder ihn gar persönlich kennen lernen will, kann dies im Rahmen des gemeinsam mit dem Festival La Gacilly-Baden Photo und der Leica Galerie Wien am 1. Oktober 2026 um 18 Uhr 30 angekündigten Artist Talk. Der Eintritt ist frei.
Robert Doisneau: „Doisneaus Küstenwelten“ zeigt den Fotografen jenseits von Paris
Robert Doisneau wurde bekannt als Chronist des Pariser Alltags. Die Ausstellung „Doisneaus Küstenwelten“ beim Festival La Gacilly-Baden Photo zeigt den Fotografen jenseits von Paris und lenkt den Blick auf einen weniger bekannten Teil seines Schaffens. Im Mittelpunkt stehen Fotografien, die zwischen Bretagne und Côte d’Azur entstanden und den Menschen an der französischen Küste in den Mittelpunkt rücken. Im Festival Programm werden sie in den Themenbereich „Wasser ist Leben“ eingeordnet und an der Sübseite des Doblhoffpteichs installiert.

Aus Robert Doisneaus Ausstellung Küstenwelt.
© Robert Doisneau/Atelier Doisneau/La Gacilly-Baden Photo
Der Name Robert Doisneau ist eng mit der humanistischen Fotografie verbunden. Bilder wie das küssende Paar vor dem Pariser Rathaus oder seine Straßenszenen aus der französischen Hauptstadt haben sein Werk geprägt. Die Ausstellung zeigt dagegen Aufnahmen, die während Reportagen, Werbeaufträgen und privater Aufenthalte an den französischen Küsten entstanden.
Von der Bretagne über die Normandie und die Vendée bis ins Baskenland, nach Languedoc und an die Côte d’Azur beobachtete Doisneau das Leben am Meer mit derselben Aufmerksamkeit, die auch seine Arbeiten aus Paris kennzeichnet. Fischer, Hafenarbeiter, Urlauber, Kinder und Spaziergänger werden zu Hauptfiguren seiner Fotografien. Die Landschaft bildet den Rahmen, entscheidend bleibt der Mensch mit seinen Gesten und Begegnungen.
Ein Zitat des Fotografen beschreibt seine Arbeitsweise: „Ein guter Fotograf weckt die Hoffnung auf ein Wunder entgegen jeder Logik. Eine Art Glaube an den glücklichen Zufall. An jeder Kreuzung kann alles Mögliche passieren. Ich baue mir eine Kulisse, ein Rechteck, und warte darauf, dass Schauspieler kommen, um irgendetwas darin zu spielen.“

Aus der Austellung Robert Doisneau Küstenwelt auf dem Festival La Gacilly-Baden Photo.
© Robert Doisneau/Atelier Doisneau/La Gacilly Baden Photo
Zu den frühen Arbeiten zählen Aufnahmen aus den 1930er Jahren. Sie zeigen unter anderem seine Frau Pierrette als kleine Silhouette an einem Strand. Daneben entstanden soziale Reportagen über heimkehrende Sardinenfischer, Kinder beim Muschelsammeln oder Besucher auf Promenaden. Die Bilder dokumentieren den Alltag einer Küstenlandschaft, deren Lebenswelt heute vielfach verschwunden ist.
Dass dieser Werkkomplex heute wieder stärker wahrgenommen wird, ist auch den Töchtern des Fotografen, Annette Doisneau und Francine Deroudille, zu verdanken. Sie haben diesen Teil des fotografischen Nachlasses erneut in den Fokus gerückt.
Die Ausstellung erweitert damit den Blick auf Robert Doisneau. Sie zeigt ihn nicht nur als Fotografen der Pariser Straßen, sondern als Beobachter des französischen Alltags in unterschiedlichen Regionen. Seine Bildsprache bleibt dabei unverändert. Nicht spektakuläre Ereignisse stehen im Mittelpunkt, sondern alltägliche Situationen, die durch präzise Beobachtung ihre Wirkung entfalten. Kaum vorstellbar, das Doisneau fünf Jahre lang von 1934 bis 1939 als Werksfotograf des Automobilherstellers Renault tätig war. Den sicheren Job verlor er wegen ständiger Verspätungen am Arbeitsplatz.
„Doisneaus Küstenwelten“ ergänzt das bekannte Bild des französischen Fotografen um einen bislang weniger beachteten Werkkomplex. Die Ausstellung macht deutlich, dass Doisneaus Bedeutung nicht allein auf seinen Pariser Motiven beruht. Seine Küstenfotografien verbinden dokumentarische Genauigkeit mit der humanistischen Sicht auf den Menschen und eröffnen einen differenzierten Blick auf sein Gesamtwerk.

