„Das Leben, der Tod und was bleibt“ lautet der Titel der umfangreichen Werkschau der britischen Fotolegende Sir Don McCullin, ein Highlight gleich am Zugang zum Gutenbrunnerpark, Der 91-jährige Sir Don McCullin war mit seiner Frau, der Reisejournalistin Lady Catherine Fairweather angereist und führte, begrüßt mit einer bewegenden Laudatio von Lois Lammerhuber, kurzweilig und humorvoll durch die einzelnen Stationen seiner ebenso vielschichtigen wie vielfältigen und oftmals nur schmerzvoll anzusehenden Fotografien. Die eindringlichen Dokumentarfotografien sind ein Zeugnis der Zeitgeschichte des vorigen Jahrhunderts. Don McCullin, der 1935 im Arbeiterviertel Finsbury Park in London geboren wurde, kannte Not und Elend seit seiner Kindheit. Er schaute hin, wenn andere wegschauten oder die Augen schlossen. Mit seiner Kamera richtete er den Blick schonungslos auf die Wunden der Gesellschaft. Viele seiner Bilder aus den Krisengebieten der 60er bis 80er Jahre aus aller Welt führten den Menschen zuhause die unerbittliche Not vor Augen, die Kriege, Hunger oder Naturkatastrophen anrichteten. Er berichtete hautnah von den Kriegen in Vietnam, Kambodscha oder im Kongo. Trotzdem hasst er es, als Kriegsreporter betitelt zu werden.

Eine große Anzahl von Medienvertretern erwartet mit Spannung die Ankunft der weltbekannten Fotolegende Sir Don McCullin im Gutenbrunnerpark.
© Heiner Henninges

Laudatio für eine Legende: Lois Lammerhuber begrüßt Sir Don McCullin.
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Im aufwändig gestalteten und lesenswerten Festivalkatalog, wird er folgendermaßen zitiert: „Ich fühle mich permanent schuldig: schuldig, weil ich in dem Moment gegangen bin, in dem ein Mann verhungert, in dem ein anderer kurz davorsteht, ermordet zu werden. Und ich bin dieser Schuld überdrüssig. Ich möchte jetzt nur noch Landschaften und Blumen fotografieren. Ich verurteile mich selbst zum Frieden.“

Gebannt lauscht das Ausstellungspublikum den Ausführungen von Sir Don McCullin zu seinem Werk.
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Sir Don Mc Cullin erläutert einem begeisterten Publikum seine Arbeiten.
© Detlev Motz
Doch seine Fotografenkarriere verdankt er seinem scharfen Blick für die Probleme einer anderen Welt als der von Blumen und Landschaften. Bekannt wurde er mit einem Bild, das er an einem sonnigen Sonntag 1958 von Mitgliedern einer Londoner Clique von Jungs gemacht hat, mit denen er zur Schule gegangen war. Es ist ein Schnappschuss, um den sie ihn gebeten hatten. Er holte eher wenig begeistert seine Kamera. Warum? Die rauen Kerle, die sich „Guvnors“ nannten, was im Londoner Cokney-Slang so viel wie Boss oder Chef bedeutet, trugen alle Anzüge. Er machte nur eine Aufnahme. Als sie später in den Mord an einem Polizisten verwickelt wurden, bat ihn der ‚Observer‘ darum, das Bild veröffentlichen zu dürfen. „Und plötzlich war ich Fotograf“, erinnert er sich. Dennoch habe er nie das Gefühl gehabt, selbst die Fotografie gewählt zu haben, sondern sie ihn, beschreibt er den Beginn seiner fotografischen Laufbahn.

Dame Catherine Fairweather, Sir Don McCullin, Silvia und Lois Lammerhuber (v.l.n.r.)
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Die auf dem Festival in Baden bei Wien gezeigten Fotografien, machen deutlich, dass er keineswegs nur als Kriegsreporter mit seinem Fotos Zeitgeschichte dokumentierte, sondern als scharfblickender Zeitzeuge ein weitaus breiteres Spektrum abdeckt: Das Elend des Arbeiterviertels in dem er aufgewachsen ist, die Folgen von Industrialisierung und Globalisierung, er richtete seinen entlarvenden Blick auf jene, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, Industriearbeiter, Migranten und Obdachlose. Die in Baden gezeigten Ausschnitte aus seinem umfangreichen Lebenswerk verdeutlichen die überwältigende Kraft seines Schaffens, für das ihn verdienter Weise die Queen adelte.

