Die internationale Jury des 45. Leica Oskar Barnack Award (LOBA) hat die zwölf Finalist*innen des renommierten Fotowettbewerbs bekannt gegeben. Die ausgewählten Serien, die sich durch ihre künstlerische Ausdruckskraft und inhaltliche Tiefe auszeichnen, sind ab sofort auf der offiziellen LOBA-Website einsehbar. In diesem Jahr setzte sich die Jury aus Jane Evelyn Atwood (Fotografin, LOBA-Preisträgerin 1997), Cyril Drouhet (Stellv. Fotodirektor, Le Figaro Magazine), Felix Hoffmann (Künstlerischer Leiter, Foto Arsenal Wien), Curt Holtz (Chefredakteur Fotografie und Architektur, Prestel Publishing) sowie Karin Rehn-Kaufmann (Art Director, Leica Galerien International) zusammen.
Seit 1980 vergibt die Leica Camera AG den LOBA an herausragende Fotografinnen und Fotografen weltweit. Grundlage der Shortlist waren Vorschläge von mehr als 120 Fotografieexpert*innen aus etwa 50 Ländern, die jeweils bis zu drei Serien einreichen konnten. Zusätzlich wird in Zusammenarbeit mit 20 internationalen Institutionen und Hochschulen aus 17 Ländern verliehen ein Newcomer-Award verliehen.
Die Preisträger*innen werden am 9. Oktober 2025 bei einer am Firmenstandort in Wetzlar geehrt. Der erste Platz in der Hauptkategorie wird mit 40.000 Euro sowie einer Leica Kameraausrüstung im Wert von 10.000 Euro prämiert. Für den Newcomer-Award sind 10.000 Euro und eine Leica Q3 ausgelobt. Alle Finalist*innen werden mit einer Ausstellung im Ernst Leitz Museum und in einem umfangreichen Katalog gewürdigt. Danach wandert die Ausstellung in weitere Leica Galerien und zu Fotofestivals weltweit.
Das sind die zwölf Bildserien der Finalist:innen:

Lynsey Addario © Sam Taylor Johnson
Lynsey Addario: „Mom, I Want to Live“ – A Young Girl Battles War and Cancer
Die amerikanische Fotografin (*1973) stellt das Schicksal eines ukrainischen Mädchens ins Zentrum ihrer Serie, bei dem 2020, im Alter von zwei Jahren, ein seltener Augenkrebs diagnostiziert wurde. Die normalerweise heilbare Form konnte während des Krieges nicht weiter behandelt werden. Eine berührende Geschichte über den verzweifelten und zähen Überlebenskampf eines Mädchens und seiner Familie in einem vom Krieg zerrissenen Land.

Aus der Bildserie Mom I Want to Live von Lynsey Addario ® Lynsey Addario
Arlette Bashizi: Beyond Numbers
In ihrem persönlichen Projekt berichtet die Fotografin (*1999) über ihr Heimatland, die Demokratische Republik Kongo, und die Folgen des dortigen Kriegs zwischen Rebellen und der Armee. Mehr als sechs Millionen Kongolesen wurden vertrieben.

Arlette Bashizi ®Daniel Bitita
Die Fotografin dokumentiert das Leben ihrer Gemeinde in Nord-Kivo, im östlichen Teil des Landes, die seit 2021 unter den Folgen der Auseinandersetzungen leidet. Damit gibt sie den Menschen, die ansonsten nur anonym in Statistiken auftauchen, Namen und Gesichter.

Aus der Bildserie Beyond Numbers von Arlette Bashizi ® Arlette Bashizi Beyond Numbers
Alejandro Cegarra: The Two Walls
Einst hatte Mexiko den Ruf, ein sicherer Zufluchtsort für Asylsuchende zu sein. In den letzten Jahren hat sich das Land jedoch zu einem Mitverursacher der einwanderungsfeindlichen Politik der Vereinigten Staaten entwickelt, die verhindern wollen, dass die Menschen in die USA weiterziehen.

Alejandro Cegarra ®Elsa_Acare
Der aus Venezuela stammende und in Mexiko lebende Fotograf (*1989) nimmt in seiner Schwarzweißserie Einzelschicksale in den Blick, die von den harten Bedingungen im mexikanischen Grenzgebiet betroffen sind.

Aus der Serie The Two Walls von Alejandro Cegarra® Alejandro Cegarra
Serghei Duve: Bright Memory
Die Serie sucht Bilder für das Gefühl, das sich mit der russischen Redewendung der „hellen Erinnerung“ beschreiben lässt: alltägliches Leben, das von Nostalgie und Teilung geprägt ist. In den persönlichen Aufnahmen beschreibt der in der Republik Moldawien geborene deutsche Fotograf (*1999) die engen Verbindungen seiner Familie zur alten Heimat Transnistrien, einem international nicht anerkannten und nur von Russland gestützten Gebiet, das sich 1990 von der Republik Moldawien für unabhängig erklärte.

Serghei Duve ®Alexander

Aus der Bildserie Bright Memories von Serghei Duve ®Serghei Duve
Gideon Mendel: Deluge
Die Serie zeigt den Versuch des südafrikanischen Fotografen (*1959), den globalen Klimanotstand auf eine persönliche und systematische Weise zu erforschen, um zu zeigen, dass seine Auswirkungen alle Grenzen von Reichtum, Klasse, Ethnie und Geografie ignorieren. Mendel hat seit 2007 Überschwemmungen in 13 Ländern auf der ganzen Welt dokumentiert. Er zeigt direkte Porträts von Betroffenen, ergänzt um abstrahierte Landschaftsbilder, um eine Typologie des Klimawandels zu erstellen.

