Mahdi Vaghari wurde beim Global Peace Photo Award 2025 für das „Friedensbild des Jahres 2025“ ausgezeichnet. Zum dreizehnten Mal wurden die Gewinner:innen des internationalen Fotowettbewerbs Global Peace Photo Award mit der Alfred-Fried-Friedensmedaille geehrt. Die Jury des Global Peace Photo Awards wählte aus 24.189 Einreichungen aus 132 Ländern die Arbeit „No one can take my Soul“ des iranischen Fotokünstlers Mahdi Vaghari zum Friedensbild des Jahres 2025. Keine Verschleierung, kein Verbergen. Keine Bescheidenheit, keine Traurigkeit. Eher Stolz auf das, was nicht gezeigt werden soll von einer Frau, auf dass sie die Männer nicht reizt. Ein Windstoß hat die prächtigen Haare dieser jungen Iranerin zu einem wilden Kranz aufgewirbelt. Sie geht gerade auf einer Straße im Iran an einem Plakat vorbei, auf dem ein Vogelschwarm eine Küstenlandschaft überfliegt. Freiheit auf zwei Ebenen.
Lois Lammerhuber, der gemeinsam mit seiner Frau Silvia Lammerhuber den Global Peace Photo Award initiiert hat und seit Anbeginn organisiert, erinnerte daran, dass „Frieden nicht die Abwesenheit von Krieg ist, sondern etwas, das ich als „Gelungenes Leben“ bezeichnen möchte. Mit all ihrer kreativen und künstlerischen Leidenschaft formulieren die Fotograf:innen eine Ode an den Respekt vor der Zerbrechlichkeit unserer Welt.
„Authentische Emotionen“ wolle er einfangen, sagt Mahdi. Und zwar in der Hoffnung, Aufmerksamkeit zu schaffen für alles, was die Welt schöner machen könne. Und friedlicher. „Niemand“, unterschrieb er sein Bild, so als spreche die Frau selber, „kann meine Seele besitzen“. So fasste Jurymitglied Peter-Matthias Gaede in seiner Laudatio die Preiswürdigkeit der Arbeit von Mahdi Vaghari zusammen. Mahdi Vaghari wurde darüber hinaus in der Kategorie „Bestes Einzelbild“ ausgezeichnet. Das Preisgeld von 1.000 Euro wurde von der Photographischen Gesellschaft (PHG), der zweitältesten fotografischen Gesellschaft der Welt, zur Verfügung gestellt.
Die Preisträger:innen des Global Peace Photo Awards 2025
Kinderkategorie:
Noa Hagemann aus Deutschland für „Meine Schwester“
Kategorie Einzelbilder:
Mahdi Vaghari aus dem Iran für „No one can take my Soul”
Kategorie Bildserien:
Fereshteh Eslahi aus dem Iran für „But we were so strong“
Diego Ibarra Sánchez aus Spanien für „LBN: On the roaring of the bus“
Ami Vitale aus den USA für „Kenya’s Black Rhino Revival“
Bei der Prerisverleihung betonte Omar Al-Rawi, der in Vertretung des Bürgermeisters der Stadt Wien Michael Ludwig gekommen war, wie wichtig es ist, in diesen Zeiten dem Frieden ein Forum zu bieten. Nur im Dialog werde es gelingen, die gegenwärtigen Kriege zu überwinden. Den Rahmen dafür können nur liberale Demokratien bilden, die die unterschiedlichen Standpunkte ohne auszugrenzen mit Klarheit zu beantworten wissen. Mit dem Global Peace Photo Award werden Fotograf:innen ausgezeichnet, die mit der Linse „den Finger in die Wunde gelegt haben“.
