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Fotoausstellungen

26.09.2018 - 06.01.2019
Fotoausstellungen Berlin . Im Rahmen der EMOP Berlin, European Month of Photography, zeigt der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e. V. zwei interessante Ausstellungen: Die Fotografin Bernice Kolko mit „Frida Kahlo. Die Gesichter Mexikos“ und die faszinierende Geschichte um das fotografische Werk von Vivian Maier in her own hands. Vom 26. September 2018 bis 6. Januar 2019.
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Bernice Kalko – Frida Kahlo & Vivian Maier. In her own hands
Fotoausstellungen Berlin . Im Rahmen der EMOP Berlin, European Month of Photography, zeigt der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e. V. zwei interessante Ausstellungen: Die Fotografin Bernice Kolko mit „Frida Kahlo. Die Gesichter Mexikos“ und die faszinierende Geschichte um das fotografische Werk von Vivian Maier in her own hands. Vom 26. September 2018 bis 6. Januar 2019.

© Bernice Kolko/Sammlung Ariel Zuñiga,
Frida Kahlo mit Freunden, Coyoacán, Mexiko, 1954
 

 

„Vor allem möchte ich, dass meine Photographie ein Dokument der Menschlichkeit ist,“ so Bernice Kolko, 1960.  Die Fotografin Bernice Kolko wurde 1905 in Grayevo / Polen geboren, von wo aus sie 1920 in die USA emigrierte und später die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Im Herbst 1951 reiste sie zum ersten Mal nach Mexiko und begann, Frauen zu porträtieren. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Begleitung der berühmten Malerin Frida Kahlo. Sie lernte Kahlo sogleich nach ihrer Ankunft in Mexiko kennen und verbrachte die folgenden Jahre in ihrem nahen Umfeld. Daraus entstand eine intensive Freundschaft und die Fotografien, die in den Jahren von 1951 bis 1954 entstanden, gehören zu den intimsten Aufnahmen und zeigen Frida Kahlo in ihrem alltäglichen Umfeld: lachend und mit Freundinnen oder Hausangestellten scherzend, aber auch müde und krank im Bett.

 

© Bernice Kolko/Sammlung Ariel Zuñiga,
Frida Kahlo mit Freunden, Coyoacán, Mexiko, 1954
 

 

 

© Bernice Kolko/Sammlung Ariel Zuñiga, Juchitán, Mexiko, 1954 


Außerdem dokumentierte Bernice Kolko in vielen tausend weiteren Aufnahmen die Menschen und die Gesichter Mexikos. Sie reiste durch Südamerika, aber auch durch Asien, den vorderen Orient und die Südsee. Die im Willy-Brandt-Haus gezeigten Arbeiten entstammen der Sammlung von Ariel Zuñiga aus Mexiko. Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Helga Prignitz Poda.

 

Anlässlich der 25-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Mexiko-Stadt, wird die Ausstellung von der Berliner Senatskanzlei gefördert.

 

Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Helga Prignitz Poda

 

Vivian Maier. In her own hands

 

 New York, 1952–59
© Estate of Vivian Maier, Courtesy of Maloof Collection
and Howard Greenberg Gallery, NY

 

Die faszinierende Geschichte um das fotografische Werk von Vivian Maier findet eine Fortsetzung. Seit der ersten Ausstellung 2015 im Willy-Brandt-Haus wurde ihr Œuvre weiter erforscht. 2009 schlug die Entdeckung des Werks von Vivian Maier hohe Wellen und begeisterte die Fotoszene und die Öffentlichkeit zugleich. Dabei hat Vivian Maier vermutlich niemandem ihre über 150.000 Aufnahmen je gezeigt und einen Großteil ihres Werkes selbst nie gesehen.

 

 Selbstporträt, 1956
©Estate of Vivian Maier, Courtesy of Maloof Collection
and Howard Greenberg Gallery, NY

 

 Kontaktbogen, Chicago, 1961
© Estate of Vivian Maier, Courtesy of Maloof Collection
and Howard Greenberg Gallery, NY

 

Postum und gleichsam über Nacht wurde Vivian Maier zu einer bedeutenden amerikanischen Foto- grafin des 20. Jahrhunderts. Sie wird in einem Atemzug genannt mit Henri Cartier-Bresson, Robert Frank, Lee Friedlander oder Diane Arbus. Tatsächlich wirken viele ihrer seit den 1950er Jahren in den Straßen von New York und Chicago entstandenen Arbeiten wie unmittelbare Klassiker. Mit ihrem Ge- spür für den Moment und ihren souveränen Kompositionen gebührt Maier einen Sitz im traditionell männlich dominierten Olymp der Street Photography.

 

Alle gezeigten Abzüge stammen aus der Sammlung von John Maloof, Chicago.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Anne Morin, Leiterin von diChroma Photography und Gisela Kayser, Geschäftsführerin Freundeskreis Willy-Brandt-Haus.

 

 

Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße  28, Berlin

 

 

 

22.09.2018 - 21.12.2018
Fotoausstellung Berlin . Bogdan Dziworski zählt zu den wichtigsten Vertretern des Avantgarde- und Experimentalfilms im polnischen Kino. Die Galerie Hilaneh von Kories stellt das Werk des in Deutschland noch weitgehend unbekannten Filmemachers und Fotografen vor. Vom 22. September bis 21. Dezember 2018.
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Bogdan Dziworski – Glückliche Momente
Fotoausstellung Berlin . Bogdan Dziworski zählt zu den wichtigsten Vertretern des Avantgarde- und Experimentalfilms im polnischen Kino. Die Galerie Hilaneh von Kories stellt das Werk des in Deutschland noch weitgehend unbekannten Filmemachers und Fotografen vor. Vom 22. September bis 21. Dezember 2018.

 

Bogdan Dziwor f5,6-014, Warszawa 1983

 

Gleichwohl Bogdan Dziworski (*1941) in seinem Heimatland zu den renommiertesten Bildgestaltern gehört, ist sein Werk in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Insbesondere seine fotografischen Aufnahmen sind eine Entdeckung. Seit den Sechzigerjahren hat Bogdan Dziworski ein einzigartiges Werk geschaffen, das ihm schon oft den vergleichenden Ehrentitel einbrachte, er sei „der Cartier-Bresson Polens“.

 

 

 Bogdan Dziworski, f 5,6-040, ?ód?, 1965

 

Seine Aufnahmen entstanden ohne Auftrag und werden in dieser Ausstellungsauswahl zum Teil erstmals ausgestellt. Seine kontrastreichen analogen schwarzweißen Bilder geben Einblick in den Lebensalltag in polnischen Städten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Bogdan Dziworski: „Meine Fotografien aus dieser Zeit sind nie inszeniert. Sie sind „erlaufen“. Tag für Tag waren es manchmal acht Stunden, in denen ich fotografierte. Du musst auf diesen einen bestimmten Moment warten, in dem die Realität die Bühne selbst bestimm. Du musst Glück haben. Und ich hatte es.“

 

Bogdan Dziwor f5,6-018, Parzeczew 1961

 

Bogdan Dziworski, f 5,6-118A, ?ód?, 1964

 

Bogdan Dziworski wurde am 8. Dezember 1941 im polnischen ?ód? geboren und studierte an der dortigen Filmhochschule. Als Kameramann, Regisseur und Dokumentarfilmer hat er zahlreiche Filme realisiert, und er war Dekan der Filmhochschule in Katowice. Sein fotografisches Werk geriet ab den 1980er Jahren verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Mittlerweile hat er zahlreiche Bildbände veröffentlicht und war an verschiedenen Ausstellungsprojekten beteiligt. 2017 präsentierte die Leica Gallery Warschau die umfassende Retrospektive „f/5.6“ mit begleitendem Katalog.

Die aktuelle Ausstellung fügt sich perfekt in das Programm der Galerie Hilaneh von Kories ein, ist doch die Präsentation von (Neu-)Entdeckungen ganzer fotografischer

Lebenswerke ein wichtiger Teil ihrer Galeriearbeit. So wurden in den letzten Jahren u.a. folgende Fotografen ausgestellt: Herbert Dombrowski, Bill Perlmutter, Wolf Suschitzky und Vivian Maier, die bei ihrer ersten Präsentation in Deutschland 2011 noch eine völlig unbekannte Vertreterin der Street Photography war. Auch das fotografische Werk Bogdan Dziworskis wurde in seiner Vielfältigkeit und Bedeutung bisher nur unzureichend in Deutschland gewürdigt.

 

Galerie Hilaneh von Kories, Beldziger Straße 35, Berlin

22.09.2018 - 17.11.2018
Fotoausstellung Berlin . Die Ausstellung in der CWC Gallery zeigt zum ersten Mal in Deutschland neue Porträts aus Martin Schoellers bekannter Serie „Close Up“. Präsentiert wird eine Auswahl international bekannter Persönlichkeiten wie Barack Obama, Elton John, Cher, Bono, Karlie Kloss, Christian Bale und Bill Gates, aber auch unbekannte und obdachlose Menschen werden gezeigt. Vom 22.9. bis 17.11.2018
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Martin Schoeller – Close
Fotoausstellung Berlin . Die Ausstellung in der CWC Gallery zeigt zum ersten Mal in Deutschland neue Porträts aus Martin Schoellers bekannter Serie „Close Up“. Präsentiert wird eine Auswahl international bekannter Persönlichkeiten wie Barack Obama, Elton John, Cher, Bono, Karlie Kloss, Christian Bale und Bill Gates, aber auch unbekannte und obdachlose Menschen werden gezeigt. Vom 22.9. bis 17.11.2018

 

 Udo Lindenberg, 2012 © Martin Schoeller / Courtesy of CAMERA WORK.

 

Martin Schoeller gelingt es mit seinem künstlerischen Konzept, seine Models – ungeachtet verschiedener sozialer und kultureller Hintergründe – gleichrangig darzustellen. Somit lädt er auf „demokratische Art“ zu einem Vergleich von Porträts ein, für die berühmte Persönlichkeiten wie Angela Merkel, Udo Lindenberg und Adele mit derselben Technik und demselben Licht fotografiert werden wie unbekannte, obdachlose und indigene Personen. Die Ausstellung präsentiert Werke, die seit 2005 entstanden sind. Mit der Serie „Close Up“ begann Martin Schoeller vor mehr als 20 Jahren – im Jahr 2005 fand die erste Ausstellung der Serie in der Galerie CAMERA WORK statt.

 

 

 Bill Gates, 2016 © Martin Schoeller / Courtesy of CAMERA WORK.

 

Rihanna, 2007 © Martin Schoeller / Courtesy of CAMERA WORK.

 

Die Ästhetik der Arbeiten aus der Serie hat einen hohen Wiedererkennungswert. Die Gesichtsausdrücke sind durchweg neutral, ernst und doch entspannt, im Bestreben die Unterschiede der Porträtierten in einem Moment herauszuzeichnen, „der sich intim und nicht gestellt anfühlt“. Die porträtierten Personen akzeptieren die Regeln des Fotokünstlers, die seinen einzigartigen Stil geprägt haben und zu seinem weltweit bekannten Markenzeichen wurden. Das Ergebnis  dieser  Ausdrucksform  ist  eine  verletzliche  und  maskenlose Darstellung,  die  den Betrachter anregt, sich mit den Gesichtern und Persönlichkeiten auseinanderzusetzen und Darstellungsmodi der Selbstinszenierung zu hinterfragen.

 

Bono, 2017 © Martin Schoeller / Courtesy of CAMERA WORK.

 

Martin Schoeller, geboren 1968 in München, zog nachdem er Fotografie am renommierten Lette Verein in Berlin und in Hamburg studierte, Mitte der 1990er Jahre nach New York, wo er seine Karriere begann. Martin Schoeller arbeitet regelmäßig für Zeitschriften wie „National Geographic“, „The New Yorker“ und das „Time Magazine“. Sein erstes Buch „Close Up“ (teNeues) wurde 2005 veröffentlicht, gefolgt von mehreren Monografien, jede repräsentativ für eine andere Facette von Martin Schoellers Werk. Seine Fotografien, die in exklusiven Editionen erhältlich sind, sind auf dem Kunstmarkt äußerst gefragt und werden weltweit in Museen und anderen Kunsteinrichtungen ausgestellt.

 

 

 

Unter dem Titel „Close“ (Steidl Verlag, 75 Euro) wurde dieses Jahr ein neues Fotobuch veröffentlicht.  Die Ausstellung ist Teil des „European Month of Photography“. Martin Schoeller wird in Deutschland exklusiv von der Galerie CAMERA WORK vertreten.

 

CWC Gallery, Auguststraße 11-13, Berlin

22.09.2018 - 10.02.2019
Fotoausstellung Winterthur . Zwei große Fotojournalisten stellt die Fotostiftung Schweiz vor: Den Schweizer Walter Bosshard, der sich ab 1931 auf China konzentrierte, und der weltberühmte Fotograf Robert Capa, der auch zu dieser Zeit in China war. In China entwickelte Robert Capa auch eine freundschaftliche Beziehung und spielerische Rivalität zu Walter Bosshard – beide hatten sie den Ehrgeiz, ihre Geschichten in der renommierten amerikanischen Zeitschrift Life veröffentlicht zu sehen. 22. September 2018 bis 10. Februar 2019.
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Walter Bosshard / Robert Capa – Wettlauf um China
Fotoausstellung Winterthur . Zwei große Fotojournalisten stellt die Fotostiftung Schweiz vor: Den Schweizer Walter Bosshard, der sich ab 1931 auf China konzentrierte, und der weltberühmte Fotograf Robert Capa, der auch zu dieser Zeit in China war. In China entwickelte Robert Capa auch eine freundschaftliche Beziehung und spielerische Rivalität zu Walter Bosshard – beide hatten sie den Ehrgeiz, ihre Geschichten in der renommierten amerikanischen Zeitschrift Life veröffentlicht zu sehen. 22. September 2018 bis 10. Februar 2019.

Foto Walter Bosshard


Walter Bosshard (1892–1975) ist der erste Schweizer Fotojournalist, der mit seinen Reportagen international berühmt wurde. Schon um 1930 erreichten seine Bildberichte ein Millionenpublikum. Ab 1931 konzentrierte sich Bosshard auf China: Fotografierend und schreibend verfolgte  er den verheerenden Krieg mit Japan und den Machtkampf zwischen Nationalisten und Kommunisten, er widmete sich aber auch dem Alltag und dem Leben auf der Strasse. Die Ausstellung der Fotostiftung Schweiz präsentiert neben Klassikern auch viele unbekannte Fotografien, die erst in jüngster Zeit zum Vorschein gekommen sind. Diese werden den China-Bildern des Starreporters Robert Capa gegen- übergestellt – Capa arbeitete an denselben Orten wie sein Freund Walter Bosshard und wetteiferte mit ihm um Auftritte in der Zeitschrift Life.
 
 
 
 
Foto Walter Bosshard


Den Grundstein für seine Karriere legte Walter Bosshard 1927/28 als Fotograf der Deutschen Zentralasien Expedition, die ihn in den Himalaya und die Taklamakan-Wüste führte. Mit Bildern und Texten von dieser Reise etablierte er sich als Fotojournalist. Schon 1930 erhielt er von der Münchner Illustrierten Presse und der damals führenden Berliner Fotografenagentur Dephot einen grossen Auftrag: Während rund acht Monaten konnte er Indien bereisen, um über die Unabhängigkeitsbewegung zu berichten. Dabei gelangen ihm einige sensationelle Gandhi- Porträts, die um die Welt gingen. 1933 verlegte Bosshard seinen Wohnsitz nach Beijing und wurde zu einem der produktivsten und angesehensten Asien-Korrespondenten seiner Zeit. Seine wichtigsten Plattformen waren die Berliner Illustrirte Zeitung und weitere Medien des Ullstein-Verlags, die Münchner Illustrierte Presse und die Zürcher Illustrierte. Später kamen amerikanische und englische Medien wie Life und Picture Post dazu, bevor er schliesslich eine feste Stelle als Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung annahm.
 
 

Krieg im Reich der Mitte
 
 
 
Foto Walter Bosshard
 

Der Beginn von Bosshards regelmässiger Tätigkeit als «Sonderberichterstatter» in China fällt
ins Jahr 1931. Die Eröffnung der ersten chinesischen Nationalversammlung, der Einmarsch der Japaner sowie der Machtkampf zwischen Nationalisten und Kommunisten boten spannenden Stoff für die internationalen Medien. Wie kaum ein anderer Reporter verfolgte Bosshard die weitere Entwicklung des sino-japanischen Kriegs aus der Nähe: Er fotografierte an der Front und leistete engagierte Aufklärungsarbeit, er porträtierte aber auch die wichtigsten Politiker, Generäle und Warlords sowohl auf japanischer als auch auf chinesischer Seite. Er gehörte zu den ersten, die über die 1937 gestartete Grossoffensive der Japaner berichteten, bei der sie nacheinander die grossen Städte Beijing, Tianjin und Shanghai besetzten, um schliesslich am
13. Dezember die Hauptstadt Nanjing zu erobern. Hier richteten sie während rund sieben Wochen eines der grössten und grausamsten Massaker der Geschichte an, bei dem schät- zungsweise über 200'000 Zivilisten umgebracht wurden. Die japanische Invasion löste Migrationsbewegungen aus, welche die soziale, kulturelle und ökonomische Landschaft tiefgreifend veränderten: Zwischen 1937 und 1945 waren gegen 100 Millionen Chinesinnen und Chinesen in ihrem eigenen Land auf der Flucht, die vermutlich bisher höchste Zahl
Vertriebener weltweit.

Alltag und Reisen
 
 
Mit der gekonnten Verbindung von Wort und Bild war Walter Bosshard aber nicht nur ein gefragter Augenzeuge dieses langen Kriegs. Ebenso viel Aufmerksamkeit erlangte er mit Berichten vom chinesischen Alltag und vom Leben in den Strassen. Er war ein grosser Reisender, der nie genug davon bekam, neue und unbekannte Gegenden zu erforschen und auf abenteuerlichen Flussfahrten in die entferntesten Gegenden Chinas zu gelangen. Während Monaten lebte er mit den Nomaden der Inneren Mongolei und erhielt einen tiefen Einblick in ihre reichhaltige Kultur. Das «Achthügelland» gehörte für Bosshard zu den geliebten Rückzugs- gebieten, in denen er sich immer wieder vom hektischen Leben an der Front erholte. Seine Faszination fand ihren Ausdruck in Bildern von einer traumhaften Landschaft, aber auch in ausdrucksstarken Reportagen über die einfache Lebensweise eines naturverbundenen Volks, das durch den Krieg und das Vordringen der Zivilisation dem Untergang geweiht war.

Der Fall von Hankou
 

Ein Schlüsseljahr in Bosshards fotojournalistischer Karriere war das Jahr 1938. Wie andere westliche Korrespondenten hielt er sich in der temporären chinesischen Hauptstadt Hankou auf, die monatelang heftigsten japanischen Bombardierungen ausgeliefert war. Hankou war zweifellos der mediale Hotspot jener Zeit; Nacht für Nacht stiegen die Korrespondenten auf das Dach der lutherischen Mission, um die spektakulären Luftkämpfe zwischen japanischen und chinesischen Fliegern mitzuverfolgen oder Chinas Chancen im verzweifelten Widerstand gegen die vorrückenden Feinde zu diskutieren. Zu den Beobachtern gehörte auch der schon damals berühmte Fotograf Robert Capa, der mit einem Filmteam im Gefolge des bekannten Dokumen- tarfilmers Joris Ivens nach China gekommen war. Er hatte den Job als zweiter Kameramann für Ivens' Film The Four Hundred Million angenommen, weil er sich erhoffte, zwischendurch als Reporter auch eigene Geschichten fotografieren zu können. Besonderes Interesse hatte er am Widerstandskampf der Kommunisten gegen die nationalistische Kuomintang-Regierung. Er sah darin eine fernöstliche Erweiterung der antifaschistischen Bewegung, die er schon im spanischen Bürgerkrieg aus nächster Nähe verfolgt hatte. Allerdings wurde das Filmteam von den Nationalisten so streng überwacht, dass es Capa fast unmöglich war, sich frei zu bewegen. Dennoch gelangen ihm einige erschütternde Reportagen: über die permanenten Luftangriffe, die Angst der Zivilbevölkerung, die chinesischen Flüchtlingsströme oder den täglichen Kampf ums Überleben. In Hankou entwickelte Robert Capa auch eine freundschaftliche Beziehung und spielerische Rivalität zu Walter Bosshard  – beide hatten sie den Ehrgeiz, ihre Geschichten in der renommierten amerikanischen Zeitschrift Life veröffentlicht zu sehen.

 

Foto Robert Capa


Zu Besuch bei Mao



 
1938 wetteiferten die beiden Fotojournalisten um die erste Reportage aus der weit abgelege- nen «Roten Hauptstadt» Yan'an, wo die Kommunisten unter Mao Zedong ihre Kräfte sammelten und sich für den Guerilla-Kampf gegen die Japaner rüsteten. Die westlichen Medien waren begierig auf Neuigkeiten aus Maos Lager, denn zu dieser Zeit war es noch völlig unklar, welche Rolle die kommunistische Bewegung für die Zukunft Chinas spielen sollte. Tatsächlich fand Walter Bosshard im Juli 1938 als erster europäischer Korrespondent den Weg zu Mao – zusammen mit dem befreundeten China-Korrespondenten der Chicago Daily News, Archibald Steele. Neben einem ausführlichen Interview mit dem Vordenker des Neuen China drehte Bosshard auch einen Film mit den vermutlich frühesten Bewegtbildern von Mao und fotogra- fierte den Alltag der Kommunisten, die sich in den Lösshöhlen von Yan'an organisiert hatten. Life publizierte das Resultat in einer teilweise farbigen Reportage, während die Neue Zürcher Zeitung den sensationellen Stoff im Juli und August 1938 in einer sechsteiligen Serie jeweils auf ihrer Frontseite präsentierte. Nach diesem Coup gab sich Robert Capa geschlagen und kehrte frustriert nach Hause zurück.
 

Filme und Bilderzählungen
 
 
 
 
Foto Robert Capa
 
 
Bosshards Yan'an-Film war nur einer von zahlreichen dokumentarischen Filmen, mit denen er die politische Berichterstattung dynamisierte. Dabei blieb er nahe bei seinen fotografischen Reportagen, in denen er seine Themen in gut erzählte Geschichten verpackte. Das Credo der dokumentarischen Fotografie, wonach Eingriffe in die fotografierte Szene oder gestellte Aufnahmen ein Sakrileg sind, hatte im Fotojournalismus der dreissiger Jahre noch nicht dasselbe Gewicht wie in der Nachkriegszeit. So war es auch für Bosshard legitim, für die Vermittlung bestimmter Inhalte aktiv Regie zu führen, um seinem Publikum Einblicke in die
«wahren» Verhältnisse in China zu geben. Ein Paradebeispiel ist etwa seine Bilderzählung «The Life of a Chinese Guerilla», 1938 fotografiert und 1939 in der englischen Picture Post veröffent- licht: Der Bauer Chang lässt sich freiwillig zum Guerilla-Kämpfer ausbilden und wird im Einsatz gegen die Japaner von einem feindlichen Geschoss schwer verletzt. In 17 Bildern werden die komplexen Zusammenhänge um den Abwehrkampf Chinas und die Überwindung des Bürger- kriegs glaubwürdig erläutert. Die visuelle Dramaturgie gipfelt in einer Aufnahme, die den getroffenen Chang im Fall zeigt – ein fernes Echo auf Robert Capas fallenden republikanischen Milizionär.
 
 
Cleverer Netzwerker
 
 
Dank grosser Vertrautheit mit den lokalen Verhältnissen und einem exzellenten Netzwerk konnte sich Bosshard immer wieder Vorteile verschaffen, mit denen er schnell und effizient sein Ziel erreichte. 1937 schrieb Archibald Steele über seinen Schweizer Kollegen: «Jeder, der im Fernen Osten mit Kamera und Notizblock unterwegs ist, weiss um die Probleme, denen die Chronisten ausgesetzt sind. Trotz Zensur, behördlichen Hindernissen und sturen Beamten gelingt es Bosshard, dem für Ullstein arbeitenden Fotojournalisten, sein Handwerk auszuüben, ohne es sich mit den Japanern oder den mandschurischen und chinesischen Behörden zu verderben. Man muss auch Diplomat sein, um dieser Tage als Korrespondent und Künstler mit der Kamera erfolgreich zu sein ... Alle hohen Tiere in Asien kennen Bosshard, Diplomaten, Staatsmänner und Militärs, denn er liebt es, sie in ihrem privaten Umfeld zu porträtieren.»
Und David Walker, Korrespondent der britischen Zeitung Daily Mirror, erinnert sich in seinem Buch Death at My Heels (1942): «Man hätte sich keinen geeigneteren Reisebegleiter wünschen können als Walter Bosshard. Ein Schweizer der besten und zähesten Sorte, der Karawanen durch Tibet und China und weiss der Himmel wohin geführt hatte. Er konnte Dinge aus dem Nichts hervorzaubern  – heissen Kakao, den er scheinbar im Ärmel mit sich trug, oder Biscuits, als ob man sie vom nächsten Baum hätte pflücken können. Nur einen Fehler hatte er: Wenn wir jenen Punkt erreichten, wo Maultiere Angst haben, vorwärts zu gehen, sprang er selbst wie
eine Bergziege weiter und kletterte die steilsten Abhänge hoch. Es war verdammt anstren-
gend.»
 
 


China im Werk von Walter Bosshard
 
 
Das Jahrzehnt, das Walter Bosshard in China verbrachte, war fraglos die wichtigste Phase in seinem fotojournalistischen Schaffen. Es gibt, international gesehen, nur wenige Fotojournalis- ten, welche die schwierige Zeit der japanischen Besetzung Chinas so konstant und in so grosser Intensität verfolgten und abbildeten. Für das Publikum im Westen und in der Schweiz war er während Jahren eine Instanz – jedenfalls bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. «Und weisst du, mein lieber Freund, dass dein Ansehen und die Wertschätzung deiner journalisti- schen Arbeit immer weiter wachsen?», schrieb Zouzou im Sommer 1942 in einem Brief an Bosshard. Zouzou, der Schweizer Öffentlichkeit besser bekannt unter dem Namen Gilberte de Courgenay, freute sich darüber, dass «die Zeitungsverkäufer der NZZ deinen Namen in grossen Lettern auf ihren Hüten oder auf der Brust tragen, um einen Artikel von W.B. anzupreisen, so dass sich die Passanten um die Ausgabe reissen.» Dieser Ruhm verblasste allmählich in der Nachkriegszeit, als sich Bosshard mehr und mehr auf das Schreiben konzentrierte und sich 1953, nach einem Unfall in Korea, ganz aus dem Journalismus zurückzog. Nach seinem Tod 1975 geriet der einstmals berühmte Name ganz in Vergessenheit.

Ausstellung und Buch

Für die Ausstellung der Fotostiftung Schweiz und das parallel dazu erscheinende Buch Walter Bosshard  – China brennt. Bildberichte 1931–1939 wurden das Negativarchiv der Fotostiftung Schweiz wie auch die umfangreichen Bosshard-Bestände im Archiv für Zeitgeschichte (ETH Zürich) neu ausgewertet. Bei weiteren Recherchen sind viele vermisste Bilder zum Vorschein gekommen, die nun zum ersten Mal veröffentlicht werden. In der Ausstellung werden sie den China-Bildern von Robert Capa gegenübergestellt. Es zeigt sich, dass Bosshards Reportagen die Zeit gut überdauert haben. Auch heute noch versetzen sie uns mitten ins dramatische Geschehen im Fernen Osten. Bosshards fotojournalistisches Vermächtnis ist eine einzigartige, packende und anschauliche Quelle, um in jenes chinesische Jahrzehnt einzutauchen, das unsere Welt so folgenschwer verändert hat.