Corey Arnold Tiere in der Stadt
© Corey Arnold/La Gacilly Baden Photo
Corey Arnold – Tiere in der Stadt
Im Doblhoffpark beim Seerosenteich zeigt das Festival die ungewöhnlichen Fotografien des US-Amerikaners Corey Arnold. Die Bilder „Tiere in der Stadt“ beschäftigen sich mit dem Zusammenleben von Mensch und Wildtier im urbanen Raum.
Wildtiere dringen zunehmend in auch in dicht besiedelte Stadtregionen vor. Die Fotografien „Tiere in der Stadt“ von Corey Arnold beim Festival La Gacilly-Baden Photo dokumentieren diese Entwicklung mit verblüffenden Bildern, die Begegnungen zwischen Mensch und Tier als Teil eines veränderten Lebensraums zeigen.
Corey Arnold ist zunächst durch seine Fotografien aus der Fischerei bekannt geworden. Der US-Amerikaner arbeitete selbst über viele Jahre als Fischer im Beringmeer und in der Bristol Bay in Alaska. Seine Erfahrungen an Bord von Fischereischiffen prägten den Bildband Fish-Work: The Bering Sea, der den Arbeitsalltag in einer der wichtigsten Fangregionen der Welt dokumentiert.

Corey Arnold Tiere in der Stadt
© Corey Arnold/ La Gacilly Baden Photo
Die aktuelle Ausstellung richtet den Blick jedoch auf das Festland. Arnold fotografiert Wildtiere, die sich in Städten und Wohngebieten bewegen. Füchse, Wölfe und Bären erscheinen in Vorgärten, auf Straßen oder an Häusern. Seine Aufnahmen zeigen keine inszenierten Szenen, sondern dokumentieren Situationen, die durch die zunehmende Überschneidung von menschlichen Siedlungsräumen und natürlichen Lebensräumen entstehen.
Ein Beispiel beschreibt Corey Arnold selbst: „Diese Frau kaufte ein Haus in Asheville, North Carolina, und jeden Tag erschien eine Bärenmutter namens Sarah auf ihrer Veranda und sah sie durch das Fenster an. Im Laufe der Jahre entwickelte sie eine unzerstörbare Bindung zu dem Tier. Kurz nach meiner Ankunft öffnete Sarah die Schiebetür und betrat das Haus. Was für ein glücklicher Zufall!“
Die Fotografien greifen ein Thema auf, das weltweit an Bedeutung gewinnt. Mit der Ausdehnung von Städten und dem Rückgang natürlicher Lebensräume verkleinern sich die Abstände zwischen Mensch und Wildtier. Begegnungen werden häufiger. Sie führen nicht nur zu Konflikten, sondern vielfach auch zu einem Nebeneinander, das von Anpassung auf beiden Seiten geprägt ist.

Corey Arnold – Tiere in der Stadt.
© Corey Arnold/ LaGacilly-Baden Photo
Corey Arnold verzichtet dabei auf eine dramatische Inszenierung. Seine Bilder zeigen Tiere bei der Nahrungssuche, auf der Durchquerung von Wohngebieten oder in Momenten, in denen ihre Anwesenheit zunächst überraschend wirkt. Dadurch verschiebt sich der Blickwinkel. Nicht die Tiere erscheinen als Eindringlinge, sondern der Mensch wird Teil eines gemeinsamen Lebensraums.
Die Ausstellung knüpft damit an Corey Arnolds frühere Arbeiten über die Fischerei an. Während dort der Einfluss des Menschen auf die Meere im Mittelpunkt stand, richtet sich der Fokus nun auf die Folgen der Ausbreitung menschlicher Siedlungen. Beide Werkgruppen verbindet die Frage nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur.
„Tiere in der Stadt“ verbindet dokumentarische Tierfotografie mit einer gesellschaftlichen Fragestellung. Corey Arnold zeigt Wildtiere nicht als Attraktion, sondern als Bewohner einer Landschaft, die zunehmend mit dem Menschen geteilt werden muss. Die Ausstellung regt dazu an, die Grenze zwischen Natur und urbanem Raum neu zu betrachten und macht deutlich, wie anpassungsfähig viele Tierarten auf veränderte Lebensbedingungen reagieren.