Sir Don McCullin
© Heiner Henninges
Mary Turner – Englische Peripherie
Mit der Ausstellung „Englische Peripherie“ im Gutenbrunner Park richtet die britische Dokumentarfotografin Mary Turner den Blick auf jene Regionen Englands, die von Deindustrialisierung, Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung geprägt sind. Abseits der bekannten Bilder des Landes dokumentiert sie das Leben von Menschen in ehemaligen Bergbau- und Arbeitergemeinden mit journalistischer Genauigkeit und großer Nähe zu ihren Protagonistinnen und Protagonisten.

Die Appleby Horse Fair lockt jedes Jahr Zehntausende Sinti und irische Traveller in eine ländliche Gegend Englands, um dort ihre Kultur zu feiern.
© Mary Turner/La Gacilly-Baden Photo
Maßgeblich geprägt wurde Mary Turners fotografische Herangehensweise von keinem Geringeren als Sir Don McCullin. Dessen humanistische Dokumentarfotografie zeigte ihr früh, welche emotionale Kraft Bilder entfalten können. Gleichzeitig führte sie die Auseinandersetzung mit seiner Arbeit zu ihrem eigenen fotografischen Ansatz: Statt flüchtiger Nachrichtenbilder setzt Turner auf langfristige Projekte, mit einem tiefen Verständnis für die Lebensrealität der Menschen. So entstehen Fotografien, die weder Klischees noch Sentimentalität bedienen, sondern Würde, Empathie und gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar machen.

Dispossessed
© Mary Turner/La Gacilly-Baden Photo
Englische Peripherie steht damit exemplarisch für eine Dokumentarfotografie, die Missstände sichtbar macht, ohne die Menschen auf ihre Not zu reduzieren – und knüpft zugleich an die Tradition sozial engagierter Fotografie an, für die Don McCullin wegweisend war. Ein spezieller Beitrag auf dasfotoportal.de widmet sich ausführlich der vielfach ausgezeichneten Fotografin.
Cig Harvey – Sinnliche Erfahrungen
Die Ausstellung „Sinnliche Erfahrungen“ der britischen Fotografin Cig Harvey lädt die Betrachtenden dazu ein, die Welt bewusst mit allen Sinnen wahrzunehmen. Im Mittelpunkt ihrer großformatigen Farbfotografien stehen die Schönheit des Alltäglichen, die Natur und die emotionale Kraft der Farbe. Für Harvey ist Fotografie ein Mittel, die Welt in ihrer Intensität sichtbar zu machen und den Blick für das Besondere im Gewöhnlichen zu schärfen.

Clematis Emily Clutching
© Cig Harvey
Ausgehend von der Frage, wie Farbe unsere Wahrnehmung prägt, verbindet die in Großbritannien geborene und in Maine lebende Fotografin poetische Bildwelten mit philosophischen Überlegungen zu Zeit, Vergänglichkeit und der Erfahrung des Lebens. Ihre Stillleben und sorgfältig komponierten Fotografien zeigen Farbe nicht nur als visuelles Element, sondern als sinnliche Erfahrung, die Erinnerungen, Emotionen und Assoziationen weckt.

© Cig Harvey/La Gacilly-Baden Photo
„Sinnliche Erfahrungen“ macht deutlich, dass Fotografie weit mehr sein kann als die Abbildung der Wirklichkeit: Sie eröffnet neue Perspektiven auf die Schönheit des Alltags und die Bedeutung des Augenblicks.
Christian Skrein – Beatles Go Home
Gleich mehrere Ausstellungen des Festivals widmen sich begeistert der britischen Pop-Band-Legende „The Beatles“. So auch die des Österreichers Christian Skrein, mit der er allerdings nicht die Begeisterung für die vier „Pilzköpfe“ dokumentiert hat, sondern mit dem Titel „Beatles Go Home“ das genaue Gegenteil: die krasse Ablehnung, mit der die dortige Bevölkerung auf die Anwesenheit des Quartetts während der Dreharbeiten zu dem Film „Help“ im verschneiten , damals noch eher unbekannten Ski-Paradies Obertauern reagierte. Der Autor der Bilder, Christian Skrein, hatte die Mitglieder der Band schon zuvor während ihres Aufenthalts in Hamburg kennengelernt und sich mit ihnen angefreundet. Sie hatten ihn daraufhin gebeten, die Filmaufnahmen als Fotograf zu begleiten.