Eine Ausstellung der Fotostiftung Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Archiv für
Zeitgeschichte (ETH Zürich), ullstein bild Berlin und ICP New York. Kurator der Ausstellung: Peter Pfrunder.
Die Fotostiftung Schweiz wird regelmässig unterstützt durch das Bundesamt für Kultur, die
Kantone Zürich, Thurgau und Tessin und die Stadt Winterthur.

Publikation
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Limmat Verlag: Walter Bosshard – China  brennt. Bildberichte 1931–1939. Herausgegeben von Peter Pfrunder, Fotostiftung Schweiz. 290 Seiten, gebunden, etwa 150 Fotografien und Abbildungen.

Sonderveranstaltungen
Sonntag, 23. September, 11.30 Uhr Dialogische Führung: Peter Pfrunder im Gespräch mit Zhang Wei, Hochschuldozentin und Autorin (u.a. Zwischen den Stühlen: Geschichten von Chinesinnen und Chinesen in der Schweiz, 2007, und Eine Mango für Mao, 2018).
Sonntag, 11. November, 11.30 Uhr Dialogische Führung: Peter Pfrunder im Gespräch mit Anton Holzer, Fotohistoriker, Herausgeber der Zeitschrift Fotogeschichte, über die Frühzeit des modernen Fotojournalismus.



Fotostiftung Schweiz, Grüzenstraße 45, Winterthur


21.09.2018 - 18.11.2018
Verschwörungstheorien, Fake News und alternative Fakten haben Konjunktur in Zeiten des Umbruchs, denn Krisenzeiten sind Verschwörungszeiten. Das NRW- Forum Düsseldorf präsentiert „Im Zweifel für den Zweifel: Die große Weltverschwörung“ eine internationale Gruppenausstellung, die die Macht konspirativer Erzählungen sichtbar macht und zu kritischem Zweifeln anregt. vom 21. September bis 18. November 2018
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Im Zweifel für den Zweifel: Die große Weltverschwörung
Verschwörungstheorien, Fake News und alternative Fakten haben Konjunktur in Zeiten des Umbruchs, denn Krisenzeiten sind Verschwörungszeiten. Das NRW- Forum Düsseldorf präsentiert „Im Zweifel für den Zweifel: Die große Weltverschwörung“ eine internationale Gruppenausstellung, die die Macht konspirativer Erzählungen sichtbar macht und zu kritischem Zweifeln anregt. vom 21. September bis 18. November 2018

Felix Kubin, Eye Closed, Foto Marie Losier




Um die Anschläge vom 11. September 2001 in New York oder die Ermordung des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy  im Jahr 1963 kreisen  die bis heute wohl prominentesten Verschwörungstheorien. Den Kampf um die Wahrheit(en) gibt es nicht erst seit dem „postfaktischen Zeitalter“ und Donald Trumps  „alternativen
Fakten“. In Zeiten zunehmender Digitalisierung und Virtualisierung scheinen  die Unsicherheit und die Bereitschaft, konspirativen Ideen zu glauben, jedoch  so groß wie nie zuvor. Wem kann man noch glauben?  Lügen die Bilder und die Medien? Der Zweifel wird größer, genährt durch das Internet, in dem Verschwörungstheoretiker aller Art im Halbdunkel wirken.

Die internationale Gruppenausstellung „Im Zweifel für den Zweifel:  Die große Weltverschwörung“ untersucht mit den Mitteln der Kunst die Macht  von Verschwörungstheorien und setzt ihnen die Sichtbarkeit des Zweifels sowie die Möglichkeit zu kritischem Zweifeln entgegen. Ein falscher Stern, Überwachungstechnologien, Fotofälschungen und forensische Recherchen – in der Ausstellung treffen die Besucher auf verstörende Situationen und nicht-eindeutige Zustände, in denen sie sich selbst orientieren müssen. Unter anderem  mit Arbeiten von Julius von Bismarck, Richard Wilhelmer  & Benjamin Maus, Disnovation.org, Ólafur Elíasson, Forensic Architecture, Juliane Herrmann, IOCOSE, Felix Kubin, Olaf Metzel, Tony Oursler, Trevor  Paglen, Michael Schirner, Andreas  Slominski, Holger Wüst und Steffen Zillig.

Was ist wahr und was ist fake? Wie der französische Philosoph  Michel Foucault in den 1970er Jahren geschrieben hat, hat jede Gesellschaft ihre eigenen Techniken, um festzulegen, was in ihr als wahr und als unwahr gilt. Diese Techniken sind nicht für immer festgeschrieben, sondern  wandelbar und erfordern kritische Überprüfung.
Verschwörungsthearien, Fake News und allternative Fakten blühen immer dann auf, wenn Unsicherheit, Ängste und Zweifel an etablierten Systemen wachsen  und traditionelle Deutungsmuster nicht mehr greifen. Kriege, politische, wirtschaftliche oder ideologische Umwälzungen und humanitäre Katastrophen sind der Boden, auf dem sie wachsen.  Der Rückzug  auf einfache Welterklärungen, wie Verschwörungstheorien sie anbieten, ist eine Strategie der Gegenwehr gegen eine zunehmend  unübersichtliche Realität. Heute fordern Digitalisierung und Virtualisierung unsere Urteilskraft und Orientierungsfähigkeit in einer bisher nicht gekannten Weise. Die „alten Medien“  konkurrieren um die Deutungshoheit mit den sozialen Medien. Wo hört kritisches Zweifeln auf und wo fängt Paranoia an? Wo beginnt  und endet das Recht auf freie Meinungsäußerung? Sicher ist, dass man sich bei der Überprüfung der Plausibilität einer Theorie  vor allem fragen muss, wer einen Nutzen davon hat. Zweifel werden  von denen geschürt, die davon profitieren. Diffuse alltägliche Angstauslöser, Falschmeldungen, Desinformation, Tarngeschichten und Vertuschungen erhalten eine Bedeutung, so verschwommen sie auch sein mögen. Der Zweifel wirkt oft im Verborgenen und gerade  dort, wo die Zusammenhänge undurchschaubar erscheinen,  ist es notwendig sich mit ihnen auseinanderzusetzen, um eine kritische Haltung zu bewahren,  auch gegenüber den eigenen Gefühlen  von Angst und Zweifel.



Ólafur Elíasson: Highlighter, 1999, Installationsansicht Zentrum
für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, 2001
Foto: Franz Wamhof Haubrok Collection, Düsseldorf/Berlin,
Dauerleihgabe Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie




Mit Betreten des NRW-Forums verfolgen Suchscheinwerfer die Besucher auf Schritt und Tritt. „Highlighter“ ist eine Arbeit des dänisch/-isländischen Konzeptkünstlers Ólafur Elíasson, der sich vornehmlich mit physikalischen Phänomenen  in der Natur beschäftigt, und für seine spektakulären Installationen weltweit berühmt ist. Die Arbeit verbindet die verschiedenen Ausstellungsbereiche und erzeugt ein diffuses Gefühl von Paranoia.

Der Musiker, Komponist und Hörspielmacher Felix Kubin versieht die Ausstellung mit verstörenden Klangelementen, die ausgelöst werden, sobald man bestimmte Bereiche betritt. Die Arbeit kreiert eine verstörende Stimmung  und stellt eine Erwartungshaltung her, die, wie Psychologie und Kognitionswissenschaft zeigen, maßgeblich  daran beteiligt ist, was und wie wir wahrnehmen.

Der amerikanischen Künstler Tony Oursler kreiert verwirrende Situationen und verwickelt die Betrachter in kleine Psychodramen. Mit seinen Videoprojektionen und multimedialen Installationen erforscht er die Auswirkungen der Technologie auf den menschlichen Geist und befragt Massenmedien in Beziehung  zu psychologischen und sozialen Störungen. Oursler  beschäftigt sich in seiner Arbeit immer wieder  mit dem Okkulten und der Zauberei  und sagt von sich selbst, dass seine Sammlung von Geisterfotografien zu den besten weltweit gehöre.

 

Julius von Bismarck: Fake Star / Foto: Johanna Landscheidt



Julius von Bismarck, gefeiert für seine raumgreifenden Installationen und Aktionen im Freien, lässt gemeinsam  mit Richard Wilhelmer  und Benjamin Maus einen Fake Star über dem NRW-Forum aufsteigen. Das neue Projekt untersucht auf poetische Weise die Auswirkungen des postfaktischen Zeitalters und unsere kollektive Wahrnehmung der Wahrheit. Der bisher unentdeckte neue Stern, der eigentlich ein Drache  ist, wirft die Frage auf, ob die Behauptung eines Fake Stars automatisch die Wahrheit aller bisher als echt geltenden Sterne  in Frage stellt. Die Lichtinstallation besteht aus einem Drachen, der je nach Windstärke vollautomatisch von einer computergesteuerten Bodenstation aus startet und landet. Er erhebt  sich etwa 100 Meter hoch und trägt eine LED-Leuchte, deren Strom von einem kleinen Propellergenerator gespeist wird - einem "Sternenkraftwerk", das mit erneuerbaren Energien  betrieben wird.

Disnovation.org  ist ein Kollektiv aus Paris, bestehend aus Programmieren und Künstlern, gegründet von der Künstlerin und Designerin Maria Roszkowska zusammen mit dem Künstler  Nicolas Maigret. Das Kollektiv zwischen Kunst, Forschung und Hacking  hat es sich zur Aufgabe gemacht, Situationen zu erschaffen,
die die herrschenden Diskurse  über technologischen Fortschritt hinterfragen. Eigens für die Ausstellung programmieren sie einen Bot, der basierend auf aktuellen Diskussionen im Netz neue Verschwörungstheorien erfindet.

Die Künstlergruppe IOCOSE nutzt Crowdsourcing (Auslagerung von Aufgaben an eine Gruppe von Internetnutzern), um Verschwörungstheorien zu entwickeln. Für die Serie „A crowded Apocalypse“ hat die Gruppe  weltweit Menschen beauftragt, sich mit Plakaten und Pappschildern zu fotografieren, auf denen konspirative Thesen zu lesen sind, von denen jede nahezu bedeutungslos ist. Anders  als bei Verschwörungstheorien eigentlich der Fall, entsteht die konspirative Narration beim Crowdsourcing nicht nur durch das eine Big Picture, sondern  die Masse an Bildern. Die internationalen Künstler Matteo Cremonesi (IT), Filippo Cuttica (UK), Davide Prati (DE) and Paolo Ruffino  (UK) arbeiten seit 2006 als iocose  mit verschiedenen Medien, vor allem mit Websites, Videos und sozialen Netzwerken.

 

Forensic Architecture: 77Sqm 926Min / 77sqm_9:26min_4:
Fluid dynamics simulation of gunpowder residue particles (ammonia) within the front room of the internet cafe.
Image: Forensic Architecture and Dr. Salvador Navarro-Martinez, 2017



Das Kunst- und Rechercheinstitut Forensic Architecture ist dafür bekannt, mit architektonisch-forensischen Mitteln Kunst zu machen. Durch seine detaillierten und kritischen Untersuchungen zeigt Forensic Architecture, wie öffentliche Wahrheit produziert wird - technologisch, architektonisch und ästhetisch - und wie man damit kritisch, investigativ umgehen kann. Für die Arbeit „77qm_9:26“ haben sie zum NSU- Mord in Kassel recherchiert. Die Gruppe  hat das komplette Internetcafé nachgebildet und Ungereimtheiten dokumentiert. Die Arbeit wird seit der Documenta vergangenen Jahres erstmals wieder in Deutschland gezeigt. Forensic Architecture hat seinen Sitz an der Goldsmiths University of London. 2010 von Prof. Eyal Weizman gegründet, besteht die Gruppe heute aus Architekten, Künstlern, Filmemachern, Journalisten, Softwareentwicklern, Wissenschaftlern, Juristen und einem ausgedehnten Netzwerk von Mitarbeitern aus den verschiedensten Bereichen und Disziplinen.

 

Michael Schirner, BYE BYE, WAR70, 2002 – 2011, Digigraphie by Epson



Michael Schirner präsentiert sogenannte Digigraphien. Er manipuliert Bilder aus Archiven  und verändert damit Momente der Weltgeschichte und des kollektiven Gedächtnisses, die bis heute von Verschwörungstheorien umweht sind. Entscheidende Personen  retuschiert er komplett aus den Bildern, wie beispielsweise Uwe Barschel  aus der Badewanne im Hotel in Genf. Dadurch  zwingt er den Betrachter das Abwesende zu imaginieren und je imaginärer etwas  ist, desto intensiver ist die Imagination.

 

Juliane Herrmann: Man Among Men: Mitglied bei „De Vriendschap“ in
Den Haag und „Concord“ in Rotterdam, Niederlande, 2013



Die Dokumentarfotografin und Filmemacherin Juliane Herrmann  öffnet für die Serie “Man among Men” die Türen in eine Welt, die der Öffentlichkeit normalerweise verborgen bleibt: die der Freimaurer. Fünf Jahre lang hat sie Freimaurer weltweit dokumentiert und dabei den Fokus auf die Frage gerichtet, was Menschen heute zu
der geschlossenen Gesellschaft hinzieht. Ihre Antwort: die Suche nach einem Gefühl von Identität und Zugehörigkeit. Neben Interieurs der Logenräume porträtiert sie Mitglieder, rituelle Stillleben sowie die alltäglichen Kulissen des Lebens in den Logen.

 

Holger Wüst: Letzte linke Uni, 2018. Verschiedene Formate.
Installationsansicht Studierendenhaus Campus Bockenheim, Frankfurt am Main



Holger Wüst beschäftigt sich in seinen Werken  mit politischen und gesellschaftlichen Themen, die er in großformatigen Collagen  aus Fotos  dokumentiert. Oft setzt er sich mit geschichtsphilosophischen Fragen und Utopien der Revolution auseinander. Seine neue Arbeit „Ideologiekritische Studien“ ist eine Fotomontage, die
Hörsaalgebäude mit diversen  Diskussions- und Austauschgruppen aus den sozialen Netzwerken verbindet.

Olaf Metzel: NSU, 2013, Foto: Leonie Felle, München Privatsammlung Düsseldorf,
Courtesy Jan Wentrup Galerie Berlin

 


Der Bildhauer  und Objektkünstler Olaf Metzel  gilt mit seinen performativen Skulpturen als streitbar, provokant und immer politisch. Eine große Installation in Form einer Blechskulptur reflektiert das Deutungsmonopol der Medien und deren Bilderwelten.


Trevor Paglen ist ein US-amerikanischer Künstler, dessen Arbeiten sich hauptsächlich mit Militär und Geheimdiensten der USA beschäftigen. Trevor  Paglen widmet sich hochbrisanten aktuellen Themen und erregt damit große Aufmerksamkeit in den Medien. Im NRW-Forum präsentiert er eine Arbeit in Form einer Liste mit den Namen militärischer Organisationen von 2001 bis heute, die als „Top Secret“ klassifiziert sind.


Steffen Zillig präsentiert mit der Arbeit „Geordneter Rückzug“ die Geschichte einer Geheimgesellschaft und deren Plan einer organisierten Flucht von der Erde. Auf 18 Bildern erzählen Comics  im Stil der 1970er Jahre vom Scheitern einst aufklärerischer Ideale und davon, wie die Angst um den Verlust gesellschaftlicher Errungenschaften umschlägt in elitäre Isolation  und verschwörerische Weltflucht.

Die Ausstellung wird kuratiert von Florian Waldvogel  in Zusammenarbeit mit Alain Bieber. Florian Waldvogel  (*1969) war zuletzt Direktor des Kunstvereins Hamburg (2009-2013), wo er unter anderem  Ausstellungen von John Bock oder Tobias Zyloni kuratierte. Zuvor (2006 bis 2008) war er unter Nicolas Schafhausen als Kurator am Witte de With – Center for Contemporary Art in Rotterdam tätig. 2015 wurde  er an der Hochschule für bildende  Künste Hamburg  zur Ausstellungspraxis von Kasper König promoviert, dessen Meisterschüler und Assistent er Ende der 90er  Jahre er an der Staatlichen Hochschule für Bildende  Künste – Städelschule war.

Es erscheint ein Katalog im Kettler Verlag mit interdisziplinären Beiträge unter anderem  von Florian Waldvogel, Dr. Margarete Jäger, Günther Jacob, Birte Mühlhoff, Karl Hepfer, Tom Kummer, Bernard  Williams und Textauszügen von Michel Foucault, Umberto Eco und Hannah Arendt. Der Reader belgeitet die Ausstellung mit philosophischen, künstlerischen, sprachwissenschaftlichen, psychologischen und soziologischen Betrachtungen zum Thema

Preis: 32 Euro

NRW Forum, Ehrenhof 2, Düsseldorf



20.09.2018 - 21.10.2018
Fotoausstellung Berlin . Die Galerie "The Ballery in Berlin-Schöneberg präsentiert unter dem Titel "Corpus Delicti" drei zeigenössische Statements zur Aktfotografie und Körperinszenierung mit Arbeiten von Sonia Szóstak, Simon Lohmeyer und Steven Kohlstock. 20. September bis 21. Oktober 2018.
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Corpus Delicti
Fotoausstellung Berlin . Die Galerie "The Ballery in Berlin-Schöneberg präsentiert unter dem Titel "Corpus Delicti" drei zeigenössische Statements zur Aktfotografie und Körperinszenierung mit Arbeiten von Sonia Szóstak, Simon Lohmeyer und Steven Kohlstock. 20. September bis 21. Oktober 2018.

Carbonara 2018 copyright Simon Lohmeyer



In der Ausstellung werden die Werke der jungen und aufstrebenden Fotografen Sonia Szóstak (*1990, Polen), Steven Kohlstock (*1982, Deutschland) und Simon Lohmeyer (*1989, Deutschland) gezeigt und den Status Quo der Aktfotografie und Körperinszenierungen präsentieren will. Darüber hinaus lädt die Ausstellung zum Diskurs über Nacktheit und Öffentlichkeit ein: Wie viel Haut ist in der Öffentlichkeit im Allgemeinen und den Sozialen Netzwerken im Besonderen angebracht, welche Positionen nehmen die Fotografen zu dieser Frage ein, wie nutzen sie die Nacktheit in ihren Arbeiten, wie gehen Leser bzw. Follower damit um?

 

Eva 2015 copyright Sonia Szóstak


Aktmalerei gehört zu den ältesten Genres der Kunstwelt, die ersten erotischen Fotos wurden 1845 mit dem Durchbruch Daguerreotypien möglich. Vertrieben wurden diese u. a. von Eugène Delacroix, Eugène Durieu und Bruno Braquehais aufgenommenden Werke durch Kunsthändler in Paris. Die Unikate, oftmals handkoloriert, zeigten Prostituierte oder promiskuitive Frauen, mal in Rückenansicht aufgenommen (Oscar Gustave Rejlander, Nude, 1857, oder Paul Berthier, Nude, 1865), mal durch einen Schleier verdeckt (Oscar Gustave Rejlander, Two Ways of Life, 1857). Die nachfolgenden Pictorialisten ließen den weiblichen Körper durch die Linse wie eine verschwommene, auratische Traumsequenz erscheinen (Edward Steichen, Figure with Iris, 1902). Ab den 1920er-Jahren entstanden dann ikonische Werke wie Le Violon d’Ingres von Man Ray (1924) sowie zahlreiche experimentelle Körperstudien von Martin Munkácsi und László Moholy-Nagy oder später Herbert List und Edward Weston. Rasch durchlief die Aktfotografie eine Entwicklung vom verpönten Schmuddelfoto mit fragwürdigem Personal hin zur angesehenen Kunstform, die auch in Adels- und Prominentenkreisen beliebt war. Während der Körper um die Jahrhundertwende noch mit abgetönten, vagen Konturen inszeniert wurde, arbeiteten Fotografen wie Leni Riefenstahl und George Hurrell oder später auch Herb Ritts mit einer magischen Ausleuchtung und einer erotisierenden Sportlichkeit. Mit Hilfe von archaischer Architektur und strikten geometrischen Linien erreichte die Aktfotografie eine neue Qualität.

 

H+®ctor2018 copyright Steven Kohlstock



Aber wie wird die Aktfotografie heute bewertet und rezipiert? Während die älteren Generationen vor der öffentlichen Nackheit zurückschrecken und ihr kritisch gegenüberstehen, zeigt die heutige Jugend tendenziell eher alles. Das Internet wird mit nackten Selfies und pornografischen Bildern auf allen möglichen Plattformen geflutet; der Wille, den eigenen Körper zu zeigen und diesen für die 24/7-Zurschaustellung noch zu optimieren, war nie so populär wie heute. Dabei geht es weniger darum, Tabus zu brechen, als um die Frage, wie viele Likes, neue Follower oder Kommentare man für die Fotos erhalten kann.


Sonia Szóstak studierte an der Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater Leon Schiller in Polen. Ihre Werke wurden bereits in der Galeria Carla Sozzani (Mailand), A/D/O Gallery (New York), No Wódka Concept Store (Berlin), MIA PHOTO FAIR (Mailand) und dem Museum of Contemporary Art (Warschau) gezeigt. Szóstak lebt und arbeitet in Paris.

Steven Kohlstock studierte Fotografie am Lette-Verein (2007–2010) in Berlin, nachdem er als Autodidakt in Barcelona begonnen hatte zu fotografieren. In seiner Arbeit konzentriert er sich auf die Genres Porträt und Mode, inspiriert durch sein Kunstgeschichtsstudium an der Humboldt Universität in Berlin (2010–2013). Fotos von ihm erschienen u. a. in Vogue Italia, L’Uomo Vogue, T: The New York Times Style Magazine, Vogue Spain, Harper’s Bazaar España, Vice Germany, Metal Magazine, Spex oder dem Männer Magazin. Er lebt und arbeitet zwischen Paris und Berlin.


Nach seinem Abitur reiste Simon Lohmeyer für acht Jahre um die Welt, wobei ihm das Modeln seine Reisen ermöglichte. Gleichzeitig entsprang den Reisen seine Liebe zur Fotografie, deren verschiedene Genres wie Mode-, Dokumentations-, Landschafts- und Porträtfotografie er nach und nach erkundete. Lohmeyers Arbeiten wurden von Fotografen wie Helmut Newton, Tim Walker, David LaChapelle und Juergen Teller inspiriert. –


Kuratiert wurde die Ausstellung von Nadine Dinter.


The Ballery, Nollendorfstraße 11-12, Berlin

20.09.2018 - 30.09.2018
Fotoausstellung Zürich . Die Ausstellung „Jäger - Momentaufnahmen afrikanischer Raubkatzen“ in der Züricher Photobastei zeigt erstmalig und für kurze Zeit eindrückliche Schwarzweiss-Aufnahmen des Wildlife-Fotografen Christoph Tänzer. Vom 20. September bis 30. September 2018
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Christoph Tänzer – Jäger
Fotoausstellung Zürich . Die Ausstellung „Jäger - Momentaufnahmen afrikanischer Raubkatzen“ in der Züricher Photobastei zeigt erstmalig und für kurze Zeit eindrückliche Schwarzweiss-Aufnahmen des Wildlife-Fotografen Christoph Tänzer. Vom 20. September bis 30. September 2018

copyright Christoph Tänzer



Christoph Tänzer hat viele Stationen des kreativen Schaffens durchlaufen. Angefangen mit einer Ausbildung in klassischer Malerei und Film hat er letztendlich über zehn Jahre als Art & Creative Director in der IT- und Unterhaltungsbranche gearbeitet. Seine wahre Passion fand er jedoch ganz woanders – auf dem zweitgrössten Kontinent der Erde.

 

Christoph Tänzer - Jäger Foto Oliver Baer

 


Afrika! Tierdokumentationen übten bereits früh eine Faszination in Christophs Kindheit aus und waren Impuls für seine heutigen Reisen in die Wildnis Afrikas. Seit einigen Jahren ist er in Botswana, Südafrika, Namibia, Sambia, Kenia oder Uganda unterwegs – stets mit einem Ziel: Die dortige Fauna zu verstehen und sie ästhetisch in Bildern zu dokumentieren.

Tierfotografie bedeutet Akzeptanz und Geduld. Doch auch aus technischer Hinsicht verlangt Afrika dem Fotografen alles ab. Damit ein Foto berührt, muss es eine Geschichte erzählen – eine Geschichte, die viel mehr ist als der physische oder digitale Abzug eines Negativs.

Dieser Prozess findet hinter der Kamera statt. Christoph Tänzer wird zum Geschichtenerzähler durch seine Bilder, er lebt sein Schaffen. Seine Fotografien sind die Resultate wochenlanger Beobachtungen bei brütender Hitze und eisiger Kälte, Verzicht auf Komfort, frustrierenden Momenten und gleichzeitig wunderschönen Erlebnissen.

Photobastei, Sihlquai 125, Zürich

19.09.2018 - 06.01.2019
Fotoausstellung Hannover . Anne Colliers Werke wurden bereits in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Ihre Präsentation im Sprengel Museum Hannover ist die erste museale Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland. Indem die Künstlerin Poster, Plattencover, Fotozeitschriften, Buchseiten und Filmstills abfotografiert, hinterfragt sie die Bedeutung von Bildern, die unseren Alltag prägen und Sehnsüchte illustrieren.19. September 2018 bis 6. Januar 2019
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Anne Collier: Photographic
Fotoausstellung Hannover . Anne Colliers Werke wurden bereits in zahlreichen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Ihre Präsentation im Sprengel Museum Hannover ist die erste museale Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland. Indem die Künstlerin Poster, Plattencover, Fotozeitschriften, Buchseiten und Filmstills abfotografiert, hinterfragt sie die Bedeutung von Bildern, die unseren Alltag prägen und Sehnsüchte illustrieren.19. September 2018 bis 6. Januar 2019

Anne Collier
Positive (California), 2016 Edition of 5 + 2 APs
Courtesy of the artist; Anton Kern Gallery, New York; Galerie Neu, Berlin;
The Modern Institute/Toby Webster Ltd., Glasgow © Anne Collier



Das unschuldige Bild ist eine Illusion – das gilt in besonderem Maße für das allgegenwärtige Medium der Fotografie. An dieser Stelle setzt das künstlerische Interesse der 1970 in Los Angeles geborenen, aktuell in New York lebenden Anne Collier ein. Dabei ist es eine bestimmte Art der Fotografie, die Collier interessiert. Es handelt sich vorwiegend um Bilder, die durch eine sehr emotionale Bildsprache charakterisiert sind: Augen, Wolken, Wellen sowie Fotografien von unverblümtem und romantisiertem Sexismus. Sie nutzt gefundene Materialien, bearbeitet diese und gelangt so zu einer reflektierten Archäologie der Gebrauchsweisen der Fotografie. Die von Collier gesammelten Fotos scheinen dabei wie historisch entrückt. Sie stammen mehrheitlich aus Medien der 1970er- und 1980er-Jahre. Was aber hat sich seitdem grundlegend geändert? Die Künstlerin rekontextualisiert den ursprünglichen Bildzusammenhang und formuliert ihn neu. Indem Collier das Fotografieren an sich thematisiert und bereits Fotografiertes erneut ablichtet, schafft sie Distanz zum Motiv, filtert Emotionen und liefert einen Anlass zur Reflexion des Dargestellten. Ihre überaus analytische Perspektive verzichtet dabei auf Sentimentalität oder Pathos. So ist der Betrachter – ob weiblich oder männlich – selbst gefordert, Position zu beziehen.
 

