Der aus Ghana stammende Fotograf James Barnor erhält den Ehrenpreis „Outstanding Contribution to Photography“ der Sony World Photography Awards 2027 (SWPA). Die Auszeichnung würdigt sein Werk, das den gesellschaftlichen Wandel in Ghana und das Leben schwarzer Gemeinschaften in Accra und London dokumentiert. Eine Ausstellung im Londoner Somerset House zeigt im April und Mai 2027 mehr als 50 Arbeiten aus seiner über fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere.

James Barnor, Sick-Hagemeyer assistant, Accra, 1971
© James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de
la Féronnière
Ein fotografisches Archiv des gesellschaftlichen Wandels
James Barnor wurde 1929 in Ghana geboren. 1950 begann er als erster festangestellter Fotograf der neu gegründeten Tageszeitung Daily Graphic. Seine Aufnahmen dokumentierten die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen auf dem Weg zur Unabhängigkeit Ghanas im Jahr 1957. Dazu gehörten öffentliche Versammlungen, Straßenparaden und die Unabhängigkeitserklärung von Kwame Nkrumah.
1953 eröffnete Barnor das Ever Young Studio im Stadtteil Jamestown in Accra. Dort porträtierte er Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. Seine Bilder zeigen unter anderem Angestellte, Studenten, Verkehrspolizisten, Richter und Politiker. Die Porträts dokumentieren eine Gesellschaft, die ihre nationale Identität neu definierte.

James Barnor, Untitled #2, Two friends dressed for a church celebration, Accra, 1970s
© James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière
1959 zog Barnor nach Großbritannien, um seine technischen Kenntnisse der Fotografie zu vertiefen. Am Medway College of Art in Kent beschäftigte er sich mit der Farbfotografie. Anschließend arbeitete er als Farbprinter bei Colour Processing Laboratories. Für das südafrikanische Magazin Drum fotografierte er schwarze Models und Persönlichkeiten. Seine Porträts erschienen auf Titelblättern und in Modestrecken. Sie dokumentierten das Leben der afrikanischen Diaspora in London und wurden Teil der visuellen Geschichte schwarzer Gemeinschaften in Europa und Afrika.

James Barnor, Sick-Hagemeyer assistant, Accra, 1971
© James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière
Nach einer Ausbildung bei Agfa-Gevaert in Belgien und Deutschland kehrte Barnor Ende der 1960er-Jahre nach Ghana zurück. Als technischer Vertreter des Unternehmens richtete er dort das erste Farbfotolabor des Landes ein. Zugleich arbeitete er weiterhin als Fotograf und Journalist. Seine Tätigkeit trug zur Verbreitung der Farbfotografie in Ghana bei.

James Barnor, Selina Opong, one of the first policewomen in Ghana, caught in a pensive pose,
Ever Young Studio, c. 1954–56
© James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière
Retrospektive im Somerset House
Vom 16. April bis 3. Mai 2027 zeigt das Somerset House in London eine Sonderpräsentation mit mehr als 50 Arbeiten Barnors. Die Retrospektive ist Teil der Ausstellung der Sony World Photography Awards 2027. Sie folgt Barnors Weg von Accra nach London, seinen Studien zur Farbfotografie und seiner Rückkehr nach Ghana.
Zu den ausgestellten Werken gehören fotografische Abzüge und Archivmaterial aus verschiedenen Schaffensphasen. Die Bildauswahl reicht von frühen Studioaufnahmen über Porträts aus dem London der 1960er-Jahre bis zu Fotografien aus Ghana. Darunter finden sich Aufnahmen der ghanaischen Polizistin Selina Opong, ein Bild von Muhammad Ali mit seinen Fans in London sowie Porträts aus dem Umfeld des Magazins Drum.

James Barnor, Muhammad Ali surrounded by his fans, London, 1966
© James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière
Die Ausstellung macht sichtbar, wie Barnor persönliche Porträts mit gesellschaftlicher Dokumentation verband. Seine Bilder zeigen nicht nur historische Ereignisse, sondern auch Mode, Alltag und soziale Beziehungen. Damit geben sie Einblick in Lebenswelten, die in der internationalen Fotografiegeschichte lange nur eingeschränkt vertreten waren.
Auszeichnung im Rahmen der 20. Sony World Photography Awards
Der Preis „Outstanding Contribution to Photography“ würdigt Fotografen, deren Arbeit die Entwicklung des Mediums geprägt hat. Barnor gehört damit zu einer Reihe von Preisträgern wie Martin Parr, Graciela Iturbide, Edward Burtynsky, Sebastião Salgado, Susan Meiselas und Joel Meyerowitz.

James Barnor, Medway College, Rochester,
c. 1960-1963 © James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière
Die Sony World Photography Awards werden von Creo unter dem Dach der World Photography Organisation veranstaltet. Die 2027er-Ausgabe markiert das 20-jährige Bestehen des Wettbewerbs. Die Preisverleihung findet am 15. April 2027 in London statt. Im Rahmen der Gala werden auch die Gesamtsieger des Wettbewerbs bekannt gegeben.
Barnor äußerte sich zur Auszeichnung mit den Worten: „I am honoured to receive this award.“ Er erinnerte daran, dass er in einer Fotografenfamilie aufgewachsen sei und viel von deren Erfahrung habe aufnehmen können. Seine Arbeit habe ihn von Ghana nach London und wieder zurückgeführt. Für jüngere Fotografen formulierte er eine Botschaft: „I hope this exhibition will inspire them to stay curious, to tell their own stories, and to pass on what they know.“

James Barnor, Drum cover girl Erlin Ibreck, Kilburn, London, 1966
© James Barnor / Courtesy Galerie Clémentine de la Féronnière
Fazit
Die Auszeichnung für James Barnor würdigt einen Fotografen, dessen Werk dokumentarische, gesellschaftliche und technische Bedeutung verbindet. Seine Bilder halten den Wandel Ghanas ebenso fest wie das Leben schwarzer Gemeinschaften in Großbritannien. Die Ausstellung im Somerset House bietet die Gelegenheit, diese fotografische Entwicklung anhand von Originalabzügen und Archivmaterial nachzuvollziehen. Ihre Besonderheit liegt darin, Barnors Werk nicht allein als persönliche Karriere, sondern als wichtigen Beitrag zur Geschichte der afrikanischen Fotografie und ihrer Diaspora einzuordnen.







