Vom 5. Juni 2026 bis 10.1.2027 stellt das MK&G, Museum für Kunst und Gewerbe, die ägyptische Künstlerin Sara Sallam vor, die eigens für das Museum Arbeiten entwickelt hat, sich in drei Kapiteln mit der archäologischen und fotografischen Sammlung des MK&G sowie deren kolonialem Erbe auseinander. Wie können wir heute auf die gewaltsamen Praktiken der Kolonialzeit blicken? Wie lassen sich Wunden sichtbar machen – und ein Prozess der Heilung anstoßen? In der Ausstellung „Sara Sallam – Fürsorge. Fotografie neu ordnen“ Im Rahmen der 9.Triennale der Photographie Hamburg 2026 „Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other“ präsentiert das MK&G die Werke der jungen, in den Niederlanden lebenden Künstlerin erstmals in Deutschland. Sallams forschungsbasierte Praxis umfasst Fotografie, Video, Text, Archivinterventionen und Künstler*innenbücher.

Suturing Wounds, 2026
Selbstporträt in einer handgenähten Tunika aus
textilen Faksimiles aus der Sammlung des
Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg
Courtesy of the Artist
In poetischen Neuinterpretationen als multimediale Installationen, performativ Erzählung und selbst gestalteten Publikationen entwickelt Sara Sallam oftmals Gegenerzählungen zu historischen Narrativen aus kolonialen Kontexten, die dazu einladen, die Vergangenheit neu zu betrachten. In „Suturing Wounds“ (2024–heute) beispielsweise komponiert die Künstlerin Faksimiles fragmentierter koptischer Textilien aus der Antikensammlung des MK&G zu einer handgenähten Tunika und inszeniert diese in fotografischen Selbstportraits. Dem Akt des Ausgrabens und Fragmentierens setzt die Künstlerin das Zusammenfügen und Nähen entgegen – eine Geste des Widerstands und zugleich ein heilendes Ritual, mit dem sie ihren unbekannten Vorfahr*innen gedenkt.
Sara Sallam: „Meine Arbeit beginnt oft mit der Erforschung von Museumsarchiven auf der Suche nach zum Schweigen gebrachten marginalisierten Stimmen. Ich suche nach Möglichkeiten, die durch koloniale Praktiken verursachten Wunden zu nähen und zu heilen. Durch ein empathisches Erzählen hinterfrage ich die dominanten Narrative, die unser kollektives Gedächtnis seit Langem prägen, und biete stattdessen Perspektiven an, die auf Fürsorge und Erinnerung gründen. Mit diesen Gesten hoffe ich, die Verwandtschaft mit meinen altägyptischen Vorfahren neu zu imaginieren.“

They Placed the Tiles Afterwards, 2021–heute
Ausstellungsansichten Ägyptisches Museum, Kairo
Courtesy of the Artist
Sara Sallam (* 1991) ist eine multidisziplinäre Künstlerin. Sie wuchs in Ägypten auf und lebt heute in den Niederlanden. Sie studierte Mediendesign in Kairo, Dokumentarfotografie in London und Film- und Fotowissenschaften in Leiden. Sallams Arbeiten wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt.
FOTOGRAFIE NEU ORDNEN
In der Ausstellungsreihe „Fotografie neu ordnen“ werden Themen, Positionen, aber auch Leerstellen der Sammlung Fotografie und neue Medien am MK&G durch zeitgenössische künstlerische Interventionen kritisch hinterfragt. Langfristig verfolgt das Museum das Ziel, die Sammlung mit Arbeiten von Fotograf*innen migrantischer Herkunft zu erweitern und zu diversifizieren.
Die Ausstellung findet im Rahmen der 9. Triennale der Photographie Hamburg 2026 mit dem Titel „Alliance, Infinity, Love – in the Face of the Other“ (5. Juni bis 22. September 2026) statt. Die Ausstellung wird unterstützt vom Ausstellungsfonds der Freien und Hansestadt Hamburg sowie vom Mondriaan Fund.








