Da geht noch Was! Vier Wochen besteht noch die Chance für einen Live-Besuch des schönsten, wichtigsten und größten Fotofestivals „ La Gacilly-Baden Photo, das diesmal unter dem Motto „ „So British“ nicht nur Einblicke in die Eigenheiten der britischen Gesellschaft und Fotokunst bietet, sondern sich auch wieder als ein engagierter Förderer und Propagandist der „Concerned Photography“ präsentiert. Der zweite und letzte Teil der dritten Etappe beim Medien-Walk zur Vorstellung der einzelnen Ausstellungen und ihrer Autoren beginnt gleich mit einem Highlight: Die Installation der sensiblen Fotos von Richard Lakdani zum Gedenken an die im letzten Jahr verstorbenen Naturschützerin Jane Goodal. Die im Rosengarten des Doblhoffparks unter dem Titel „Just Me, Jane“ präsentierten Fotografien sind eine Hommage an Jane Goodall und ihr lebenslanges Engagement für den Naturschutz, der ebenso wie Martin Parr das diesjährige Festival gewidmet ist.

Stationen der dritten und letzten Etappe auf dem Kunstparcours des Fotofestivals La Gacilly-Baden Photo,
© © La Gacilly-Baden Photo
Für das Festival La Gacilly-Baden Photo 2026 hat der österreichische Filmemacher und Fotograf Richard Ladkani Jane Goodall aus einer ungewöhnlich persönlichen Perspektive porträtiert. Seine Serie „Just Me, Jane!“ zeigt nicht die weltberühmte Verhaltensforscherin allein als Wissenschaftlerin und Umweltbotschafterin, sondern als nahbare Frau mit Humor, Energie und einer ausgeprägten Freude am Leben.
Richard Ladkani begleitete Goodall während ihres letzten Lebensjahres auf Reisen durch 27 Länder. Die Fotografien entstanden dabei nebenbei zur filmischen Arbeit an der Dokumentation „Just me, Jane“. Sie zeigen Goodall bei öffentlichen Auftritten ebenso wie in privaten Momenten. Neben der charismatischen Rednerin erscheint eine Frau, die lachen kann, scherzt und nach einem langen Arbeitstag auch gerne ein Glas Whisky trinkt. Gerade diese unspektakulären Augenblicke lösen die Distanz zur öffentlichen Figur auf.

Just Me, Jane, Erinnerungen an Jane Goodall von Richard Ladkani.
© Heiner Henninges, DGPh.
Die Ausstellung gewinnt ihre besondere Bedeutung durch die persönliche Beziehung zwischen Fotograf und Porträtierter. Richard Ladkani hatte bereits für seinen Dokumentarfilm „Jane’s Journey“ mit Goodall gearbeitet. Für „Just me, Jane“ wurde die Zusammenarbeit noch persönlicher. Goodall wollte, wie Ladkani berichtet, nicht erneut ausschließlich die Ikone zeigen, sondern den Menschen dahinter.
Damit unterscheidet sich „Just Me, Jane!“ von klassischen Porträts einer berühmten Persönlichkeit. Die Bilder dokumentieren weniger eine Karriere als eine Beziehung. Sie erzählen von Vertrautheit und gemeinsamer Zeit und erhalten dadurch nach Goodalls Tod eine zusätzliche, beinahe private Dimension. Das Festival bezeichnet die Arbeit folgerichtig als fotografisches Denkmal aus der Perspektive einer Freundschaft.

Just Me, Jane. Jane Goodall fotografier von Richard Ladkani.
© Richard Ladkani/La Gacilly-Baden-Photo
Jane Goodall starb am 1. Oktober 2025 im Alter von 91 Jahren. Die in Baden gezeigten Fotografien sind damit auch zu einem visuellen Nachlass der letzten gemeinsamen Reisen geworden. Sie bewahren eine Jane Goodall, die jenseits ihrer wissenschaftlichen Leistungen und ihres Engagements für den Schutz der Natur als Mensch sichtbar wird.

