Vom 14. Mai bis 31. Oktober 2027 ist auf der Moitzburg in Halle (Saale) die interessante Ausstellung „Gianni Versace und die Kunst“ als Weltpremiere zu sehen. Unter dem Motto „Mode wird Kunst. Kunst wird Mode: Versace!“ Gianni Versace (1946–1997) war einer der einflussreichsten Modemacher des 20. Jahrhunderts – und einer seiner großen Bilderfinder. Wie kaum ein anderer verwandelte er Mode in ein kulturelles Ereignis. Antike und Pop Art, Renaissance und Punk, barocke Opulenz und die Bildwelten Andy Warhols verband er zu einer unverwechselbaren Ästhetik. Seine Entwürfe waren Kleidung und zugleich Bilder, Statements und Inszenierungen.
Ausstellungen mit Gianni Versaces legendären Modeschöpfungen gab es bereits, aber nun sind diese erstmals gemeinsam mit Kunstwerken zu sehen, die ihn inspirierten und mit denen er sich umgab. Dafür werden einzelne Werke seiner über die Welt verstreuten Sammlung aufgespürt und in Halle (Saale) in einem einzigartigen Kontext inszeniert.
Gianni Versace erkannte früher als viele andere, dass Mode weit mehr sein kann als hochwertige Kleidung. Er machte sie zum Zeichen, zum Bild, zur Haltung – und zum globalen Ereignis. Er verstand die Macht der Fotografie, des Celebrity-Kults und des Brandings zu einer Zeit, als jene Mechanismen, die heute unsere visuelle Kultur bestimmen, erst ihre volle Wirkung zu entfalten begannen.
Gianni Versace akzeptierte keine Grenzen zwischen den Künsten. Mode, Malerei, Fotografie, Architektur, Design, Musik und Inszenierung verschmolzen bei ihm zu einem Gesamtkunstwerk. Seine spektakulären Modenschauen gehörten ebenso dazu wie seine Wohnhäuser am Comer See, in Miami Beach und New York. Selbst die eigene Person wurde Teil dieser Inszenierung.
Die Ausstellung macht diese Welt sinnlich erfahrbar. Sie folgt drei großen Inspirationsräumen – Antike, Renaissance und Barock sowie Moderne und Gegenwart – und bringt Versaces Kreationen mit jener Kunst zusammen, die ihn inspirierte und umgab. Dabei wird die Moritzburg selbst Teil der Inszenierung. Über das gesamte zweite Obergeschoss des Nord- und Westflügels entfaltet sich die Ausstellung wie ein maßgeschneidertes Kleid. Räume, Galerien, Passagen und Treppen verbinden sich zu einem Parcours, in dem Mode und Kunst immer neue Beziehungen eingehen.
Gianni Versace lebte mit Kunst. Seine Häuser waren voll von Bildern, Skulpturen, Möbeln und Objekten – von der Antike über Renaissance und Barock bis zu Pablo Picasso, Henri Matisse, Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Julian Schnabel. Nach Versaces Tod 1997 wurde diese Welt auseinandergerissen. Kunstwerke, Möbel und persönliche Einrichtungsgegenstände wurden versteigert und über internationale Sammlungen verstreut.
Zugleich war Versace ein Vorreiter queerer Sichtbarkeit. Als international erfolgreicher, offen homosexuell lebender Mann machte er seine Identität nicht unsichtbar, sondern zu einem selbstverständlichen Teil seiner öffentlichen Existenz. In seiner Mode und ihren Inszenierungen brach er mit tradierten Vorstellungen von Geschlecht, Körper und Sexualität. Besonders der männliche Körper wurde bei ihm zum selbstbewussten Objekt des Begehrens. Versace trug damit dazu bei, queere Ästhetiken aus subkulturellen Zusammenhängen in die internationale Pop- und Mainstreamkultur zu überführen.
30 Jahre später beginnt für die Ausstellung in Halle (Saale) die Suche nach ihnen. Erstmals werden gezielt Kunstwerke und Objekte aus Versaces persönlichem Besitz recherchiert und aufgespürt, um sie wieder mit seinen Modeschöpfungen zusammenzubringen. Was Versace einst täglich vor Augen hatte, was seine Häuser ausfüllte und Teil seines ästhetischen Lebens war, begegnet seiner Mode. Damit rekonstruiert die Ausstellung nicht einfach Versaces Kunstsammlung. Sie macht sichtbar, was diese Kunst für sein eigenes Schaffen bedeutete. Kunst und Mode, Jahrzehnte getrennt, treffen wieder aufeinander.