Christian Skrein berichtet von seinen Begegnungen mit den Beatles in Obertauern bei den Dreharbeiten zu dem Film „Help“.
Es gibt Fotografien, die mehr erzählen als den Augenblick, den sie festhalten. Sie bewahren den flüchtigen Zauber einer Epoche und machen Geschichte sichtbar. Die Ausstellung „Beatles Go Home!“ beim Festival La Gacilly-Baden Photo gehört zu diesen seltenen Begegnungen mit der Vergangenheit. Sie führt zurück in den März 1965, als die Beatles für die Dreharbeiten zu ihrem Film Help! das verschneite Obertauern in Besitz nahmen – und ein junger österreichischer Fotograf den Auftrag erhielt, dieses außergewöhnliche Ereignis zu dokumentieren.
Christian Skrein war damals gerade neunzehn Jahre alt. Zehn Tage lang begleitete er John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr durch den Schnee, zwischen Kameras, Scheinwerfern und einer bis dahin ungekannten Pop-Euphorie.

Die Ausstellung „Beatles Go Home“ von Christian Skrein zeigt die Begegnungen des Fotografen und Sammlers mit den „Pilzköpfen“.
© Heiner Henninges
Was seine Bilder bis heute so faszinierend macht, ist ihre Unmittelbarkeit. Sie zeigen keine unnahbaren Superstars, sondern vier junge Männer, die sich in einer winterlichen Kulisse bewegen, mit Skiern fremdeln, über den Schnee stapfen und zwischen den Dreharbeiten Momente der Leichtigkeit genießen. Weil keiner der Beatles wirklich Ski fahren konnte, mussten viele Szenen mit Doubles gedreht werden – ein Umstand, der dem Film seinen spielerischen Charakter verlieh und Skrein zugleich die Gelegenheit gab, die Band in überraschend entspannten Situationen festzuhalten.
Die Fotografien sind weit mehr als Erinnerungen an einen Filmdreh. Sie dokumentieren einen historischen Moment, in dem Popmusik endgültig zur globalen Kultur wurde. Dass die Beatles während ihres Aufenthalts im Hotel Marietta auch noch ihr einziges Konzert in Österreich gaben, macht Obertauern bis heute zu einem besonderen Ort der Musikgeschichte.

Christian Skrein fotografiert die Bevölkerung von Obertauern
© Christian Skrein/Salzburg Museum
Dass gerade Christian Skrein diese Bilder schuf, erscheint rückblickend beinahe folgerichtig. Bereits als Jugendlicher hatte sich der Autodidakt mit außergewöhnlichem Talent einen Namen gemacht. Mit nur 19 Jahren arbeitete er als jüngster Fotograf für die Vogue und porträtierte in den 1960er Jahren jene Künstlerinnen und Künstler, Architekten und Intellektuellen, die das kulturelle Klima einer neuen Zeit prägten. Vor seiner Kamera standen Persönlichkeiten wie Joseph Beuys, Christo oder die Rolling Stones; seine Fotografien wurden zu einem visuellen Gedächtnis der europäischen Avantgarde.
Bemerkenswert ist jedoch, dass Skreins fotografische Karriere nur wenige Jahre dauerte. Schon mit 25 Jahren verließ er die klassische Fotografie, ging nach Los Angeles und arbeitete erfolgreich als Produzent, Regisseur und Kameramann für Werbefilme. Für seine technischen Entwicklungen wurde er später sogar mit einem Oscar ausgezeichnet. Die Fotografie ließ ihn dennoch nie los – sie wechselte lediglich die Perspektive.
Denn heute ist Christian Skrein vor allem als einer der bedeutendsten privaten Sammler historischer Fotografie bekannt. Über Jahrzehnte entstand gemeinsam mit seiner Frau Maria eine Sammlung von internationalem Rang, die Arbeiten nahezu aller großen Meister des Mediums vereint – von Henri Cartier-Bresson über Robert Capa bis August Sander. Die Skrein Photo Collection zählt zu den wichtigsten privaten Fotosammlungen weltweit und wurde in bedeutenden Museen Europas präsentiert. Sie ist Ausdruck einer Leidenschaft für die Fotografie als kulturelles Gedächtnis unserer Zeit.

