Historische Leica-Kameras bleiben auf dem internationalen Sammlermarkt ein begehrtes Gut. Bei der 48. Leitz Photographica Auction in Wetzlar erzielten mehrere seltene Modelle Preise im sechsstelligen Bereich. Besonders gefragt waren Kameras aus den 1950er Jahren sowie seltene Prototypen und Sondereditionen. Die jüngste Ausgabe der Leitz Photographica Auction hat erneut gezeigt, welche wirtschaftliche Bedeutung seltene Kameras und fotografische Sammlerstücke inzwischen besitzen. Im Fokus standen mehrere Leica-Modelle, deren Versteigerungsergebnisse teils deutlich über den Erwartungen lagen.

Die Leica MP-33 kam bei der 48. Leitz Photographica Auktion für 600.000 Euro unter den Hemmer.
Den höchsten Zuschlag erhielt eine Leica MP-33 aus dem Jahr 1957. Das für die Reportagefotografie entwickelte Modell wechselte für 600.000 Euro inklusive Aufgeld den Besitzer. Von der Leica MP wurden insgesamt lediglich 402 Exemplare gefertigt, darunter nur 141 Kameras in schwarzer Lackierung. Die nun versteigerte Kamera wurde ursprünglich nach Schweden ausgeliefert und zusammen mit passendem Leicavit-Schnellaufzug sowie einem Summicron-Objektiv angeboten.
Fast ebenso hoch fiel das Ergebnis für den Leica Ig Prototyp mit der Seriennummer 750000 aus. Die experimentelle Entwicklungsstufe der Schraubgewinde-Kameras erzielte 540.000 Euro. Für Sammler besitzt das Einzelstück nicht nur wegen seiner konstruktiven Besonderheiten Bedeutung. Auch die markante Seriennummer trägt zur Attraktivität des Prototyps bei.

Leica Ig Prototyp Nr. 750000
Für die größte Überraschung der Auktion sorgte jedoch eine Leica IIIb in schwarzer Lackierung aus dem Jahr 1938. Das Modell erzielte 312.000 Euro und lag damit nahezu beim Zehnfachen des zuvor angesetzten Schätzwertes. Nach Archivunterlagen wurden lediglich fünf Exemplare dieser Ausführung produziert und in die USA ausgeliefert. Die extreme Seltenheit erklärt die starke Nachfrage unter internationalen Bietern.

Leica M10-P Safari Prototyp zum zehnjährigen Bestehen von Leica Meister Berlin.
Bemerkenswert entwickelte sich auch die Nachfrage nach jüngeren Sondereditionen. Das Leica MP 10323 „Meister Edition Berlin“ Outfit aus dem Jahr 2017 wurde für 132.000 Euro versteigert, obwohl die Schätzung lediglich zwischen 26.000 und 30.000 Euro gelegen hatte. Auch andere limitierte Modelle der vergangenen Jahre konnten deutliche Wertsteigerungen verzeichnen.
Alexander Sedlak, Geschäftsführer der Leitz Photographica Auction, sieht darin eine Bestätigung der Entwicklung des Sammlermarktes. Die Nachfrage nach historischen Kameras und Zubehör bleibe auf hohem Niveau. Gleichzeitig steige das Interesse an seltenen Sondereditionen jüngerer Baujahre.

Alexander Sedlak vor dem Leica Shop in der Westbahnstraße. Wien,
Aus wirtschaftlicher Sicht verdeutlichen die Ergebnisse die zunehmende Rolle hochwertiger Sammlerobjekte als alternative Anlageklasse. Während klassische Finanzmärkte Schwankungen unterliegen, profitieren außergewöhnlich seltene Kameras von ihrer begrenzten Verfügbarkeit und ihrer historischen Bedeutung. Allerdings bleibt dieser Markt stark von Emotionen, Sammlerleidenschaft und individueller Zahlungsbereitschaft geprägt.

Die Leica MP 10323 „Meister Edition Berlin“ Outfit, brachte 132.000 Euro ein‘,
© Leitz Photographica Auction/Leica
Neben den hochpreisigen Losen wurde auch ein Prototyp der Leica M10-P Safari für einen guten Zweck versteigert. Die Kamera erzielte 16.000 Euro. Der Erlös geht an die österreichische Hilfsorganisation „Licht ins Dunkel“.

Leica M10-P Safari Prototyp
Weitere Auktionen sind bereits geplant. Im Oktober findet die Fotografie-Auktion „Perspectives“ in Wien statt. Ende November folgt die 49. Leitz Photographica Auction erneut in Wetzlar.
Fazit
Die Ergebnisse der Auktion unterstreichen die anhaltende Bedeutung seltener Kameras als Sammelobjekte mit internationaler Nachfrage. Für passionierte Sammler stehen dabei häufig nicht technische Eigenschaften im Vordergrund, sondern historische Einordnung, Provenienz, Produktionszahlen und die Geschichte einzelner Exemplare. Gerade Prototypen und seltene Sonderausführungen entwickeln sich dadurch zu Kulturgütern der Fotografiegeschichte. Gleichzeitig werfen Versteigerungsergebnisse im sechsstelligen Bereich auch gesellschaftliche Fragen auf. Wenn für einzelne Kameras Summen ausgegeben werden, die weit über den finanziellen Möglichkeiten vieler Menschen liegen, stellt sich zwangsläufig die Frage nach Maßstäben, Haltung und Verantwortung im Umgang mit Wohlstand. Der Sammlerwert solcher Objekte ist unbestritten. Ob der Einsatz derart hoher Beträge für fotografische Raritäten in einer Zeit vielfältiger gesellschaftlicher Herausforderungen angemessen erscheint, bleibt jedoch eine Frage persönlicher Prioritäten.
Auktionsergebnisse
Leica MP-33: ca. 600.000 Euro
Leica Ig Prototyp Nr. 750000: ca. 540.000 Euro
Leica IIIb Black Paint: ca. 312.000 Euro
Leica MP 10323 „Meister Edition Berlin“ Outfit: ca. 132.000 Euro
Leica M6 Black Paint „Leitz Auction“ Set: ca. 48.000 Euro
Leica M Edition 70: ca. 36.000 Euro
Leica M10-P Safari Prototyp: ca. 16.000 Euro