The Children’s Peace Image of the Year 2025
Das mit 1.000 Euro dotierte beste Friedensbild in der Kinder- und Jugendkategorie, „The Children’s Peace Image of the Year 2025“, gewann der 8-jährige Noa Hagemann aus Deutschland mit seinem Bild „Meine Schwester“. Es war in einem Zoo, und Lani, Noas fünfjährige Schwester, stand wie eine kleine Märchengestalt zwischen den Bäumen, sanft von Nebelschwaden umhüllt. Der gerade acht Jahre alt gewordene Noa fotografierte sie spontan. Was erwähnenswert ist, denn nicht selten positioniert und dirigiert der Junge seine Schwester auch für ein Bild. Was Frieden für Noa ist? „Dass alle glücklich sind“, sagt er, „dass keiner Streit hat und kein Krieg auf der Welt ist“.
Die beiden Hauptpreise wurden von Hartwig Löger, Vorstandsvorsitzender und CEO der Vienna Insurance Group (VIG), übergeben, die seit vielen Jahren den Global Peace Photo Award als Hauptsponsor unterstützt: „Frieden hat höchsten Stellenwert. Als Menschen ebenso wie als Unternehmen sind wir auf ein stabiles und friedliches Umfeld angewiesen, um uns zu entwickeln. Daher unterstützt die Vienna Insurance Group, die als internationale Versicherungsgruppe in rund 30 Ländern tätig ist, den Global Peace Photo Award von Beginn an. Das Kinder-Friedensbild fördern wir seit seiner Einführung, und seit 2022 treten wir zudem als Hauptsponsor des gesamten Awards auf.“
„Fotografen beschwören die Beziehungen zwischen den Menschen und der Natur als eine Mission für ein verantwortungsvolles Leben. Mit ihren Talenten, ihrem Blick und ihren Visionen beschreiben sie jene gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, die uns nicht mehr loslassen dürfen“, so Lois Lammerhuber, „sie fesseln den Blick mit Fotografien, die vom Auge direkt im Herzen Wurzeln schlagen, und uns ermutigen, sich gegen die Gleichgültigkeit und den herrschenden Populismus zu wehren. Ein Appell an die Welt, der fest ins Herz unseres Awards eingeschrieben ist.“
Werner Blach, Vorstandsdirektor von UNICEF Österreich, betonte in seiner Rede: „Die Konflikte rund um den Globus unterscheiden sich zwar in Ursache und Verlauf, aber sie haben eine gemeinsame, erschütternde Realität: Es sind immer die Kinder, die den höchsten Preis zahlen. Kinder, die keinerlei Schuld tragen! Sie müssen geschützt werden und brauchen dringend Frieden! Kinder haben Rechte – nicht irgendwann, nicht vielleicht – sondern immer.“
Alfred-Fried-Friedensmedaillen 2025
Die weiteren Alfred-Fried-Friedensmedaillen 2025 verbunden mit einem Preisgeld von je € 1.000 erhielten:
Ami Vitale, USA: „Kenya’s Black Rhino Revival”
Seit 17 Millionen Jahren besiedeln sie den afrikanischen Kontinent, aber Wilderei hat ihren Bestand um dramatische 96 Prozent dezimiert. Ihr Verhängnis: Einem Pulver aus den zwei großen langen Hörnern auf ihrem Schädel wird in Teilen Asiens unverändert zugetraut, eine fiebersenkende, entgiftende, gar krebsheilende Wirkung zu haben.
Für die hier ausgezeichnete Reportage hat die US-amerikanische Fotografin Ami Vitale die komplizierte Umsiedlung von 21 gefährdeten Spitzmaulnashörnern in das Loisaba-Reservat im Norden Kenias begleitet.
Ami Vitale, Jahrgang 1971, hat studiert bevor sie sich entschloss, Foto-Reporterin zu werden. Ihre Reportagen wurden unter anderem in GEO und National Geographic veröffentlicht. Vitale gewann eine Reihe der weltweit namhaftesten Preise; die Bedeutung ihrer Arbeit wird inzwischen mit jener von Frauen wie Jane Goodall oder Christiane Amanpour verglichen.