Anne Collier
Women With Cameras (Anonymous), 2016 (Detail image)
35mm Dias, 35 mm Diaprojektor, Ständer, Sockel
Courtesy of the artist; Anton Kern Gallery, New York; Galerie Neu, Berlin;
The Modern Institute/Toby Webster Ltd., Glasgow © Anne Collier

 

 

Anne Collier
Woman Crying # 18, 2018
Edition of 5 + 2 APs
Courtesy of the artist; Anton Kern Gallery, New York; Galerie Neu, Berlin;
The Modern Institute/Toby Webster Ltd., Glasgow © Anne Collier


Die Ausstellung wurde vom Sprengel Museum Hannover in Kooperation mit dem Fotomuseum Winterthur konzipiert (23. Februar bis 26. Mai 2019).  
Die Ausstellung wird gefördert durch die NORD/LB Kulturstiftung.



Sprengel Museum Hannover / Kurt Schwitters Platz / 30169 Hannover



15.09.2018 - 27.09.2018
Fotoausstellung Schwyz . Dritte Station der Jubiläumsausstellung „10 Jahre Fotografieren macht Schule“ ist das MythenForum Schwyz. In der Ausstellung geht es um die Förderung von Kompetenzen zu den Gestaltungsmitteln, der Bildsprache der Fotografie und digitaler Medien. 15. – 27. September 2018.
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10 Jahre Fotografieren macht Schule
Fotoausstellung Schwyz . Dritte Station der Jubiläumsausstellung „10 Jahre Fotografieren macht Schule“ ist das MythenForum Schwyz. In der Ausstellung geht es um die Förderung von Kompetenzen zu den Gestaltungsmitteln, der Bildsprache der Fotografie und digitaler Medien. 15. – 27. September 2018.





Foto: Judith Eicher, nach der didaktischen Auf- gabenstellung  «Mach dir selber ein Bild –
Eine Hommage an Man Ray», Chur 2010



Erste Station der Ausstellung  „10 Jahre Fotografieren macht Schule“ war der Festsaal des Zeughauses Teufen AR. Im Juli gastierte die  Jubiläumsausstellung im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden. Die Werkgruppe, bestehend aus 187 Exponaten von 52 Mitwirkenden, richtet sich explizit auch an Kinder, Jugendliche, Familien und Schulklassen. Den Schulen bieten wir für ihren Besuch unentgeltlich mediendidaktischen Lerneinheiten im Baukastenprinzip nach Lehrplan 21 an
Die Fotografien stellen eine eigentliche Werkschau besonders gelungener Resultate von mehr als 20 Aufgabenstellungen des Lehrmittels „Fotografieren macht Schule“ (Schulverlag Bern, 2006) dar. Sie sind allesamt mit digitalen Fotokameras entstanden und sollen die Besuchenden einladen, sich mit den Gestaltungsmitteln und der Bildsprache der Fotografie zu befassen. Kinder und Jugendliche sowie Lehrpersonen, Eltern und weitere an der Fotografie interessierte Menschen sollen durch die Exponate der Gruppenausstellung  inspiriert und für eigene spielerische Aktivitäten mit dem Fotoapparat animiert werden.
Parallel zur Ausstellung bietet sich für angehende und amtierende Lehrkräfte die Möglichkeit der Weiterbildung im Bereich der Mediendidaktik an. Für Schulklassen gibt es didaktische Unterrichtseinheiten  mit Aufgabenstellungen  im Umgang mit den Fotografien der Ausstellung. Die öffentlichen Foto-Workshops richten sich an Kinder und Erwachsene.


MythenForum Schwyz, Reichsstraße 12, Schwyz

14.09.2018 - 21.10.2018
Fotoausstellung Wien . Mit der World Press Photo Ausstellung machen wieder die besten Pressefotografien in bei WestLicht Station. Gleichzeitig eröffnet die Kabinettausstellung von Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger, die sich in ihrer Serie Icons Klassiker der Fotogeschichte aneignen. WestLicht setzt damit die Präsentation zeitgenössischer fotografischer Positionen in der oberen Galerie fort. 14.9.2018 bis 21.10.2018
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World Press Photo 18
Fotoausstellung Wien . Mit der World Press Photo Ausstellung machen wieder die besten Pressefotografien in bei WestLicht Station. Gleichzeitig eröffnet die Kabinettausstellung von Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger, die sich in ihrer Serie Icons Klassiker der Fotogeschichte aneignen. WestLicht setzt damit die Präsentation zeitgenössischer fotografischer Positionen in der oberen Galerie fort. 14.9.2018 bis 21.10.2018

 

 Ronaldo Schemidt, Agence France-Presse


Die Welt zu Gast im WestLicht: Zum World Press Photo des Jahres kürte die Jury ein Bild des Agence France-Presse Fotografen Ronaldo Schemidt mit dem Titel Venezuela Crisis. Bei Protesten gegen die geplanten Verfassungsreformen von Staatspräsident Nicolás Maduro kam es am 3. Mai 2017 in der venezolanischen Hauptstadt Caracas zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. Der 28-jährige José Victor Salazar Balzar wurde bei den Unruhen durch die Explosion eines Motorrads erfasst. Er überlebte mit Verbrennungen ersten und zweiten Grades.

 

Anna Boyiazis 


Die US-amerikanische Fotografin Anna Boyiazis wurde für ihre Serie Finding Freedom in the Water in der Kategorie Menschen ausgezeichnet. Das Projekt folgt einer Initiative auf der Inselgruppe Sansibar, die es jungen Mädchen durch das Bereitstellen von Ganzkörperanzügen ermöglicht, das Schwimmen zu erlernen, ohne dabei ihren traditionellen islamischen Glauben zu kompromittieren, der freizügige Kleidung verbietet.


Ami Vitale, National Geographic.
Pfleger füttern Elefantenbabies im Norden Kenias


Bereits zum siebzehnten Mal in Folge ist WestLicht Schauplatz von World Press Photo. 2017 zog das Event mehr als 26.000 Besucher_innen in die Westbahnstraße. Die prämierten Einzelbilder und Fotoserien lassen als Ikonen der Zeitgeschichte das vergangene Jahr Revue passieren und zeigen auf eindringliche Weise Ereignisse aus den Bereichen Politik, Gesellschaft, Sport und Natur.


George Steinmetz, National Geographic
Arbeiter verarbeiten in einer chinesischen Fabrik Fleisch.
China ist weltweit größter Produzent und Verbraucher von Schweinefleisch 


Cortis & Sonderegger - Icons


Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger
Making of Tian'anmen (von Stuart Franklin, 1989) 2013 


In ihrer Serie Icons baut das deutsch-schweizerische Künstlerduo Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger seit 2013 Ikonen der Fotogeschichte als dreidimensionale Dioramen in seinem Atelier nach. Die Modelle werden anschließend fotografiert. Dabei entstehen Bilder, die den Vorlagen bis aufs Haar zu gleichen scheinen. Die bruchlose Illusion wird allerdings sofort unterlaufen, indem das Studiosetting und die Spuren des Arbeitsprozesses mit ins Bild geholt werden. Szenen, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben haben – die brennenden Twin Towers, Robert Capas fallender Milizionär im spanischen Bürgerkrieg oder Stuart Franklins Aufnahme des „Tank Man“ vom Tian’anmen Platz, 1990 mit einem World Press Photo Award ausgezeichnet – erheben sich zwischen Stativen, Softboxen, Stanleymessern und den Resten von Modellbausätzen.



WestLicht, Westbahnstraße 40

13.09.2018 - 21.09.2018
Fotoausstellung München . Die Ausstellung „Vor dem Auftritt“ im Schauraum 1899 / Ilse Neubauer zeigt Bilder von Schauspielern fotografiert von Cordula Treml, die in der Maske oder den Künstlergarderoben aufgenommen wurden, meist wenige Minuten, bevor die Schauspieler auf die Bühne gehen. 13. bis 21. September 2018
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Cordula Treml – Vor dem Auftritt
Fotoausstellung München . Die Ausstellung „Vor dem Auftritt“ im Schauraum 1899 / Ilse Neubauer zeigt Bilder von Schauspielern fotografiert von Cordula Treml, die in der Maske oder den Künstlergarderoben aufgenommen wurden, meist wenige Minuten, bevor die Schauspieler auf die Bühne gehen. 13. bis 21. September 2018

 Catherine Seifert DER RAUB DER SABINERINNEN Thalia Theater Hamburg
© Cordula Treml

 

Die Porträts von Cordula Treml sollen vor allem die persönlichen Momente beleuchten, in denen sich die Schauspieler ganz auf sich selbst besinnen, und in denen sich manchmal auch eine gewisse Einsamkeit und Fragilität offenbart. Es geht dabei weniger um die äußere Verwandlung, als um die  leisen Augenblicke, die Anspannung, erhöhte Konzentration, ja Versenkung spürbar machen, und Emotionen einfangen, die Gesicht und Körper durchdringen.

 

 

 

 Sophie von Kessel Residenztheater München
© Cordula Treml

 

Die Fotografin begleitete zahlreiche Schauspieler an Theatern, unter anderem in München, Wien, Hamburg und Berlin, wie etwa Katharina Thalbach, Angela Winkler, Peter Simonischek, Nicholas Ofczarek, Michael Maertens, Eva Mattes, Bruno Cathomas, Sophie von Kessel, Juliane Köhler, Stefanie Reinsperger, Sebastian Blomberg oder Annette Paulmann.

 

Bibiana Beglau REISE ANS ENDE DER NACHT Residenztheater München
© Cordula Treml

 

Mehrfach porträtierte Cordula Treml die Schauspielerin Bibiana Beglau, Ensemblemitglied am Münchner Residenztheater, der in der Ausstellung ein besonderer Stellenwert zukommt. „Die Bilder sind die intimen Momente einer Vorahnung von der Stimmung, die eintritt, wenn der Vorhang aufgeht,“ sp Bibiana Beglau. Schauspielerin

 

 Sebastian Blomberg TRILOGIE DER SOMMERFRISCHE Residenztheater München
© Cordula Treml

 

„Nervosität, Ablenkung, letzte Proben, Anspannung, Heiterkeit, alles das findet man in ihren Fotografien, die den Protagonisten ungewohnt nah kommen. Gelungen ist eine einzigartige Serie, die den Eintritt in den Bereich der Verwandlung virtuos erfasst und mit ihren feinsinnigen Momenten bezaubert," meint Julie Kirchhoff, freie Journalistin.

 

Schauraum 1899

 

Ilse Neubauer, die vor allem als Schauspielerin und Rundfunksprecherin bekannt wurde, betreibt seit 2011 zusammen mit ihrem Sohn, dem Fotografen Andreas Neubauer, eine Galerie in der Münchner Innenstadt, den Schauraum 1899, wo sie regelmäßig verschiedene Künstler aus den Bereichen der Bildenden Kunst und Fotografie ausstellt. Neben zahlreichen anderen Künstlern stellte dort unter anderem auch die renommierte Münchner Theaterfotografin Oda Sternberg ihre Bilder aus.

 

Cordula Treml besuchte die École de l’Image des Gobelins in Paris und hat sich auf Theater- und Porträtfotografie spezialisiert. Sie fotografiert Theater-, Tanz und Opernproduktionen europaweit, häufig in Deutschland und Frankreich. Seit mehreren Jahren arbeitet sie an einem Projekt, für das sie Schauspieler an verschiedenen Theatern bei der Vorbereitung auf ihre Rolle bis kurz vor dem Auftritt fotografiert. Cordula Treml schreibt und fotografiert regelmäßig für die Fachzeitschrift Die Deutsche Bühne sowie das deutsch-französische Magazin ParisBerlin. Die Fotogrfafin hatte schon mehrere Ausstellungen wie in Marseille und Paris.

 

Schauraum 1899 / Ilse Neubauer, Landwehrstraße 67, München

 

10.09.2018 - 31.01.2019
Ausstellung Wien . Die vierte Ausgabe der Ausstellung „Handmade“ in der AnzenbergerGallery zeigt Arbeiten, die Handwerk, Technik und Fotografie verbinden und sich somit über die Grenzen konventioneller, zweidimensionaler Fotografie hinwegsetzen. Durch unterschiedliche Methoden werden greifbare, stoffliche und handgearbeitete Werke geschaffen, die einen Gegensatz zur heutigen virtuellen und digitalen Fotografie bilden oder diese weiterführen. 10. September 2018 bis 31. Januar 2019
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Handmade IV - more than photography...
Ausstellung Wien . Die vierte Ausgabe der Ausstellung „Handmade“ in der AnzenbergerGallery zeigt Arbeiten, die Handwerk, Technik und Fotografie verbinden und sich somit über die Grenzen konventioneller, zweidimensionaler Fotografie hinwegsetzen. Durch unterschiedliche Methoden werden greifbare, stoffliche und handgearbeitete Werke geschaffen, die einen Gegensatz zur heutigen virtuellen und digitalen Fotografie bilden oder diese weiterführen. 10. September 2018 bis 31. Januar 2019

 Die beteiligten KünstlerInnen in der Ausstellung „Handmade“: Daniel Spoerri, Gabriela Morawetz, Ellen Korth, Regina Anzenberger, Stella Bach, Julia Borissova, Jessa Fairbrother, Rita Maas, Rob Mc Donald, Minyo Szert, Heather F. Wetzel.

Mit zwei von Daniel Spoerris berühmten Assemblagen, den Fallenbildern, in denen er Kameras, Objektive, Filter, Geweihe und einen ausgestopften Vogel miteinbezieht, wird die Fotografie als Abgesang auf das Analoge thematisiert.

 

Bild: Daniel Spoerri

 

Jessa Fairbrother durchsticht und bestickt ihre Fotografien. Ihr Motiv ist immer wieder sie selbst als Portrait oder Akt. Ellen Korth fotografierte für ihre Serie Fabric of Time alte Unterwäsche und Unterröcke, die sie in den Schränken einer Burg in den Niederlanden fand. Gedruckt auf hauchdünnem, japanischem Fotopapier, ist jeder einzelne Print ein Unikat.

 

 

Bild Gabriela Morawetz

 

Gabriela Morawetz stülpt über ihre auf Holz kaschierten runden Fotografien eine Hülle mit bedruckten Konvexglas, und schafft mit Steinen dazwischen noch eine dritte Dimension. Ihr Universum entwickelt sich mit der Zeit des Produzierens und Reproduzierens rätselhafter Installationen, die von Mysterien gefolgt, dem Betrachter die ästhetische Wahrnehmung entlocken, so wie den Wunsch einer Vorahnung entfachen.

 

Regina Anzenberger zeigt mit Native Grounds Instants, die sie mit Zeichnung, Malerei, Text und Fundstücken erweitert. Ihr Thema ist die Wildnis und die Formen der Natur.

 

 

Bild Regina Anzenberger

 

Die amerikanische Künstlerin Rita Maas hat in den Neunziger Jahren als Food-Fotografin gearbeitet. Als sie in ihrer Garage die alten von der Umwelt veränderten Dias findet, beschließt sie, diese zu neuen Kunstwerken zu erwecken. Auf Büttenpapier gedruckt wirken sie wie bunte Aquarellmalerei. Kaum etwas lässt die ehemalig festgehaltenen Gerichte in ihrer Serie 20th Century Plastics erahnen.

Nach dem Tod des Malers Cy Twombly begab sich sein Freund, der Fotograf Rob McDonald ein letztes Mal in sein Atelier. In seiner Arbeit STUDIO dokumentiert er die Farbreste an den Wänden und übermalt sie dann selbst. Es ist McDonalds erste transformative Fotoarbeit.

Was auf Minyo Szerts Bildern wie Malerei anmutet, ist pure analoge Fotografie. Die Bilder, die er in seinen Performances auch mit seiner Fahrradlampe belichtet, handeln vom Alltag wie der winterlichen Schlittenfahrt, Innenräumen, seinem Hund, und oft von seinem geliebten Fahrrad.

Heather F. Wetzel verbindet den alten fotografischen Nassplattenprozess, den man früher hauptsächlich auf Glasplatten anwendete, mit einem modernen Produkt unserer Konsumgesellschaft. Sie verwendet recycelte Dosendeckel, um darauf Eindrücke aus der Natur- und Pflanzenwelt festzuhalten. Zudem gibt es in der Ausstellung auch einige ganz besondere, handgemachte Foto- und Künstlerbücher am Tisch und an der Wand installiert.

Stella Bachs Buch ‚L’Escuela de Corazon’ (Erziehung des Herzens) ist ein Einzelstück und erzählt in den Grundfarben rot, blau und gelb korrespondierend zu Gefühlen, Reflektionen und Handlungen. Das Buch ist inspiriert von Gustav Flauberts ‚L’education sentimentale’. Ihr Album einer Island Reise vermischt die tatsächlich erlebten Eindrücke mit einer angedeuteten fiktiven Geschichte.

Die russische Fotokünstlerin Julia Borissova wurde für ihr Buch Let me fall again von einem der ersten Ballonfahrer, dem Amerikaner Charles Leroux, inspiriert. Im Alter von 32 Jahren kam er bei einem Fallschirmsprung in Tallinn ums Leben. Das Buch ist mit der Technik der Origami Kunst kombiniert. Die Faltkunst vergleicht die Künstlerin mit der Präzision des Packens eines Fallschirms, damit sich der Schirm öffnet.

 

Anzenberger Gallery, Absberggasse 27, Wien

09.09.2018 - 21.10.2018
Fotoausstellung Köln .Anlässlich des Photoszene-Festivals 2018 zeigen die Kunsträume der Michael Horbach Stiftung vier Einzelausstellungen. Jede Ausstellung beschäftigt sich auf ihre eigene Art mit menschlichen Schicksalen. Gezeigt werden Positionen von Micha Ende, José Giribás, Martin Köller und Rania Matar. 9. September bis 21. Oktober 2018
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Vier fotografische Positionen
Fotoausstellung Köln .Anlässlich des Photoszene-Festivals 2018 zeigen die Kunsträume der Michael Horbach Stiftung vier Einzelausstellungen. Jede Ausstellung beschäftigt sich auf ihre eigene Art mit menschlichen Schicksalen. Gezeigt werden Positionen von Micha Ende, José Giribás, Martin Köller und Rania Matar. 9. September bis 21. Oktober 2018

Micha Ende „Treasure Hunters“

 

Treasure Hunters copyright Micha Ende


2017 reiste Micha Ende nach Indien, um in Pune – der zweitgrößten Stadt der Provinz Maharashtra mit rund 6 Millionen Einwohnern – die Recycle – Kooperative SWaCH zu fotografieren. SWaCH (Solid Waste Collection and Handling) gilt als vorbildliche Initiative, die nicht nur mehr als 2700 Frauen ein sicheres Einkommen garantiert, sondern auch fast 50000 Tonnen des in Pune produzierten Mülls jährlich recyceln, ein Rekord in Indien, der wahrscheinlich in den meisten Entwicklungsländern nicht überboten wird.  Eine straffe Organisation und internationale Vernetzung sind dafür verantwortlich, dass das SWaCH-Modell in anderen v.a. unterentwickelten Ländern und den BRICS-Staaten Schule macht.

Micha Ende wurde 1959 in Wuppertal geboren und wuchs in Leverkusen und Wuppertal auf. Nach einer Zeit als Fotograf bei diversen regionalen Zeitungen, Stadt- und Kulturmagazinen und eigenen Fotoprojekten begann er, an der Fachhochschule Dortmund Fotografie zu studieren. 1985-1988 wanderte er nach Brasilien aus und arbeitete als Journalist, Fotograf und Video-Lehrer im Rahmen eines Entwicklungsprojekts.

 



José Giribás - Über Folter spricht man nicht

 

Colonia Dignida
Die Kolonie sei während der Pinochet-Diktatur jahrzehntelang als
Folterzentrum des chilenischen Geheimdienstes genutzt worden.
copyright José Giribás

 

 

Die Fotografien der Serie „Über Folter spricht man nicht“ entstanden 2016 – sowohl in Chile als auch in Berlin. Sie zeigen die Überlebenden, die zu Anfang der Pinochet-Diktatur, die furchtbaren Qualen der Folter ertragen mussten. Fotografien von Schicksalsorten komplettieren das „Fotoessay zur Bewahrung des historischen Gedächtnisses in Chile.“

José Giribás hatte das Glück der Diktatur nach Argentinien entfliehen zu können. Er erhielt ein Stipendium für die Freie Universität in Berlin, wo er seitdem lebt. Giribás begann erst in Berlin als Fotograf zu arbeiten. Seine Heimat Chile besuchte er lange Zeit nicht – zunächst aus politischen Gründen. Als in Deutschland lebender Flüchtling fürchtete er, bei einem Aufenthalt in Chile inhaftiert zu werden. Erst 1986 kehrte er für eine Reise zurück nach Chile. Zusammen mit anderen Fotografen entschloss er sich, den Alltag in der Diktatur zu dokumentieren. Zu diesem Zeitpunkt war die Diktatur nicht mehr absolut.





Martin Köller – Roma unsere vergessenen Nachbarn

copyright Martin Köller

 


Martin Köller arbeitet in dem Sozial-Projekt  „Kellerladen e.V.“ in Köln – Bilderstöckchen. Nach Hilfsgüter-Transporten nach Polen und in die Ukraine hat sich ein Team vom Kellerladen 2004 auf die Arbeit mit Roma-Familien in der Siedlung Habeš, nahe der Stadt Se?ovce, in der Ost-Slowakei, eingelassen. Innerhalb von 12 Jahren entstand zusammen mit den Roma seine fotografische Arbeit.  
    
Es werden Menschen sichtbar, die ihre eigene Stärke entwickeln und auf sie vertrauen und endlich als Minderheit von der Mehrheitsgesellschaft als Mitmenschen wahrgenommen werden wollen. Es sind Menschen, die durch den Genozid ihre bitterste und leidvollste Geschichte erfuhren. Sie sind unsere Nachbarn an den Rändern unserer Gesellschaft, aber oft in Vergessenheit geraten. Seine Bilder sind zutiefst subjektiv und zeigen das Mitleiden an der Benachteiligung dieser Menschen.

Martin Köller ist 1935 in Mönchengladbach geboren. Nach dem Studium der Theologie und Psychologie war er als Seelsorger  und Psychotherapeut tätig. Er lebt in Köln.

 

Rania Matar – Invisible Children

Tamer
copyright Rania Matar

 

 

2014 reiste Rania Matar in den Libanon. Hier begann sie, in den Straßen von Beirut und in Flüchtlingscamps, syrische und palästinensische Flüchtlinge der dritten Generation zu porträtieren. Ihr geht es darum, die Geschichte aus Sicht der und mit Blick auf die Kinder zu erzählen.
Dazu hat sie die Kinder behutsam in ihre Umgebung platziert – vor Stadtmauern oder Hauswänden. Diese Wände sind ein wesentliches, sich wiederholendes Element der Serie. Matar bemerkt: "Bei all meinen anderen Arbeiten ging es um Menschen in ihrer Umgebung. Die Wände sind die Wände dieser Kinder, also wurden diese Wände wichtig – sie haben Schichten der Geschichte. Für mich wurden diese Kinder zu einer Extraschicht der Geschichte an der Wand."

Wann immer Rania Matar in den Libanon reist, versucht sie die bereits fotografierten Kinder wieder zu treffen und ihre Serie fortzusetzen.

Rania Matar ist im Libanon geboren und aufgewachsen. 1984 zog sie in die USA. Heute lebt sie in Boston. Matar begann eine Karriere als Fotografin mit zahlreichen Projekten, über das alltägliche Leben von Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt. Dabei ist es ihr ebenso wichtig individuelle Details aufzudecken, wie auch kulturelle Unterschiede sichtbar zu machen


08.09.2018 - 17.10.2018
Ausstellung Frankfurt am Main . Die Ausstellung „Glanz“ in der Galerie-Peter-Sillem präsentiert Arbeiten von Frank Mädler, wobei nicht nur Fotografien und Fotogramme sondern auch keramische Objekte gezeigt werden. 8. September bis 17. Oktober 2018
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Frank Mädler – Glanz
Ausstellung Frankfurt am Main . Die Ausstellung „Glanz“ in der Galerie-Peter-Sillem präsentiert Arbeiten von Frank Mädler, wobei nicht nur Fotografien und Fotogramme sondern auch keramische Objekte gezeigt werden. 8. September bis 17. Oktober 2018

 

 

Frank Mädler arbeitet im Bereich des abstrakten Realismus und konfrontiert in seinen Kompositionen Farbe, Raum und Zeitgefühl, die Grenzen zwischen Realität und Illusion verschwimmen. Das Experimentieren mit traditioneller Technik verleiht seiner Arbeit eine ätherische Qualität, die sowohl verführerisch als auch ergreifend schön ist. Erstmals sind in dieser Ausstellung neben Fotografien und Fotogrammen auch keramische Objekte Frank Mädlers zu sehen. 

„[...] seine Bilder wecken Emotionen, ohne in Pathos zu verfallen [...] Er ist bestrebt, sich auf etwas ‚Wesentliches‘ zu konzentrieren [...] und erzeugt eine Atmosphäre, die die Welt außerhalb des Kamerarahmens für den Betrachter irrelevant erscheinen lässt.“ Katharina Menzel

 

Frank Mädler wurde 1963 in Torgelow geboren. Er studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, der Universidad Complutense de Madrid und der Universidad Castilla-La Mancha, Cuenca, und war Meisterschüler bei Astrid Klein. Seit 2000 arbeitet er als freischaffender Künstler in Leipzig. Frank Mädler wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so u.a. 2004 mit dem Stipendium der Villa Massimo, Rom, 2007 mit dem Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen und 2017 mit der Künstlerresidenz Al Lado in Lima, Peru. Frank Mädlers Arbeiten befinden sich in zahlreichen internationalen öffentlichen und privaten Sammlungen wie der American Bank Collection, der Fondation Antoine de Galbert Paris, der Art Gallery of Ontario, Kanada, dem Kupferstichkabinett Dresden, der Altana Kunstsammlung, der Sammlung Deutsche Telekom sowie den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Frank Mädler hat verschiedene Monographien und Bücher veröffentlicht.

Galerie-Peter-Sillem, Dreieichstraße 2, Frankfurt am Main

 

08.09.2018 - 06.10.2018
Fotoausstellung Köln . Die Bilder von Andreas Gefeller lassen den Betrachter im Unklaren, ob eine reelle oder aber eine virtuelle Erscheinung vorliegt. Die teils vom Licht verschluckten Partien lassen die Aufnahmen mitunter unvollendet oder ausschnitthaft wirken, es sind poetische Motive, filligran und beeindruckend. Die Thomas Rehbein Galerie stellt die Bilder des Fotokünstlers vom 8.9. bis 6.10.2018 vor.
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Andreas Gefeller – The Backside of Light
Fotoausstellung Köln . Die Bilder von Andreas Gefeller lassen den Betrachter im Unklaren, ob eine reelle oder aber eine virtuelle Erscheinung vorliegt. Die teils vom Licht verschluckten Partien lassen die Aufnahmen mitunter unvollendet oder ausschnitthaft wirken, es sind poetische Motive, filligran und beeindruckend. Die Thomas Rehbein Galerie stellt die Bilder des Fotokünstlers vom 8.9. bis 6.10.2018 vor.

