Das Umweltfotofestival gehört seit seiner Gründung im Jahr 2007 zu den Plattformen, die ökologische Themen durch Fotografie in den öffentlichen Raum tragen. Ein wiederkehrender Schwerpunkt lag stets auch auf dem Zustand der Meere. Vermüllung, Artensterben und nicht zuletzt die Gefährdung von Walen prägten zahlreiche Ausstellungen und Multivisionsshows.

Flip Nicklin und Norbert Rosing 2016 in der Multimediahalle zingst während der «horizonte zingst» © Heiner Henninges
Wale stehen dabei exemplarisch für die Ambivalenz zwischen Faszination und Bedrohung. Obwohl der kommerzielle Walfang seit 1986 weitgehend untersagt ist, bleiben die Tiere durch Umweltverschmutzung, Schiffsverkehr und Klimaveränderungen gefährdet. Das Festival griff diese Problematik früh auf. Bereits 2013 zeigte eine großformatige Open-Air-Installation in Zusammenarbeit mit National Geographic unter dem Titel „Giganten der Meere“ eindrückliche Bildwelten vom Leben der Wale am Strand von Zingst.
Einen vertieften Blick auf das Leben der Meeressäuger eröffnete 2016 der Fotograf Flip Nicklin. Seine Arbeiten verbinden dokumentarische Präzision mit langjährigem Engagement für den Schutz der Tiere. In deiner Multivisionsshow und Ausstellung wurde deutlich, wie eng fotografische Praxis und Naturschutz verknüpft sein können. Nicklin, der unter anderem mit Forschungseinrichtungen wie Whale Trust zusammenarbeitet, steht exemplarisch für eine Generation von Fotografierenden, die wissenschaftliche Erkenntnisse und visuelle Erzählformen zusammenführen.

Ausstellung von Tim Flach, Fotografien gefährdeter Tierarten während der «horizonte zingst» 2018 auf dem Postplatz. Die Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Magazin Stern realisiert. Das Foto zeigt die Aufnahme eines Beluga Störs aus der Open Air Installation.
© Heiner Henninges
Für Natur- und Wildlife-Fotografierende besitzt die Beobachtung von Walen eine besondere Bedeutung. Begegnungen mit den Tieren finden häufig unter kontrollierten Bedingungen im Rahmen von Expeditionen statt, bei denen Forschung, Tourismus und Fotografie ineinandergreifen. Das Fotografieren erfordert Geduld, technisches Verständnis und Respekt vor den Bewegungsmustern der Tiere. Lichtverhältnisse, Wasseroberfläche und Distanz bestimmen die Bildgestaltung. Gleichzeitig entsteht eine Form der Nähe, die über das reine Abbild hinausgeht. Die Erfahrung, einem Wal in freier Wildbahn zu begegnen, verändert die Perspektive auf marine Ökosysteme und deren Fragilität.
Wie stark sich künstlerische Interventionen in das öffentliche Bewusstsein einprägen können, zeigte eine Aktion des belgischen Künstlerkollektivs Captain Boomer. Ein lebensecht wirkender Pottwal am Strand von Zingst inszenierte das Szenario einer Strandung. Die Performance löste kontroverse Reaktionen aus und verwies auf reale Ereignisse wie das aktuelle Stranden des Buckelwals vor der Insel Poel. Die Arbeit verdeutlichte, wie Kunst zukünftige Entwicklungen antizipieren und Diskussionen anstoßen kann.

Peter Krüger, Gründer des Umweltfotofestivals «horizonte zingst» machte mit seinem Engagement für die Reinhaltung der Meere das bis dahin kaum bekannte Ostseebad zum Mekka internationaler Stars der Foptografie.
© Heiner Henninges
Die damalige Festivalleitung unter Peter Krüger und die kuratorische Arbeit von Klaus Tiedge prägten diese Phase durch eine klare Ausrichtung auf Umweltfragen. In den folgenden Jahren veränderten strukturelle Entscheidungen das Profil des Festivals. Beobachtende sprechen von einem Rückgang der inhaltlichen Schärfe und einer stärkeren ökonomischen Orientierung.
In der aktuellen Ausgabe rückt ein zentrales Motiv in den Fokus: der Mensch, nicht zuletzt auch als Hauptverursacher ökologischer Krisen. Damit schließt sich ein Kreis. Die fotografische Auseinandersetzung mit Walen verweist nicht nur auf die Tiere selbst, sondern auf die Verantwortung des Menschen für ihren Lebensraum.

Bereits 2021 adressierte die hochkarätige Installation großformatiger Porträtfotos der letzten Ostseefischer am Zingster Strand, aufgenommen von Franz Bischof und Jan Kuchenbecker eindrucksvoll das Thema Mensch, Meer und Umwelt. © Heiner Henninges
Fazit
Die Darstellung von Walen bei „„horizonte zingst»“ zeigt, wie Fotografie Naturerfahrung und Umweltbewusstsein verbinden kann. Für Wildlife-Fotografierende entsteht aus der Begegnung mit den Tieren ein Zugang, der über das Bild hinausreicht und ökologische Zusammenhänge sichtbar macht. Gleichzeitig fungieren die Arbeiten als Dokumente einer bedrohten Umwelt und als Aufforderung zur Reflexion über das eigene Handeln.
Das 19. Umweltfotofestival findet vom 29.5. – 7.6.2026 statt. ( 2020 wurde es wegen der Corona Epidemie abgesagt und somit, ist es erst das 19. Festival) Alle Informationen über das diesjährige Programm gibt es auf der speziellen «horizonte zingst» Webseite.
Siehe auch unseren Beitrag mit Antworten der Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt auf die häufigsten Fragen betreffend den bei der Ostseeinsel Poel gestrandeten Buckelwals.