Ein Leben voller Einsatz und Hoffnung für die Natur: Jane Goodall
© Heiner Henninges, DGPh.
„Just Me, Jane!“ ist deshalb vor allem eine stille Studie über Nähe. Richard Ladkani nutzt die Fotografie nicht, um eine bereits bekannte Ikone größer erscheinen zu lassen, sondern um ihre öffentliche Fassade zu durchbrechen. Gerade diese persönlichen Momente geben den Bildern ihre besondere Bedeutung.
Supratim Bhattacharjee: „Sundarbans, der Zorn des Ozeans“
Entlang der Doblhoffgasse im Doblhoffpark ist die Installation der Fotografien von Supratim Bhattacharjee mit dem Titel „Sundarbans, der Zorn des Ozeans“ zu sehen. Die Sundarbans im Ganges-Delta gehören zu den außergewöhnlichsten Landschaftsräumen der Erde. Das ausgedehnte Mangrovengebiet an der Grenze zwischen Indien und Bangladesch ist zugleich Lebensraum für Millionen Menschen und ein natürlicher Schutz gegen Sturmfluten. Genau diese fragile Balance dokumentiert der indische Fotograf Supratim Bhattacharjee in seiner Serie „Sundarbans, der Zorn des Ozeans“, die beim Festival La Gacilly-Baden Photo 2026 zum Themenschwerpunkt „Wasser ist Leben“ zu sehen ist.

Supratim Bhattacharjee, Sundarbans, der Zorn des Ozeans.
© Supratim Bhattacharjee/La Gacilly-Baden Photo
Bhattacharjee arbeitet seit 2009 an seinem Langzeitprojekt über die Sundarbans. Seine Fotografien erzählen von Erosion, Überschwemmungen, versalzenem Wasser und Menschen, deren Lebensgrundlage durch die Veränderungen der Landschaft schwindet. Dabei geht es nicht allein um die Folgen des Klimawandels. Auch menschliche Eingriffe und die zunehmende Nutzung der natürlichen Ressourcen verändern das empfindliche Ökosystem.
Die Zahlen hinter den Bildern sind nüchtern und dennoch eindringlich: Untersuchungen für den Zeitraum 2000 bis 2020 weisen einen Verlust von rund 110 Quadratkilometern Mangroven innerhalb des Schutzgebiets durch Erosion aus. Zugleich entstanden in anderen Bereichen neue Mangrovenflächen, die den Verlust jedoch nicht vollständig ausgleichen.

© Supratim Bhattacharjee/La Gacilly-Baden Photo
Für Bhattacharjee ist die Veränderung der Sundarbans kein abstraktes Zukunftsszenario. Er kennt die Region seit seiner Kindheit und begleitet ihre Entwicklung über viele Jahre. Nach dem schweren Zyklon Aila 2009 intensivierte er seine fotografische Arbeit. Ein Bild aus seiner Langzeitbeobachtung wurde 2021 als UNICEF-Foto des Jahres ausgezeichnet.
Die Fotografien verbinden Landschaft und menschliches Schicksal, ohne die Katastrophe zu dramatisieren. Gerade darin liegt ihre Wirkung. Zwischen Wasser, Schlamm, beschädigten Behausungen und Porträts der Bewohner entsteht das Bild einer Welt, deren Veränderung bereits stattfindet.
„Sundarbans, der Zorn des Ozeans“ ist deshalb weniger eine klassische Umweltreportage als eine langfristige fotografische Bestandsaufnahme. Bhattacharjee macht sichtbar, was sich statistisch als Flächenverlust, Erosion oder steigender Meeresspiegel beschreiben lässt. Seine Bilder geben diesen Veränderungen ein menschliches Gesicht.

Wasser ist Leben: Eine Auswahl von Bildern der wichtigsten Flüsse der Erde, zusammengestellt von Helmut Habersack.
© Heiner Henninges, DGPh.
Helmut Habersack: „Wasser ist Leben“ – Flüsse als Lebensadern der Erde
Wasser ist Ressource, Naturgewalt und Lebensgrundlage zugleich. Die Ausstellung „Wasser ist Leben“ von Helmut Habersack beim Festival La Gacilly-Baden Photo 2026 richtet den Blick auf die Flüsse der Erde und damit auf ein Ökosystem, dessen Bedeutung weit über die Versorgung mit Trinkwasser hinausreicht.
Habersack, Leiter des Instituts für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der BOKU University und UNESCO-Wasserexperte, hat das Ausstellungskonzept gemeinsam mit Lois Lammerhuber entwickelt. Die fotografische Umsetzung übernehmen unter anderem Gerald Mannsberger und Markus Eisl von eoVision, Lalo de Almeida, James Balog, Bill Anders, Mitch Dobrowner, Randy Olson, George Steinmetz und Brent Stirton.

