Das Dokumentarprojekt »Wee Muckers – Jugend in Belfast« des deutschen Fotografen Toby Binder, führt in die Straßen von Belfast, wo junge Menschen im langen Schatten einer von Religion, Politik und Erinnerung gezeichneten Stadt aufwachsen. Vom 16. Juli bis 16. August 2026 kann man in der GAF, Galerie für Fotografie, die Ausstellung „Wee Muckers – Jugend in Belfast“ mit den beeindruckenden Bildern von Toby Binder sehen.
Seitdem der Brexit die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland wieder zu einer stärker markierten Außengrenze gemacht hat, gerät der ohnehin fragile Frieden auf der Insel erneut unter Druck. Die einst nahezu unsichtbare Grenze galt als eine wesentliche Voraussetzung dafür, den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten zu befrieden. Zugleich hat der wirtschaftliche Niedergang infolge des EU-Austritts Großbritanniens Nordirland besonders hart getroffen – vor allem die jungen Menschen in den Arbeitervierteln Belfasts.
In den Fotografien von Toby Binder begegnen wir ihrem Alltag ohne jede Beschönigung: einem Leben zwischen Arbeitslosigkeit, Drogenabhängigkeit, Alkoholmissbrauch, Gewalt und dem Fehlen jeglicher Perspektive. Dabei spielt es kaum eine Rolle, auf welcher Seite der vielen Friedensmauern sie aufgewachsen sind, die katholische und protestantische Viertel Belfasts voneinander trennen. Die sozialen Wunden verlaufen tiefer als die Mauern, die ihre Viertel trennen.
Die klassischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen greifen die Ästhetik der traditionellen Reportagefotografie auf und lassen die Narben der Vergangenheit zwischen den Bildern nachhallen. Zugleich erzählen sie von einer Generation, die sich den alten Gräben entzieht: von Freundschaften, Träumen und einem Alltag, der oft mehr Verbindendes als Trennendes offenbart. So entsteht ein sensibles Porträt einer Jugend, die ihren eigenen Weg zwischen historischem Erbe, den neuen Unsicherheiten des Brexits und neuen gesellschaftlichen Spannungen sucht. Denn der aktuell um sich greifende Rassismus wurde lange durch kaum sichtbare Migration und das übermächtige Feindbild des Sektarismus überdeckt.
Toby Binder (*1977) ist ein vielfach ausgezeichneter deutscher Dokumentarfotograf. In seinen Langzeitprojekten widmet er sich vor allem Jugendlichen und gesellschaftlichen Randgruppen. Internationale Anerkennung erhielt er mit »Wee Muckers – Youth of Belfast«, einer fotografischen Langzeitstudie über das Aufwachsen junger Menschen im Spannungsfeld der nordirischen Konfliktgeschichte. Seine Arbeiten wurden unter anderem mit dem Felix Schoeller Photography Award, dem Philip Jones Griffiths Award sowie Preisen der Sony World Photography Awards ausgezeichnet.











