Modeschmuck ist nicht nur begehrtes Sammlerobjekt, es ist auch Sinnbild eines gewissen Luxus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde New York zum Zentrum des Modeschmuckdesigns, da Handwerker aus dem vom Krieg zerstörten Europa nach Amerika flohen und dort ihren Wirkungskreis wieder aufbauten. Ihrem Fachwissen war es zu verdanken, dass die Stadt an die Spitze der Modewelt katapultiert und gleichzeitig eine Ära kühner, wunderschöner und erschwinglicher Modeschmuckstücke eingeläutet wurde – zumal die Frauen bereit waren für eine neue, eine andere Art, sich zu kleiden.
Der im Taschen Verlag, Köln, erschienene große Bildband „Costume Jewelry“ präsentiert die glanzvolle Geschichte des Modeschmucks anhand der außergewöhnlichen, 1992 von Patrizia Sandretto Re Rebaudengo begonnenen Sammlung in eindrucksvoll inszenierten Fotografien. In Interviews mit Carol Woolton, Mitarbeiterin der ‚British Vogue‘, und der Modekritikerin und Kuratorin Maria Luisa Frisa legt das Mitglied verschiedener internationaler Kunstvereinigungen, wie dem MOMA in New York, der Tate Gallery in London oder dem Museum of Modern Art in Philadelphia, ihre persönliche Sicht als Sammlerin von Schmuckstücken in oft unkonventionellen Designs dar und präsentiert fast 600 der schönsten Stücke aus den 1930er Jahren bis zum neuen Jahrtausend.
Erzählt wird zudem die Geschichte der Demokratisierung von Schmuck, die damit einherging, dass immer mehr Frauen auffällige Accessoires für sich entdeckten und somit eine neue modische Freiheit erlangten. Über ihre Schönheit hinaus, die in den detaillierten Aufnahmen des Fotografen Luciano Romano zum Tragen kommt, verkörperten diese Schmuckstücke Rebellion und Wandel: Sie schmückten die größten Ikonen Hollywoods und wurden zu Symbolen für Identität und Kreativität.
Der große Bildband zeigt in insgesamt 26 Kapiteln von „Die fantastischen Vierziger“ über „Im Glanz von Gold“ bis zur Vorstellung des aus dem Iran stammenden Künstlers „Iradj Moini“, wie visionäre Designer und kulturelle Bewegungen den Modeschmuck in jeder Epoche gewissermaßen als Spiegel der künstlerischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen ihrer Zeit geprägt haben.
Innovative Materialien, wie Lucite und Bakelit, sowie die Verwendung leuchtender, tropischer Farben inspirierten neue Gestaltungswellen. Durch die bemerkenswerte Kunstfertigkeit der Designer, die komplexe Details und auffällige Motive in ihre oft avantgardistischen Entwürfe einfließen ließen, verwischte die Grenze zwischen edlem, „echten“ Schmuck und Modeschmuck: Accessoires wurden zu tragbarer Kunst.
Der Bildband ist mit seinen außergewöhnlichen Fotografien und fachkundigen Texten eine wunderbar gelungene Hommage an die Schönheit und Kunstfertigkeit von Modeschmuck und gleichzeitig eine unerlässliche Inspirationsquelle für Sammler, Designer und Schmuckliebhaber.
H. G. von Zydowitz
Taschen Verlag
Costume Jewelry
Fotografie: Luciano Romano
Text: Carol Woolton, Maria Luisa Frisa
528 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Format: 34.5 x 28 cm
Sprache: Englisch, Deutsch, Französisch
Köln, Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-8826-3;
Preis 100 Euro