Fereshteh Eslahi, Iran: „But we were so strong“
Im Mai 2025 scheiterte noch der Versuch des Mullah-Regimes, die Kopftuchpflicht für Frauen im Land zu verschärfen. Im Oktober dann die Nachricht, dass allein in der Hauptstadt Teheran 80.000 neu rekrutierte „Sittenwächter“ die Einhaltung der islamischen Kleiderordnung konsequenter durchsetzen sollen.
Und doch: Bis zu Beginn des Angriffs Israels und USA auf den Iran ging der Aufruhr der Frauen weiter. Aber es war einer, der sich friedlich äußert. Einzig die Akzeptanz, dass Weiblichkeit nicht als Provokation zu gelten hat und in der Öffentlichkeit nicht verborgen werden muss – sondern nichts anderes ist als selbstverständliches Menschenrecht.
Mutig ist dieses Verlangen gleichwohl. Die Tänzerin auf dem Dach, ihr Sprung mit ausgebreiteten Armen, ist Ausdruck einer Hoffnung, sich von Diktaten aller Art befreien zu können. Eingefangen hat diese Szene die iranische Fotografin Fereshteh Eslahi, die den Alltag iranischer Frauen mit der Kamera studiert.
Eslahi hat ein Masterstudium an der Universität von Teheran absolviert. Seit 2014 arbeitet sie für iranische Foto-Agenturen, seit 2017 ist sie Mitglied einer iranischen Pressefotografen-Vereinigung. 2021wurde Eslahi mit einem World Press Photo Award ausgezeichnet.
Diego Ibarra Sánchez, Spanien: „LBN-On the roaring of the bus“
Als DP, Displaced Persons, wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs all jene Menschen zusammengefasst, die sich jenseits ihrer Heimat befanden; Displaced Persons gibt es seither in vielen Ländern der Welt, so gibt es sie auch im Libanon, aktuell verursacht, durch die wechselseitigen Angriffe der Hisbollah auf Israel und israelische Gegenschläge. Im Oktober 2024 waren es rund 94.000 Menschen im Südlibanon: darunter auch etwa 30.000 Kinder.
Um Mädchen und Jungen wenigstens für Momente aus dem Strudel von Angst und Schrecken zu befreien, hat der Fotograf Houssam Khatab einen bunten Bus organisiert, den „Art Peace Bus“, gefahren von syrischen Flüchtlingen, in dem die Kinder der Stadt Tyros in einen alten Theater-Palast gefahren werden, wo sie mit verschiedenen Darbietungen und Workshops unterhalten werden sollen.„Viele der Kinder haben alles verloren“, sagt der Schauspieler und Direktor des Theaters, Kassem Istambouli, „wir versuchen, den Kriegskreislauf zu unterbrechen und den Kindern Kunst anzubieten als ein Fenster zu größerer Widerstandsfähigkeit.“
Der 1982 geborene spanische Fotograf Diego Ibarra Sánchez, der im Libanon lebt und arbeitet, ist im Friedens-Bus mitgefahren, um Kinder in einem Augenblick der Ausgelassenheit zu fotografieren. Als Fotograf und Dokumentar-Filmer will Sánchez, wie er sagt, mehr erreichen, als nur Ereignisse abzulichten. Er will vor allem zum Nachdenken über den Zustand unserer Welt anregen. Diese Welt hat er unter anderem in Lateinamerika abgebildet, in afrikanischen Ländern, Afghanistan, Pakistan oder den Libanon. Seine Arbeiten sind in der New York Times erschienen, im Spiegel und der NZZ und werden in vielen Ausstellungen gezeigt.
(Auszüge aus den Laudationes von Peter-Matthias Gaede)
Keynote von Terumi Tanaka, Friedensnobelpreisträger 2024 (Auszüge)
Die Keynote des Abends hielt Terumi Tanaka, Generalsekretär von Nihon Hidankyo. Die japanische Friedensorganisation wurde mit dem Friedensnobelpreis 2024 ausgezeichnet. Nihon Hidankyo wurde von Überlebenden der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki gegründet und setzt sich für die internationale nukleare Abrüstung ein.
