Mit der Ausstellung „Hiroshi Sugimoto: Extinction“ widmet das National Museum of Modern Art in Tokio einem der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen Fotografie eine umfassende Retrospektive. Vom 16. Juni bis 13. September 2026 werden rund 60 Silbergelatine-Fotografien gezeigt, die einen Bogen von Sugimotos frühen Arbeiten der späten 1970er-Jahre bis zu aktuellen Werken schlagen.
Teil der Ausstellung ist die Installation „Camera Man“, deren technische Umsetzung durch eine Kooperation von Sigma und dem japanischen Brillenhersteller JINS ermöglicht wurde. Das Projekt greift eine zentrale Fragestellung Sugimotos auf: die enge Verbindung zwischen dem menschlichen Auge und der Kamera.

Jamaika, Karibik, 1980 Gelatine Silberdruck 119.4 × 149,2 cm
© Hiroshi Sugimoto / Mit freundlicher Genehmigung der Galerie Koyanagi
Ausgangspunkt des Werkes ist die Überlegung des Künstlers, dass eine Kamera den anatomischen Aufbau des menschlichen Auges widerspiegelt. Gemeinsam mit den Entwicklungsabteilungen von Sigma und JINS entstand dafür eine brillenförmige Kamera, die den Eindruck vermittelt, das menschliche Auge verfüge über einen Kameraverschluss. Nach drei Minuten vollständiger Dunkelheit löst der Träger den Verschluss manuell aus. Das für eine Sekunde einfallende Bild der Außenwelt wird dabei symbolisch auf der Netzhaut – dem „Film der Erinnerung“ – gespeichert.
Sugimoto beschreibt die Idee hinter dem Werk so:
„Eine Kamera ist ein Gerät, das den Aufbau des menschlichen Auges widerspiegelt. Das Objektiv entspricht der Augenlinse, die Blende der Pupille und der Film der Netzhaut. Was dem menschlichen Auge jedoch fehlt, ist ein Verschluss. Deshalb entwickelte ich die Idee der ‚Camera Man‘, indem ich dem Auge einen Verschluss hinzufügte.“
Über die technische Funktion hinaus versteht der Künstler die Installation als Reflexion über Zeit und menschliche Existenz. Die dreiminütige Phase der Dunkelheit steht sinnbildlich für die rund 15.000-jährige Entwicklung der menschlichen Zivilisation, während die einsekündige Belichtung die Dauer eines einzelnen Lebens symbolisiert. So entsteht eine unmittelbare Erfahrung des Verhältnisses zwischen individueller Lebenszeit und kultureller Geschichte.

《Palace Theatre, Gary》 2015 Gelatine Silber Druck 119.4 × 149.2 cm
© Hiroshi Sugimoto / Mit freundlicher Genehmigung der Galerie Koyanagi
Die Ausstellung selbst widmet sich den fotografischen Werkgruppen, mit denen Hiroshi Sugimoto internationale Anerkennung erlangte. Serien wie Dioramas, Seascapes oder Theaters gehören zu den prägenden Positionen der konzeptionellen Fotografie. Gleichzeitig thematisiert „EXTINCTION“ die klassische Silberhalogenid-Fotografie, deren handwerkliche Verfahren im digitalen Zeitalter zunehmend an Bedeutung verlieren.
Begleitend präsentiert das Museum sämtliche Werke Sugimotos aus der eigenen Sammlung sowie Notizbücher des Künstlers, die Einblicke in seinen Arbeitsprozess ermöglichen. Es handelt sich um seine erste ausschließlich fotografische Einzelausstellung in einem japanischen Museum seit mehr als zwanzig Jahren.
Mit seiner technischen Beteiligung unterstreicht Sigma erneut das Engagement für Projekte an der Schnittstelle von Fotografie, Kunst und optischer Forschung. Das Unternehmen bringt dabei seine Kompetenzen in der Entwicklung und Fertigung optischer Systeme ein und unterstützt regelmäßig kulturelle Vorhaben, die sich mit der Geschichte, Technik und Zukunft der Fotografie auseinandersetzen. Die Kooperation mit Hiroshi Sugimoto zeigt, dass sich industrielle Präzision und künstlerische Fragestellungen produktiv ergänzen können.

Popcot 2025 Gelatine Silber Druck 119.4 × 185.4 cm
© Hiroshi Sugimoto / Mit freundlicher Genehmigung der Galerie Koyanagi
Fazit
Die Unterstützung von „Camera Man“ verdeutlicht, dass technologische Kompetenz auch außerhalb klassischer Produktentwicklung einen Beitrag zur Fotokultur leisten kann. Für Sigma ist das Projekt zugleich ein Beispiel für nachhaltige Kulturförderung im Bereich der Fotografie, indem innovative Kunstprojekte ermöglicht werden, die technische Entwicklungen und fotografische Tradition miteinander verbinden.
Ausstellung: HIROSHI SUGIMOTO: EXTINCTION
Zeitraum:
16. Juni bis 13. September 2026
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10:00–17:00 Uhr
Freitag und Samstag: 10:00–20:00 Uhr
Montags (außer 20. Juli) sowie 21. Juli geschlossen
Ausstellungsort:
The National Museum of Modern Art, Tokyo
Special Exhibition Gallery (1. Obergeschoss)
Katalog zur Ausstellung
HIROSHI SUGIMOTO: EXTINCTION

Format: A4 Deformation
Seiten:212Seiten
Sprache: Japanisch, Englisch
Erschienen bei Nikkei Inc.
Preis: 4.400 Yen







