Wenn die Sonne scheint, gönnt sich der bekannte Naturfotograf Norbert Rosing gern eine Auszeit. Ihn zieht es mehr in die wilde, raue Natur. Vor allem dann, wenn sie sich besonders unwirtlich zeigt. Wenn andere sich ins warme, trockene Zimmer wünschen, macht er sich wetterfest und auf den Weg ins feuchte neblige Gestrüpp der Waldreben (Clematis Vitalba). Eine echte Herausforderung an den Fotografen aber – wie er sagt – auch an das Equipment. Wo der Globus für viele unscheinbar und wenig spektakulär scheint, eröffnet sich dem Blick dieses Ausnahmefotografen die einzigartige Schönheit von Naturphänomenen.

Die Kletterpflanze Clematis Vitalba hat es Norbert Rosing angetan, dass es ihm schwerfällt, sich vom diesem „Gestrüpp“ zu befreien.

Making of im Gestrüpp: Auch wenn einige Leica M Fans, diese Kamera nicht gern auf dem Stativ sehen.
Da spielen das optimale Werkzeug, seine Handhabung und eine geübte Beherrschung eine entscheidende Rolle, für das perfekte Bild. Im Augenblick testet sich der Leica Fotograf an das perfekte Objektiv mit 90 mm – eine seiner Lieblingsbrennweiten für Landschafts- und Detailaufnahmen – heran. Sage und schreibe fünf verschiedene Leica Objektivversionen mit unterschiedlichen Lichtstärken und aus unterschiedlichen Jahrzehnten schleppt Norbert Rosing augenblicklich mit sich herum.

Wie diese Bäume halten Waldrebn eseit Längerem auch den Blick des Fotografen Norbert Rosing gefangen…

Die Linien und Formen der Kletterpflanze Clematis Vitalba, motivieren immer öfter den Fotografen Norbert Rosing zum Griff zu seiner Leica M 11 Monochrome.
„Bei manchen Motiven und Abständen gibt es kaum sichtbare Unterschiede“, hat er herausgefunden. Anders aber spielen Lichtstärke, Abbildungsmaßstab und Entfernung sehr wohl eine Rolle für die Bildwirkung. „Da ergeben sich hinsichtlich der technischen Qualität und möglichen Abbildungsfehlern auch bei voller Blendenöffnung kaum Unterschiede“, stellt er fest. „Wohl aber in der Anmutung“

Waldreben bei Raureif und Nebel, die bevorzugte Stimmung von Norbert Rosing, der von sich sagt: „Ich stehe bei meiner Fotografie unter dem Diktat des Wetters“.
Seit es von Leica die M 11 Monochrome gibt und der teilweise immer noch analog arbeitende Fotograf das Gestrüpp in den Flussauen und naturbelassener Wildnis für sich als Motiv entdeckt hat, wählt er besonders gern Schwarzweiß als das bevorzugte Ausdrucksmittel. Hier sind es Formen und Linien, die es zu entdecken gilt und die die besondere Faszination seiner aktuellen Arbeiten ausmachen.

Waren es früher die knalligen, satten Farben der Velvia Diafilme von Fufifilm, bevorzugt Norbert Rosing aktuell eher Pastelltöne.
Doch auch seine Farbfotografie, die einst nicht zuletzt durch die satten, brillanten Farben der Velvia Dia-Diafilme für ihn typisch war und ihn bekannt gemacht hat, hat sich durch die neue Liebe zu Schwarzweiß verändert. In seinen aktuellen Fotografien dominieren die sanften Tonabstufungen statt wie einst die eher kräftigen Kontraste.

iPhone Aufnahme mit 8facher Vergrößerung aus etwa 150 Metern Entfernung: Dammwild im Nebel.
Jüngste Neuentdeckung in der Toolbox des lebenslang lernenden und experimentierenden Fotografen: das iPhone 17.
„Es ist ein praktischer Begleiter bei Wind und Wetter und war zunächst hauptsächlich mein visuelles Notizbuch“, erzählt er. „Inzwischen setze ich es auch in besonders herausfordernden Lichtsituationen für professionelle Aufnahmen ein.“

Norbert Rosing mit Brigitte Henninges, DGPh, in der Leica World in Wetzlar.
Als eindrucksvolles Beispiel zeigt er die Nebelbilder aus einem Niendorfer Dammwildgehege. „Die habe ich mit 8facher Vergrößerung, das entspricht etwa einer 300 Millimeter Brennweite, aus der Hand gemacht“, berichtet er. „Es begeistert mich, wie faszinierend nah sie meinem Bildeindruck kommen und das in einer verblüffend hohen Qualität.“

Wo die Bäume Trauer tragen…. Uralte, knorrige Bäume, die Geschichte und Geschichten schrieben, gehören seit Jahrzehnten zum Werk von Norbert Rosing..
Eine neue Oase der Stille hat Norbert Rosing als Motiv für sich entdeckt, das ihn aus dem Gestrüpp lockt. Der uralte Baumbestand auf Friedhöfen. Knorrige, von der Zeit geprägte Formen, ihrer Stämme, Äste und Wurzeln fesseln immer wieder seinen Blick und gehörten schon immer zu seinen Lieblingsmotiven. Norbert Rosing ist ein Wiederholungstäter: er nähert sich seinen Motiven aus immer wieder neuen Perspektiven, bei unterschiedlichsten Wetter- und Lichtbedingungen. Seine visuellen Erkundungen machen ihn zum „Serientäter“.

Bilder der Stille, der uralte Baumbestand geschichtsträchtiger Friedhöfe im Nebel.
In den meisten Fällen hat er ein bestimmtes Bild im Kopf, dass er allerdings situativ immer zu verändern bereit ist, wenn überraschende Blickwinkel ihn dazu inspirieren und animieren. KI, deren Entwicklung er mit Spannung verfolgt, sieht er weniger als generatives oder kreatives Werkzeug, sondern vielmehr als technisches Mittel, Grenzen der Fotografie zu überwinden, um das Abbild seiner real existierenden Motive besser seiner Sichtweise anzupassen. Auch wenn die Botschaften, die Faszination oder beabsichtigte Aussage seiner Bilder über das rein gegenständliche Objekt hinausgehen, sind die Basis seiner Fotografien, die reale ihn umgebende Welt.

Bonjour Tristesse… Bäume in den Oasen der Stille alter Friedhöfe. Alle Fotos © Norbert Rosing
Dieser kontemplative Aspekt seiner Fotos schlägt sich besonders in den jüngsten Friedhofsbildern nieder. Motive, die ihn neuerdings immer wieder aus dem Gestrüpp in eine komfortablere, ruhigere Welt locken, in der die Bäume Trauer tragen.