Helmut Habersack vor dem Foto Earthrise, das von der letzten Mondmission der NASA stammt.
© Heiner Henninges, DGPh.
Die großformatigen Fotografien betrachten Flüsse aus unterschiedlichen Perspektiven. Satellitenaufnahmen und Luftbilder machen ihre Strukturen und Verläufe sichtbar, während dokumentarische Arbeiten die Folgen menschlicher Eingriffe zeigen. Dazwischen steht die Schönheit von Landschaften, die durch Wasser geformt werden. So entsteht kein rein wissenschaftlicher Blick, sondern ein visuelles Panorama, das Ästhetik und Gefährdung miteinander verbindet.

Bilder des Forschungsnetzwerks „World’s Large Rivers“ beim Fotofestival La Gacilly-Baden Photo.
© Heiner Henninges, DGPh.
Denn die Probleme sind konkret: Klimawandel, zunehmende Wasserknappheit, Hochwasser, Dürre, Verschmutzung und die Veränderung natürlicher Flussläufe setzen den globalen Wasserkreislauf unter Druck. Habersacks wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit den Prozessen in Flüssen und den Möglichkeiten, ihre Nutzung mit Hochwasserschutz und ökologischen Anforderungen in Einklang zu bringen. Das von ihm initiierte Forschungsnetzwerk „World’s Large Rivers“ richtet den Blick dabei auf die 300 größten Flüsse der Erde.
Die Ausstellung belässt es jedoch nicht bei der Bestandsaufnahme. Sie stellt wissenschaftliche Ansätze und internationale Initiativen vor, die zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Ressource Wasser beitragen sollen. Dazu gehört auch das UNESCO-Programm IHP, das seit 1975 Wasserforschung und nachhaltiges Wassermanagement international bündelt.
Habersack ist als UNESCO-Wasserexperte eng mit diesem Programm verbunden.
„Wasser ist Leben“ verbindet damit fotografische Beobachtung und wissenschaftliche Erkenntnis. Die Bilder zeigen Wasser nicht als abstrakte Ressource, sondern als gestaltende Kraft und empfindliches System. Gerade diese Verbindung macht die Ausstellung zu einem wichtigen Teil des Festival Themenschwerpunkts „Wasser ist Leben“.

Festival Direktor Lois Lammerhuber und Istàn Viràgvölgyl, Leiter der Sammlung des Robert Capa Contemporary Photography Center in Budapest.
© Heiner Henninges, DGPh.
Robert Capa: „Nahe genug“ – Bilder aus unmittelbarer Nähe zur Geschichte
Nächste Station unter der alten Linde im Doblhoffpark ist die gemeinsam mit Istvàn Viràgvölgyl, dem Leiter der Sammlung des Robert Capa Contemporary Photography Center in Budapest kuratierte Ausstellung „Nahe genug“ mit bekannten und weniger bekannten Fotografien des Mitbegründers der Fotoagentur Magnum Robert Capa. Der Satz: „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, bist du nicht nah genug dran“, gehört zu den bekanntesten Aussagen Robert Capas und beschreibt zugleich ein Prinzip, das seine Kriegsfotografie geprägt hat. Die Ausstellung „Nahe genug“ beim Festival La Gacilly-Baden Photo 2026 versammelt zentrale Arbeiten des Fotografen aus der Sammlung des Robert Capa Contemporary Photography Center in Budapest.

Die Ausstellung „Nahe genug“ umfasst viele weniger bekanntere Fotografien von Magnum Mitbegründer Robert Capa
der Sammlung des Robert Capa Contemporary Photography Center in Budapest
© Heiner Henninges, DGPh.
Capa, 1913 als Endre Friedmann in Budapest geboren, begann seine fotografische Laufbahn in Berlin und Paris. Gemeinsam mit Gerda Taro entwickelte er die Identität des amerikanischen Fotografen Robert Capa. Im Spanischen Bürgerkrieg wurde seine Bildsprache international bekannt. Es folgten Reportagen aus dem Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, dem Zweiten Weltkrieg, dem Palästinakrieg und dem Indochinakrieg.
Vor allem die Fotografien von der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 machten Capa zu einer prägenden Figur der Kriegsfotografie. Die teilweise verwackelten und körnigen Aufnahmen vermitteln weniger die Übersicht eines militärischen Geschehens als die unmittelbare Wahrnehmung eines Soldaten im Kampf. Gerade ihre technische Unvollkommenheit wurde zum Ausdruck der Situation.
Doch Capa war nicht ausschließlich Kriegsfotograf. Seine Kamera richtete sich ebenso auf Künstler und Schriftsteller wie Pablo Picasso, Ernest Hemingway und John Steinbeck oder auf alltägliche Situationen. 1947 gehörte er gemeinsam mit Henri Cartier-Bresson, George Rodger, David Seymour und William Vandivert zu den Gründern der Fotoagentur Magnum Photos. Die Agentur sollte Fotografen größere Unabhängigkeit und Kontrolle über die Verwendung ihrer Arbeiten ermöglichen.

