Vom 18. Juni bis 30. Juli 2026 zeigt die Galerie arToxin Fotografien von Michael Nischke. In seiner aktuellen Ausstellung greift der Münchner Fotokünstler auf eine in Japan um zirka 1860 bis 1910 (Edo- und Meiji-Zeit) verbreitete fotografische Praxis :von Hand kolorierten Schwarzweißfotografien zurück.
Die Technik der Handkolorierung entstand kurz nach der Erfindung der chem. Fotografie (1826 – die 1. Heliographie vor 200 Jahren in Frankreich), wurde jedoch in Japan erst ab den 1860er-Jahren wirklich relevant und mit dem Aufkommen echter Farbverfahren ab zirka 1910 nach und nach verdrängt.
Die klassische Handkolorierung von schwarzweißen Fotografien fand damals – in luxuriösen Souvenir-Alben verpackt – viele Liebhaber. Die Motive spiegelten oft ein idealisiertes Bild des „alten Japan“ wider. Landschaften und berühmte Orte, Szenen des täglichen Lebens sowie bekannte Bauwerke und Tempel waren sehr beliebt.
Heute nutzt Michael Nischke diese besondere Kombination aus fotografischer Genauigkeit und malerischer Interpretation für seine auf vielen Reisen in Japan in den Jahren 2019 bis 2025 entstandenen Motive. Dabei setzt er transparente Wasserfarben (Lasuren) ein und erzeugt so eine Art Holzschnitt-Ästhetik (Ukiyo-e). Das Besondere: Seine aktuelle Motivauswahl, die einen vielfältigen Einblick in das Leben und die Kultur Japans bietet. Die Verwendung von speziellem Papier mit einer silbrig-glänzenden Beschichtung verleiht den Farben zudem eine einmalige Transparenz und Leichtigkeit. So entstehen mit dieser traditionelle Technik einmalige, magische Unikate: Jedes Bild ist unverwechselbar.
Daneben nutzt Michael Nischke den Pigmentdruck auf Aluminium für einzelne, ausgewählte und ebenfalls handkolorierte Motive, die als Editionen aufgelegt sind. Schließlich runden klassische Schwarzweiß- Fotografien die sehr umfangreiche, vielfältige Ausstellung von Naturszenen und urbanen Motiven aus Japan ab.
Der Titel der Ausstellung – YELLOW LINE (KIIROI SEN) entstammt einer sich ständig wiederholenden Ansagein den JR Bahnhöfen von Tokyo, die vollständig heißt: „Please stand behind the yellow line“. Dieser Satz hat sich bei Michael Nischke so sehr in sein Gedächtnis gedrängt, dass er sogar nachts davon im Traum verfolgt wurde. Diese Anweisung und die dazugehörige gelbe Linie sind extrem typisch für Japan.
Tatsächlich gilt Japan als Pionier dieses Sicherheitssystems. Die gelben, texturierten Linien (offiziell Tenji Blocks oder taktile Leitsysteme genannt) wurden 1965 in Japan von Seiichi Miyake erfunden. Er wollte damit seinem sehbehinderten Freund helfen, sich sicher an Bahnsteigen und auf Straßen zu bewegen. Japan war das erste Land, das diese Markierungen flächendeckend installierte. Dort ist es ein fester kultureller Standard, sich strikt an diese Linien zu halten. Was im symbolischen Sinne so auch für alle anderen gesellschaftlichen Linien gilt, die in diesem Land das Zusammenleben regeln.
Galerie arToxin
Kirchenstraße 23
München