Courtesy: Thomas Rehbein Galerie, Andreas Gefeller
Inkjet Print auf Innova IFA-22
# 5/8
140 x 174 cm

 

 

Von einer nahezu wissenschaftlichen Neugier und Begeisterung für Naturphänomene angeregt, sucht Gefeller nach Bildern hinter dem äußeren Anschein und eröffnet damit eine Ebene subjektiver Interpretation und Reflexion. So schlängelt sich vor einem milchigen Hintergrund sich die tentakelförmigen Zweige einer chilenischen Araukarie. Das diffuse Streulicht verschluckt die Konturen partiell und lenkt den Blick in die Tiefe der dichten Struktur, in das undurchdringliche Dickicht von Verästelungen und spitz zulaufenden, schuppenartigen Blättern, die spiralig angeordnet sind.

 

Courtesy: Thomas Rehbein Galerie, Andreas Gefeller
Inkjet Print auf Innova IFA-22
# 2/8
110 x 94 cm

 

 

Die bizarren Formationen erwachsen keinem erkennbaren räumlichen Gefüge, sondern breiten sich in einer zähen, schleierhaften Atmosphäre aus, treten quasi aus dem Nichts hervor. Wie schon in Andreas Gefeller’s früherer Serie Blank gibt es in seiner jüngsten Werkgruppe The Backside of Light Bildbereiche, die vom übermäßigen Lichteinfall gleichsam ausgelöscht wurden: Durch Über- und Langzeitbelichtung werden die zusammenfassenden und damit vereinheitlichenden Umrisse unscharf, während die chaotische Binnenstruktur plötzlich auf der Ebene des deutlich Sichtbaren erscheint. Der Ordnung anstrebende Sehsinn wird dadurch irritiert, ist doch die Herausbildung von klaren Grundformen durch die Konfrontation mit einer unübersichtlichen Detailfülle beeinträchtigt, die im neuronalen Wahrnehmungsprozess erst mit zunehmender bildanalytischer Differenzierung bewältigt werden können.

Courtesy: Thomas Rehbein Galerie, Andreas Gefeller
Inkjet Print auf Hahnemühle Baryta
# 1/8
153 x 115 cm



Eingenommen durch die Sogwirkung der Aufnahmen, fehlt dem Betrachter jeglicher Bezugspunkt zur Verankerung des dargestellten Motivs in Zeit und Ort. Zudem wirft die künstliche Anmutung einiger Motive die Frage auf, ob eine reelle oder aber eine virtuelle Erscheinung vorliegt.
Dabei ist die Realität, die eigene unmittelbare Umgebung, immer der Ausgangspunkt der Bildfindungen von Andreas Gefeller. Auf manchen Fotografien sind filigrane, sich in erratischen Ellipsen überlappende weiße Linien wie ein zartes, anmutig gezeichnetes Gebilde auf einem schwarzen Grund zu sehen. Hierfür hat Gefeller mit einer sekundenlangen Belichtungszeit die Reflexe einer LED-Straßenlaterne eingefangen, deren Lichtpunkte auf der schwarzen Wasseroberfläche im Düsseldorfer Hafenbecken tanzen und Spuren ihrer Bewegung hinterlassen. Während der durch die Leuchtfrequenz bedingte, durchbrochene Linienverlauf an eine Signalkette, an Codes und Kommunikation erinnert, wird in der Wechselwirkung zwischen Wasser und Licht auch der Kontrast zwischen Materie und Strahlung bzw. zwischen Ursubstanz und modernster Technik gegenwärtig.

Thomas Rehbein Galerie, Aachener Straße 5, Köln

 

08.09.2018 - 27.10.2018
Fotoausstellung Köln . Ein bedeutendes Oeuvre der US-amerikanischen Geschichte der Fotografie erfährt im Forum für Fotografie seine Wiederentdeckung. Gezeigt werden erstmals in Europa Arbeiten der Fotografin Mary Frey. Sie entführen uns in eine Kleinstadt im Westen von Massachusetts, in das Amerika der 70er und 80er Jahre. Schon auf den ersten Blick lassen uns die Bilder den künstlerischen Diskurs mit den großen Wegbereitern der amerikanischen Fotografie erkennen, was sich eindeutig belegen lässt. Bis 27. Oktober
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Mary Frey - Real Life Dramas
Fotoausstellung Köln . Ein bedeutendes Oeuvre der US-amerikanischen Geschichte der Fotografie erfährt im Forum für Fotografie seine Wiederentdeckung. Gezeigt werden erstmals in Europa Arbeiten der Fotografin Mary Frey. Sie entführen uns in eine Kleinstadt im Westen von Massachusetts, in das Amerika der 70er und 80er Jahre. Schon auf den ersten Blick lassen uns die Bilder den künstlerischen Diskurs mit den großen Wegbereitern der amerikanischen Fotografie erkennen, was sich eindeutig belegen lässt. Bis 27. Oktober

Copyright Mary Frey


1991 kuratierte Peter Galassi im MOMA New York eine Ausstellung mit dem Titel “Pleasures and terrors of domestic comfort“. Der Katalog der MOMA-Ausstellung liest sich heute wie ein Kompendium der „New American Photography“. Alle teilnehmenden Fotografen sind von hohem künstlerischen Rang und Namen. Philip-Lorca diCorcia, William Eggleston, Gregory Crewdson, Cindy Sherman, Nan Goldin, Tina Barney, Joel Sternfeld, Nicholas Nixon, Lee Friedlander, Stephen Shore, Larry Sultan, Robert Adams, Larry Fink, Sally Man und … Mary Frey.

 

Copyright Mary Frey



Als Hochschullehrerin hat Mary Frey mehrere Generationen von Studenten zwischen 1979 und 2015 an der Hartford Art School geprägt. Zwar nahm sie nach dieser Ausstellung im MOMA immer wieder in den USA an Einzel- und Gruppenausstellungen teil, aber sie verzichtete nach der Geburt ihres Kindes zugunsten ihrer Familie und ihrer Lehrtätigkeit auf die öffentliche Repräsentation auf dem Kunstmarkt.

Erst nach Beendigung ihrer Lehrtätigkeit vor 3 Jahren entstand ein neues Interesse, ihr Werk nochmals zur Diskussion zu stellen. Sie begegnete auf einem workshop der Hartford Artschool Connecticut in Berlin dem Verleger Hannes Wanderer, Peperoni Books. Hannes Wanderer verdankt das Forum für Fotografie, Köln den Kontakt zu Mary Frey. Peperoni Books brachte 2017 Reading Raymond Carver mit Mary Freys Schwarz-weiß Fotografien aus den Jahren 1979 bis 1983 heraus, die zunächst unter dem Arbeitstitel Domestic Rituals entstanden waren. Das Buch wurde ein Erfolg; bald nach Publikation folgte die Nennung in der short list „Titles for First Photobook, 2017“ der Paris Photo  und eine 2. Auflage. Im September dieses Jahres, rechtzeitig zur Eröffnung der Ausstellung Mary Frey, Real Life Dramas wird bei Peperoni Books Mary Frey`s zweites Buch mit dem gleichnamigen Titel erscheinen.
Das Forum für Fotografie präsentiert in seiner Ausstellung  die Werkgruppen Domestic Rituals und Real Life Dramas  von Mary Frey.

Copyright Mary Frey 

 


Mary Frey beendete ihr Studium an der Yale University School of Art 1979 mit dem Master of Fine Art (MFA) und lehrte anschließend Fotografie an der Hartford Art School (bis 2015). Für ihr Werk hat sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien erhalten: ein Guggenheim Stipendium (1984), zwei Stipendien vom National Endowment for theArts (1980 / 1992), jeweils ein Stipendium von der TeFoundation (2004) sowie vom John Anson Kittredge Fund (2010).
Während ihrer akademischen Jahre 1994-95 war Mary Frey Harnish Visiting Artist am Smith College, Northampton, MA. Im Frühjahr 2001 endete ein Aufenthalt am Burren College of Art, County Clare, Ireland.  
Freys Werk ist vielfach ausgestellt worden und Teil sowohl privater als auch öffentlicher Sammlungen, wie der des Museum of Modern Art, New York, des Museum of Fine Arts, Houston, des Chicago Art Institute und der International Polaroid Collection. 2017 publizierte der Berliner Verlag Peperoni Books das Buch „Reading Raymond Carver“ mit frühen Fotografien von Mary Frey. Das Buch stand umgehend als bestes „First Photo Book“ des Jahres 2017 auf der Shortlist der Paris Photo/Aperture Foundation.
Mary Frey lebt in Massachusetts.

 
Forum für Fotografie, Schönhauser Str. 8, Köln

07.09.2018 - 27.01.2019
Fotoausstellung Köln . Mit über 150 Originalphotographien und zahlreichem Vitrinen-Material zeigt die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur einen repräsentativen Querschnitt durch das Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ mit meisterlicher Fotografie von August Sander. 7. September 2018 bis 27. Januar 2019
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August Sander: Meisterwerke – „Menschen des 20. Jahrhunderts“
Fotoausstellung Köln . Mit über 150 Originalphotographien und zahlreichem Vitrinen-Material zeigt die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur einen repräsentativen Querschnitt durch das Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ mit meisterlicher Fotografie von August Sander. 7. September 2018 bis 27. Januar 2019

 August Sander: Bürgerkinder, 1925 / Middle-class Children, 1925
© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv;
VG Bild-Kunst, 2018

 

Die Bilder aus August Sanders Porträtwerk sind nicht nur für die Geschichte der Photographie fundamental, sie sind für all jene höchst spannende Studienobjekte und Meisterwerke, die ohne Sentimentalität und Vorurteil den Menschen und das Leben lieben, Fragen ans Gestern stellen und Erfahrungen für die Zukunft sammeln; für all jene, die eine Leidenschaft fürs Hinschauen, Entdecken, Phantasieren und Analysieren haben: Wie erscheinen uns die Dargestellten, wie haben sie ihr Leben verbracht, was hat sie erfreut und erschüttert, was hat ihre Gesichter, ihre Hände, ihre Physiognomie gezeichnet? Was teilen sie aus ihrer Welt mit? Wie hat Sander es geschafft, all die unterschiedlichen Menschen zu treffen, anzusprechen, zu positionieren, fürs Bild zu begeistern? Was vermittelt uns das photographische Material heute – in einer Zeit, in der das Entwickeln einer Photographie in der Dunkelkammer kaum mehr praktiziert wird und ein Zauber verloren geht? Was bedeutet Zeit und Handarbeit für die künstlerische Auseinandersetzung? 

 

August Sander: Polizeibeamter. Der Herr Wachtmeister, 1926 / Police Officer, 1925
© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv;
VG Bild-Kunst, 2018

 

Zusammenbetrachtet bieten die von August Sander (1876–1964) so sachlich wie würdevoll und individuell abgebildeten Personen einen Kosmos, der Geschichte lebendig werden lässt. Angesichts Sanders Photographien scheint unser Gespür für Ähnlichkeiten, Unterschiede und Vergleichbares herausgefordert. Erinnerungen an Berichte aus der Vergangenheit werden wach, der Wandel einzelner Lebensverhältnisse und Lebensvorstellungen wird plastisch; Berufsbilder, die sich verändert haben, ausgestorben oder ersetzt worden sind, treten vor Augen; die Umstellung gesellschaftlicher Vorgänge oder Ereignisse gewinnen Anschaulichkeit ebenso wie sich modifizierende Bildvorstellungen und künstlerisch ästhetische Ansprüche. 

 

August Sander: Straßenarbeiter im Ruhrgebiet, um 1928 / Workman in the Ruhr Region, c. 1928
© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv; VG Bild-Kunst, 2018; Courtesy: Bayerische Staatgemäldesammlungen: Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München /nMunich, Sammlung / Collection Lothar Schirmer

 

Doch abgesehen vom Verweischarakter, von der zeitgeschichtlichen Relevanz und der hohen Inspirationskraft von Sanders Photographien, die von namhaften Autoren wie Walter Benjamin, Alfred Döblin, Golo Mann und Kurt Tucholsky hervorgehoben wurden, zeigen die Bilder sehr konkrete Momente und sind im Einzelnen von bewundernswerter ästhetischer Qualität. Sie stellen Sanders Realitätssinn und sein Auge für spezifisch photographische, dokumentarische Naturtreue und adäquate Bildgestaltung unter Beweis. Dieser Qualität am Originalabzug aus August Sanders Hand nachzuspüren ist etwas besonders Kostbares und kann aufgrund konservatorischer Erfordernisse der sogenannten Vintages in großem Umfang nur selten geleistet werden. 

August Sander selbst hat das Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ erstmals 1927 im Kölnischen Kunstverein vorgestellt. Seine Bildauswahl umfasste seinerzeit über 110 Blätter, die mit jetziger Präsentation jedoch weithin nicht identisch ist und auch nur bedingt überliefert ist, abgesehen davon, dass von einzelnen Motiven auch mehrere Abzüge kursier(t)en. Da Sander das Projekt oder – wie er es nannte – sein Kulturwerk „Menschen des 20. Jahrhunderts“ zwischen ca. 1925 und 1955, also über drei Jahrzehnte unter Rückgriff auch auf solche Motive erarbeitete, die ab 1892 entstanden waren, war sein Bestand an Originalabzügen und Bildmappen bis zu seinem Lebensende enorm gewachsen. In seinem Archiv bildet er sich gewissermaßen als ein Fundus ab, aus dem der Photograph für Ausstellungen und Publikationen frei schöpfte. Dies war in seiner Zeit ein einzigartig neues Vorgehen. Sanders Bewusstsein über die potenzierte Wirkungsweise von Bildreihen gegenüber Einzelbildern machte ihn ebenso zum Vorreiter der konzeptuellen Photographie wie sein entschiedener Einsatz einer unverfälscht klaren Wiedergabe der einzelnen Motive. Seine Porträts sollten seinen dokumentarischen Ansatz unterstreichen und ohne zusätzlich künstlerische Attitüden, aber nicht ohne eine fein justierte und zurückhaltende Gestaltung auskommen. 

 

 

Das umfangreich angelegte Porträtwerk Sanders zielte darauf, einen Querschnitt der Bevölkerung aufzuzeigen, in dem sich die verschiedenen Berufs- und Gesellschaftstypen, verteilt auch auf die unterschiedlichen Generationen wiederfinden – einen Spiegel der Zeit. Im Titel Sanders ersten dazu 1929 erschienenen Buchs Antlitz der Zeit findet diese Intention ihr Echo. Sowohl dem mittelbar zum Ausdruck kommenden Gesicht der Zeit, als auch den einzelnen Physiognomien galt jahrzehntelang die ungebrochene Aufmerksamkeit des Photographen. 

Um seinem wachsenden Kompendium Form und Gestalt zu geben, hat Sander Mitte der 1920er-Jahre ein Konzept erstellt, in dem er die von ihm in den Fokus genommenen Bildgruppen und -mappen weitgehend benannt hat. Die Gruppen heißen: „Der Bauer“, „Der Handwerker“, „Die Frau“, „Die Stände“, „Die Künstler“, „Die Großstadt“ und „Die letzten Menschen“. Letztere vielleicht irreführende Bezeichnung steht für eine Bildreihe, die sehr respektvoll Menschen am Rande der Gesellschaft zeigt. Sanders damaligem Konzept, das eine Reihenfolge der Gruppen und Mappen vorschlägt, folgt auch die aktuelle Ausstellung unter Hinzuziehung einzelner oder mehrerer repräsentativen Mappenabzüge aus den entsprechenden Bildmappen. 

Zum größten Teil stammen die Photographien aus dem Bestand des 1992 erworbenen August Sander Archivs, das den Grundstein für die weitere Entwicklung der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, bildet. Dazu werden exklusive Leihgaben von Originalen hinzugezogen, so aus der Berlinischen Galerie, Museum für Moderne Kunst, Berlin, dem J. Paul Getty Museum, Los Angeles, dem Museum Ludwig Köln, dem Museum of Modern Art, New York und der Pinakothek der Moderne, München ebenso wie aus wichtigen Privatsammlungen. 

Im Schirmer/Mosel Verlag ist zeitgleich zur Ausstellung in deutscher und englischer Ausgabe das Buch „August Sander – Meisterwerke“ entstanden. Erstmals in der Publikationsgeschichte des Photographen werden darin die Originalabzüge in authentischer Tonalität, außerdem in ursprünglicher Ausschnittwiedergabe abgebildet. Digitale Daten, durch Scannen der Originale gewonnen, wurden vielfach abgestimmt und vierfarbig gedruckt. Der in die Publikation einbezogene Text von Gabriele Conrath-Scholl gibt einen vertieften Einblick in die Entwicklungsgeschichte von „Menschen des 20. Jahrhunderts“ und setzt den Diskurs über das Werk von August Sander fort, das im Münchner Verlagsprogramm seit 1975 mit Herausgabe von Sanders „Rheinlandschaften“ und weiteren zahlreichen Titeln eine zentrale Rolle spielt. 

 

Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, Köln

07.09.2018 - 28.10.2018
Fotoausstellung Zürich . Historische Fotografien aus den Beständen des Baugeschichtlichen Archivs der Stadt Zürich zeigt die Photobastei. Über 140 Motive aus sämtlichen Stadtquartieren sind in der Ausstllung zu sehen. Die Aufnahmen datieren aus den Jahren 1890 bis 1920. Sie zeigen Stadtansichten und Bauwerke, pittoreske Landschaften sowie Bilder des dörflichen und städtischen Lebens. 7. September bis 28. Oktober 2018
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Zürich - Schwarz auf Weiss
Fotoausstellung Zürich . Historische Fotografien aus den Beständen des Baugeschichtlichen Archivs der Stadt Zürich zeigt die Photobastei. Über 140 Motive aus sämtlichen Stadtquartieren sind in der Ausstllung zu sehen. Die Aufnahmen datieren aus den Jahren 1890 bis 1920. Sie zeigen Stadtansichten und Bauwerke, pittoreske Landschaften sowie Bilder des dörflichen und städtischen Lebens. 7. September bis 28. Oktober 2018




(c) Blick auf das Utoquai, den Bellevueplatz und die Quaibrücke
(Fotografie Baugeschichtliches Archiv 1896)

Kaum ein fotografisches Genre zieht die Betrachter derart in den Bann wie die historische Stadtfotografie, insbesondere dann, wenn es sich um die eigene Stadt, das eigene Quartier handelt. Die Bilder von gestern führen zwangsläufig zum Vergleich mit dem Gegenwärtigen. Angeeignetes Wissen über die Stadt von früher verschmilzt mit der persönlichen Erinnerung an bestimmte Orte von heute. Anschaulicher kann Stadtgeschichte kaum erfahrbar sein – für Jung und Alt!

Die Ausstellung „Zürich – Schwarz auf Weiss“ zeigt eine Auswahl historischer Fotografien aus den Beständen des Baugeschichtlichen Archivs der Stadt Zürich. Vom 6. September bis 28. Oktober sind in der Photobastei über 140 Motive aus sämtlichen Stadtquartieren zu sehen. Die Aufnahmen datieren aus den Jahren 1890 bis 1920. Sie zeigen Stadtansichten und Bauwerke, pittoreske Landschaften sowie Bilder des dörflichen und städtischen Lebens. Eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag, 6. September 2018 von Stadtrat André Odermatt.

Die Ausstellung in der Photobastei ist als fotografischer Spaziergang durch die Stadt konzipiert. Der Weg führt durch alle 22 Stadtquartiere. Unterwegs begegnen uns dörfliche Szenen, Baustellen an der Sihl, eine Golfpartie im Dolder, Einblicke in gute Stube, neue städtebauliche Grossprojekte wie die Quaianlagen. Manche Aufnahme lässt sich noch heute verorten, andere sind Geschichte und somit Zeugnis von den Veränderungen, die Zürich in den letzten hundert Jahren erfahren hat.

Die Auswahl der Fotografien in der Ausstellung spiegelt die Vielfalt der Sammlung im Baugeschichtlichen Archiv. Dies betrifft die Art der Aufnahmen, die Sujets wie auch die Herkunft der Bilder: Zu sehen gibt es Architekturaufnahmen, Postkartenansichten, Bilder von Interieurs, Wohn- und Arbeitssituationen und Portraits. Entstanden sind die Fotografien als Auftragsarbeiten für städtische Institutionen, für private Unternehmen, für Einzelpersonen und Familien oder zu Dokumentationszwecken.

Ganz häufig sind die Bilder belebt, fast immer präsentieren sich Leute vor einem Haus oder ein neugieriges Gesicht in einem Fenster. Denn ein Fotograf, der zwischen 1890 und 1920 unterwegs war, hat immer Aufmerksamkeit erregt. Kein Wunder, das Arbeiten abseits des Ateliers mit den gross dimensionierten Fachkameras auf Stativen, bestückt mit Glasplatten und die langen Belichtungszeiten machten das Fotografieren zu einem Spektakel.

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Baugeschichtlichen Archiv der Stadt Zürich - https://www.stadt-zuerich.ch/baugeschichtliches_archiv
und mit der grossen Unterstützung unseres Mediapartners APG/SG




Photobastei, Sihlquai 125, Zürich

06.09.2018 - 30.11.2018
Fotoausstellung Hamburg . Die Ausstellung in der Handelskammer Hamburg zeigt die Ausstellung „Foto-Auge Fritz Block – Der Architekt als Fotograf“ mit 125 Schwarzweiß-Abzügen, 40 Farbvergrößerungen , sowie Druckbelegen. Vom 6. September bis 30. November 2018.
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Foto-Auge Fritz Block
Fotoausstellung Hamburg . Die Ausstellung in der Handelskammer Hamburg zeigt die Ausstellung „Foto-Auge Fritz Block – Der Architekt als Fotograf“ mit 125 Schwarzweiß-Abzügen, 40 Farbvergrößerungen , sowie Druckbelegen. Vom 6. September bis 30. November 2018.

 

Die Wiederentdeckung eines lange vergessenen Fotografen ist der Hamburgre Architekt Fritz Blocj (1889 -1955) , der ab 1929 als Fotograf der Neuen Sachlichkeit und des Neuen Sehens hervortrat. Bekannt wurde er ebenso mit lebendigen Fotoreportagen aus Paris und New York. Fritz Block emigrierte wegen seiner jüdischen Herkunft 1938 in die USA, wo er in Los Angles neuartige Farbdias für den fortschrittlichen Kunstunterricht produzierte.

Gleichzeitig zur Ausstellung des facettenreichen, fotografischen Werks von Fritz Block erscheint eine ausstellungsbegleitende Monographie „Foto-Auge Fritz Block. Neue Fotografie – Moderne Farbdias“ im Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich.

02.09.2018 - 20.01.2019
Fotoausstellung Mannheim . Wilhelm Reiß Südamerika-Expedition in historischen Fotografien zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen im Forum Internationale Photographie mit der Ausstellung „Abenteuer Anden und Amazonas“. 2. September 2018 bis 20. Januar 2019.
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Wilhelm Reiß - Abenteuer Anden und Amazonas
Fotoausstellung Mannheim . Wilhelm Reiß Südamerika-Expedition in historischen Fotografien zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen im Forum Internationale Photographie mit der Ausstellung „Abenteuer Anden und Amazonas“. 2. September 2018 bis 20. Januar 2019.

 

Amazonas Indianer 
Amazonas Indianer (Amava Indios) im Kriegskostüme Brasilien
Alberto Frisch, um 1865 
© Reiss-Engelhorn-Museen

 

Vor 150 Jahren brach der Mannheimer Vulkanologe Wilhelm Reiß (1838-1908) zu einer abenteuerlichen Expedition durch Südamerika auf. Seine achtjährige Reise führte ihn durch Kolumbien, Ecuador, Peru und Brasilien. Er folgte dem Amazonas und er bestieg als erster das rund 5900 Meter hohe Vulkanmassiv des Cotopaxi in Ecuador. 

 

 

Panorama von Lima 
Der Rimac mit Brücke, Stadtteil S.Lazaro, Cerro de S.Cristobal vom Torre de S.Domingo aufgenommen
Anonym, vor 1874 
© Reiss-Engelhorn-Museen 

 

Zum Jubiläum präsentiert das Forum Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn- Museen Mannheim einen besonderen Schatz. Erstmals wird eine umfassende Auswahl an historischen Fotografien gezeigt, die Wilhelm Reiß von seinen Reisen mitgebracht hat. Die Sonderausstellung „Abenteuer Anden und Amazonas“ entführt die Besucher nach Südamerika – einem Kontinent, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwar längst keine „terra incognita“ mehr war und dennoch eine fremde Welt darstellte. Die kostbaren Aufnahmen zeigen die großen Städte, die reizvollsten Landschaften und spektakulärsten Naturschauspiele. 

 

 

Rio negro 
Amazonas-Brasilien Anonym, vor 1874 
© Reiss-Engelhorn-Museen

 

Eigentlich wollten Wilhelm Reiß und sein Fachkollege Alphons Stübel (1835-1904) im Januar 1868 in der nordkolumbianischen Hafenstadt Santa Marta nur einen kurzen Zwischenhalt auf ihrer Reise zu den Sandwich-Inseln einlegen. Fasziniert und herausgefordert vom geologischen und naturwissenschaftlichen Überfluss änderten sie jedoch ihre Meinung und reisten acht Jahre lang quer durch Südamerika. Eine Expedition, die sie nicht selten an den Rand ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit brachte. 

 

Fährmannsfamilie Manaós 
Brasilien, Amazonas Fährmannsfamilie Manaós, um 1865 Alberto Frisch

© Reiss-Engelhorn-Museen

 

 

Bei seiner Rückkehr nach Mannheim 1876 hatte Wilhelm Reiß neben Gesteinsproben, zoologischen, ethnografischen und archäologischen Sammlungsstücken sowie schriftlichen Aufzeichnungen umfangreiche Fotokonvolute im Gepäck. Diese Konvolute bilden ein Herzstück der Foto-Sammlung der Reiss-Engelhorn-Museen. Die neue Ausstellung vereint rund 300 Aufnahmen. Es handelt sich hauptsächlich um Albuminabzüge, jene fragilen Papierbilder mit ihrem charakteristischen sepiafarbenen Grundton, die den Betrachter noch heute durch ihre präzise Tiefenschärfe und ihren nuancierten Tonumfang begeistern. Die Bilder stammen von verschiedenen Fotografen und Studios. Teils wurden sie wahrscheinlich im Auftrag der Forscher angefertigt. 

 

Die Auswahl der gezeigten Bildinhalte ist so vielfältig wie die Reiseregion selbst. Imposante Stadtansichten von Bogota oder Lima zeugen von einer rasch fortschreitenden Urbanisierung. Im Gegensatz dazu beeindrucken Landschaftsbilder durch die Üppigkeit und Wildheit der Natur. Zahlreiche Aufnahmen dokumentieren die Zerstörungskraft von Erdbeben – einer latenten Gefahr, die in Südamerika allgegenwärtig ist. Kurz nach ihrer Ankunft erschütterte im August 1868 ein außergewöhnlich schweres Beben Ecuador und Peru. Was für die beiden Forscher eine wissenschaftliche „Chance“ darstellte, die massiven tektonischen Verschiebungen hautnah zu begutachten, war für die einheimische Bevölkerung eine Tragödie. 