Die Beatles in Obertauern
© Christian Skrein/Salzburg Museum
Vor diesem Hintergrund erhält die Ausstellung „Beatles Go Home!“ eine zusätzliche Dimension. Sie zeigt nicht nur frühe Arbeiten eines außergewöhnlichen Fotografen. Sie führt zugleich vor Augen, wie eng Fotografieren und Sammeln miteinander verbunden sein können. Wer selbst ein Leben lang ikonische Bilder bewahrt, weiß, was ein ikonisches Bild ausmacht.
Das Festival La Gacilly-Baden Photo präsentiert mit dieser Ausstellung deshalb weit mehr als nostalgische Beatles-Impressionen. Es zeigt den Beginn einer außergewöhnlichen Karriere und erinnert daran, dass große Fotografie oft dort entsteht, wo sich dokumentarischer Blick und persönliches Vertrauen begegnen. Christian Skreins Bilder lassen die Beatlemania nicht nur wiederaufleben – sie erzählen von einem kurzen Moment, in dem Weltgeschichte und österreichische Zeitgeschichte einander im Schnee von Obertauern begegneten.
Günter Köck – Wasser ist Leben
Gleich drei Stationen entlang des Fotokunstparcours des Festivals widmen sich dem Umweltthema Wasser – Wasser ist Leben. Sie unterstreichen das leidenschaftliche Engagement des Festival-Direktors Lois Lammerhuber, die Fotografie nicht nur als Selbstzweck zu feiern, sondern sie vor allem als ein mächtiges Mittel für die visuelle Vermittlung existenzieller Aufgaben der Gesellschaft zu nutzen. Die Installation über das internationale, von Günter Köck initiierte Kooperationsprojekt High Arctic setzt hier ein Ausrufezeichen und dokumentiert, eindringlich, wie Wissenschaft und Fotografie sich bei der Vermittlung von Inhalten gegenseitig stützen können.

Günter Köck erläutert das von ihm initiierte Langzeitprojekt High Artic, das die Folgen des Klimawandels über Jahrzehnte analysiert hat und sie auf Grund der international gesammelten Daten prognostizieren kann.
© Heiner Henninges
High Arctic ist ein 1997 von dem österreichischem Biologen Günter Köck initiiertes, internationales Kooperationsprojekt, das untersucht, wie der Klimawandel die Seen der kanadischen Arktis und ihre Fische beeinflusst. Das Projekt wird von Günter Köck gemeinsam mit seinem kanadischen Kollegen Derek Muir geleitet und untersucht die Belastung von Seesaiblingen (Salvelinus alpinus) mit dem hochgiftigen Schwermetall Quecksilber und weitere langlebige organische Schadstoffe. Im Rahmen dieser Untersuchungen analysieren die Wissenschaftler die Konzentrationen dieser Stoffe im Fischgewebe. Zusätzlich liefern Bohrkerne aus Seesedimenten ein Klima- und Schadstoffarchiv, das frühere Einträge und Umweltbedingungen dokumentiert. Alle Ergebnisse werden mit Klimadaten verknüpft. Das Besondere an High-Arctic ist die Kontinuität der Forschung: Durch die seit 1997 jährlich durchgeführten Untersuchungen konnte das Projekt eine einzigartige Datensammlung aufbauen, aus denen wissenschaftliche Modelle entwickelt werden, mit denen sich die Auswirkungen des Klima auf die Schadstoffbelastung von Fischen in arktischen Seen beschrieben und prognostiziert werden können. Im Jahr 2023 haben Köck und Muir die Projektverantwortung an ein jüngeres kanadisches Team um Jane Kirk und Gerald Tetreault übergeben.

