Das Kunstmuseum Bonn zeigt vom 08. November 2026 bis zum 16. Mai 2027 die Ausstellung „Fadenkreuze für das Leben“ ein Projekt der renommierten Fotografin Herlinde Koelbl, die sich einer der häufigsten Erkrankungen unserer Zeit widmet. Das Projekt versammelt Porträts und Gesprächsaufzeichnungen von mehr als 40 an Krebs erkrankten Menschen. Mit den Bildern wirft Herlinde Koelbl einen eindringlichen künstlerischen Blick auf Krankheit, Verletzlichkeit und Hoffnung.
Die Ausstellung entsteht in einer besonderen Kooperation zwischen der Deutschen Krebsgesellschaft e. V., der Stiftung Deutsche Krebshilfe und dem Kunstmuseum Bonn. Gemeinsam verfolgen die Partner das Ziel, den tiefgreifenden Erfahrungen Betroffener mehr Raum im öffentlichen Bewusstsein zu geben und einen gesellschaftlichen Dialog anzustoßen.
Ausgangspunkt der Arbeit ist die eigene Krebserkrankung von Herlinde Koelbl in den Jahren 2019/20. Während ihrer Behandlung beschäftigten sie insbesondere die Markierungen der Strahlentherapie – sogenannte Radiotherapie-Fadenkreuze, die der präzisen Ausrichtung der Bestrahlung dienen. Die Künstlerin erkannte darin eine überraschende Verbindung zu ihrem früheren Projekt Targets, für das sie Schießziele und Fadenkreuze beim Militär fotografiert hatte: Dort stehen sie für das Töten, in der Krebstherapie für das Überleben.
Für das Projekt sprach Koelbl mit Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft über ihre Erfahrungen mit der Krankheit. Die daraus entstandenen Gesprächsaufzeichnungen sowie die eindrucksvollen Porträts machen persönliche Geschichten von Angst, Hoffnung, Verlust und neuer Zuversicht sichtbar. So entsteht ein bewegendes Panorama menschlicher Verletzlichkeit und Stärke – und ein Plädoyer für einen offeneren gesellschaftlichen Umgang mit Krebs.
Dr. Claudia Emmert, Intendantin Kunstmuseum Bonn:
„Das Besondere bei Herlinde Koelbl ist, dass sie Bild und Sprache miteinander verbindet. Dass sie die Porträtierten auch interviewt und so einen doppelten Zugang zu den Menschen ermöglicht. In diesem Fall ist das besonders berührend. Denn die an Krebs Erkrankten begegnen uns direkt, ehrlich und schonungslos in ihrer Selbstreflexion. Jedwede Beschönigung ist ihnen fremd. Das Leben wird für sie zu einem unschätzbar kostbaren Gut, das Bewusstsein für die eigene Vergänglichkeit schärft sich. „Die Zeit ist endlich. Aber wenn du es erlebst, ist es eine ganz andere Nummer“, sagt eine der dargestellten Personen treffend.“
Mirjam Einecke -Renz, Abteilungsleitung Politik, Kommunikation und Netzwerk in der Deutschen Krebsgesellschaft: „In den letzten Jahren gab es große Fortschritte bei der Behandlung von Krebs. Die Therapien werden zielgerichteter, Nebenwirkungen fallen milder aus und die Überlebenschancen steigen. Für Krebserkrankte sind das gute Nachrichten . Dennoch bedeutet die Diagnose Krebs für die meisten einen tiefen Einschnitt. Krebsbetroffenen setzen sich mit ihrer Vergänglichkeit und Verletzlichkeit auseinander – genauso wie deren Familien und Freundeskreis. Herlinde Koelbl trägt mit ihrer Kunst dazu bei, das Thema zuenttabuisieren und den Erfahrungen und Emotionen der Betroffenen Raum zu geben. Als größte onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum freuen wir uns, diese Ausstellung als Partner zu unterstützen und den Blick auf die Erkrankung zu weiten.“
Tim Braun, Bereichsleiter Kommunikation, Deutsche Krebshilfe, Bonn : „Hinter jeder Krebsdiagnose steht ein Mensch mit seiner ganz eigenen Geschichte, seinen Ängsten, Hoffnungen und Bedürfnissen. Diese Menschen stehen im Mittelpunkt der Arbeit der Deutschen Krebshilfe. Seit mehr als 50 Jahren fördern wir die Krebsforschung, setzen uns für eine bestmögliche Versorgung ein und stehen Betroffenen und ihren Angehörigen mit Information, Beratung und konkreter Hilfe unmittelbar zur Seite. Herlinde Koelbl gibt den Menschen hinter der Diagnose ein Gesicht und eine Stimme. Deshalb unterstützen wir diese besondere Ausstellung: Sie macht deutlich, worum es bei unserem Engagement im Kern geht – um Menschen mit Krebs und ihre Lebensperspektiven.“
Zur Ausstellung erscheint das Buch Fadenkreuze für das Leben von Herlinde Koelbl im Herder Verlag, mit Beiträgen von Horst Bredekamp und Daniel Zips .