Wir haben Nihon Hidankyo, die Japanische Konföderation der Organisationen der A- und H-Bomben-Opfer, im August 1956 gegründet. Als Überlebende der unmenschlichen Auswirkungen der Atombombenabwürfe – eines Schadens, der in der Geschichte beispiellos ist – starteten wir diese Bewegung.
Ich bin einer der Überlebenden des Atombombenabwurfs auf Nagasaki. Es war der 9. August 1945. Plötzlich hörte ich das Summen eines Bomberflugzeugs und wurde kurz darauf in ein grelles, weißes Licht gehüllt. Die Tode, die ich damals sah, ließen sich kaum als menschliche Tode beschreiben. Bis Ende 1945 wird die Zahl der Toten in Hiroshima auf etwa 140.000 und in Nagasaki auf 70.000 geschätzt.
Es ist der Herzenswunsch der Hibakusha, dass wir, anstatt uns auf die Theorie der nuklearen Abschreckung zu verlassen, die den Besitz und den Einsatz von Atomwaffen voraussetzt, den Besitz einer einzigen Atomwaffe nicht zulassen dürfen. Ich appelliere daher an alle Menschen auf der Welt, gemeinsam darüber zu diskutieren, was wir tun müssen, um Atomwaffen abzuschaffen, und von den Regierungen Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels zu fordern.
Die gesamte Keynote finden Sie im Presselink.
Papierkraniche als Zeichen für Frieden und Abrüstung.
Der Abend wird aber auch an das Schicksal von Sadako Sasaki erinnern, ebenfalls Opfer des Atombombenabwurfs 1945 über Hiroshima. Sie ist 1955 zwölfjährig als beste Sportlerin ihrer Schulklasse an den Spätfolgen des Atombombenabwurfs an Leukämie gestorben.
Einer japanischen Legende gemäß hat Sadako in der Hoffnung auf ein Überleben nach Ausbruch der Krankheit mehr als 1000 Papierkraniche gefaltet, Papierkraniche gelten seither weltweit als Zeichen für Frieden und Abrüstung.
Sadakos Geschichte inspiriert bis heute Millionen Menschen weltweit, so auch die Lehrer:innen und Schüler:innen der Haupt- und Mittelschule Seitenstetten-Biberbach, die 2009 so viele Kraniche faltete und auch an Wohlmeinende verkaufte, um Sadakos Bruder Masahiro nach Österreich einzuladen. Sein Besuch führte zur Entscheidung, die letzten fünf von Sadako gefalteten Kraniche auf die fünf Kontinente unseres Planeten zu verteilen. Der „Europakranich“ fand seinen Weg von Seitenstetten-Biberbach in die Friedensbibliothek in Stadtschlaining.
20 Schüler:innen der Mittelschule Seitenstetten-Biberbach nahmen an der Preisverleihung teil. In den Wochen davor haben sie aus Original-Origami-Papier 250 Kraniche gefaltet. Diese wurden am Ende der Preisverleihung an die Besucher:innen der Veranstaltung verteilt. Und von diesen als Zeichen für die Hoffnung auf Frieden in den Nachthimmel fliegen gelassen.
Über den Global Peace Photo Award 2025
Zum Global Peace Photo Award 2025 wurden 24.189 Bilder aus 132 Ländern eingereicht. Die meisten Einreichungen kamen aus dem Iran, Indien, Deutschland, Russland, und den USA. Juriert wurden die Einreichungen von einer hochkarätigen, internationalen Jury. Siehe: https://globalpeacephotoaward.org/jury
Der Global Peace Photo Award wird in Kooperation von Edition Lammerhuber, Photographischer Gesellschaft (PHG), UNESCO, Österreichischem Parlament, der Vereinigung der Parlamentsredakteurinnen und -redakteure, des Internationalen Press Institute (IPI), World Press Photo Foundation, POY LATAM, LensCulture, APA – Austria Presse Agentur, der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh), Unicef Austria und Vienna Insurance Group ausgelobt.