Installation der Ausstellung „Nahe genug“ mit Fotografien der Sammlung
© Heiner Henninges, DGPh.
Die Ausstellung in Baden konzentriert sich auf die unterschiedlichen Facetten dieses fotografischen Vermächtnisses. Zwischen Bildern aus Kriegsgebieten und Porträts aus dem privaten und kulturellen Umfeld entsteht das Bild eines Fotografen, der sich nicht als distanzierter Beobachter verstand. Nähe bedeutete für Capa nicht nur räumliche Distanz zum Geschehen. Sie war auch eine Haltung gegenüber den Menschen, die er fotografierte.
Robert Capa starb am 25. Mai 1954 während einer Reportage über den Indochinakrieg. Beim Verlassen seines Jeeps trat er auf eine Landmine. Seine Fotografien sind geblieben. Sie dokumentieren historische Ereignisse, funktionieren aber zugleich als eigenständige Bilder, in denen sich die Spannung zwischen journalistischer Beobachtung und persönlicher Beteiligung bis heute erhalten hat.
Françoise Huguier: „Leidenschaft für Afrika“
Die Ausstellung „Leidenschaft für Afrika“ von Francoise Huguier gehört zu dem Themenbereich „Der Zustand unseres Planeten“ beim Festival La Gacilly-Baden Photo. Afrika ist für die französische Fotografin kein exotischer Sehnsuchtsort, sondern ein Kontinent, den sie seit mehr als drei Jahrzehnte fotografisch erkundet. Die Ausstellung umfasst Arbeiten aus zahlreichen Ländern und zeigt Menschen, Landschaften und urbane Lebenswelten mit einem unaufgeregten, zugleich präzisen Blick.

Leidenschaft für Afrika.
© Françoise Huguir/La Gacilly-Baden Photo
Huguier kam 1989 erstmals nach Afrika. Ihre Reise führte sie auf den Spuren des französischen Schriftstellers und Ethnologen Michel Leiris über den Kontinent. Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich eine langfristige fotografische Auseinandersetzung. Mali nahm dabei eine besondere Stellung ein. 1994 gründete Huguier gemeinsam mit Bernard Descamps die erste Biennale der afrikanischen Fotografie in Bamako. Die „Rencontres de Bamako“ wurden zu einem wichtigen Forum für die Fotografie des Kontinents und machten unter anderem die Arbeiten von Seydou Keïta und Malick Sidibé einem internationalen Publikum bekannt.
Ihre Fotografien entstehen aus der Beobachtung. Huguier beschreibt sich selbst als Zeugin im Hintergrund: Sie schaut, geht weiter, kehrt zurück, komponiert das Bild zunächst gedanklich und löst erst dann aus. Diese Haltung prägt die ausgestellten Arbeiten. Menschen werden nicht zu Staffage einer vermeintlich fremden Welt, sondern erscheinen in ihren alltäglichen Zusammenhängen. Straßenszenen, Porträts, Musiker, private Räume und urbane Situationen stehen gleichberechtigt nebeneinander.

Francoise Huguier aus der Ausstellung „Leidenschaft für Afrika“.
© Françoise Huguir/La Gacilly-Baden Photo
Dabei verbindet Huguier die dokumentarische Fotografie mit der visuellen Erfahrung ihrer langjährigen Arbeit in der Modefotografie. Ihre Bilder sind sorgfältig komponiert, ohne den beobachteten Situationen ihre Eigenständigkeit zu nehmen. Gerade die Aufmerksamkeit für Details macht sichtbar, wie unterschiedlich soziale Milieus, Lebensweisen und kulturelle Ausdrucksformen aufeinander treffen.
Huguier hat Afrika nicht nur fotografiert, sondern sich auch für die dortige fotografische Szene engagiert. Ihre Arbeit trug dazu bei, afrikanische Fotografinnen und Fotografen international stärker wahrzunehmen. 2023 wurde sie als Mitglied in die Fotografie-Sektion der Académie des Beaux-Arts gewählt.
Die in Baden gezeigten Fotografien stammen aus ihrem 2025 erschienenen Buch „Afrique Émoi“. Damit bildet die Ausstellung zugleich eine Bilanz ihrer jahrzehntelangen Beschäftigung mit dem Kontinent. Huguier sucht dabei nicht nach dem vermeintlich Authentischen, sondern nach Situationen, in denen sich gesellschaftliche Realität unmittelbar zeigt. Ihre „Leidenschaft für Afrika“ ist deshalb vor allem eine Leidenschaft für das genaue Hinsehen.

