Bruneck steht im Juni im Zentrum eines neuen Festivals zur analogen Fotografie. Unter dem Titel „Beyond the Instant“ bündelt das Programm Ausstellungen, Workshops, Künstlergespräche und Fotowalks in Südtirol. Anlass der Veranstaltung ist die Auseinandersetzung mit analogen Verfahren und deren Bedeutung in einer zunehmend digitalen Bildkultur. Veranstaltungsorte sind unter anderem das Lumen am Kronplatz, das Eck Museum, das Fotoforum Bozen sowie verschiedene Ateliers und Galerien in Bruneck und Umgebung.

Das Festivalprogramm verbindet historische Techniken mit aktuellen Positionen internationaler Fotokunst. Gezeigt werden Arbeiten von Roger Ballen, Renato D’Agostin, Sissa Micheli oder Pip Marschalk. Hinzu kommen Artist Talks, Führungen und Präsentationen regionaler Fotografen. Im Mittelpunkt stehen klassische Verfahren wie Wet-Plate-Collodion, Großformatfotografie oder alternative Printtechniken. Auch Reparaturcafés und Analog-Flohmärkte gehören zum Konzept.
Eine besondere Rolle übernimmt der Workshop „Großformat Mit Jobo“, der in Kooperation mit dem deutschen Laborspezialisten stattfindet. Dabei geht es um die Arbeit mit großformatigem Filmmaterial in Verbindung mit Landschaftsaufnahmen in den Dolomiten. Die Einbindung von Jobo verweist auf die anhaltende Bedeutung spezialisierter Labor- und Entwicklungsprozesse innerhalb der analogen Szene.

Summit GroßformatKameras von Chamonix im Vertrieb von Jobo.
Neben Fachpublikum richtet sich das Festival auch an Familien und Einsteiger. Workshops zu Polaroid-Collagen oder Camera-Obscura-Techniken erweitern den klassischen Ausstellungsrahmen um praktische Vermittlungsangebote. Gleichzeitig entsteht ein Netzwerk aus Museen, Fotoclubs, Buchhandlungen und Werkstätten, welche die regionale Fotoszene sichtbar machen.
Dass Bruneck als Festivalstandort gewählt wurde, besitzt auch eine mediale Nebenlinie. Der Ort gilt als frühe journalistische Station von Markus Lanz, der hier geboren wurde und seine ersten journalistischen Arbeiten absolvierte. Bekannt als Fotograf wurde Markus Lanz später unter anderem durch seine Grönland-Fotografien sowie mehrere Publikationen für National Geographic. Die Verbindung von Journalismus, Reiseerzählung und Fotografie passt damit durchaus zum offenen Ansatz des Festivals.

Markus Lanz, stammt aus Bruneck, dem Austragungsort des Analogue Photo Fesitivals.
Das Programm zeigt, dass analoge Fotografie inzwischen weniger als Gegenmodell zur Digitaltechnik verstanden wird, sondern als bewusste Erweiterung fotografischer Praxis. Verfahren wie Großformat, Kollodium oder alternative Drucktechniken stehen heute für Entschleunigung, Materialität und handwerkliche Kontrolle. Festivals wie „Beyond the Instant“ greifen diesen Trend auf und verbinden ihn mit experimentellen Ansätzen, gemeinschaftlichen Formaten und kultureller Vermittlung. Gerade diese Mischung aus Technikgeschichte, künstlerischer Praxis und offenem Austausch dürfte die Veranstaltung für die aktuelle Fotoszene interessant machen.







