Bis zum 7. Januar 2027 zeigt das Amerikahaus München die Ausstellung zweier Werkgruppen des US-Fotografen Johnny Miller „Unequal Scenes & Salt Works“. Eindrucksvolle Aufnahmen von oben dokumentieren Perspektiven sozialer Ungleichheit und durch den Menschen geformte Landschaften. In seinen Werkgruppen setzt sich Miller fotografisch mit den räumlichen, sozialen und politischen Strukturen unserer Gegenwart auseinander.
Für seine international bekannte Serie Unequal Scenes nutzt Miller Drohnen, um Städte und urbane Räume von oben zu
zeigen und herrschende soziale und ökonomische Ungleichheit an den verschiedensten Orten der Welt in vertikalen Fotografien
in Szene zu setzen. Millers Aufsichtsfotografien aus Ländern wie Südafrika, Kenia, Brasilien, Kolumbien, den Philippinen und den Vereinigten Staaten zeigen Übergänge und Trennungen zwischen verschiedenen Stadtteilen und Territorien sowie
zwischen unterschiedlichen Lebenswelten, die Grenzen zwischen Arm und Reich. Gleichzeitig faszinieren seine
Aufnahmen durch ihre Muster und Ästhetik ihrer Kompositionen.
So etwa zeigt eines seiner Fotos, wie in einem der größten und am dichtesten besiedelten Stadtgebiete Manilas die Containerterminals des Hafens der philippinischen Hauptstadt unmittelbar bis an den Rand von Isla Puting Bato reichen, wo die größtenteils informell errichteten Behausungen auf Pfählen über dem Wasser der Bucht stehen: links Pfahlbauten, rechts riesige Containerschiffe. Einige der einkommensschwächsten Bevölkerungsgruppen der Stadt leben so unmittelbar neben den weitläufigen und wirtschaftlich bedeutenden Hafen- und Logistikflächen. Die Bucht von Manila zählt zu den am stärksten verschmutzten Gewässern des Landes und die Siedlung ist zur Räumung vorgesehen.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten aus Millers Fotoserie Salt Works. Hier richtet der Fotograf seinen Blick auf die farbintensiven Landschaften industrieller Salzgewinnung in Namibia, Mexiko und der San Francisco Bay Area, die durch menschliche Eingriffe geformt wurden. Aus der Luft entstehen Bilder von malerischer Qualität: Leuchtende Rot-, Grün- und Blautöne formen geometrische Felder, die an abstrakte Gemälde erinnern. Die Farben entstehen durch Mikroorganismen, deren Erscheinungsbild sich mit zunehmender Salzkonzentration verändert. Hinter der visuellen Schönheit offenbart sich zugleich ein
komplexes Zusammenspiel von Natur, Technologie und menschlichem Eingriff in die Landschaft.
In beiden Werkserien bewegt sich Miller an der Schnittstelle von Dokumentation und Abstraktion. Seine Fotografien faszinieren durch ihre formale Schönheit und eröffnen zugleich einen kritischen Blick auf die räumlichen, sozialen und ökologischen Strukturen der Gegenwart. Gerade diese Verbindung von ästhetischer Faszination und gesellschaftlicher Relevanz macht Johnny Miller zu einer der markantesten fotografischen Stimmen seiner Generation.
Begleitend zur Ausstellung erscheint die Publikation Johnny Miller – Unequal Scenes, herausgegeben von Buchkunst Berlin. Das Fotobuch versammelt eine umfassende Auswahl von Arbeiten aus dem gleichnamigen Langzeitprojekt.