Bohrungen geben Aufschluss über die durch den Klimawandel und anderen Umweltbelastugen hervorgerufenen Veränderungen.
© Günter Köck/Team High Artic/OAW
Auch nach seiner Pensionierung ist Günter Köck weiterhin am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung (IGF) in Innsbruck aktiv. Letztes Jahr wurde sein Wirken mit dem „Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“ gewürdigt.

Günter Köck (l.) im Forschungslaborzelt.
© Team High Artic/OAW
Sein Mitstreiter bei dem Projekt High-Arctic Derek Muir ist ein weltweit renommierter Umweltforscher, der 2018 mit dem renommierten „Weston Family Award“ für sein Lebenswerk in der Arktisforschung ausgezeichnet wurde. Vor zwei Jahren wurde ihm zudem der „Order of Canada“ verliehen. Die große Leistung der beiden bestand nicht zuletzt darin, eine große Zahl von Kooperationspartnern zu gewinnen, die durch ihre Datenerhebungen mit dazu beigetragen haben, verlässliche, wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Auswirkungen des Klimawandels zu machen und auch die Effekte des Klimawandels zu prognostizieren.

Günter Köck erforscht seit 30 Jahren in der Arktis Umweltbelastungen und die Auswirkungen des Klimawandels.
©Team High Artic/OAW
Im Festival Katalog kommentiert Günter Köck seine Arbeit folgendermaßen: „Seit 30 Jahren forsche ich in der Arktis – eine der faszinierendsten Landschaften unseres Planeten und zugleich eine der sensibelsten gegenüber dem Klimawandel. Dass ich hier mit wunderbaren Kollegen und der einheimischen Bevölkerung forschen darf, ist für mich ein außergewöhnliches Privileg.“
Peter Dench – Ein Schelm, wer Böses denkt
Schelmenhaft scheinen die knallbunten Bilder des britischen Fotografen schon hin und wieder zu sein. Sein scharf beobachtender Blick auf die Gesellschaft seines Landes lässt schon den Gedanken aufkommen er trüge den Schalk im Nacken. Er gilt besonders dem Sonderbaren im Wesen der Briten. In ihnen begegnet das Publikum einem England fernab von Selbstinszenierung und touristischer Erwartungen. Seine Bilder erzählen von Strandpromenaden im Regen, ausgelassenen Junggesellenabschieden, Dorffesten, Fußballfans und den kleinen Ritualen eines Landes, das seine Eigenheiten mit erstaunlicher Beharrlichkeit pflegt. Durch die opulenten, farbgewaltigen Installationen im Doblhoffpark beim Festival La Gacilly-Baden Photo erhalten diese Momentaufnahmen eine ganz besondere Wirkung.

Peter Dench präsentiert seine Ausstellung „The Ruling Class“ im Doblhoffpark.
Peter Dench fotografiert mit wachem Blick und sicherem Gespür für den entscheidenden Augenblick. Seine Arbeiten sind humorvoll, ohne jedoch ins Lächerliche abzugleiten, und präzise, ohne kühl zu wirken. Zwischen gepflegter Tradition und alltäglicher Skurrilität entsteht das Bild einer Gesellschaft, deren Widersprüche nicht aufgelöst, sondern sichtbar gemacht werden. Gerade darin liegt ihre Authentizität.
Der 1972 geborene Fotograf zählt seit Jahren zu den bedeutenden Dokumentarfotografen Großbritanniens. Seine Bildbände England Uncensored und Carry On England zeigen, wie sich nationale Identität weniger in großen Ereignissen als in beiläufigen Gesten und absurden Situationen offenbart. Sein England ist weder Anklage noch Verklärung. Es ist eine ebenso liebevolle wie unbestechliche Bestandsaufnahme.