Ein weiterer Schwerpunkt der gezeigten Fotografien liegt auf Porträtaufnahmen. Hier dominiert der europäisch-eurozentrische Blickwinkel. Viele Aufnahmen spiegeln den Wunsch der Reisenden, aber auch daheimgebliebener Europäer nach vorzeigbaren „Wilden“ oder exotischen Typen wider. Wilhelm Reiß hat die Porträtbilder seines Konvoluts selbst geordnet und beschriftet. Zu sehen sind unter anderem Darstellungen verschiedener Berufsstände bis hin zu freigelassenen Sklaven und Sklavinnen sowie Porträts von Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Gesellschaft. Einige Porträts, aufgenommen von den beiden renommierten deutschen Fotografen Alberto Frisch und Alberto Henschel, überwinden die reine Typen- Fotografie und zeigen individuelle Züge der Abgelichteten. 

 

Ergänzt werden die ausgestellten Fotografien durch ebenfalls von der Expedition stammende ethnologische Objekte sowie Gemälde des ecuadorianischen Malers Rafael Troya (1845-1920). Auszüge aus den persönlichen Reisebriefen von Wilhelm Reiß, in denen er einfühlsame Schilderungen von den grandiosen Landschaften, ihren Bewohnern, seinen Glücksgefühlen und nicht zuletzt den erlittenen Strapazen gibt, bilden eine weitere Ebene dieser facettenreichen Ausstellung. 

 

Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Museum Zeughaus C5, Forum Internationale Photographie

 

 

Panorama von Lima 

Der Rimac mit Brücke, Stadtteil S.Lazaro, Cerro de S.Cristobal vom Torre de S.Domingo aufgenommen
Anonym, vor 1874 

© Reiss-Engelhorn-Museen 

 

Amazonas Indianer 

Amazonas Indianer (Amava Indios) im Kriegskostüme Brasilien
Alberto Frisch, um 1865 

© Reiss-Engelhorn-Museen 

 

 

Fährmannsfamilie Manaós 

Brasilien, Amazonas Fährmannsfamilie Manaós, um 1865 Alberto Frisch 

© Reiss-Engelhorn-Museen 

 

 

Rio negro 

Amazonas-Brasilien Anonym, vor 1874 

© Reiss-Engelhorn-Museen

 

 

02.09.2018 - 28.10.2018
Fotoausstellung Ulm . Die Entführung von 276 Schülerinnen der islamistischen Terrororganisation Boko Haram rückte im April 2014 den Terror im Herzen Afrikas in den Blick der Weltöffentlichkeit. Das Schicksal der Mädchen ist kein Einzelfall. Die Ausstellung im Stadthaus Ulm zeigt die Bilder des Fotografen Andy Spyra , außerdem zwei Interviewfilme über zwei Betroffene des Terrors. 2. September bis 28. Oktober 2018
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Die geraubten Mädchen
Fotoausstellung Ulm . Die Entführung von 276 Schülerinnen der islamistischen Terrororganisation Boko Haram rückte im April 2014 den Terror im Herzen Afrikas in den Blick der Weltöffentlichkeit. Das Schicksal der Mädchen ist kein Einzelfall. Die Ausstellung im Stadthaus Ulm zeigt die Bilder des Fotografen Andy Spyra , außerdem zwei Interviewfilme über zwei Betroffene des Terrors. 2. September bis 28. Oktober 2018


Yola, Nigeria - 10.07.2015 Lydia, 17, ein christliches Mädchen, wurde drei Wochen lang
von Boko Haram gefangen gehalten, aber wegen einer Wunde ins Krankenhaus
eingeliefert. Sie wurde schließlich von der nigerianischen Armee befreit.
Foto Andy Spyra




Mit der Ausstellung „Die geraubten Mädchen - Boko Haram und der Terror im Herzen Afrikas“ greift das Stadthaus ein wichtiges Thema auf. Im April 2014 überfiel die islamistische Terrororganisation Boko Haram das Dorf Chibok im Nordosten Nigerias und entführte 276 Schülerinnen. Unter #BringBackOurGirls ging ein Aufschrei um die Welt. Doch das Schicksal der Schülerinnen ist kein Einzelfall. Bis heute befinden sich Tausende Frauen in den Händen von Boko Haram.

 

Gwory, Nigeria - 20.1.2016:

In einer Grundschule in der kleinen Stadt Gwory, etwa 30 km westlich von Yola, der Hauptstadt des Bundesstaates Adamawa: In dieser Schule besuchen muslimische und christliche Schüler die gleichen Klassen und die Freundschaft über die religiöse Trennlinie Unterschiede ist üblich. Aber es gibt eine zunehmende Anzahl rein islamischer Schulen, von denen viele verdächtigt werden, von arabischen Staaten bezahlt oder unterstützt zu werden, indem sie den fundamentalistischen Wahabi-Zweig des Islam lehren, der auf der arabischen Halbinsel verbreitet ist. In dem ohnehin angespannten Klima ethnischer und religiöser Spannungen im Norden Nigerias führen solche Schulen mit ihren expliziten Lehren zu einer beschleunigten Trennung der Gesellschaft
zwischen den unterschiedlichen Religionen

Foto Andy Spyra

 


2015 reisten der Zeit-Reporter Wolfgang Bauer und der Fotograf Andy Spyra nach Nigeria, um mit Frauen und Mädchen zu sprechen, denen die Flucht gelungen ist. Ihre Erzählungen zeichnen ein detailliertes Bild des Schreckensregimes von Boko Haram.
In den herausragenden Fotos von Andy Spyra ist „sein Statement unüberhörbar: 'ecce homo - siehe, der Mensch'“ (Ellen Dietrich, Fotochefin der ZEIT).
Das Buch Die geraubten Mädchen von Wolfgang Bauer, mit Fotos von Andy Spyra, ist im Suhrkamp Verlag erschienen und in viele Sprachen übersetzt worden. Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai empfiehlt: „Strongly recommend this book that tells tragic, heartbreaking unbelievable stories of stolen girls in #Nigeria".

 

Die acht Monate alte Afiniki verlor am 26. Januar 2014
bei einem Boko-Haram-Angriff auf das christliche Dorf Chakawa ihren linken Arm.
Es war das bisher blutigste Jahr im 4-jährigen Aufstand Nordnigerias, bei dem laut
Menschenrechtsorganisationen mehr als 10.000 Menschen ums Leben kamen.
Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2014 wurden mehr als
1500 Menschen von Boko Haram getötet.
Foto: Andy Spyra



Für die Reportage „Das Leben nach der Hölle“ über Mädchen und Frauen, die von der Terrormiliz Boko Haram entführt wurden, wurde Wolfgang Bauer 2016 mit dem Nannen Preis ausgezeichnet.
Eröffnung: Sonntag, 2. September 2018, 11 Uhr
Mit Fotograf Andy Spyra und Autor Wolfgang Bauer in einem Podiumsgespräch. Moderation: Elisabeth Zoll, Politikredakteurin der Südwest Presse.
Projektleitung: Karla Nieraad und Andrea Kreuzpointner
Der Eintritt zur Ausstellung ist frei!
Begleitende Veranstaltungen
Do 20.9. / Do 11.10., jeweils 18 Uhr
Öffentliche Führung mit Projektleiterin Karla Nieraad.
3,50 €, Kinder 1,50 € (ab dem 2. Kind einer Familie 0,50 €), Anmeldung unter 0731 1617700 oder stadthaus@ulm.de
Die Ausstellung kommt mit Unterstützung des Museums Haus Löwenberg, Gengenbach, zustande.

Zuhören hinschauen:
Aus Anlass der Ausstellung zeigen wir zwei Interviewfilme des Förderpreisträgers Junge Ulmer Kunst 2017, Christoph Büchler:


CLEMENT
Clement wuchs in Benin-Stadt in Nigeria, auf. Er hatte ein gutes Leben in seiner Familie. Doch dann kam es zur Katastrophe, als Terroristen von Boko Haram die Gewalt in seine Welt trugen. Er musste aus seiner Heimat fliehen.
BENJAMIN
Benjamin wuchs im Norden von Nigeria auf. Er lebte in Nigerias Hauptstadt Abuja und wollte zum Nigerianischen Militär, um gegen Korruption und Kriminalität zu kämpfen. Auch seine Träume wurden zum Alptraum.

Stadthaus Ulm, Münsterplatz 50, Ulm



01.09.2018 - 13.10.2018
Fotoausstellung Berlin . Mit einer mehr als 30 Bilder umfassenden Einzelausstellung stellt Camera Work sowohl Hauptwerke als auch Fotografien aus der neuen Serie „Momentum“ von Andreas H. Bitesnich vor. Die ausgestellten Arbeiten zeigen stilvoll Akte und eindrucksvolle architektonische Werk aus dem Oeuvre des Künstlers. 1. September bis 13. Oktober 2018.
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Andreas H. Bitesnich
Fotoausstellung Berlin . Mit einer mehr als 30 Bilder umfassenden Einzelausstellung stellt Camera Work sowohl Hauptwerke als auch Fotografien aus der neuen Serie „Momentum“ von Andreas H. Bitesnich vor. Die ausgestellten Arbeiten zeigen stilvoll Akte und eindrucksvolle architektonische Werk aus dem Oeuvre des Künstlers. 1. September bis 13. Oktober 2018.

 

copyright Andreas H. Bitesnich, Ilara, Austria, 2013


 

 

Berühmt geworden ist der 1964 in Wien geborene Fotograf vor allem mit seinem außergewöhnlichen Aktbildern, die in zahlreichen Büchern und Magazinen veröffentlicht und in vielen Ausstellungen gezeigt wurden. Auch wenn er zu den führenden Aktfotografen gehört, würde man Andreas Bitesnich nicht gerecht ihn allein auf dieses Genre festzulegen.

 

 

copyright Andreas H. Bitesnich, Hongkong, 2012


 

 

 

 

copyright Andreas H. Bitesnich, Sylvie, Vienna,1999

 

In seiner neuen Serie „Momentum“ verbindet Bitesnich seine Leidenschaft für Street- und Architekturfotografie mit der Faszination für den menschlichen Körper und seiner Form. Reale Räume und Orte kontrastieren und verbinden sich mit inszenierten Studiofotografien. Der Fotograf vermag durch das Einsetzen von Licht und Schatten den Körper zu modellieren und seine Modelle in den Bildern zu Skulpturen zu verwandeln. Trotz der ausgewogenen Bildstrukturen wirken die Werke von Andreas H. Bitesnich nicht streng, sondern sehr emotional.

 

copyright Andreas H. Bitesnich, Sina & Antony, Vienna 1995

 

Das Fotobuch „Momentum“ erscheint zur Ausstellung. 

Camera Work, Kantstraße 149, Berlin

29.08.2018 - 06.10.2018
Fotoausstellung Zürich . In die Schönheit der Antarktis entführt die neue Serie des italienischen Fotografen Paolo Pellegrin, die in der Züricher Bildhalle gezeigt werden. Die gross¬formatigen Luftaufnahmen zeigen imposante Bilder einer scheinbar intakten Umwelt. Erst bei genauerem Be¬trachten erahnen wir – gespiegelt durch die dramatischen Veränderungen der Landschaft – den bevorstehenden Verlust, der uns durch die Erderwärmung droht. 29. August bis 6. Oktober 2018
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Paolo Pellegrin – Antarctica
Fotoausstellung Zürich . In die Schönheit der Antarktis entführt die neue Serie des italienischen Fotografen Paolo Pellegrin, die in der Züricher Bildhalle gezeigt werden. Die gross¬formatigen Luftaufnahmen zeigen imposante Bilder einer scheinbar intakten Umwelt. Erst bei genauerem Be¬trachten erahnen wir – gespiegelt durch die dramatischen Veränderungen der Landschaft – den bevorstehenden Verlust, der uns durch die Erderwärmung droht. 29. August bis 6. Oktober 2018



Paolo Pellegrin, NASA IceBridge flight over Venable 01A, Antarctica, 2017,
Archival Pigment Print, various formats & editions



Paolo Pellegrin hat die Eisfelder und Gletscher aus einem Forschungsflugzeug der NASA fotografiert, die auf ihrer jährlichen IceBridge-Expedition Messflüge über dem Kontinent durchführt. Die Antarktis von oben, diese Perspektive kannten wir bis anhin nur von Satellitenbildern. Zum ersten Mal liefert nun ein Fotograf Bilder aus einer Flughöhe von nur 300 bis 500 Metern über dem Eis und schenkt uns damit nie gesehene, detaillierte und spektakuläre Luftaufnahmen.
 

 

Paolo Pellegrin, NASA IceBridge flight over Venable 01A, Antarctica, 2017,
Archival Pigment Print, various formats & editions


Diese Fotografien demonstrieren, wie eine fast unberührte Landschaft langsam verschwindet, wegschmilzt, ver¬ursacht durch unsere geographisch weit entfernten industriellen Aktivitäten. Einmal mehr werden wir daran erinnert, dass Umweltprobleme keine Grenzen kennen. Und genau hier setzt der Magnum-Fotograf an, der bis¬her vor allem in Krisen- und Kriegsgebieten gearbeitet hat. Während er normalerweise auf Tuchfühlung und ins Geschehen eingebettet Bilder produziert, tritt er hier einen Schritt zurück und zeigt uns das grosse Ganze eines schwer fassbaren Vorgangs: einen Konflikt, der ganz im Stillen passiert – ohne sichtbare Opfer. Einen Konflikt, der uns alle betrifft.

 

Paolo Pellegrin, NASA IceBridge flight over South Peninsula A, Antarctica, 2017,
Archival Pigment Print, various formats & editions

 

 


Die ausgedehnten Landschaften mit ihren Mustern in Eis und Schnee, meist ohne Horizont fotografiert, erinnern gleichzeitg aber auch an die „Equivalents“ von Alfred Stieglitz, die dieser vor hundert Jahren fotografiert hat und die gemeinhin als erste Abstraktionen der modernen Fotografie gelten. Diese Verschränkung aus abstrakter Schönheit der fotografierten südpolaren Landschaft und der politischen Dringlichkeit ihrer drohenden Zerstörung erhebt die Arbeit von Paolo Pellegrin weit über das reine Bilddokument hinaus.

Parallel im 1. Stock:
"FRACTURED LAND"
Eine Auswahl von Paolo Pellegrins wichtigsten Krisen- und Konfliktfotografien
Link zur Ausstellungsseite: fractured land

 

Bildhalle, Stauffacherquai 56, Zürich



24.08.2018 - 21.10.2018
Ausstellung Essen . Im Museum Folkwang präsentiert französisch-marokkanische Künstlerin Bouchra Khalili ihre neue Videoarbeit Twenty-Two Hours sowie ihren Beitrag zur documenta 14 The Tempest Society. Die Ausstellung ist eine Kooperation der Ruhrtriennale mit dem Museum Folkwang. 24. August bis 21. Oktober 2018
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Bouchra Khalili
Ausstellung Essen . Im Museum Folkwang präsentiert französisch-marokkanische Künstlerin Bouchra Khalili ihre neue Videoarbeit Twenty-Two Hours sowie ihren Beitrag zur documenta 14 The Tempest Society. Die Ausstellung ist eine Kooperation der Ruhrtriennale mit dem Museum Folkwang. 24. August bis 21. Oktober 2018

The Tempest Society 

 

Die französisch-marokkanische Künstlerin Bouchra Khalili (*1975) untersucht in ihren Fotografien und Filmen geografische Grenzen, kulturelle Räume oder Freiräume, Migration sowie das Leben im Transit. Die Erzählungen ihrer Protagonisten drehen sich um tatsächliche oder imaginäre

Orte: die verlassene Heimat, den ersehnten Zufluchtsort, die erzwungene Zwischenstation.

 

Twenty-Two Hours

2018, Video, 22 Minuten

Ein Auftragswerk der Ruhrtriennale

Film & Schnitt Bouchra Khalili

Produktion Bouchra Khalili, Alexandre Kauffmann

Mit Unterstützung der Oslo National Art Academy, des Harvard Film Study Center und der Wiener

Secession

Besonderer Dank an das Radcliffe Institute for Advanced Study at Harvard University und das

Museum of Fine Arts, Boston

 

The Tempest Society

2017, Video, 60 Minuten

Ein Auftragswerk der documenta 14

Film & Schnitt Bouchra Khalili

Produktion Bouchra Khalili, Alexandre Kauffmann

Ko-Produktion Ibsen Awards, Ibsen Theater, Skien, Norwegen

Mit Unterstützung der Fondation Nationale des Arts Graphiques et Plastiques, Paris und des Holland

Festival, Amsterdam

Besonderer Dank an das Athen Festival, Atopos cvc (Athen)

 

 

Museum Folkwang, Museumsplatz 1, Essen

 

 

24.08.2018 - 10.02.2019
Fotoausstellung Hannover . In zwei Teilen zeigt die Kestner Gesellschaft das Werk der Berliner Künstlerin Nevin Aladag mit dem Titel „Best Friends“ Teil 1: 24. August bis 4. November 2018 Teil 2: 1. Dezember 2018 bis 10. Februar 2019
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Nevin Aladag – Best Friends
Fotoausstellung Hannover . In zwei Teilen zeigt die Kestner Gesellschaft das Werk der Berliner Künstlerin Nevin Aladag mit dem Titel „Best Friends“ Teil 1: 24. August bis 4. November 2018 Teil 2: 1. Dezember 2018 bis 10. Februar 2019




Die Kestner  Gesellschaft  präsentiert  die Ausstellung  der Berliner  Künstlerin  Nevin Aladag (* 1972 in Van, Türkei)  mit  dem  Titel  "Best  Friends"  in der  Claussen-Halle.  Nevin  Aladag   setzt  sich in ihren Werken  mit  aktuellen  gesellschaftlichen  Fragen  nach der  Selbstbestimmung  von Identität  und  der Hybridisierung  kultureller Räume auseinander.  Auf der documenta 14 wurde ihr Werk einem breiten Publikum  vorgestellt.  Mit  der  Ausstellung  präsentiert  die Kestner  Gesellschaft  ein  experimentelles Format:  In nur einem Raum wird sich die Schau über zwei Laufzeiten  entfalten.  Im ersten Teil d er Ausstellung werden anhand der Fotoserie „Best Friends“ (2012-2015) und der Videoarbeit „Hochparterre [ Mezzanine]“ (2009/ 2010) die   Themen Freundschaft, Nachbarschaft und gesellschaftliches Zusammenleben  verhandelt. Im zweiten Teil, der im Dezember 2018 startet, verändert sich die Ausstellung und wird durch neue Werke ergänzt.

 

 


Schauplatz der Filme, Fotografien, Installationen,  Skulpturen und Performances von Nevin Aladag ist oftmals   der öffentliche Raum, in dem das Spannungsverhältnis zwischen Gemeinschaft und Individualität, zwischen Zugehörigkeit  und Abgrenzung besonders deutlich wird.

„Best  Friends“  zeigt beste Freundinnen und Freunde, deren Verbindung sich durch  Aussehen, Körpersprache und Kleidungsstil ausdrückt. Imitation und Angleichung, ob bewusst oder unbewusst, manifestiert  die Freundschaft  und lässt die Porträtierten zu einer Einheit werden. Für die Entstehung dieser  Fotografien  betreibt  Aladag Feldforschung  etwa in den Straßen  von Los Angeles,  Dortmund oder Berlin. So können die Fotos auch als Porträts der Städte verstanden werden. Erstmals zeigt Nevin Aladag die Bilder auf überlebensgroßen Bannern. Die Abbilder der Freundschaften werden dadurch für die Betrachterinnen und Betrachter auch körperlich erfahrbar gemacht.

Für das Video „Hochparterre [ Mezzanine]“ hat die Künstlerin zahlreiche Interviews mit Anwohnerinnen und Anwohnern der Großen Bergstraße in Hamburg-Altona geführt. Aladag stellte den Menschen Fragen über das Zusammenleben  in dieser diversen Nachbarschaft  und befragte sie auch zu ihrer Meinung über die Entwicklungen  in ihrer Stadt. Einzelne Passagen  der Tonaufzeichnungen wurden zu einer Soundcollage  zusammengefügt.  Im Video werden die verschiedenen  Stimmen von einer einzigen Schauspielerin lippensynchron wiedergegeben. Durch die Diskrepanz zwischen dem Gehörten und dem visuellen Eindruck ihrer Mimik und Gestik werden die Kriterien für die Zuschreibung von Identitäten herausgefordert. Das Video gehört zu einer dreiteiligen Serie, die auch die Hauptstädte Berlin und Wien in den Fokus nimmt.
Nevin Aladag wurde 1972 in Van (Türkei) geboren. Sie studierte von 1993 bis 2000 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Olaf Metzel. Seit 2002 lebt und arbeitet Aladag in Berlin. 2018  gewann  die  Künst lerin  den  Ernst  Rietschel  Preis  für  Skulptur.  Aladag  war  unter  anderen Teilnehmerin  der documenta 14 in Athen und Kassel (2017),  der 57. Biennale von Venedig (2017), der Sharjah Biennale (2013) und der 11. Istanbul Biennale (2009).


Kestner Gesellschaft, Goseriede 11, Hannover

23.08.2018 - 28.10.2018
Ausstellung Frankfurt am Main . Die neuesten filmische Arbeit des vielfach ausgezeichneten Video- und Installationskünstlers Neïl Beloufa. zeigt die Schirn Kunsthalle. In der öffentlich zugänglichen Rotunde und einem angrenzenden Ausstellungsraum errichtet Beloufa begehbare skulpturale Installationen. Vom 23. August bis 28. Oktober 2018
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Neïl Beloufa
Ausstellung Frankfurt am Main . Die neuesten filmische Arbeit des vielfach ausgezeichneten Video- und Installationskünstlers Neïl Beloufa. zeigt die Schirn Kunsthalle. In der öffentlich zugänglichen Rotunde und einem angrenzenden Ausstellungsraum errichtet Beloufa begehbare skulpturale Installationen. Vom 23. August bis 28. Oktober 2018

Neïl Beloufa, Global Agreement, 2081, Film Still
copyright the artist & VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 

Die Arbeit „Global Agreement“ (2018) ist auf verschiedenen Monitoren in Teilen der Skulpturen zu sehen. Es ist eine filmische Interview-Collage, die sich dem menschlichen Körper sowie dessen diskursiver und politischer Bedeutung widmet. Sie zeigt Neïl Beloufas jüngstes Interesse an Militär, Waffen, Fitness, Schönheit und Körperkult sowie an der Inszenierung von Macht. Macht ist ein zentrales und wiederkehrendes Thema in seinem Werk – der gesellschaftliche Konflikt zwischen Majorität und Minorität, zwischen Dominanz und Unterdrückung genauso wie die Macht der Bilder für die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Die Videoarbeit basiert auf Interviews, die der Künstler mit Soldatinnen und Soldaten aus unterschiedlichen Ländern über den Videochatdienst Skype geführt hat.

 

 

Neïl Beloufa, Sustainable Development, MRC Sérignan, 2017 Global Agreement
copyright the artist & VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Foto Aurélian Mole

 


„Macht und ihre gesellschaftliche Manifestation sind zentrale Themen im Werk von Neïl Beloufa. Das ist aber nur die eine Seite. Viel wesentlicher erscheint die Frage, wie sich Machtstrukturen herausfordern lassen. Am Anfang stehen Neïl Beloufa selbst, seine Rolle als Künstler und der Anspruch selbstbestimmt, von äußeren Erwartungen losgelöst, zu arbeiten. Indem er etablierte Strukturen der Macht untersucht – übrigens auch jene des Kunstbetriebs –, lädt er uns ein, ihre Absurditäten zu erkennen. Es freut mich, dass wir Neïl Beloufa gewinnen konnten, seine neueste Arbeit in der Schirn zu präsentieren“, sagt Dr. Philipp Demandt, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt.

 

Schirn Kunsthalle, Römerberg, Frankfurt am Main


23.08.2018 - 18.10.2018
Fotoausstellung Hamburg . Merkwürdige Dinge tun sich - ein Mann wälzt sich im Wald auf dem Boden, kleine Menschlein versuchen sich auf einer breiten Bahn nach oben und nach unten zu bewegen. Stefan Bladh genießt es den Betrachter mit den vorgeführten Szenen vollkommen im Vagen zu lassen. Die Freelens Galerie stellt die ungewöhnlichen Bilder des Unterwegsseins von Stefan Blath vor. 23. August bis 18.Oktober 2018
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Stefan Bladh – Hidden Kingdom
Fotoausstellung Hamburg . Merkwürdige Dinge tun sich - ein Mann wälzt sich im Wald auf dem Boden, kleine Menschlein versuchen sich auf einer breiten Bahn nach oben und nach unten zu bewegen. Stefan Bladh genießt es den Betrachter mit den vorgeführten Szenen vollkommen im Vagen zu lassen. Die Freelens Galerie stellt die ungewöhnlichen Bilder des Unterwegsseins von Stefan Blath vor. 23. August bis 18.Oktober 2018

Foto Hidden Kingdom Stefan Bladh



Der Fotograf Stefan Bladh hat von 2006 bis 2016 Reisen durch verschiedene europäische Länder unternommen. "Hidden Kingdom" ist das eindrucksvolle Zeugnis dieses Unterwegsseins. Dabei gefällt es Stefan Bladh, den Betrachter mit den vorgeführten Szenen vollkommen im Vagen zu lassen. »Sehr oft erlebte ich Momente, die weder am Anfang noch am Ende von etwas lagen und mir noch nicht einmal einen Einblick erlaubten. Vielmehr befand ich mich mitten in etwas. Und das war immer das Wichtigste«, beschreibt der Schwede seine Vorgehensweise.

In einem Wald ist ein riesiges Netz gespannt. Ein Mann wälzt sich auf dem Boden. Ein Schiff versinkt im Fluss. Eine Löwin wird aus dem Kofferraum eines Autos gezogen. Als Betrachter stockt einem ein ums andere Mal der Atem. Was genau geht da vor sich?

 

Foto Hidden Kingdom Stefan Bladh

 


Bladhs Fotos entwickeln eine Wirkkraft, die einem sonst höchstens im Dunkel des Kinos begegnet. Hypnotisch sind die Landschaften, die er vorführt und in denen sich der Betrachter wunderbar verlieren kann. Mysteriös und anziehend zugleich scheinen die Figuren, die durch diese fernen, fremd wirkenden Landschaften traumwandeln.

Stefan Bladh will seinen Blick schweifen lassen, dem Übersehbaren nachspüren, das oft Rätselhafte unseres Daseins aufzeigen und eine Stimmung kreieren, in der sich innere Sehnsüchte widerspiegeln. Seine mit einer dunkel-geheimnisvollen Grundierung überzogenen Fotos folgen diesen Vorgaben und sind von einer großen ästhetischen Ausdruckskraft bestimmt. Jedes Bild steht solitär und lässt sich dennoch in eine größere Erzählung einfügen. Es ist eine Erzählung über Sehnsüchte und Verlangen und zugleich eine Erzählung über eine Suche. Die Suche nach dem versteckten Königreich.

 

Foto Hidden Kingdom Stefan Bladh



Stefan Bladh, Jahrgang 1976, lebt als Fotograf in Stockholm. Wenn er nicht gerade für Zeitungen und Magazine arbeitet, widmet er sich eigenen Langzeitprojekten. Bladhs erste Serie "The Family" über eine türkische Nomadenfamilie, die er sieben Jahre begleitet hat, bescherte ihm international viel Aufmerksamkeit. Seine Arbeiten sind in zahlreichen Ausstellungen in Schweden und im Ausland gezeigt worden. Er hat mehrere Bücher publiziert, jüngst erschien der Band "Hidden Kingdom".