Installation der Aufnahmen von François Fontaine aus der Serie „Eden“.
© Heiner Henninges, DGPh.
François Fontaine: „Eden“ – Die flüchtige Schönheit des Frühlings
Japan im Frühling, gesehen durch die Kamera von François Fontaine: Kirschblüten, Gärten, Schreine, Wasserflächen und das Licht zwischen den Zweigen werden in der Serie „Eden“ zu Bildern einer Natur, die zugleich kultiviert und vergänglich erscheint. Beim Festival La Gacilly-Baden Photo 2026 sind die Arbeiten des französischen Fotografen als poetische Annäherung an das Verhältnis von Mensch und Natur zu sehen.
Fontaine, Jahrgang 1968, promovierter Kunsthistoriker und Mitglied der französischen Fotoagentur VU, beschäftigt sich seit rund zwei Jahrzehnten mit fotografischen Serien, die von asiatischen Kulturen beeinflusst sind. Für „Eden“ reiste er während der japanischen Kirschblüte von Kagoshima im Süden über Kyushu und Honshu bis nach Nikko. Sein Interesse galt dabei weniger den bekannten Sehenswürdigkeiten als den stillen Orten: Parks, Gärten, Schreinen und Pilgerstätten.

Romantische Bilder der japanischen Kirschblüte aus der Serie „Eden“ von François Fontaine.
© Heiner Henninges, DGPh.
Die Fotografien folgen dem Prinzip des genauen Beobachtens. Blüten, Zweige, Tiere, Wasser und Licht werden aus ihrem unmittelbaren Zusammenhang gelöst und zu eigenständigen Bildmotiven. Spiegelungen in Teichen, feuchte Böden oder das Licht, das durch das Laub fällt, erhalten dabei eine fast grafische Qualität. Die Farbigkeit erinnert teilweise an traditionelle japanische Holzschnitte, ohne deren Bildsprache unmittelbar zu imitieren.
Eine zentrale Rolle spielt das „Hanami“, die traditionelle Betrachtung der Kirschblüte. Fontaine interessiert sich für diesen Moment des Innehaltens ebenso wie für die kurze Dauer der Blüte. Die Schönheit, die seine Bilder festhalten, trägt deshalb bereits den Gedanken ihrer Vergänglichkeit in sich.
Für „Eden“ erhielt Fontaine den Leica Award für neue Ansätze in der Umweltfotografie. Die Serie zeigt Umweltfotografie abseits von Katastrophenbildern und wissenschaftlicher Dokumentation. Sie lenkt den Blick auf die kulturelle Wahrnehmung von Natur und auf jene Augenblicke, in denen Landschaft zu einem emotionalen Erlebnis wird.

Aus der Serie „Eden“ von François Fontaine.
© François Fontaine
So entsteht eine stille Form der Umweltfotografie. „Eden“ erzählt nicht von einer bedrohten Natur, sondern zunächst von ihrer Wahrnehmung. Gerade darin liegt die Verbindung zum Festivalthema: Wer die Schönheit und Vergänglichkeit natürlicher Prozesse wahrnimmt, entwickelt möglicherweise auch ein anderes Verhältnis zu ihrem Schutz.
Stéphane Lavoué: „Seeleute“ – Leben mit dem Atlantik
Entlang der Eulenwiese im Doblhoffpark präsentiert das Festival die Arbeiten „Seeleute“ von Stephane Lavoué. Die Aufnahmen zeigen Kapitäne, Fischer, Tiefseetaucher, Fischhändler und Marineinfanteristen: Es sind Porträts von Menschen, deren Arbeitsleben eng mit dem Atlantik verbunden ist. Entstanden sind sie an der bretonischen Küste des Morbihan. Sie zeigen unterschiedliche Gesichter einer Region, deren Alltag vom Meer geprägt wird.

