Er hat die Fotokultur geprägt: Franz Christian Gundlach (1926 – 2021) war weit mehr als ein Modefotograf – er war als Visionär einer der einflussreichsten Fotografen der Nachkriegszeit, der zudem als Unternehmer, Kulturschaffender, Sammler und Stifter das visuelle Gedächtnis unserer Zeit entscheidend mitgestaltet hat. F.C. Gundlach – er kam am 16. Juli 1926 im hessischen Heinebach zur Welt – prägte die visuelle Kultur seiner Zeit, wurde aber umgekehrt auch von dieser beeinflusst.

F.C. Gundlach: Fashion Studio, Wilhelmina Cooper, Hamburg 1965,
© F.C. Gundlach, Courtesy Stiftung F.C. Gundlach
Anfang der 1950er Jahre zog Gundlach zunächst nach Paris, damals kulturelle Hauptstadt der Welt. Dort lernte er Filmpromis, wie Yves Montand und Simone Signoret kennen: „Ich wurde immer für eine Woche engagiert, die Stars zu fotografieren, denn die mussten ja in die Zeitschriften“, sagte Gundlach einmal.

F.C. Gundlach, Candy Tannev und Elfi Wildfeuer, Chefredakteur
Curt Waldenburger (Film und Frau) und sein Fahrer assistieren,
Hamburg 1954, © F.C. Gundlach, Courtesy Stiftung F.C. Gundlach
Ab 1956 lebte er als Modefotograf in Hamburg, gründete dort zudem als Unternehmer 1967 im Hochbunker mit „Photo Professional Service“ (PPS) ein Dienstleistungsunternehmen für die Fotografie sowie im Jahr 2000 zur Förderung von Kunst, Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Fotografie die Stiftung F.C. Gundlach und 2003 in den Deichtorhallen das „Haus der Photographie“ mit seiner umfangreichen Fotosammlung als Grundstock.

F.C. Gundlach, Berliner Mode in New York, Fashion Show auf
der 5th Avenue, New York 1958, © F.C. Gundlach, Courtesy
Stiftung F.C. Gundlach
Der im Hirmer Verlag, München, anlässlich des 100. Geburtstags von F.C. Gundlach erschienene Bildband „You’ll Never Watch Alone“ mit der von ihm 1970 fotografierten Uschi Obermaier auf dem Titel würdigt nach einer Einführung sowie je zwei Kapiteln durch Sebastian Lux, Franziska Mecklenburg und Sophie-Charlotte Opitz dessen Leidenschaft für das Medium Fotografie und damit die gesamte Bandbreite seines Wirkens. Gleichzeitig spannen sie den Bogen von Gundlachs Modeaufnahmen zu den Werken bedeutender Fotografinnen und Fotografen, wie William Klein, Otto Steinert, Andre Kertész, Nan Goldin, David Hockney, Irving Penn, Cindy Sherman, Regina Relang und anderen aus seiner fotografischen Sammlung.
Zahlreiche, teils bisher unveröffentlichte Fotografien und Archivmaterialien eröffnen zudem neue Perspektiven auf F.C Gundlachs Leben und Werk. Die sechs abwechslungsreichen Texte würdigen mit einer Fülle von Aufnahmen von Gundlach, aber auch seinen großen Vorbildern und berühmten Weggefährtinnen und -gefährten, dass er als Fotograf, aber auch als Unternehmer und Kulturschaffender Fotografie und gesellschaftliche Entwicklung eng miteinander verband. Ergänzt wird der Band durch sogenannte „Echos“ – kurze Interventionen von Fachleuten aus der Perspektive von Wissenschaft, Kunstmarkt und Literatur.
Der Bildband zeigt, dass F.C. Gundlach durch sein facettenreiches Wirken als Fotograf, Galerist, Sammler, Unternehmer und Netzwerker die visuelle Kultur seiner Zeit prägte und bietet mit zahlreichen ikonischen Aufnahmen von ihm und seinen Weggefährten gleichzeitig einen umfassenden Einblick in die Vielseitigkeit der Fotografie schlechthin.
H.-G. v. Zydowitz
F.C. Gundlach
You’ll Never Watch Alone
288 Seiten
Format: 23×28,5 cm
München, Hirmer Verlag
ISBN: 978-3-7774-4718-8;
Preis: 50 Euro
Ausstellung im Bucerius Kunstforum, Hamburg, noch bis 16. August 2026
sowie im Herbst 2027 in der Staatsgalerie Stuttgart








