Bis 6. April 2026 kann man in der Bundeskunsthalle noch sowohl Unter- als auch Überwasser die Faszination der Weltmeere in zahlreichen Ausstellungsobjekten und Bildern erleben. Etwa 70 % der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt, davon sind 96,5% Meerwasser. Müsste die Erde nicht eigentlich „Planet Wasser“ heißen? Die Weltmeere gelten als der Ursprung allen Lebens auf der Erde. Sie bieten Rohstoffe, Energie, Nahrung, Transportwege und funktionieren als Klimamaschine. Die kulturhistorische und immersive Ausstellung Expedition Weltmeere beleuchtet nicht nur die „oberflächliche“ Beziehung zwischen Mensch und Meer, sondern taucht auch in die geheimnisvollen submarinen Gefilde ein.
Bereits seit 4 000 Jahren nutzen Menschen die Wasserwege als globalen Highway, deshalb mutet es geradezu paradox an, dass wir heute über die Oberflächen von Mond und Mars mehr wissen als über die
Weltmeere, deren Tiefen lediglich zu 5% erforscht sind. Die Weltmeere waren stets imaginäre Räume, die Sehnsüchte weckten, Fantasie anregten, aber auch Ängste schürten. Seit jeher spielten sie beim Austausch zwischen Völkern und Kontinenten eine Schlüsselrolle: Waren, Ideen und Religionen verbreiteten sich immer auch auf dem Seeweg. Die Meere wurden auf der Suche nach Siedlungsmöglichkeiten, nach Gold, Gewürzen und neuen Wissensquellen überquert. So entstanden in einem jahrhundertelangen Prozess von Interaktionen vielfältige Verbindungen und Netzwerke rund um den Globus. Bereits in der Frühzeit war die Seefahrt ein Mittel ökonomischer und machtpolitischer Expansion: Wer die Meere beherrschte, hatte auch am Land das Sagen. Der beschämendste Aspekt dieses transkontinentalen Strebens nach Macht und Reichtum war der Handel mit versklavten Menschen aus Afrika (15. bis 19. Jahrhundert), deren Schwerstarbeit den Wohlstand Europas und der Vereinigten Staaten von Amerika überhaupt erst ermöglichte.

Ausstellungsansicht, Expedition Weltmeere, Foto: Mick Vincenz, 2025 © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Die Ozeane und Meere sind der größte zusammenhängende Lebensraum unseres Planeten. Da sie Wärme und CO2 in großen Mengen speichern, haben sie maßgeblichen Einfluss auf Wetter und Klima. Umgekehrt nehmen sie und ihre Ökosysteme durch die Auswirkungen des Klimawandels erheblichen Schaden. Auch Überfischung, industrielle Nutzung, intensiver Schiffsverkehr und die anthropogene Verschmutzung drohen die faszinierende Vielfalt der Weltmeere zu vernichten.

Edward Burtynsky, Schiffsabwrackung 32, Chittagong, Bangladesch, 2001 © Edward Burtynsky, mit freundlicher Genehmigung der Galerie Springer Berlin

Die Endurance im Packeis während Shackletons Expedition in die Antarktis, 1915, Foto Frank Hurley © Public Domain
Die Ausstellung konzentriert sich auf drei große Themenschwerpunkte: Die Tiefsee mit ihren rätselhaften Lebenswelten und dem fragilen Ökosystem, die Weltmeere als umkämpfter Wirtschaftraum und Grundlage der Globalisierung und schließlich die Weltmeere als Sehnsuchtsort und Transferraum für Menschen und Ideen. Diese geheimnisvollen Gefilde waren schon immer eine Inspirationsquelle für Fantasie und Kreativität: Neben Originalobjekten aus Natur, Wissenschaft und Technik führen historische wie zeitgenössische Kunstwerke die gefährdete Schönheit der marinen Flora und Fauna vor Augen und animieren zum Nachdenken über die wechselvolle Beziehung zwischen Mensch und Meer.
Die beiden immersiven Stationen in der Ausstellung, Der Fahrstuhl in die Tiefsee und Die Unterwasserstation, vermitteln neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in einem zeitgemäßen Format. Bei der Station Der Fahrstuhl in die Tiefsee sind Assoziationen mit der Nautilus, dem berühmten Unterwasserboot des Kapitän Nemo, durchaus naheliegend. Der Fahrstuhl wurde als eine Kabine für mehrere Personen konzipiert, deren „Fenster“ aus großen Monitoren bestehen, auf denen auf acht „Etagen“ die dort lebende Meeresflora und -fauna in Originalaufnahmen zu sehen sind. Die Unterwasserstation erzählt die Geschichte der Endurance, des vermutlich berühmtesten Expeditionsschiffs der Wissenschaftsgeschichte, mit dem der Polarforscher Ernest Shackleton 1914 zu seiner Trans-Antarktis Expedition aufbrach. Das Schiff sank 1915, ohne sein Ziel zu erreichen, sein Wrack wurde erst 2022 in 3 008 Metern Tiefe entdeckt – eine weltweite Sensation.
Die realitätsnah gestaltete Unterwasserstation bietet den Ausgangspunkt für die Erkundung des Wracks der Endurance auf dem Meeresboden.
Eine Kooperation der Bundeskunsthalle mit GEOMAR Helmholtz-Zentrum fürOzeanforschung Kiel
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Helmut-Kohl-Allee 4
53113 Bonn