Gideon Mendel © Jonathan Pierredon

Aus der Bildserie Deluge von Gideon Mendel ® Gideon Mendel
Stanislav Ostrous: Civilians.
The Gray Zone Die Gebiete der ukrainischen Regionen Donezk, Cherson und Charkiw liegen unter unerbittlichem Beschuss. Wer konnte, hat die Dörfer und Städte verlassen. Nur die Ärmsten und die Alten sind geblieben. Die Geschäfte sind geschlossen, Strom ist nur unzuverlässig verfügbar. Das Überleben hängt von Freiwilligen ab, die sich um die Menschen in dieser Grauzone kümmern. Der ukrainische Fotograf (*1972) zeigt in seiner Schwarzweißserie die grausame Realität des Krieges und seine zivilen Opfer in verzweifelter Lage.

Stanislav Ostrous ®Tetiana Tkachenko Radohuz

Aus der Bildserie Civilians – The Gray Zone ®Stanislav Ostrous
Xiangjie Peng: The Rise of Queer Underground Party Culture in China
Seit 2017 dokumentiert der chinesische Fotograf (*1961) die queere Community in verschiedenen Städten Chinas. Seine Porträts zeigen Orte der Freiheit, um die eigene Identität in offener Gemeinschaft auszuleben. Die Schwarzweißserie entstand vor allem in Clubs, bei Partys und Wettbewerben, die trotz der offiziellen Beschränkungen für die LGBTQ+-Community zu einem wichtigen kulturellen Phänomen geworden sind. So wie sich das Land langsam internationalen Einflüssen öffnet, wachsen die Freiheiten im Untergrund.

Xiangjie Peng ®Michela Forte

Aus der Bildserie The Rise of Queer Underground Party Culture in China ® Xiangjie Peng
Ivor Prickett: War on the Nile – Fragmented Sudan
Im Schatten der Weltöffentlichkeit tobt im Sudan seit über zwei Jahren ein brutaler Bürgerkrieg. Mehr als elf Millionen Menschen wurden vertrieben, bis zu 150 000 sind umgekommen. Dem irischen Fotografen (*1983) gelang es, im letzten Jahr für die New York Times in das verwüstete Land zu reisen. Seine Aufnahmen berichten von einer der größten humanitären Katastrophen der Welt. Die erschütternden Bilder zeigen die Tragödie im Land, aber auch die hoffnungslose Lage der Flüchtlinge.

Ivor Prickett ©Masiar Pasquali

Aus der Bildseie War on the Nile – Fragmented Sudan von Ivor Prickett. © Ivor Pricket
Frederik Rüegger: I Am a Stranger in This Country
Zwei Jahre begleitete der deutsche Fotograf (*1993) die englischen und irischen Traveller Gemeinschaften, denen es immer weniger möglich ist, ihren traditionellen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Ausgrenzung und Diskriminierung, durch Brexit und erstarkenden Nationalismus verstärkt und durch Fehlinformationen und Hass in den sozialen Medien verschärft, bedrohen ihre Freiheit. Die Aufnahmen entstanden auf Pferdemärkten, den letzten Orten, an denen die Traveller ihre Kultur offen feiern können.

Frederik Rüegger ®Damian Pfattner

Aus der Bildserie I am A Stranger in This Country ® Frederik Rüegger_
Anastasia Taylor-Lind: 5km from the Frontline
Seit zehn Jahren berichtet die englische Fotografin (*1981) gemeinsam mit der Journalistin Alisa Sopova über den Krieg in der Ukraine. Sie dokumentiert das Schicksal der Menschen vor allem in der Donbass-Region im Osten der Ukraine. Dort begann der Krieg 2014, der seitdem besonders gewalttätig und zerstörerisch ist. Ziel des eindrücklichen Langzeitprojekts ist es, der Welt direkt zu zeigen, was es heißt, jeden Tag inmitten militärischer Gewalt und Bedrohung zu überleben.

Anastasia Taylor-Lind ®Julia Kochetova

Aus der Bildserie 5 km from the Frontline ® Anastasia Taylor Lind
Jodi Windvogel: Life Under Occupation – Cissie Gool House
Im Zentrum der Serie der südafrikanischen Fotografin (*1992) steht das Wohnprojekt Cissie Gool House in Kapstadt: ein ehemaliges Krankenhaus, das von Reclaim the City (RTC), einer sozialen Bewegung, die für bezahlbaren Wohnraum kämpft, 2017 besetzt und in eine Zufluchtsstätte für über 2000 Menschen umgewandelt wurde. Es entstand eine Gemeinschaft, die sich gegen ausgrenzende Stadtplanung und fortbestehende Ungerechtigkeiten seit der Apartheid wehrte – bis zur Zwangsräumung im letzten Jahr.

Jodi_Windvogel

Aus der Bildserie Life Under Occupation von Jodi Windvogel © Jodi Windvogel
Youbing Zhan: Migrant Workers in China’s Assembly Line
Rund 300 Millionen Wanderarbeiter sorgen für ein stetiges Wirtschaftswachstum in China. Sie kommen aus ländlichen Gebieten, um in wirtschaftlich entwickelteren Regionen Geld zu verdienen. In der Millionenstadt Dongguan, in der über 70 Prozent der Einwohner Wanderarbeiter sind, begleitet Youbing Zhan (*1973) seit 30 Jahren als Kollege und autodidaktischer Fotograf ihren harten Arbeitsalltag und ihre knappe Freizeit. Die ausgewählten Motive entstanden vor allem in den letzten zwei, teils aber auch bereits vor 16 Jahren.

Youbing Zahn ®Wang Jin Xing

Aus der Bildserie Migrant Workers in Chinas Assembly Line von Youbing Zahn ® Youbing Zahn