Ausstellung „The Ruling Class“ von Peter Dench im Dobelhoffpark
© Heiner Henninges
Die Ausstellung in Baden macht deutlich, weshalb Peter Dench zu den wichtigsten visuellen Chronisten des zeitgenössischen Großbritanniens zählt. Seine Fotografien entlarven Klischees nicht, indem sie sie widerlegen, sondern indem sie deren komplexe Wirklichkeit sichtbar machen. Das Ergebnis ist eine ebenso amüsante wie kluge Annäherung an ein Land, das sich selbst oft am besten mit britischem Humor beschreibt. So British!

Einen scharfen Blick auf die Besonderheiten der britischen Gesellschaft zeigen die Fotografien von Peter Dench.
© Heiner Henninges
Den Medienvertretern kommt die anschließende Pause auf der Wiese neben Rudis Würstlstand gerade recht, um die auf sie eingeprasselten, vielschichtigen, visuellen Dokumentationen einer gefährdeten, aber erhaltenswerten Umwelt und ihrer Bewohner sich setzen zu lassen.

Liebevolle Vorbereitung von Johanna und Assistenten für das Würstlpicknick auf der Wiese bei Rudi am DoblhoffTeich.
© Heiner Henninges

Entspannte Picknick-Pause mit Würstl und kalten Getränken bei Rudi.
© Heiner Henninges
Art Meets Health
Alle, die einen Besuch des sieben Kilometer langen Kunstparcours planen, der noch bis in den Oktober hinein jedem kostenlos offensteht ein besonderer Hinweis, wie sich die Fülle an Impressionen leichter verkraften lässt. Die Rede ist von der das Festival begleitenden Aktion „Art Meets Health“, die von Med.Vital Baden, die das Festival begleitet und das Publikum an zwölf Stationen auf der sieben Kilometer langen Open-Air-Ausstellungsstrecke dazu einlädt selbst aktiv zu werden. Statt Kunst ausschließlich zu betrachten, wird sie zum Ausgangspunkt für Bewegung und bewusstes Erleben.

Die Initiative ist eine Kooperation zwischen dem Festival und der Gesundheitsmarke Med.Vital Baden, unter der sich das Badener Kurzentrum, das Gesundheits- und Kurhotel Badener Hof sowie die Römertherme Baden zusammengeschlossen haben. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, medizinische Kompetenz, Prävention und Erholung miteinander zu verbinden.
Konkret wurden entlang der Festivalroute in den Parkanlagen des Gutenbrunner Parks und des Doblhoffparks zwölf Stationen eingerichtet. An jeder dieser Stationen werden den Besucherinnen und Besucher einfache Übungen angezeigt, die sich ohne Vorkenntnisse unmittelbar umsetzen lassen. Die Übungen fördern Mobilität, Koordination und Körperwahrnehmung und lassen sich problemlos in den Rundgang durch die Ausstellungen integrieren.

Die Kooperation verdeutlicht, dass Gesundheit weit mehr ist als medizinische Versorgung. Kunst, Natur und Bewegung können gemeinsam dazu beitragen, Stress abzubauen, Aufmerksamkeit zu fördern und das persönliche Wohlbefinden zu steigern.
Bereits in den vergangenen Jahren engagierte sich Med.Vital Baden als Partner des Festivals unter dem Motto „Art meets Health“. Mit kreativen Mitmachaktionen wie einem Fotowettbewerb zum Thema nachhaltige Gesundheit wurde der Dialog zwischen Kultur und Gesundheitsförderung angestoßen. 2026 wird dieser Ansatz konsequent weiterentwickelt und direkt in den Ausstellungsparcour integriert.

Die Kooperation mit Med.Vital Baden fügt sich nahtlos in dieses Konzept ein. Sie zeigt, dass Kulturveranstaltungen nicht nur inspirieren, sondern auch einen konkreten Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten können. Der Museumsbesuch im Freien wird damit zu einem Erlebnis für Augen, Geist und Körper gleichermaßen.
Mit „Art meets Health“ setzt das Festival ein Zeichen dafür, wie sich Kunst, Natur und Gesundheitskompetenz sinnvoll verbinden lassen – ein Konzept, das weit über Baden hinaus Vorbildcharakter besitzen dürfte.
Heiner Henninges