Axelle de Russé erläutert ihre Arbeitsweise für die Bilder der Ausstellung „Polare Anziehung“
© Heiner Henninges
Axelle Russe – Polare Anziehung
Die Ausstellung „Polare Anziehung“ von Axelle de Russé beim Festival La Gacilly-Baden Photo befindet sich entlang der historischen Parkmauer des Doblhoffparks und führt an zwei entgegengesetzte Enden der Erde. Die Fotografin stellt Longyearbyen auf Spitzbergen und Puerto Williams in Chile gegenüber und dokumentiert, wie der Klimawandel den Alltag der Menschen in beiden Regionen verändert.
Axelle de Russé beschäftigt sich seit Jahren mit den Auswirkungen des Klimawandels in den Polarregionen. Ausgangspunkt der Arbeit ist Longyearbyen auf der norwegischen Inselgruppe Svalbard. Die nördlichste Stadt der Welt liegt mehr als 1.000 Kilometer vom Nordpol entfernt. Wissenschaftler, Bergleute und andere Bewohner erleben dort Veränderungen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich beschleunigt haben. Seit 1960 stiegen die Wintertemperaturen um rund acht Grad Celsius, im Sommer um etwa sechs Grad.

Aus der Ausstellung Polare Anziehung von Axelle Russé.
© Axelle Russè
Den Gegenpol bildet Puerto Williams in der chilenischen Subantarktis. Die kleine Stadt am Beagle-Kanal gilt als südlichste Siedlung der Erde. Rund 2.000 Menschen leben dort. Fischer, Angehörige der chilenischen Marine und Nachfahren des indigenen Volkes der Yagán prägen das Leben an diesem abgelegenen Ort. Auch hier verändern steigende Temperaturen die Umwelt. Schnee fällt seltener, Gletscher ziehen sich zurück und Seespinnen wandern in kühlere Gewässer ab.
„Nachdem ich die Auswirkungen der Erderwärmung im polaren Norden entdeckt hatte, wollte ich ans südliche Ende der Welt reisen. Zwei Zivilisationen und doch so viele Gemeinsamkeiten. Die beiden Pole sind die Zeugen einer geschundenen Natur und eines aus dem Takt geratenen Klimas“, beschreibt Axelle de Russé den Ausgangspunkt ihres Projekts.

© Axelle Russé/La Gacilly-Baden Photo
Die Ausstellung verbindet dokumentarische Fotografie mit experimenteller Bildgestaltung. Axelle De Russé arbeitet mit einem Infrarotverfahren, das die Farbwirkung der Aufnahmen verändert. Bereiche mit höherer Wärmestrahlung erscheinen in Magentatönen. Die Bilder machen damit Temperaturunterschiede sichtbar, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben.
Die fotografische Gestaltung dient dabei nicht allein der ästhetischen Wirkung. Sie ergänzt die dokumentarischen Aufnahmen um eine weitere Informationsebene. Die Folgen des Klimawandels werden nicht nur durch Landschaften und Lebensräume vermittelt, sondern auch durch die Farbgebung der Fotografien.

© Axellede Russé/La Gacilly-Baden Photo
„Polare Anziehung“ verbindet Reportagefotografie mit einer bildgebenden Technik, die wissenschaftliche Zusammenhänge sichtbar macht. Die Gegenüberstellung von Arktis und Subantarktis zeigt, dass sich die Folgen des Klimawandels unabhängig von geografischen Grenzen ähneln. Gerade die Kombination aus dokumentarischer Aussage und Infrarotfotografie verleiht der Ausstellung eine eigenständige fotografische Perspektive.
Frederic Noy – die verlorene Welt der Udzungwa
Ebenfalls entlang der historische Parkmauer des Doblhoffparks in einer schattigen Allee wurden die berührenden Fotografien von Fréderic Noy installiert. Unter dem Titel „Die verlorene Welt von Udzungwa“ dokumentieren die Fotografien das bedrohte Ökosystem des Udzungwa Nationalparks, der zu den artenreichsten Schutzgebieten Afrikas gehört. Dennoch bleibt er im Schatten bekannter Nationalparks wie Serengeti oder Kilimandscharo. Die Ausstellung „Die verlorene Welt von Udzungwa“ lenkt den Blick auf diese wenig bekannte Region Tansanias und die Herausforderungen ihres Schutzes.