Aus der Serie „Seeleute“ von Stéphane Lavoué.
© Stéphane Lavoué/La Gacilly-Baden Photo
Gemeinsam mit der Autorin Catherine Le Gall bereiste Lavoué die Küste zwischen Lorient und Vannes, darunter Étel, Saint-Gildas-de-Rhuys und die Insel Groix. Rund zwanzig Menschen ließen sich porträtieren und erzählten von ihrer Arbeit und ihrem Verhältnis zum Meer. Die Bandbreite der Berufe reicht von der Fischerei und dem Sammeln von Algen bis zu Tätigkeiten in Häfen, Werkstätten und auf Marineschiffen.
Lavoué konzentriert sich auf das klassische Porträt. Seine Bilder entstehen vor dem jeweiligen Arbeitsumfeld, das nicht zur bloßen Kulisse wird, sondern Teil der Charakterisierung ist. Gesichter, Körperhaltungen und Blicke vermitteln Entschlossenheit, Stolz und Konzentration, gelegentlich auch die Spuren körperlicher Belastung. Die Menschen erscheinen nicht als romantisierte Seefahrerfiguren, sondern als Berufstätige, deren Alltag von wechselnden Bedingungen und den Anforderungen des Meeres bestimmt wird.
Dabei geht es um mehr als die Darstellung einzelner Berufe. Die Fotografien erzählen von einer besonderen Beziehung zwischen Mensch und Landschaft. Wer auf dem Atlantik arbeitet, ist unmittelbar von Wetter, Strömungen und Wellengang abhängig. Die Erfahrung dieser Unberechenbarkeit prägt auch die Haltung der Porträtierten. Neben beruflichem Stolz steht die Einsicht in die Grenzen menschlicher Kontrolle.

„Seeleute“ von Stéphane Lavoué.
© Stéphane Lavoué/LaGacilly-Baden Photo
Lavoué, 1976 geboren und 2018 mit dem Prix Niépce ausgezeichnet, arbeitet häufig an langfristigen dokumentarischen Projekten. Bereits zehn Jahre zuvor hatte er gemeinsam mit Catherine Le Gall die Bretagne und ihre Ernährungskultur fotografisch untersucht. „Seeleute“ führt diese Beschäftigung mit der Region unter einem anderen Blickwinkel fort.
Die Serie macht sichtbar, was hinter den wirtschaftlichen und touristischen Bildern der bretonischen Küste liegt: eine Arbeitswelt, die vom Meer abhängig ist und zugleich von ihm herausgefordert wird. In den Porträts verbindet sich die individuelle Geschichte der Menschen mit einer Landschaft, die sich nicht vollständig beherrschen lässt. Gerade diese Spannung gibt den Bildern ihre zurückhaltende Intensität.
Sie bilden auch den Schlusspunkt unseres langen Marsches entlang des Kunstparcours des Fotofestivals La Gacilly-Baden Photo. Noch bis zum 11.September haben Sie die Gelegenheit, dieses einmalige Fotoerlebnis selbst live nachzuvollziehen. Nicht nur der Besuch der Festival Installationen ist die Reise in den romantischen, geschichtsträchtigen Bade- und Kulturort Baden bei Wien wert, auch der Ort selbst bietet ein Fülle kultureller Überraschungen.

Unverzichtbar für die Vorbereitung eines Festivalbesuchs: der Katalog „So British“.
Zur Vorbereitung oder auch nur für einen tieferen Einblick in das Festival empfehlen wir neben der informativen Webseite auch den aufwendig gestalteten Festival Katalog sowie die aktuell erschienene App,, mit allen Ausstellungen, Wegbeschreibungen und Ausstellungskommentaren. Hilfreich sind auch das Besucherzentrum an der Römertherme sowie die Ausstellungsführungen. Unbedingt beachten sollten Sie auch die parallel zum Festival stattfindenden Rahmenveranstaltungen, wie die Filmverführungen im Festivalkino Paradiso oder die Author-Talks, mit der Möglichkeit, die Künstler selbst live zu erleben, die sich dort direkt oder über die Festivalwebseite buchen lassen.

Unbedingt zur Planung als auch zur Begleitung auf dem Weg durch den Kunstparcours des Festivals La Gacilly-Baden Photo: die informative App zum Festival.
© La Gacilly Baden Photo.