Freelens Galerie, Alter Steinweg 15, Hamburg

17.08.2018 - 13.01.2019
Ausstellung München . Sicher einer der interessantesten und spannendsten Ausstellungen der Saison zeigt die Münchner Hypo Kunsthalle mit "Lust der Täuschung - Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality". Mit Exponaten aus Malerei, Skulptur, Video, Architektur, Design, Mode und mit Virtual-Reality-Arbeiten bietet die Ausstellung einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Parcours durch visuelle Spielformen von Schein und Illusion. Bis 13. Januar 2019
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Lust der Täuschung - Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality
Ausstellung München . Sicher einer der interessantesten und spannendsten Ausstellungen der Saison zeigt die Münchner Hypo Kunsthalle mit "Lust der Täuschung - Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality". Mit Exponaten aus Malerei, Skulptur, Video, Architektur, Design, Mode und mit Virtual-Reality-Arbeiten bietet die Ausstellung einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Parcours durch visuelle Spielformen von Schein und Illusion. Bis 13. Januar 2019

Daniel Crooks
Phantom Ride (Filmstill), 2016
Zweikanal HD-Video/Farbe/Stereo Sound, 16:9
Leihgabe des Künstlers und der Anna Schwartz Gallery, Melbourne © Daniel Crooks

 



Seit jeher spielt die Kunst mit unserer Wahrnehmung und führt uns vor Augen, wie leicht wir zu täuschen sind. Seien es antike Fresken, die räumliche Tiefe simulieren, barocke Kirchenausstattungen, die das Irdische um göttliche Sphären zu erweitern scheinen oder heutige computergenerierte virtuelle Welten, in die man interaktiv eintauchen kann, anstattsie nur zu betrachten.

Die faszinierende Wirkung täuschender Kunst entsteht, indem der Betrachter ihrer Täuschung visuell erliegt, zugleich aber realisiert, dass er es mit einem Trick zu tun haben muss. Und selbst wenn die Konstruktionsweise von Werken wie Hans Peter Reuters Kachelraum (1976) oder James Turrells Elliptical Glass KEPLER 452b (2017) durchschaut ist, kann man sich ihrer Sogwirkung nicht entziehen. 

 

 

Evan Penny
Junges Selbst: Portrait des Künstlers wie er (nicht) war. Variation # 1, 2011
86 x 76 x 59 cm, Silikon/Pigment/Haar/Textil/Aluminium
Privatsammlung, London © Evan Penny

 

Wie steht es um unser Bild von der vermeintlichen Realität? In Zeiten von Photoshop und digitaler Filmanimation führen uns z.B. Evan Pennys abfotografierte hyper-realistische Porträtbüsten (2011) vor Augen, wie leicht wir etwas auf einem Foto Dargestelltes für ‚wahr‘ halten und getäuscht werden können.

Viele visuelle Täuschungen sind heute fester Bestandteil unseres Alltags. Dabei ist die Geschichte von Optik und künstlerischer Täuschung aufs Engste mit der technischen Weiterentwicklung der Medien verbunden: Der illusionistischen Wirkung einer Filmvorführung der Gebrüder Lumière konnten sich 1896 die damaligen Zuschauer – so die berühmte Anekdote – nicht entziehen: Sie meinten, ein Zug würde aus der Leinwand auf
sie zurasen. Beim heutigen kinoerfahrenen Betrachter löst dieser Film keinen vergleichbaren Effekt mehr aus. Einen ähnlich überraschenden Moment kann jedoch in der Ausstellung erleben, wer eine Virtual-Reality-Brille aufsetzt und in Chris Milks Arbeit Evolution of Verse (2015) eintaucht – noch ist das Medium so neu und die Umsetzung so überraschend, dass die Wahrnehmung eindrucksvoll getäuscht wird



Sehen ist glauben
Künstlerische Augentäuschungen wurden schon immer genutzt, um unterschiedlichste Funktionen zu erfüllen. So zeigt die Ausstellung, wie sich unter anderem die Kirche die unmittelbare Überzeugungskraft von Bildern früh zunutze machte: Sie setzte illusionistische Bildwerke ein, um Glaubensinhalte zu vergegenwärtigen. Der überaus realistisch dargestellte Kopf von Johannes dem Täufer des spanischen Bildhauers José de Mora (1642–1724) löst zum Beispiel bis heute zugleich Grauen und Mitgefühl aus und führt das Schicksal des
Heiligen in unmittelbarer physischer Präsenz vor Augen.



Die Erforschung der sichtbaren Welt
In der Renaissance erwuchs ein neues Interesse an der sichtbaren Welt und ihren optischen Phänomenen. Forschungen führten zum Beispiel zur Entdeckung der Regeln der Zentralperspektive, die es möglich machten, zweidimensionalen Bildwerken eine überzeugende Tiefe zu verleihen. Auch erste Anamorphosen entstanden im Rahmen perspektivischer Studien: Ihre Motive lassen sich nur von einem einzigen Standpunkt aus oder mit einem speziell gebogenen Spiegel als Hilfsmittel erschließen. Diese optische Raffinesse begeisterte nicht nur die Wissenschaft, sondern inspirierte auch zur Schaffung beeindruckender Kunstwerke, wie dem für die Ausstellung reproduzierte 1642 entstandene, rund 20 Meter lange Fresko aus dem römischen Kloster Trinità dei Monti.

 

Das klassische Trompe-l’œil
Im 17. Jahrhundert spezialisierten sich zunächst in den Niederlanden, später vor allem in Frankreich, einige Maler auf illusionistische Gemälde, die heute als Trompe-l’œils, ‚Augentäuschungen‘, bekannt sind. Anstatt durch Tiefenwirkung, bestechen diese Werke vor allem dadurch, dass das Dargestellte aus der Bildebene heraus in Richtung der Betrachter zu ragen scheint. Werke von Cornelis Gijsbrechts (1630–1683), Wallerant Vaillant (1623–1677) oder Edwaert Collier (1640–1708) verfehlen auch heute nicht ihre Wirkung: Die Perfektion, mit der diese Meister Objekten wie angepinnten Papieren, gebrochenen Glasscheiben oder
drapierten Stoffen Räumlichkeit und Haptik verliehen, ist immer noch höchst beeindruckend. Künstler wie Gerhard Richter oder Thomas Demand greifen diese Form der Illusion in Werken wie Blattecke (1967) oder Glas (2002) wieder auf.


Kopie, Aneignung und Fälschung
Ein weiteres Kapitel widmet sich speziellen Formen der Täuschung wie der künstlerischen Aneignung, der Kopie und der Fälschung. Den Stil großer Meister nachzuahmen, trug über viele Jahrhunderte zum Ruhm eines Künstlers bei. Auch war es üblich, originalgetreue Kopien von Kunstwerken herzustellen. Als in der Romantik die Idee vom geistigen und künstlerischen Eigentum aufkam und die Fotografi e wenige Zeit später die Reproduktion von Kunstwerken maßgeblich vereinfachte, entstand eine neue Wertschätzung des Originals. Der Akt des Kopierens erschien nun als moralisch verwerflich – und bei trügerischer Absicht sogar als krimineller Akt. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzen sich Künstler immer wieder gezielt mit der Frage um Original und Kopie auseinander.

Mode und Design
Je beiläufiger täuschende Objekte in unseren Alltag eingebunden werden, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass wir auf sie hereinfallen. So genoss man schon in der Tafelkultur des 18. Jahrhunderts das Erstaunen der Gäste, wenn sich der auf dem Tisch platzierte Kohlkopf als Suppenschüssel aus Porzellan erwies. Bis heute werden Objekte in Manufakturen hergestellt, die sich in diese Tradition der ‚Schaugerichte‘ stellen. Im Möbeldesign finden sich besonders viele Beispiele der Materialtäuschung.

 

Toast VR (Richard Eastes, Toni Eastes, Daniel Todorov)
Richie’s Plank Experience, 2017
Virtual Reality/Unity3D/Holzplanke
© Toast VR

 


Raumillusionen
Die Ausstellung schließt mit verblüffenden Raumillusionen, die von altägyptischer und pompejanischer Scheinarchitektur über barocke Deckengemälde und historistische Prunktapeten bis hin zu zeitgenössischen Rauminstallationen reichen. Dabei wird unter anderem deutlich, in welcher Tradition die neue Technik der Virtual Reality steht, die Räume in bisher unbekannter illusionistischer Wirkung (wieder-)entstehen lassen kann: In der seit 2016 entstehenden virtuell begehbaren Rekonstruktion des Kaisersaals der Bamberger
Residenz findet sich der Besucher in der Welt der Fürsten des 18. Jahrhunderts wieder. Laurie Andersons und Hsin-Chien Huangs spektakuläre VR-Installation Chalkroom, die 2017 auf den Filmfestspielen von Venedig als bestes VR-Erlebnis ausgezeichnet wurde, lädt den Besucher hingegen ein, den realen Raum zu verlassen und durch ein faszinierendes imaginäres Universum zu fliegen.




Philipp Messner
Only you can make me Feel this Way (München), 2013
240 x 110 cm, Pigmentdruck/Hahnemühle Papier
Besitz des Künstlers
© Philipp Messner / VG Bild-Kunst, Bonn

 


KATALOG
Im Hirmer Verlag erscheint begleitend zur Ausstellung ein umfangreicher Katalog mit ca. 200 Farb-
abbildungen. Hrsg. v. Roger Diederen und Andreas Beitin. Mit Beiträgen aus den Neurowissenschaften so-
wie der Kunst-, Kultur- und Mediengeschichte von Andreas Beitin, Ute Engel, Marion Kern, Rudolf E. Lang,
Susanna Partsch und Monika Wagner.
ISBN 978-3-7774-3139-0



Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstraße 8, München

10.08.2018 - 29.09.2018
Fotoausstellung Salzburg . In der Fotoausstellung "In the Still of the Night" stellt der Salzburger Fotohof fünf fotografische Positionen vor, die sich mit politische Krisen und Konflikten als langfristige und vielschichtige Phänomene beschäftigen: Die beteiligten Künstler sind Edmund Clark, Anne Heinlein und Göran Gnaudschun, Jelena Jureša, Hrair Sarkissian und Ahlam Shiblis. Vom 10. August bis 29. September 2018
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In the Still of the Night
Fotoausstellung Salzburg . In der Fotoausstellung "In the Still of the Night" stellt der Salzburger Fotohof fünf fotografische Positionen vor, die sich mit politische Krisen und Konflikten als langfristige und vielschichtige Phänomene beschäftigen: Die beteiligten Künstler sind Edmund Clark, Anne Heinlein und Göran Gnaudschun, Jelena Jureša, Hrair Sarkissian und Ahlam Shiblis. Vom 10. August bis 29. September 2018

Edmund Clark − from Control Order House


Die Ausstellung IN THE STILL OF THE NIGHT versammelt fünf künstlerische Positionen, die politische Krisen und Konflikte als langfristige und vielschichtige Phänomene diskutieren. Das Eindringen politischer Interessen in private Lebensräume, das Verhältnis von Macht und Individuum, wird dabei zum verbindenden Element eines Diskurses über die Komplexität der uns umgebenden Wirklichkeit. Jenseits der Darstellung fotografischer Höhepunkte wird das Davor und Danach, die Krise als dauerhaftes Phänomen, in den Blick genommen.

Control Order House (2011) des britischen Künstlers Edmund Clark ist das Resultat eines exklusiven Blicks auf eine extreme Form staatlicher Kontrolle. So war es britischen Behörden zwischen 2005 und 2012 möglich, terrorverdächtige Personen für einen unbegrenzten Zeitraum und ohne Angabe von konkreten Beweisen in scheinbar privaten Wohnhäusern festzuhalten. Gemeinsam mit Fotografien aus dem Inneren einer solchen Unterbringung bilden redigierte Dokumente und Tagebucheinträge der "kontrollierten" Person ein Porträt des Ortes, seines Bewohners und dessen Kriminalisierung durch die staatlichen Organe.

 

Göran Gnaudschun / Anne Heinlein - Jahrsau , 2008, Erstmals urkundlich erwähnt:
1390, Gewüstet: 1970 (Anne Heinlein)



Das Eindringen politischer Macht in private Lebensräume steht auch in Wüstungen (2017) von Anne Heinlein und Göran Gnaudschun zur Debatte. Unter Verwendung unterschiedlicher Materialien erzählt das deutsche Künstlerduo von Orten, deren Lage an der innerdeutschen Grenze ihre Schleifung sowie die Umsiedlung ihrer Einwohner zur Folge hatte. Im freien Umgang mit großformatigen Fotografien, mit Dokumenten, Zeitzeugeninterviews und eigenen Texten wird nicht zuletzt das Wirken politischer Interessen auf Individuen und deren Identität thematisiert und diskutiert.
         

Jelena Jureša − Song . Video installation, 28', loop 2018

 

In der Videoinstallation Song (2018) der in Novi Sad (Serbien) geborenen Künstlerin Jelena Jureša rücken Fragen nach nationaler Identität und den politischen Aspekten von Erinnern und Vergessen in den Fokus. Die Geschichte eines bosnischen Liedes und seiner Anbindung an historische Ereignisse und an nationale Geschichte und Geschichtsschreibung wird dabei zur vielschichtigen Reflexion über Exil, Entwurzelung und den Verlust von Heimat.

 

Hrair Sarkissian, Homesick , 2014,
two channel video; courtesy of the artist and Kalfayan Galleries.



Dem aus Syrien stammenden Künstler Hrair Sarkissian wiederum dient in Homesick (2014) ein maßstabsgetreues Modell seines Elternhauses in Damaskus zu einer persönlichen und sehr direkten Beschäftigung mit den Bedingungen von Flucht und Exil. Die langsame und vollständige Zerstörung des elterlichen Wohnhauses erscheint dabei als Ausdruck ständiger Angst um die bedrohte Familie und rückt nicht zuletzt die frustrierenden Bedingungen von Exil und den damit einhergehenden, schmerzhaften Umgang mit der eigenen Geschichte ins Zentrum der Auseinandersetzung.

 

Ahlam Shibli, untitled (Occupation no. 1) ,
al-Khalil/Hebron, Palestine, 2016−17, chromogenic print, 100×150 cm



In Ahlam Shiblis Occupation (2016/17) wird die Stadt al-Khalil/Hebron zum Dreh- und Angelpunkt einer kritischen Analyse des dauerhaft gewordenen Ausnahmezustands. Die palästinensische Künstlerin zeigt engste, von der gewaltsamen Teilung gezeichnete, urbane Räume. Die Zeichen von Repression und Kontrolle, die Wachtürme, Mauern, Zäune, Kameras und Strassensperren scheinen paradoxerweise den Blick freizugeben auf die asymmetrisch verlaufenden Beziehungen der sich feindlich entgegenstehenden Bevölkerungsgruppen.

Zeitgleich zur Ausstellung leitet Ahlam Shibli den Kurs "Die Idee der Heimat" an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg.

Das Ausstellungsprojekt findet im Rahmen und mit Unterstützung des Festjahres "200 Jahre Stille Nacht! Heilige Nacht!" statt.



Fotohof, Inge-Morath-Platz 1-3, Salzburg

10.08.2018 - 13.10.2018
Fotoausstellung Salzburg . Kein Fotograf dokumentierte das gesellschaftliche und kulturelle Leben an der Côte d'Azur der "Golden Fifties" so umfassend, hellwach und mit feiner Ironie wie der Ire Edward Quinn. Die Leica Galerie Salzburg zeigt seine Bilder der Schönen und Reichen. 10. August bis 13. Oktober 2018
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Edward Quinn „Riviera Cocktail“
Fotoausstellung Salzburg . Kein Fotograf dokumentierte das gesellschaftliche und kulturelle Leben an der Côte d'Azur der "Golden Fifties" so umfassend, hellwach und mit feiner Ironie wie der Ire Edward Quinn. Die Leica Galerie Salzburg zeigt seine Bilder der Schönen und Reichen. 10. August bis 13. Oktober 2018

 

 

Brigitte Bardot. Studios de la victorine, during filming of "Voulez-vous danser avec moi", Nizza

 

 

Ausgerüstet mit seiner Leica und großem fotografischem Gespür "brachte er das Künstlerische in die Celebrityfotografie", wie das People Magazin einmal über Edward Quinnurteilte.

Protagonisten an der Französischen Riviera sind zu Quinns Zeit Filmstars und Künstler, Rennfahrer und Jazzmusiker, Hochadel, Reeder und Regisseure, Politiker, Pin-Up-Girls und Literaten. Edward Quinn bewegt sich mit List und Charme in dieser Glitz-and-Glamour-Welt und sein Blick darauf ist unverwechselbar.

Quinn stellt nicht bloss und lässt den Betrachter immer wieder das Private ahnen: Eine ebenso junge wie unbekannte Brigitte Bardot, eine nachdenkliche Grace Kelly in der Hotellobby, Jane Fonda und Alain Delon in seinem Ferrari, Audrey Hepburn zu Beginn ihrer Karriere, Sophia Loren in ihrer Hotelsuite. Pablo Picasso gewährte keinem anderen Fotografen in vergleichbarem Mass Zugang zu seinem Privatleben wie dem langjährigen Freund Edward Quinn. 

 

Edward Quinn mit seiner Leica IIIf, Nizza 1955


Der 1920 geborene Ire Edward Quinn arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Musiker und Flugzeug-Navigator. Ende der vierziger Jahre zog er zu seiner Schweizer Lebensgefährtin Gret nach Monaco und suchte dort nach einer neuen beruflichen Tätigkeit – und er fand sie als Fotograf, inspiriert von diesem einmaligen Ort, der Côte d’Azur, der französische Riviera der 50er und 60er Jahre: 100 Kilometer Küste mit Monte Carlo, dem Eldorado der Gambler; Monaco, dem fürstlichen Paradies; der old fashioned Beauty Nizza und dem eleganten Cannes mit dem jährlichen Höhepunkt des Filmfestivals. Hier traf man damals alle «Rich and Famous» dieser Zeit und die, die sich dafür hielten.

Diese Reise durch die Bilder von Edward Quinn ist eine Reise durch eine Epoche, die es so nie wieder geben wird. Eine wunderbare Erinnerung an eine euphorische Zeit, in der nicht alles besser war, aber die Menschen die feste Überzeugung besaßen, dass alles besser und alles möglich werden könnte. Wahrscheinlich ist es dieser Optimismus, der in diesen Fotos spürbar wird und die sie zu etwas Besonderem macht.

 

Leica Galerie, Gaisbergstraße 12, Salzburg

09.08.2018 - 14.10.2018
Fotoausstellung Frankfurt am Main . Die Ausstellung im Museum Giersch zeigt mit rund 100 Schwarzweiß-Fotografien, wie die Fotografin Inge Werth mit ihrer Kamera eine bewegte Zeit gesellschaftlicher Umbrüche festhielt. 9. August bis 14. Oktober 2018
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Inge Werth - Paris, Frankfurt am Main und die 1968er Generation
Fotoausstellung Frankfurt am Main . Die Ausstellung im Museum Giersch zeigt mit rund 100 Schwarzweiß-Fotografien, wie die Fotografin Inge Werth mit ihrer Kamera eine bewegte Zeit gesellschaftlicher Umbrüche festhielt. 9. August bis 14. Oktober 2018

Inge Werth: Joan Baez beim Ostermarsch in Frankfurt, 11. April 1966
© Inge Werth 

 

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Rebellion der 1968er Generation gegen die bestehenden Verhältnisse. Die Bilder in ihrer Verbindung von Kunst und Reportage führen den Betrachter an Schauplätze in Paris und Frankfurt am Main, sie zeigen studentische Unruhen und Protestaktionen ebenso wie kulturelle Ereignisse in jenen Aufbruchszeiten.

 

Inge Werth:  Demonstration gegen die Regierung von Charles de Gaulles, Paris, 24. Mai 1968
© Inge Werth

Inge Werth: Blick in die Ausstellung Ferdinand Kriwet, Februar 1971
© Inge Werth

 

Inge Werth: Angela Davis Solidaritätskongress, 3. Juni 1972
Institut für Stadtgeschichte, Fotosammlung Inge Werth © Inge Werth

 

 

Zu sehen sind beispielsweise Aufnahmen der Frankfurter Buchmesse, der Aufführung von Peter Handkes Theaterstück „Publikumsbeschimpfung“ und des Ostermarsches 1966 unter Beteiligung der Sängerin Joan Baez.

 

 

Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, Frankfurt am Main

 

07.08.2018 - 28.10.2018
Fotoausstellung Zürich . Mit einer Plakatkampagne als Ausstellung im öffentlichen Raum kündigt die Photobastei ihre Ausstellung „Zürich – Schwarz auf Weiss“ an. Vom 7.September bis 28. Oktober sind in der Photobastei über 140 Motive aus sämtlichen Stadtquartieren zu sehen.
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Zürich – Schwarz auf Weiss
Fotoausstellung Zürich . Mit einer Plakatkampagne als Ausstellung im öffentlichen Raum kündigt die Photobastei ihre Ausstellung „Zürich – Schwarz auf Weiss“ an. Vom 7.September bis 28. Oktober sind in der Photobastei über 140 Motive aus sämtlichen Stadtquartieren zu sehen.

 


Seit einigen Tagen verschönern Plakate mit historischen Stadtszenen die Stadt Zürich! Es sind ganz spezielle Sujets - jedes ist anders. Sie sind das Resultat einer Kooperation zwischen APG|SGA, Stadt Zürich und der Photobastei: Während die APG|SGA in der ganzen Stadt über 200 Standorte zur Verfügung stellt, bietet das Baugeschichtliche Archiv der Stadt Zürich bei einigen von ihnen punkt- und standortgenau den Inhalt zum individuellen Aushängeort. Die Plakate bilden Zürcher Szenen zwischen 1890 und 1920 ab und werben damit für unsere Ausstellung im September!
Doch nicht nur das: sie verdichten sich zu einer Ausstellung im öffentlichen Raum

 

Fotografenstelldichein auf dem Eis, Seegfrörni auf dem Zürichsee im Winter 1895
(Fotografie Baugeschichtliches Archiv 1895)



Kaum ein fotografisches Genre zieht Menschen derart in den Bann wie die historische Stadtfotografie, insbesondere dann, wenn es sich um die eigene Stadt, das eigene Quartier  handelt. Die Bilder von gestern führen zwangsläufig zum Vergleich mit dem Gegenwärtigen. Angeeignetes Wissen über die Stadt von früher verschmilzt mit der persönlichen Erinnerung an bestimmte Orte von heute. Anschaulicher kann Stadtgeschichte kaum erfahrbar sein – für Jung und Alt!
    

 

Die Utobrücke, Enge und Wiedikon verbindend, mit Blick auf die Giesshübelstrasse 2
(Fotografie Baugeschichtliches Archiv 1909)



Die Ausstellung „Zürich – Schwarz auf Weiss“ zeigt eine Auswahl historischer Fotografien aus den Beständen des Baugeschichtlichen Archivs der Stadt Zürich. Vom 6. September bis 28. Oktober sind in der Photobastei über 140 Motive aus sämtlichen Stadtquartieren zu sehen. Die Aufnahmen datieren aus den Jahren 1890 bis 1920. Sie zeigen Stadtansichten und Bauwerke, pittoreske Landschaften sowie Bilder des dörflichen und städtischen Lebens. 


 
Photobastei, Sihlquai 125, Zürich




05.08.2018 - 28.10.2018
Ausstellung Erfurt . Sowohl Fotografie als auch Malerei zeigt die Ausstellung „Natur und Kunst“ zeigt das Angermuseum in Erfurt. Die präsentierten Bilder sind Landschaften im 19. Jahrhundert in aus den Sammlungen der Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus München und des Münchner Stadtmuseums. 5.8. – 28.10.2018
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Natur als Kunst
Ausstellung Erfurt . Sowohl Fotografie als auch Malerei zeigt die Ausstellung „Natur und Kunst“ zeigt das Angermuseum in Erfurt. Die präsentierten Bilder sind Landschaften im 19. Jahrhundert in aus den Sammlungen der Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus München und des Münchner Stadtmuseums. 5.8. – 28.10.2018

 Adolphe Braun: Griesbach-Wasserfälle bei Brienz, um 1875
Foto copyright Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie

 

Die künstlerische Darstellung von Landschaft erfährt im 19. Jahrhundert einen tiefgreifenden Wandel. Inmitten der Natur entstehen in Malerei und Fotografie Werke von hoher Innovationskraft. 75 Landschaftsgemälde aus der Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus München sowie 60 Fotografien aus der Sammlung des Münchner Stadtmuseums machen das Wechselspiel von Ölmalerei und Fotografie facettenreich sichtbar. Zu den Höhepunkten der Gemäldesammlung zählen Werke von Blechen, Dahl, Feuerbach, Rottmann, Lenbach, Gurlitt, Schirmer, Spitzweg, Courbet, Rousseau und Corot.

 

Jean-Bptiste Camille Corot: Der große Baum (Studie)
Abbildung copyright Christoph Heilmann Stiftung am Lenbachhaus in München


 

Parallel werden einige der bedeutendsten Fotografen des 19. Jahrhunderts mit ausgewählten Landschaftsfotografien präsentiert, unter anderem Adolphe Braun, Giacomo Caneva, Georg-Maria Eckert, Constant Alexandre Famin und August Kotzsch.

 

Constant Alexandre Famin: Waldweg im Herbst, Barbizon um 1865
Foto copyright Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie

 

Von den Fesseln der Akademietraditionen befreit, begaben sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts junge Maler aus ganz Europa auf Reisen. Im bayerischen Voralpenland, in den südlichen Regionen Italiens und Griechenlands oder im Wald von Fontainebleau begannen sie unmittelbar in der Natur zu malen. Das Abseitige und Unberührte der heimischen oder fernen Landschaften, der Ebenen oder Gebirgslandschaften sowie die Phänomene des steten Wechsels von Licht- und Wetterverhältnissen weckten um 1800 das Interesse der Landschafter und schon bald auch der Fotografen. Bei ihrem Aufbruch in die Natur befruchteten sie sich gegenseitig. Die Naturmotive aus dem Repertoire der Landschaftsmaler wiesen den Fotografen den Weg. Gleichzeitig halfen die Naturfotografien den ins Atelier zurückgekehrten Malern bei der Erinnerungsarbeit an der Staffelei. Mit der neuen Natursehnsucht entwickelten die Maler nicht nur neue Arbeitspraktiken, sondern es entstand das neue intime Landschaftsbild.

Angermuseum Erfurt, Anger 18, Erfurt

03.08.2018 - 28.09.2018
Fotoausstellung Mannheim . Mit Manjari Sharma und André Wagner stellt die Prince House Gallery zwei Fotokünstler vor, die in ihren Bildern den farbenfrohen Zauber Indiens einfangen und einen Blick in Bräuche und religiöse Gepflogenheiten des Landes geben. 3. August bis 28. September 2018
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André Wagner / Manjari Sharma: Sanskrit
Fotoausstellung Mannheim . Mit Manjari Sharma und André Wagner stellt die Prince House Gallery zwei Fotokünstler vor, die in ihren Bildern den farbenfrohen Zauber Indiens einfangen und einen Blick in Bräuche und religiöse Gepflogenheiten des Landes geben. 3. August bis 28. September 2018

Manjari Sharma, Lord Hanuman, Serie Darshan Foto © Manjari Sharma


Indien  weckt   Sehnsüchte und  hat  auch  in Westen seine  Spuren hinterlassen. Von der Atemübung  beim  Yoga bis  hin  zur Inspiration für gestandene Philosophen, verzaubert dieses Land auch  heute alle, die mit den Menschen, Farben und Bräuchen in Berührung kommen.

