Die Bildbearbeitungssoftware DxO ViewPoint 6 ergänzt die geometrischen Korrekturwerkzeuge um KI-gestützte Masken für lokale Anpassungen. Damit lassen sich einzelne Bildelemente gezielt in Form und Position verändern, ohne zwangsläufig den gesamten Bildausschnitt zu korrigieren oder beschneiden zu müssen. Neu sind außerdem Funktionen zur RAW-Bearbeitung und zur Anpassung von Belichtung und Weißabgleich.
Geometrie gezielt im Bild korrigieren
Im Mittelpunkt von DxO ViewPoint 6 steht die Erweiterung des Werkzeugs ReShape Fusion um KI-Masken. Damit lassen sich einzelne Motive innerhalb einer Aufnahme auswählen und geometrisch verändern, während die übrigen Bildbereiche weitgehend unverändert bleiben. Das betrifft beispielsweise Gebäude mit stürzenden Linien, Personen mit gestreckten Proportionen am Rand eines Gruppenporträts oder Objekte, deren Position und Größe innerhalb der Komposition angepasst werden sollen.
Nach dem Aufziehen eines Auswahlrechtecks erkennt die Software das darin enthaltene Motiv und erstellt eine Konturmaske. Das zugehörige Kontrollgitter orientiert sich an der Form des ausgewählten Elements. Seine Dichte lässt sich anpassen, um Veränderungen in bestimmten Bereichen präziser zu steuern. Einzelne Kontrollpunkte können aktiviert oder deaktiviert werden. Auch die Übergänge zwischen bearbeitetem Motiv und Umgebung lassen sich beeinflussen.
Bei herkömmlichen Perspektivkorrekturen verändert sich häufig die gesamte Bildebene. Werden stürzende Linien aufgerichtet, entstehen an den Bildrändern Flächen, die anschließend beschnitten werden müssen. ReShape Fusion erlaubt dagegen lokale Eingriffe, sodass der ursprüngliche Bildausschnitt bei vielen Korrekturen erhalten bleiben kann.
Jean-Marc Alexia, VP Produktstrategie bei DxO, erklärt: „Fotografen haben bei der Perspektivkorrektur lange einen Kompromiss in Kauf genommen: Wer die Geometrie aufrichtet, verliert womöglich einen Teil des Bildausschnitts.“ Mit den KI-Masken könnten Fotografen das zu bearbeitende Element bestimmen, das Kontrollgitter gezielt verfeinern und den Übergang zur umgebenden Bildfläche steuern. Sie ordneten damit die Bestandteile der Szene neu an und bewahrten den gewählten Bildausschnitt.
Die KI dient dabei der Auswahl und Maskierung. Die eigentlichen geometrischen Anpassungen erfolgen weiterhin durch manuelle Eingriffe. Nach Angaben des Herstellers werden keine Bildinhalte generiert oder fehlende Pixel an den Rändern ergänzt.
Korrekturen für Verzeichnung, Perspektive und Proportionen
DxO ViewPoint 6 bearbeitet drei typische geometrische Bildfehler. Dazu gehören die tonnenförmige Verzeichnung, bei der gerade Linien nach außen gewölbt erscheinen, stürzende Linien durch eine geneigte Kameraposition sowie Volumendeformationen, die Motive am Bildrand gestreckt wirken lassen.
Die Verzeichnungskorrektur greift auf die DxO-Module zurück, die auf Labormessungen an zahlreichen Kamera-Objektiv-Kombinationen basieren. Die Korrektur soll dabei den maximalen Bildwinkel erhalten. Die Volumendeformation lässt sich horizontal, vertikal oder in beiden Richtungen korrigieren. Für die Perspektive stehen automatische und manuelle Werkzeuge zur Verfügung. Eine Horizontkorrektur und ein Miniatureffekt ergänzen die Funktionen.
Die Anwendungsbereiche reichen damit über die Architekturfotografie hinaus. Auch bei Innenraum- und Immobilienaufnahmen, Reisefotografie, Veranstaltungen, Straßenfotografie, Porträts und Landschaftsbildern können geometrische Korrekturen erforderlich sein.
RAW-Dateien direkt bearbeiten
Eine weitere Neuerung betrifft die eigenständige Bildbearbeitung. DxO ViewPoint 6 verarbeitet RAW-, TIFF- und JPEG-Dateien direkt in der Standalone-Anwendung. Eine vorherige Konvertierung oder der Umweg über eine andere Bildbearbeitungssoftware ist nicht erforderlich.
Beim Öffnen einer RAW-Datei rendert die Software das Bild mit dem DxO-Kameraprofil im Farbraum DxO Wide Gamut. Anhand der eingebetteten Metadaten wird das passende DxO Camera-Matching Profile geladen. Die automatische Verzeichnungskorrektur erfolgt auf dieser Grundlage.
Zwei zusätzliche Regler stehen für die Bildvorbereitung zur Verfügung. Die Belichtung lässt sich über einen Bereich von minus vier bis plus vier EV anpassen. Der Weißabgleich bietet bei RAW-Dateien Voreinstellungen sowie Regler für Farbtemperatur und Tönung. Eine Pipette ermöglicht die Auswahl eines neutralen Farbtons im Bild. Bei JPEG- und TIFF-Dateien stehen ebenfalls eine Weißabgleichskorrektur und die Pipettenfunktion zur Verfügung, allerdings mit eingeschränkten Einstellmöglichkeiten.
Die Bearbeitung erfolgt nicht-destruktiv. Änderungen speichert ViewPoint in separaten Sidecar-Dateien, während die Originaldateien unverändert bleiben. Die Korrekturen stehen auch nach dem Schließen und erneuten Öffnen der Anwendung wieder zur Verfügung. Die Sidecar-Dateien sind von denen der Software DxO PhotoLab getrennt. Fertige Bilder lassen sich als TIFF mit acht oder 16 Bit sowie als JPEG ausgeben.
Einbindung in bestehende Arbeitsabläufe
DxO ViewPoint 6 ist als eigenständige Anwendung für macOS und Windows verfügbar. Zusätzlich lässt sich die Software als Plug-in für Adobe Lightroom Classic, Adobe Photoshop und Capture One verwenden. In der aktuellen Version von DxO PhotoLab sind die ViewPoint-Werkzeuge direkt in die Geometrie-Palette integriert.
Fazit
Die wesentliche Neuerung von DxO ViewPoint 6 liegt in der Kombination aus KI-gestützter Motivauswahl und lokal steuerbarer Geometriekorrektur. Gerade bei Architekturaufnahmen und Gruppenporträts kann dies den Verlust von Bildfläche durch nachträglichen Beschnitt reduzieren. Die manuelle Kontrolle über das Kontrollgitter bleibt dabei erhalten. Die direkte Verarbeitung von RAW-Dateien und die ergänzenden Einstellungen für Belichtung und Weißabgleich machen die Anwendung zudem unabhängiger von vorgeschalteten Bearbeitungsschritten. Im Produktprogramm von DxO bleibt ViewPoint die spezialisierte Lösung für geometrische Bildkorrekturen, während PhotoLab die umfassendere Bildbearbeitung abdeckt.
DxO ViewPoint 6 ist ab sofort für macOS und Windows erhältlich. Eine kostenlose Testversion mit einer Laufzeit von 30 Tagen steht auf der Website des Herstellers zur Verfügung.
Preis: ca. 120 Euro