Fédéric Noy erläuteret seine an der historischen Parkmaueer des im Doblhoffpark installierte Fotografieder Udzungwa.
© Heiner Henninges
Frédéric Noy arbeitete mehrere Monate im Auftrag der Fondation Yves Rocher in den Udzungwa-Bergen im Zentrum Tansanias. Der Fotojournalist beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Umwelt- und geopolitischen Themen. Seine Fotografien dokumentieren einen Naturraum, dessen Bedeutung für den Artenschutz weit über die Landesgrenzen hinausreicht.
Der Nationalpark umfasst rund 2.000 Quadratkilometer tropischen Bergwald. Anfang der 2000er Jahre wurde hier mit dem Kipunji (Rungwecebus kipunji) eine bis dahin unbekannte Affenart entdeckt. Wissenschaftler zählen Udzungwa zu den wichtigsten Biodiversitätszentren Afrikas. Zugleich gehört der Park mit jährlich nur rund 8.000 Besuchern zu den am wenigsten besuchten Schutzgebieten des Landes.
„In unserer modernen Welt ist es ein Wunder, sich in eine unbekannte Tierwelt zu wagen. Und wenn man dann tief genug eindringt, taucht Udzungwa auf wie ein Königreich der Stille, der Einsamkeit, der Herausforderungen und des kindlichen Staunens“, beschreibt Frédéric Noy seine Eindrücke.

© Frédéric Noy
Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf die Darstellung der Landschaft. Sie dokumentiert auch die Ursachen, die den Lebensraum gefährden. Monokulturen für Zuckerrohr und Reis breiten sich aus. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung in der Region. Vor vier Jahrzehnten lebten in Tansania rund 22 Millionen Menschen, heute sind es fast 70 Millionen. Die steigende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Flächen und Baumaterial erhöht den Druck auf den Nationalpark.
Rund 400.000 Menschen leben inzwischen in unmittelbarer Nähe des Schutzgebiets. Die Fotografien zeigen damit auch den Konflikt zwischen Naturschutz und den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Bevölkerung. Noy vermeidet einfache Antworten und macht deutlich, dass beide Seiten Teil derselben Entwicklung sind.

© Frédéric Noy
Die Ausstellung verweist zugleich auf Projekte, die neue Wege im Naturschutz erproben. Organisationen wie Mazingira fördern Umweltbildung an Schulen, unterstützen agroforstwirtschaftliche Anbaumethoden und schaffen Grünkorridore, damit Wildtiere ihre Lebensräume gefahrloser nutzen können. Gleichzeitig soll ein behutsam entwickelter Naturtourismus wirtschaftliche Perspektiven schaffen und den Schutz des Parks langfristig sichern.
„Die verlorene Welt von Udzungwa“ verbindet Naturfotografie mit dokumentarischem Fotojournalismus. Frédéric Noy zeigt nicht nur die biologische Vielfalt eines kaum bekannten Nationalparks, sondern ordnet sie in ökologische und gesellschaftliche Zusammenhänge ein. Die Ausstellung macht deutlich, dass wirksamer Naturschutz nur im Zusammenspiel mit den Lebensbedingungen der Menschen vor Ort gelingen kann.


Der 2. und letzte Teil der dritten Etappe startet erneut mit einem Highlight des Festivals – es ist eine Hommage an die im vergangenen Jahr verstorbenen Jane Goodall die mehrfach zu Gast in Baden war und die der österreichische Fotograf Richard Ladkani zuletzt fotografierte. Unter dem Titel „Just Me, Jane“, erzählt er über die letzten Begegnungen mit dieser außergewöhnlichen Tierschützerin. Seien Sie gespannt!
Heiner Henninges, DGPh