 

 

André Wagner, Color Wave, 2014 Foto © André Wagner



André  Wagner vermag von  der indischen Gesellschaft wie  kein  anderer einen künstlerischen  Einblick zu geben. Durch seinen Blick scheint man  fast unmittelbaren Kontakt  mit den  Menschen auf ihrem Pilgerweg oder in der feierlichen Prozession zu haben. Es sind Einblicke in eine  quasi  zeitlose Epoche der indischen Bräuche und Kulte. Ekstase  und Prozession, Anbetung und Verehrung stehen für jeden  Hindu regelmäßig im Zentrum des Lebens gemäß den  Regeln  und festgeschriebenen Bräuchen,  die  auf  eine  über 4000 Jahre alte Tradition zurückblicken. “Sanskrit” war  jene   Schriftform,  in  welcher  die   als  heilig   geltende  Sammlung  göttlicher  Offenbarungen überliefert wurde. Dabei  bedeutet “Sanskrit” soviel wie “zusammen-gemacht” und  hält  zusammen, was  im täglichen Leben  der Hindus als religiöse Praxis nach außen kehrt. André Wagners Handschrift zeigt sich  vor allem  darin, ein Gespür für die authentischen Momente dieser lebendigen Ekstasen zu haben. Dazu kann man in der Ausstellung die Arbeiten von Manjari Sharma bewundern. Sie inszeniert den Götterkult des pantheistischen Götterhimmels für jede ihrer Fotografien von  neuem und  lässt  das  Ritual  und  die Inszenierung der göttlichen Stellvertretung in ihren Arbeiten aufgehen.

 

 

André Wagner, Pilgrim on Purple Dust 1, 2014 © André Wagner

 

André Wagner (*1980) war seit 2002 als freier Fotograf tätig. In dieser Zeit arbeitete er hauptsächlich für Magazine wie  „Stern“, „Rolling  Stone“  oder „Geo“. Danach wandte er sich  freien Projekten als Fotokünstler   zu.    Seine    Arbeiten    wurden   in   vielen    Einzel-    und    Gruppenausstellungen   in renommierten Kunstgalerien, Museen und  Kunstvereinen gezeigt  und  auf Kunstmessen im In- und Ausland ausgestellt, u.  a. der 55. Biennale von Venedig  (2013). Charakteristisch für die Fotografien André Wagners ist seine  intensive Auseinandersetzung mit den  Inhalten und Motiven  seiner Bilder. So rührt seine  Faszination an Indien nicht aus einer ober?ächlichen Esoterik her, sondern aus einer eingehenden Beschäftigung mit Historie, Kultur und Religion des Landes.

 

Manjari Sharma, Maa Laxmi, Serie Darshan



Manjari Sharma (*1979) ist in Mumbai, Indien geboren und  aufgewachsen und  lebt  in den USA. Die Arbeiten  der  international  ausgestellten  Foto-Künstlerin  befinden  sich  in  zahlreichen Privatsammlungen und  Sammlungen  namhafter Häuser, wie  der Sammlung des  Museum of Fine Arts in Houston, und dem  Metropolitan Museum of Art in  New York. Die Künstlerin wurde 2014 mit dem  CENTER's Curator's Choice  award ausgezeichnet. Ihre Arbeiten  zeichnen sich  durch genaue Gesellschaftsstudien und  persönlichen Erfahrungen aus, mit der sie in ihrem Werk eine individuelle Mythologie erschafft.

Prince House Gallery, Turley-Straße 8, Mannheim



28.07.2018 - 30.09.2018
Fotoausstellung Tuttlingen . Die Spiritualität des Menschen als Grundbedürfnis und kulturübergreifendes Phänomen tritt über die Jahrzehnte immer wieder in der Arbeit des berühmten amerikanischen Fotografen Steve McCurry zutage. Dieser Thematik widmet sich die speziell für die Galerie der Stadt Tuttlingen entstandene Auswahl von Bildern, die in vielen verschiedenen Ländern entstanden sind.
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Steve McCurry – Glaube und Gebet
Fotoausstellung Tuttlingen . Die Spiritualität des Menschen als Grundbedürfnis und kulturübergreifendes Phänomen tritt über die Jahrzehnte immer wieder in der Arbeit des berühmten amerikanischen Fotografen Steve McCurry zutage. Dieser Thematik widmet sich die speziell für die Galerie der Stadt Tuttlingen entstandene Auswahl von Bildern, die in vielen verschiedenen Ländern entstanden sind.



© Steve McCurry, Songnisan, Korea, 2007



 „Ich habe in den vergangenen drei Jahrzehnten auf meinen Reisen viele Erscheinungsformen des Glaubens erlebt: Manche waren spontan, andere waren Teil einer Liturgie, einige bestanden in vorgeschriebenen Ritualen. Einige fanden in majestätischen Gebäuden statt, andere wiederum draußen unter einem Baum. Der Glauben mancher Menschen ist in die Art und Weise, wie sie ihr Leben führen, eingebettet“, so Steve McCurry.

Steve McCurry ist einer der weltweit gefeierten Vertreter der zeitgenössischen Fotografie. Sein "Afghanisches Mädchen", das Porträt eines Flüchtlingskindes, ging 1984 um die Welt und hat viele Menschen berührt. Die beispiellose Karriere des 1950 in Philadelphia, Pennsylvania, geborenen Fotografen ist geprägt von zahlreichen Reisen in die Krisengebiete der Welt, denen er mit seinen Bildern ein menschliches Gesicht verleiht. Seine Motivwelt umspannt sowohl verschwindende Kulturen und alte Gebräuche als auch das zeitgenössische Leben.

 


© Steve McCurry, Luang Prabang, Laos, 2004


 
McCurrys Bilder sind mehr als bloße Reportagefotos, denn sein Leitmotiv ist das erstrangige Interesse und Mitgefühl für die Menschen, ihre Hintergründe und Schicksale. Die eingefangenen Augenblicke stehen sinnbildlich für das Leben und die seelischen Zustände seiner Bildprotagonisten. Mit McCurry ist ein sehr feiner Beobachter am Werk, der genau zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Position den Auslöser zu betätigen weiß. Im Moment entstanden, manifestiert sich in seinen Bildern doch ein herausragender Sinn für Bildkomposition, Farbigkeit und erzählerische Dichte.


Galerie der Stadt Tuttlingen, Rathausstraße 7, Tuttlingen

17.07.2018 - 27.01.2019
Fotoausstellung München . Die Pinakothek der Moderne präsentiert im Saal 8 Fotografien aus den 1920-er bis 1940-er Jahren von Aenne Biermann, Florence Henri, Germaine Krull, Man Ray, Albert Renger-Patzsch und Friedrich Seidenstücker aus den Beständen der Stiftung Ann und Jürgen Wilde. 17 Juli 2018 bis 27. Januar 2019
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Stiftung Ann und Jürgen Wilde
Fotoausstellung München . Die Pinakothek der Moderne präsentiert im Saal 8 Fotografien aus den 1920-er bis 1940-er Jahren von Aenne Biermann, Florence Henri, Germaine Krull, Man Ray, Albert Renger-Patzsch und Friedrich Seidenstücker aus den Beständen der Stiftung Ann und Jürgen Wilde. 17 Juli 2018 bis 27. Januar 2019

Germaine Krull, Devant un grand Magasin, um 1929
Silbergelatineabzug, 17,5 x 15,8 cm
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München

 

Die moderne Fotografie ist aufs engste verbunden mit der Kultur der Großstadt. Im urbanen Umfeld finden Fotografinnen und Fotografen der 1920er Jahre Inspiration für experimentelle Bildgestaltungen und die Visualisierung eines Neuen Sehens, wie es heute als ikonisch für die Avantgardefotografie gilt. Zugleich aber richten zahlreiche Fotografen ihren Blick auf das soziale Gefüge der Großstadt. Als Flaneure und Straßenfotografen dokumentieren sie das alltägliche Leben und das dynamische Treiben der Menschen. Diese Ansichten zeigen die Stadt als kollektiven Lebensraum und entwerfen eine vielschichtige Beschreibung der Menschen und ihrer Lebensbedingungen im urbanen Raum.

 

Friedrich Seidenstücker, im Wedding, Berlin, 1923
Silbergelatineabzug, 18 x 12,9 cm
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München

 

 

10. Oktober | 28. November 2018 und 16. Januar 2019 | 15.00 Aus erster Hand | Kuratorenführung mit Simone Förster 

31. Oktober und 12. Dezember 2018 | 15.00 Führung mit Katia Marano 

10. November 2018 und 27. Januar 2019 | 15.00 Führung mit Angela Opel

 

Pinakothek der Moderne, Museumsareal, Barerstraße, München

  

 

17.07.2018 - 14.10.2018
Fotoausstellung München . Ein hochaktuelles Thema stellt die Rathausgalerie Kunsthalle München mit den großformatigen Schwarzweißaufnahmen „Blutiger Boden. Die Tatorte der NSU“ vor, die von Regina Schmeken fotografiert sind. Gezeigt wurde die Ausstellung schon im Militärhistorischen Museum in Dresden und im Martin-Gropius-Bau in Berlin. München ist nun die erste Station in einer deutschen Stadt in der der NSU Menschen ermordete. 17. Juli 2018 – 14. Oktober 2018
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Regina Schmeken - Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU
Fotoausstellung München . Ein hochaktuelles Thema stellt die Rathausgalerie Kunsthalle München mit den großformatigen Schwarzweißaufnahmen „Blutiger Boden. Die Tatorte der NSU“ vor, die von Regina Schmeken fotografiert sind. Gezeigt wurde die Ausstellung schon im Militärhistorischen Museum in Dresden und im Martin-Gropius-Bau in Berlin. München ist nun die erste Station in einer deutschen Stadt in der der NSU Menschen ermordete. 17. Juli 2018 – 14. Oktober 2018




Tatort: Das Geschäft des Obst- und Gemüsehändlers Habil K?l?ç in München
© Regina Schmeken



Die großformatigen Schwarzweißaufnahmen Regina Schmekens nehmen uns mit an die Tatorte des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Sie zeigen die verstörende Normalität der Schauplätze von Hass und Gewalt. Die Fotografien versuchen, das Ungeheuerliche der Taten zu reflektieren. Die Attentate waren nicht allein Angriffe auf unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger sondern auch auf universelle Menschenrechte und damit auf unsere gesamte Gesellschaft.
 

 


„Das Beklemmendste an diesen Fotografien ist, dass auf ihnen weder die Mörder noch die Mordopfer zu sehen sind. An Schmekens Aufnahmen wirkt gerade das Unauffällige, Banale und Gewöhnliche unheimlich.“ (Hans Magnus Enzensberger)
Als Regina Schmeken im Frühjahr 2013 damit begann, die Tatorte des NSU zu fotografieren, wurde ihr das Ausmaß dieser Verbrechen des rechten Terrors inmitten deutscher Städte erst bewusst. In ihrem Ausstellungsprojekt BLUTIGER BODEN. Die Tatorte des NSU im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden geht es ihr um das Gedenken an die Ermordeten sowie um die Auseinandersetzung mit Orten, die auf den ersten Blick keinerlei Spuren einer Gewalttat aufweisen. Zwischen 2013 und 2016 besuchte sie mehrmals die zwölf Tatorte in Deutschland. Es entstand ein Zyklus großformatiger Schwarz-Weiß-Fotografien, die verstörend eindrücklich wirken und die Geschehnisse gleichsam mit bildnerischen Mitteln aufarbeiten.
Die Propagandaformel „Blut und Boden“ wurde als begrifflicher Zusammenhang erstmals von Oswald Spengler in „Der Untergang des Abendlandes“ eingeführt und von den Nationalsozialisten in ihrer Überzeugung, dass ein „gesunder Staat“ nur aus der Einheit von „eigenem Volk und Boden“ bestehen kann, aufgegriffen. Auch den Morden des NSU liegt diese Idee zu Grunde. Fast alle Opfer waren türkischer Herkunft, sie wurden auf dem Boden liegend in ihrem Blut gefunden, brutal hingerichtet von rechten Terroristen.

 

Regina Schmeken bei der Vernissage ihrer Ausstellung
in der Münchner Rathaus Galerie.

 

Feridun Zaimoglu nennt die Geschichte des NSU im ausstellungsbegleitenden Katalog „die Geschichte der großen Beschädigung“. Annette Ramelsberger schreibt „Die Reise an die Tatorte war eine Reise in ein Land von Schmerz und Tränen, von Gleichgültigkeit und klammheimlicher Freude über das, was geschehen ist. Als der NSU nach zehn Morden, zwei Sprengstoffattentaten und 15 Raubüberfällen aufflog, waren sich alle gewiss: So eine Terrorserie könne sich in Deutschland nicht wiederholen. Wer den NSU-Prozess verfolgt, der weiß: Dafür gibt es keine Garantie.“
Das erste Opfer, der Blumenhändler Enver ?im?ek, wurde am 9. September 2000 in Nürnberg ermordet, das letzte, die Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 in Heilbronn. Es mussten in diesem Zeitraum zehn Menschen sterben, viele wurden an Seele und Körper verletzt. Der Prozess gegen Beate Zschäpe am Oberlandesgericht in München begann 2013. Am 11. Juli 2018 wurde das Urteil verkündet. Viele Fragen sind dabei offen geblieben.
Nachdem die Ausstellung im Militärhistorischen Museum in Dresden, kuratiert von Dr. Gorch Pieken, im Herbst und Winter 2016 zuerst zu sehen war, zeigte auch der Martin-Gropius-Bau in Berlin in 2017 die Fotoinstallation von Regina Schmeken. München ist nun die erste Station in einer deutschen Stadt in der der NSU Menschen ermordete: im Jahre 2001 in der Bad-Schachener-Straße Habil Kiliç und Theodoros Boulgaridis 2005 in der Trappentreustraße.

 

Publikation
Zur Ausstellung erschien eine Publikation im Hatje Cantz Verlag:
Regina Schmeken: Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU
Hatje Cantz Verlag, Berlin 2016
ca. 35 Euro
 Außerdem verlegte die Bundeszentrale für Politische Bildung den Katalog
Regina Schmeken: Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU
in der Schriftenreihe, Bd. 10124, Mai 2018
 
Regina Schmeken fotografiert seit Mitte der 1970er Jahre. Seit 1980 werden ihre Fotografien regelmäßig ausgestellt, zum Beispiel im Lenbachhaus in München, im Museum für Fotografie in Berlin und der Bibliothèque Nationale in Paris. Ihre Ausstellung Die neue Mitte wurde auf Initiative des Goethe-Instituts weltweit in über 100 Hauptstädten gezeigt.  
Für ihre Arbeit erhielt sie nationale und internationale Auszeichnungen, u. a. den Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie und den „Prix de la Critique“ der Rencontres Internationales de la Photographie in Arles. Seit 1986 ist sie außerdem Fotografin Süddeutschen Zeitung. Regina Schmekens Fotografien befinden sich u. a. in den Sammlungen des MoMA in New York, der Pinakothek der Moderne in München, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin sowie in privaten Sammlungen.



15.07.2018 - 30.09.2018
Fotoausstellung Erfurt . Die Ausstellung "In einem anderen Land. Transformationsprozesse an Beispielen zeitgenössischer Fotografie in Deutschland" in der Kunsthalle Erfurt zeigt mit verschiedenen Positionen aus Deutschland von 1976 bis heute Veränderungen im Werk von dreizehn Künstlern. Dafür präsentieren die Kuratoren Gabriele Muschter und Uwe Warnke ältere und neuere Werke von Tina Bara, Christian Borchert, Kurt Buchwald, Caroline Dlugos, Else Gabriel, Frank Herrmann, Franz John, Barbara Klemm, Matthias Leupold, Manfred Paul, Rudolf Schäfer, Erasmus Schröter und Maria Sewcz. Bis 30.9.2018
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In einem anderen Land
Fotoausstellung Erfurt . Die Ausstellung "In einem anderen Land. Transformationsprozesse an Beispielen zeitgenössischer Fotografie in Deutschland" in der Kunsthalle Erfurt zeigt mit verschiedenen Positionen aus Deutschland von 1976 bis heute Veränderungen im Werk von dreizehn Künstlern. Dafür präsentieren die Kuratoren Gabriele Muschter und Uwe Warnke ältere und neuere Werke von Tina Bara, Christian Borchert, Kurt Buchwald, Caroline Dlugos, Else Gabriel, Frank Herrmann, Franz John, Barbara Klemm, Matthias Leupold, Manfred Paul, Rudolf Schäfer, Erasmus Schröter und Maria Sewcz. Bis 30.9.2018

Barbara Klemm
Bundeskanzler Kohl in Dresden, 19.12.89
©Barbara Klemm



Über die Hausfassade der Nr. 10 in der Berliner Brunnenstraße verteilt ist in großen Lettern zu lesen: „Dieses Haus stand früher in einem anderen Land“. In etwas kleinerer Schrift steht darüber: „Menschlicher Wille kann alles versetzen“.

Die Sätze spielen zutreffend und hintergründig auf den wichtigsten Umbruch in der jüngeren deutschen Geschichte an: die friedliche Abschaffung der DDR durch ihren Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1990. Für zahlreiche Menschen bedeutete der Umbruch die Ankunft in einem komplett neuen Leben.

Wie haben Künstlerinnen und Künstler diese Transformationsprozesse durchlaufen? Dieser Frage gingen Gabriele Muschter und Uwe Warnke nach, als sie mit zahlreichen Kultur- und Kunstakteuren Interviews führten und diese filmisch dokumentierten. Die Antworten sind vielfältig. Sie werden nicht nur sprachlich formuliert, sondern zeigen sich auch in Biografien und Werken. Neben dem Systemwechsel haben schließlich auch die sich in hoher Geschwindigkeit entwickelnden Technologien Auswirkungen auf die künstlerische Arbeit von Fotografinnen und Fotografen.
 
Am Beispiel von dreizehn Positionen aus Deutschland von 1976 bis heute verdeutlichen die Kuratoren Gabriele Muschter und Uwe Warnke Veränderungen im jeweiligen Werk – politische, persönliche, kulturelle und technologische. Dafür präsentieren sie ältere und neuere Werke von
Tina Bara, Christian Borchert, Kurt Buchwald, Caroline Dlugos, Else Gabriel, Frank Herrmann, Franz John, Barbara Klemm, Matthias Leupold, Manfred Paul, Rudolf Schäfer, Erasmus Schröter und Maria Sewcz.

Das thematische Spektrum der ausgestellten Arbeiten reicht von realistisch-dokumentarischer Unmittelbarkeit, über Inszenierungen fiktiver Wirklichkeiten, surrealer Überhöhungen und Verfremdungen bis zu medialen Erweiterungen und Grenzüberschreitungen der Fotografie zu Aktion und Film. Fotografie und Transformation, die Würde des Alltäglichen in der Fotografie und die Fotografie als Symbol und Gleichnis menschlichen Daseins sind weitere Schwerpunkte. Filmische Interviews der Kuratoren Gabriele Muschter und Uwe Warnke mit den Fotograf/innen lassen die Protagonisten selber zu Wort kommen.

 

 

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung und ihre Werke

 

TINA BARA (*1962 Kleinmachnow) lebt in Berlin und Leipzig. Die Künstlerin entwickelte in den 1980er Jahren aus einer großen Nähe zu Freunden mittels ihrer Fotografie ihr Lebensthema: intime Einblicke in menschliche Beziehungen. Über die Arbeit mit Bildserien kam sie zum Video und Film. Heute geht es ihr vor allem um Facetten des weiblichen Rollenverständnisses, das sie auch mit Mitteln der Werbeästhetik offenlegt.

 


Tina Bara
Lange Weile, Berlin 1983-1989
©Tina Bara 

 

CHRISTIAN BORCHERT *1942 Dresden – † 2000 Berlin. Der Künstler entwickelte sein Konzept der »Familienbilder« in den frühen 1980er Jahren. Im Abstand von etwa 10 Jahren besuchte und porträtierte er dieselben Familien erneut. Entstanden sind intime Gruppenporträts – Einblicke in soziale Milieus und die Privatsphäre ostdeutscher Familien und deren Veränderungen nach dem Fall der Mauer.

 

KURT BUCHWALD (*1953 Wittenberg) lebt in Berlin. Buchwald ist mit seinen Untersuchungen fotografischer Prozesse einer der konsequentesten Konzeptkünstler im Bereich der Fotografie. Er belässt es nicht beim Hinterfragen und Fotografieren, sondern greift ein. Durch seine kontinuierliche Erweiterung von Prinzipien der Bilderarbeitung und -auswertung hat er sich einen festen Platz in der deutschen Fotoszene erarbeitet.

 

CAROLINE DLUGOS (*1959 Berlin, lebt in Berlin)  Die Künstlerin thematisiert in ihrer Arbeit »den unmerklichen, zum Teil schon vollzogenen, Einzug manipulierter Natur und künstlichen Lebens in unsere natürliche Umwelt.« Sie fotografiert digital – analog zur Gentechnologie. Dabei werden künstlich erzeugte Pflanzenformen in die ursprünglich fotografisch aufgezeichnete Landschaft transplantiert.

 

(e.) Twin Gabriel (*1962 Halberstadt, lebt in Berlin) Else Gabriel [in Zusammenarbeit mit Ulf Wrede E. (TWIN) GABRIEL] ist eine Grenzgängerin zwischen Performance und inszenierter Fotografie. Ihre Inhalte sind provokant, spiegeln aber den Alltag wider. Oft setzt sie sich und ihre Familie als Darsteller ein, um existentielle Situationen von Menschen zu erleben.

 

(e.) Twin Gabriel
PROSOCHE (15:36 Uhr), Fotoperformance, Berlin 2005/2006
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018 

 

FRANK HERRMANN (*1955 Karl-Marx-Stadt, lebt in Dresden) Der Künstler beschäftigte sich ab 1976 intensiv mit Zeichnung und Druckgrafik, in die er ab 1980 fotografische Bilder einbezog. Später weitete er seine Arbeit auf Rauminstallationen, Spiegelobjekte und motorgestützte Installationen aus, die besondere visuelle Erfahrungen ermöglichen, die Relativität unserer Wahrnehmung und Erinnerung thematisieren.

 

FRANZ JOHN (*1960 Marktleugast) lebt in Berlin. John ist ein Grenzgänger zwischen Fotografie, Installation und Objekten. Ihn interessiert das Zusammenspiel von Wahrnehmungsobjekten und nicht unmittelbar Wahrnehmbarem, von Informationsverlust und -gewinn, von Veränderungen und Umbrüchen in den Lebensformen. Klarheit und Augenscheinlichkeit als Formprinzip machen die Besonderheit seiner Arbeiten aus.

 

BARBARA KLEMM (*1939 Münster, Westfalen). lebt in Frankfurt/Main. Als Pressefotografin ist Barbara Klemm eine sensible wie künstlerisch souveräne Zeitzeugin zahlreicher Umbrüche und Transformationsprozesse, in Deutschland, Europa und weltweit. Von den Frankfurter Studentenprotesten bis zum Fall der Mauer und zur Wiedervereinigung haben ihre Fotografien unseren Blick auf diese Ereignisse wesentlich geprägt.

 

MATTHIAS LEUPOLD (*1959 Berlin, lebt in Berlin) Leupold wurde mit provokanten Fotoperformances bekannt, bevor er 1986 aus der DDR ausreiste. In Westberlin entwickelte er dann seine bis heute gültigen Werkgruppen szenischer Fotografie, in denen er ideologisch geprägte Bildklischees ebenso vorführt wie die von Bigotterie, männlicher Dominanz und sexuellen Phantasien geprägten Schönheitsideale an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Später wandte er sich verstärkt den Mitteln des Dokumentarfilms zu.

 

MANFRED PAUL (*1942 Schraplau) lebt in Berlin. Paul gehört zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Autorenfotografie. Neben seinen Berlin-Bildern von Hinterhöfen, entlang der Mauer und Stillleben realisierte er in den letzten Jahren »Seestücke«, die einerseits den Bildraum öffnen, sich zugleich aber auch hin zu einer reinen Farbfeldfotografie entwickeln.

 

RUDOLF SCHÄFER (*1952 Herrenhof/Thüringen) lebt in Halle. Der Fotograf interessierte sich schon früh für die Polarität von Schönheit und Vergänglichkeit zwischen Leben und Tod, oft in kompromisslosen Gegenüberstellungen der Lebenssituationen gezeigt. Sein künstlerischer Anspruch ist auf ästhetische und technische Perfektion gerichtet, die er als Zeichen unserer Zeit versteht.

 

ERASMUS SCHRÖTER (*1956 Leipzig) lebt in Leipzig. Nach seinem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig verließ Schröter 1985 die DDR. Ihn interessiert das Absurde in alltäglichen Konstellationen. Zeigte er in seiner Diplomarbeit noch nächtlich Wartende an Leipziger Haltestellen, die er unbemerkt mit Infrarottechnik  fotografierte, wurden später großangelegte farbige Inszenierungen von Weltkriegsrelikten, die er in bühnenhaft-effektheischendes Licht taucht, zu seinem Markenzeichen. Heute ist er für seine veristischen Kunstlichtporträts von Komparsen und Individualisten der Wave-Gothic-Szene anerkannt.

 

Erasmus Schröter
Bunker WB 54, 1995
© Erasmus Schröter

 

MARIA SEWCZ  (*1960 Schwerin,). lebt in Berlin. Die Fotografin ist von ihren Anfängen bis heute stark an Veränderungen in Stadt und Gesellschaft interessiert, dort, wo sie sich im Individuellen verkörpern. Bilder des fragmentarischen Sehens zeigen früh in Schwarzweiß und heute in Farbe das Mittendrin und die Unübersichtlichkeit individueller Erfahrungen in urbanen, hoch verdichteten Soziotopen.

 

Die Ausstellung entstand mit freundlicher Unterstützung durch:
Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
Sparkasse Mittelthüringen
Stiftung Neue Kultur
Bundesstiftung Aufarbeitung
Hotel Zum Norde Erfurt

Für die Ausleihe ihrer Werke gilt der Dank den Künstlerinnen und Künstlern, außerdem der Deutschen Fotothek Dresden und dem Kunstmuseum Moritzburg Halle für die Bereitstellung von Leihgaben für die Ausstellung.



Kunsthalle Erfurt, im Haus zum Roten Ochsen, Fischmarkt 7, Erfurt



14.07.2018 - 07.10.2018
Ausstellung Bregenz . Das Kunsthaus Bregenz zeigt das Werk des Belgiers David Claerbout, einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart, dessen Video- und Soundarbeiten nun in der Sommerausstellung vorgestellt werden. 14.7. bis 7.10.2018
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David Claerbout
Ausstellung Bregenz . Das Kunsthaus Bregenz zeigt das Werk des Belgiers David Claerbout, einer der wichtigsten Künstler der Gegenwart, dessen Video- und Soundarbeiten nun in der Sommerausstellung vorgestellt werden. 14.7. bis 7.10.2018

David Claerbout The Quiet Shore still (c) David Claerbout



Verschiedene Arbeiten machen mit deem Werk von David Claerbout vertraut. Die Videoarbeit The Quiet Shore, 2011 ist weniger ein Film als eine Abfolge von Schwarz-Weiß-Bildern, eine Sequenz ohne Erzählung.
Travel, 1996–2013  nimmt den Betrachter auf eine visuelle Wanderung durch einen Wald mit, der von Entspannungsmusik inspiriert ist. Der leidenschaftslose aber filmische Charakter des Synthesizers lässt  an "typische" Bilder eines dunklen, stillen Waldes denken.
Radio Piece (Hong Kong), 2015 macht als audiovisuelle Installation die Schnittmenge aus mentalem und physischem Raum zum Thema.
Bei der Betrachtung von Breathing Bird, 2012, stellen sich mehrere Konnotationen ein: Einerseits kann der Atem, der sich auf der Glasscheibe niederschlägt, als Wunsch zu kommunizieren gelesen werden, andererseits verstärkt die beschlagene Fläche die physische Grenze und betont das Getrenntsein und die Unmöglichkeit des körperlichen Kontakts.

 

David Claerbout Olympia, Screenshot
(c) David Claerbout 2017-04-18 15.13.16

 

 


Auch Claerbouts neuestes Werk Olympia (The Real-Time Disintegration into Ruins of the Berlin Olympic Stadium over the Course of a Thousand Years), 2016—3016, wird gezeigt. Es ist eine digitale Rekonstruktion des Olympiastadions in Berlin, das die Nationalsozialisten anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 mit großem Pomp eröffneten.
Wenn die Ausstellung abends schließt, erwacht die KUB Fassade mit der Außenprojektion von Claerbouts Die reine Notwendigkeit / The Pure Necessity, 2016, zum Leben.
Der Videoarbeit liegt der Disney-Filmklassiker Das Dschungelbuch (1967) zugrunde. Doch in Claerbouts Film singen, sprechen und tanzen Balu, Baghira und Kaa nicht, er zeigt Bär, Panther und Schlange ihrem artgerechten Verhalten. Sie sind nicht länger vermenschlicht. Die Arbeit ist auch technisch eine Ausnahme: Statt digital gerechnet, sind bei diesem Video die Einstellungen Einzelbild für Einzelbild im Stil des originalen Animationsfilms nachgezeichnet.

David Claerbout, geboren 1969 in Kortrijk, Belgien, studierte Malerei in Antwerpen. Er lebt und arbeitet in Antwerpen und Berlin.
Seine Werke wurden international in zahlreichen Einzelausstellungen präsentiert, unter anderem im Van Abbemuseum, Eindhoven (2005), Centre Pompidou, Paris (2007), Kunstmuseum St. Gallen (2008), Museum De Pont, Tilburg (2009 und 2016), WIELS, Brüssel (2011), SFMOMA — San Francisco Museum of Modern Art (2011), Tel Aviv Museum of Art (2012), Wiener Secession (2012), Kunsthalle Mainz (2013), Nederlands Fotomuseum, Rotterdam (2014), Marabouparken Konsthall, Sundbyberg (2015), KINDL — Zentrum für zeitgenössische Kunst, Berlin (2016), Städel Museum, Frankfurt am Main (2016), MNAC — Museu Nacional d’Art de Catalunya, Barcelona (2017), sowie im Schaulager, Münchenstein / Basel (2017). Sein Werk ist in wichtigen öffentlichen Sammlungen weltweit vertreten.


Kunsthaus Bregenz, Karl-Tizian-Platz, Bregenz


29.06.2018 - 22.09.2018
Fotoausstellung Greifswald . Die Galerie STP zeigt Bilder des in New York lebenden Künstlers Alvin Booth. Seine ungewöhnlichen Aktbilder zeigen die Körper gezogen, gefaltet, umhüllt, vervielfältigt und verpackt. Das Werk von Alvin Booth schwebt zwischen der Schönheit der menschlichen Gestalt und deren surrealer Verformung. Booths aktuelle, skulpturale Arbeiten zeigen experimentelle und evokative Materialien wie: Silikon, Duftstoffe, Licht, 3D-Braille-Druck und Sensoren, um neue Interpretationen des Körpers zu schaffen. Vom 29.6. bis 22.9.2018
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Alvin Booth - Nocturnes
Fotoausstellung Greifswald . Die Galerie STP zeigt Bilder des in New York lebenden Künstlers Alvin Booth. Seine ungewöhnlichen Aktbilder zeigen die Körper gezogen, gefaltet, umhüllt, vervielfältigt und verpackt. Das Werk von Alvin Booth schwebt zwischen der Schönheit der menschlichen Gestalt und deren surrealer Verformung. Booths aktuelle, skulpturale Arbeiten zeigen experimentelle und evokative Materialien wie: Silikon, Duftstoffe, Licht, 3D-Braille-Druck und Sensoren, um neue Interpretationen des Körpers zu schaffen. Vom 29.6. bis 22.9.2018





Die Ästhetik der Arbeit von Alvin Booth ist von der sinnlichen Skulptur des 19. Jahrhunderts inspiriert. Das Werk von Gaston Lachaise[1882-­?1935],  Aristide Maillol [1861-­?1944]  und Auguste Rodin [1840 -­?1917] sind dabei nach eigener Aussage ausschlaggebende Einflüsse.

Alvin Booth ist in seiner Fotografie lyrisch und episch zugleich. In dunklen Räumen mit schwachem Licht entstehen Bilder, die uns den intimen Blick des Künstlers erleben lassen. Mit selektivem Licht beleuchtet er partiell unsere Faszination für das, was in der Dunkelheit verborgen sein mag. Frauen verweilen in Latexkokons, wirken beengt und ruhig  zugleich,  wecken  Gefühle  von  trauriger  Schönheit.  Tänzerinnen  mit  Tüchern verschmelzen  in  Unschärfe  zu  geisterhaften  Formen.  Athletische  Körper  fliegen  durch den dunklen Raum oder liegen ruhelos am Boden. Eine gemeinsame Neugier zwischen Künstler und Model dirigiert dabei den lebendigen Performancecharakter seiner Bilder. Seine Motive faszinieren und irritieren, sind zärtlich und tun weh, sind unhöflich und fesselnd, humorvoll und bedrückend. Der menschliche Körper dient ihm als unerschöpfliches Vokabular. Alvin Booth selbst sagt über den menschlichen Körper: „Die Anatomie und die Körperfunktionen sind eine unendliche Quelle der Faszination.“

 


Alvin Booth nutzt historische Fototechniken wie; Gummidrucke oder Salzdrucke aber auch Gelatine-Silber-Abzüge, die in Öl und Goldpulver, manchmal in Latex gebunden sind und in ihren Sepiatönen nostalgisch anmuten. Er präsentiert seine Arbeiten in schweren, individuell gefertigten Metallrahmen, die getönten Passepartouts tragen handbemalte Verzierungen im Sinne des Jugendstils.



Galerie STP, Lange Straße 21, Greifswald



16.06.2018 - 30.09.2018
Fotoausstellung Köln . Als vierte Präsentation stellt das Museum Ludwig im Fotoraum, in dem seit 2017 wechselnde Ausschnitte der etwa 70.000 Werke umfassenden Sammlung Fotografie des Museum Ludwig gezeigt werden, „Name der Fotografin: Aenne Biermann“ vor. Bis 30.9. 2018
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Name der Fotografin: Aenne Biermann
Fotoausstellung Köln . Als vierte Präsentation stellt das Museum Ludwig im Fotoraum, in dem seit 2017 wechselnde Ausschnitte der etwa 70.000 Werke umfassenden Sammlung Fotografie des Museum Ludwig gezeigt werden, „Name der Fotografin: Aenne Biermann“ vor. Bis 30.9. 2018

Aenne Biermann
Cocosnuss, um 1929
Museum Ludwig, Köln 

 

 

Das Museum Ludwig besitzt mit der Sammlung Agfa nicht nur eine umfangreiche Fotosammlung des 19. und 20. Jahrhunderts, sondern auch – kaum bekannt und noch nicht vollständig aufgearbeitet – die Archive der Agfa, Leonar und Perutz Werbeabteilungen. Wie Anzeigen in Fotozeitschriften belegen, riefen die Unternehmen ihre Kunden dazu auf, Negative einzureichen, die bei Gefallen vergütet wurden. Anhand der Negative und verschiedener Abzüge ließ sich die Qualität der Papiere, Negativfilme, Blitze usw. in Broschüren, Magazinen und auf Messen vorführen. In diesen Beständen sind auch Negative und Aufnahmen von Aenne Biermann (1898–1933) aufgetaucht.

 

Aenne Biermann
Gerd 7 Jahre alt, 1930
Museum Ludwig, Köln
Repro: Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Aenne Biermann (1898–1933) war zu Lebzeiten in wegweisenden Ausstellungen wie der internationalen Werkbund-Ausstellung „Film und Foto“ vertreten und galt mit ihren sachlichen Aufnahmen als Avantgardefotografin ersten Ranges. Bis zu ihrem frühen Tod 1933 schuf sie Bilder ihrer nächsten Umgebung und prägte mit ihnen die fotografische Moderne mit.

 

Aenne Biermann
Kaktus, um 1929
Museum Ludwig
Repro: Rheinisches Bildarchiv Köln

„Welt kann optisch überall bedeutsam werden“, schrieb der Kunsthistoriker und Förderer der Avantgarde Franz Roh 1930 einleitend zum Bildband Aenne Biermann. 60 Fotos. So fotografierte sie, wie zeitgleich Albert Renger-Patzsch, Pflanzen aus nächster Nähe oder verwandelte eine aufgeschnittene Kokosnuss auf einem weißen Teller zur nuancierten Schwarz-Weiß-Studie. Auch ihre Kinder wurden immer wieder zum Motiv eindringlicher Porträts.

 

Aenne Biermann
Porträt, um 1929
Museum Ludwig, Köln
Repro: Rheinisches Bildarchiv Köln

 

Das Museum Ludwig nimmt die sukzessive Aufarbeitung des Agfa Firmenarchivs – in das 1964 die Firmen Leonar und Perutz aufgingen – und einen kürzlichen Ankauf von vier Arbeiten Aenne Biermanns zum Anlass, den gesamten Bestand von 24 Arbeiten, 11 Negativen und 17 kleinformatigen Archivabzügen sowie anderer Archivalien erstmals vollständig zu präsentieren.

Der Fotoraum befindet sich innerhalb der Ständigen Sammlung im zweiten Obergeschoss.

 

Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Köln

 

 

 

12.06.2018 - 30.09.2018
Eine überwältigende Premiere feierte das Fotofestival La Gacilly in Baden bei Wien. Dem Charme von Baden, einer Stadt mit dem weltberühmten Rosarium mit rund 30.000 Rosenstöcken, dem historischen Kurpark, Biedermeiergassen und Heurigenlokalen sind schon die Habsburger wie Kaiser Franz I. ebenso erlegen wie Beethoven, Mozart und Johann Strauß. Jetzt hat Baden eine neue Attraktion: das größte Open Air Fotofestival Europas La Gacilly ist von der Bretagne nach Baden gekommen und hat die Stadt in einen Garten der Fotokünste verwandelt. Die Ausstellungen 2017 La Gacilly werden zu den Aussstellungen 2018 in Baden. Fotografen aus aller Welt zeigen bis 30. September faszinierende Bilderwelten unter dem Motto „I love Africa“.
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La Gacilly Baden - Im Garten der Fotokünste
Eine überwältigende Premiere feierte das Fotofestival La Gacilly in Baden bei Wien. Dem Charme von Baden, einer Stadt mit dem weltberühmten Rosarium mit rund 30.000 Rosenstöcken, dem historischen Kurpark, Biedermeiergassen und Heurigenlokalen sind schon die Habsburger wie Kaiser Franz I. ebenso erlegen wie Beethoven, Mozart und Johann Strauß. Jetzt hat Baden eine neue Attraktion: das größte Open Air Fotofestival Europas La Gacilly ist von der Bretagne nach Baden gekommen und hat die Stadt in einen Garten der Fotokünste verwandelt. Die Ausstellungen 2017 La Gacilly werden zu den Aussstellungen 2018 in Baden. Fotografen aus aller Welt zeigen bis 30. September faszinierende Bilderwelten unter dem Motto „I love Africa“.

Foto Eric Pillot Courtesy Galerie Dumonteil



Ethik und Nachhaltigkeit, Mensch und Natur stehen im Mittelpunkt des Festivals in Baden. Dabei vermischen sich Kunst und Fotojournalismus. So wie es in Baden viele interessante Geschichten gibt so interessant ist auch der Weg vom Festival La Gacilly nach Baden. Jacques Rocher hat im Jahre 2004 in seinem Geburtsort La Gacilly das Festival ins Leben gerufen, das sich den Themen Mensch und Natur widmet.

 

Foto Emmanuel Berthier 

 

Jacques Rocher, Bürgermeister von La Gacilly, Geschäftsführer des Familienkonzerns Yves Rocher und Vorsitzender der Umweltstiftung Fondation Yves Rocher, gelang es mit viel Engagement es zu dem größten Fotofestivals Europas zu machen, das in den vier Monaten seiner Laufzeit rund 400.000 Besucher anzieht.
Auch in Baden bei Wien gab es von Lois Lammerhuber, Fotograf, Autor und Verleger, und Stefan Szirucsek, Bürgermeister von Baden, den Wunsch ein Fotofestival ins Leben zu rufen. So entstand die Idee, die Ausstellungen von La Gacilly in der Bretagne, ein Jahr später nach Österreich zu bringen.

„Mein Wunsch ist es als bekennender Europäer  der Öffentlichkeit zu zeigen, dass Kultur in Europa fundamental ist.“, äußert sich Jacques Rocher zu ihrem Erfolg dieses paneuropäischen Projekts.

 

 Lois Lammerhuber

 

Nun ist in Baden ein Festival entstanden, das laut Lois Lammerhuber, der Festival Direktor ist, Fragen stellt, anprangert, staunen lässt, beruhigt und Hoffnung schenkt. Mit der künstlerischen und fotografischen Vermittlung der drängenden Umweltprobleme ebenso wie der Schönheit der Welt  und des Daseins steht das Festival  für den Wunsch der Menschen nach Frieden und einem gelungenen Leben.

 

 

 

 

Zwei der berühmtesten afrikanischen Fotografen waren mit ihren Bildern in Baden zu sehen. Das obere Bild ist von Malick Sidibe / courtesy Magnin-A) , das unter Bild ist von Seydou Keita /SKPEAC - Courtesy CAAC - The Pigozzi Collection, fotografiert.


So vielfältig und begeisternd wie die Open Air Galerie mi ihren vier Kilometern Länge in Garten- und Fotokunst verschmelzen, war die Eröffnung des Festivals vor der Orangerie im Doblhoffpark. Eröffnet wurde es mit der „Ode an die Freude“ aus der 9. Symphonie Ludwig van Beethovens, der Teile dieses Werkes in Baden komponiert hatte. Eine Damen A-Capella-Gruppe aus Madagaskar sorgte ebenso für gute Stimmung wie die Vorstellung der Fotografen, afrikanische Gerichte und französischer Käse.
Man mag kaum glauben, dass nach nur wenigen Monaten Vorarbeit es dem Team um Lois Lammerhuber gelungen ist, so ein großartiges Fotofestival in Szene zu setzen, bis ins kleinste Detail liebevoll gestaltet und perfekt organisiert.

 

 

 

 

 

Schönheit und Schrecken liegen auf dem afrikanischen Kontinent nah beieinander - das Fotofestival La Gacilly zeigt verschiedenste Facetten

Foto oben: Aida Muluneh "Reves et Illusions"
Foto Brent Stirton Virunga
Foto unten: Nyani Quarmyne / Panos-Réa

 


Keiner wird unberührt von den Bildern Baden verlassen und jeder wird nach seinem Streifzug durch die Bilder zwischen Bäumen, Hecken, Seen, Rosen und pittoresken Häuserwänden, sich wünschen wiederkommen um diese einmalige Atmosphäre noch einmal zu erleben.

Brigitte Henninges

Weitere Informationen finden Sie hier... 

 

 



Akintude Akinleye, Ed Alcock, Sammy Baloji, James Barnor,
Teo Becher, Girma Berta, Emmanuel Berthier, Mama Casset,
David Chancellor, Paras Chandaria, Jean Depara, Fatoumata Diabaté,
Omar Victor Diop, Michel Vanden Eeckhoudt,
Elliott Erwitt, Tim Flach, François-Xavier Gbré,
Image Sans Fontière, Hélène Jayet, Seydou Keïta, Manon Lanjouère,
Oumar Ly, Rob Maclnnis, Phil Moore,
Baudoin Mouanda, Aïda Muluneh, Daniel Naudé,
Eric Pillot, Nyani Quarmyne, Arthur Rimbaud, Joel Sartore,
Emanuele Scorcelletti, Zhen Shi, Malick Sidibé und Brent Stirton.


02.06.2018 - 07.10.2018
Fotoausstellung Winterthur . Juergen Teller zählt international zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart, und seine Arbeiten, oft umfangreiche Serien, werden in Büchern, Zeitschriften, Magazinen und Ausstellungen veröffentlicht. Das Fotomuseum Winterthur stellt seine Arbeiten vor. 2.6.–7.10.2018
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Juergen Teller – Enyoy Your Life!
Fotoausstellung Winterthur . Juergen Teller zählt international zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart, und seine Arbeiten, oft umfangreiche Serien, werden in Büchern, Zeitschriften, Magazinen und Ausstellungen veröffentlicht. Das Fotomuseum Winterthur stellt seine Arbeiten vor. 2.6.–7.10.2018

 

Self-portrait, Plates/Teller, No.175, 2016
© Juergen Teller 

 

Juergen Teller bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie, ein zentrales Interesse bildet das Porträt: In den Bereichen Musik, Mode, Alltag und Landschaft gelingt es ihm, mit eigenem Gespür für Personen und Situationen unmittelbare, manchmal scheinbar einfache Bildkompositionen zu schaffen. Gezielte Brüche von Sehgewohnheiten und Erwartungen sind einigen Arbeiten implizit, idealisierende, schönende oder verklärende Bildstrategien liegen ihm fern. Juergen Teller (*1964) zählt international zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart und seine Arbeiten, oft umfangreiche Serien, werden zahlreich in Büchern, Zeitschriften und Magazinen veröffentlicht.

 

 

Eva Herzigova, Mit dem Teller nach Bonn, No.3 2016
© Juergen Teller

 

Juergen Teller zählt international zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart, und seine Arbeiten, oft umfangreiche Serien, werden in Büchern, Zeitschriften, Magazinen und Ausstellungen veröffentlicht. Nachdem er – aus einer Instrumentenbauerfamilie stammend – seine Bogenmacherlehre aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste, studierte er an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie in München und zog 1986 als freier Fotograf nach London. Dort begann er für Musik-, Zeitgeist- und Modemagazine zu fotografieren und wurde 1991 bekannt, als er die Band Nirvana auf ihrer Nevermind Release- Tour begleitete und seine sensiblen Fotos des schüchternen Front- mannes Kurt Cobain veröffentlicht wurden.

 

 My mother, Plates/Teller, No.174, 2016
© Juergen Teller

 

Juergen Tellers Arbeiten bewegen sich seitdem permanent an der Schnittstelle zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie, und sein Stilmittel ist das Porträt: In den Bereichen Musik, Fashion, VIPs, Alltag und Landschaft gelingt es ihm, mit einem sehr eigenen Gespür für Personen, Situationen, Milieus und Klischees unmittelbare, manchmal scheinbar einfache Bildkompositionen zu schaffen. Sie vermitteln eine gewisse Beiläufigkeit, die sich aber bei näherer Betrachtung als ausgewogene Bildkomposition und bewusste künstlerische Konzeption erweist. Gezielte Brüche von Sehgewohnheiten und Erwartungen sind einigen Arbeiten implizit und ideali- sierende, schönende oder verklärende Bildstrategien liegen ihm fern. Seine Bilder scheinen an die Substanz des Motivs zu reichen und die Visualisierung einer nicht perfekten Schönheit steht im Vordergrund.

 

Frogs and Plates No.13, 2016
© Juergen Teller

 

In bewusster Distanz zum immerwährenden Glamour im Bereich Mode- und People-Fotografie hat Juergen Teller eine exponierte Stellung: In Modekampagnen für namhafte Label versetzt er Schauspieler, Super- models, Popstars oder andere Prominente in neue, oft irritierende visuelle Zusammenhänge, wie z.B. in der Serie Kanye, Juergen & Kim, Château d'Ambleville von 2015, gestattet ihnen ihre Individualität zu ‚Stars‘, die selten so gekonnt und metaphorisch dargestellt werden: Das opulente Buch  Eating at Hotel Il Pellicano. Juergen Teller, Antonio Guida, Will Self zeigt Aufnahmen, für die Teller 2013 die Kreationen des Sternekochs Antonio Guidas in dem toskanischen Hotel in Szene setzt. Dieses künstlerische Prinzip überträgt er auch auf die nicht kommerziellen Arbeiten.

 „Was mich letztlich einzig und allein interessiert, ist die Interaktion zwischen zwei Menschen. Einer von denen bin ich, der Fotograf. Und wenn mich diese Begegnungen berühren, dann ist es gut.“ So basieren seine Shootings mit Charlotte Rampling auf großer spieler- ischer Freude und einem inzwischen bedingungslosen gegenseitigen Vertrauen, was auch die jüngsten Aufnahmen mit ihr Charlotte Rampling, a Fox, and a Plate (Teller) im neuen Londoner Atelier belegen.

Juergen Teller fordert von seinen Modellen die Bereitschaft zum Unverfälschten und Ungeschönten, so, wie sein unermüdlicher, ehrlicher, neugieriger, offener und unverstellter Blick auf das Motiv auch beim Betrachter Toleranz und Neugier voraussetzt. Er agiert wie ein Regisseur mit seiner Kamera, mit dem Set, den Requisiten und vor allem den Protagonisten seiner Bilder. So ist nachzuvoll- ziehen, dass auch andere Personen den Auslöser der Kamera betätigen, wenn er selbst zum Modell seiner Inszenierungen wird. „Alles ist im weitesten Sinne eine Art Selbstporträt. Es ist einfach die Art, wie Du die Dinge siehst, und wie gewisse Dinge Dich neugierig machen und Dich einfach mitreißen.“, so Teller. In den seit 2016 entstandenen Serien Plates/Teller fließen alle bisherigen Themen und Kompositionen als Konzentrat zusammen. Und als „storyteller“ reflektiert Teller das Medium Foto- grafie als Spiegel der Gesellschaft und untersucht fast intuitiv dessen Medienwirksamkeit.

 

Die Ausstellung war zuvor in der Bundeskunsthalle Berlin und in der Bundeskunsthalle  Bonn sowie in der Galerie Rudolfinum in Prag zu sehen.

 

Fotomuseum Winterthur, Grüzenstrasse 44+45, Winterthur, Schweiz

01.06.2018 - 18.11.2018
Fotoausstellung Berlin . Die Berliner Helmut Newton Stiftung präsentiert die Ausstellung „Between Art & Fashion. Photographs from the Collections of Carla Sozzani / Alice Springs. Portraits mit über 200 Bildern. 1. Juni bis 18. November 2018.
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Between Art & Fashion
Fotoausstellung Berlin . Die Berliner Helmut Newton Stiftung präsentiert die Ausstellung „Between Art & Fashion. Photographs from the Collections of Carla Sozzani / Alice Springs. Portraits mit über 200 Bildern. 1. Juni bis 18. November 2018.

Alice Springs
Helmut Newton, Rue Aubriot, Paris 1976
copyright Alice Springs

 


Vorgestellt wurde die Ausstellung „Between Art & Fashion“ schon in der Pariser Galerie Azzedine Alaïa und in dem Schweizer  Museum of Fine Arts Le Locle (kuratiert von Fabrice Hergott). Jetzt zeigt die Helmut Newton Stiftung „Between Art & Fashion in völlig neuer Zusammenstellung erstmals auch in Deutschland. Aus dem umfangreichen Sammlungsbestand wurden über 200 Fotografien ausgewählt. Thematisch auf den aktuellen Ausstellungsort abgestimmt, werden einige Fotografen mit nur einer Arbeit präsentiert, andere mit einem kleinen Konvolut – eine Auswahl, in der es nicht um Vollständigkeit geht, sondern um Authentizität und Sichtbarmachung, um die Qualität autonomer und repräsentativer Bilder. Innerhalb der Berliner Präsentation ragen vier Kooperationen zwischen Carla Sozzani und Paolo Roversi, Sarah Moon, Bruce Weber und Helmut Newton heraus, jeder wird entsprechend viel Ausstellungsraum eingeräumt, u.a. mit Arbeitsfotos und Kontaktbögen der gemeinsamen Modeshootings.

 

Arthur Elgort
Azzedine Alaia and Naomi Campell, New York City, 1987
copyright Paolo Roversi

 


In June’s Room sind anlässlich des 95. Geburtstages von June Newton alias Alice Springs über 30 teilweise noch nicht gezeigte Porträts zu sehen, die aus dem Stiftungsbestand aus-gewählt wurden – im Kontext der Sozzani-Sammlung sind es vor allem Künstler, Fotografen und Modedesigner. Alice Springs hat seit den 1970er-Jahren ein eigenständiges fotografi-sches Werk geschaffen, das auch immer wieder in der Helmut Newton Stiftung gezeigt wor-den ist. Die Liste der von Alice Springs porträtierten Künstler, Schauspieler und Musiker liest sich wie ein Who’s Who der internationalen Kulturszene aus den vergangenen vierzig Jahren diesseits und jenseits des Atlantiks – von Yves Saint Laurent und Karl Lagerfeld über Billy Wilder und Diana Vreeland bis zu den Hell’s Angels. Auch wenn die meisten der von ihr Porträtierten zum Jetset gehören, macht sie doch grundsätzlich keinen Unterschied zwischen den gesellschaftlichen Schichten. Manche Aufnahmen sind im Auftrag für Zeitschriften zwischen Paris und Los Angeles entstanden, andere aus freiem Antrieb. Möglicherweise hilft ihr, der ausgebildeten Schauspielerin, die tiefe Kenntnis des Schauspiels, gleichzeitig auf und hinter die Fassade des Menschlichen zu schauen. Ihren Blick für und auf die Menschen konzentriert sie meist auf deren Gesichter; zuweilen fasst sie sie im engen Bildausschnitt als Brust- oder Dreiviertelporträt. Nur wenige Studioporträts sind darunter, die Mehrzahl entstand vielmehr – meist bei natürlichem Licht – im öffentlichen Raum sowie vor oder in den Wohnungen der Protagonisten.

 

Peter Lindbergh
Le Touquet, Linda Spierings and Tatjana Patitz, 1987
copyright Peter Lindbergh

 



Carla Sozzani, frühere Chefredakteurin der italienischen Elle und Vogue, hat über viele Jahre Fotografien gesammelt – und seit 1990 in ihrer Mailänder Galerie in enger Verbindung mit zahlreichen international renommierten Fotografen ausgestellt. So zeigte sie auch vier Ausstellungen mit Bildern von Helmut Newton: "Ritratti di donna" (1993), "Impressions, Polaroids" (1996), "Us and them" (1999), zusammen mit seiner Frau June, a.k.a. Alice Springs, und "Yellow Press" (2003). Die persönliche Freundschaft zwischen Carla Sozzani und Helmut Newton mündet 2018 in der Präsentation der vielschichtigen Sozzani-Sammlung in der Helmut Newton Stiftung unter dem Titel Between Art & Fashion.

 

Paolo Roversi
Meg. Alaia Dresse, 1987
copyright Paolo Roversi


Seit der Galeriegründung vor 28 Jahren gab es bei Carla Sozzani Hunderte von Fotografie-Ausstellungen, u. a. von Annie Leibovitz, Sarah Moon, Paolo Roversi, David Bailey, Hiro oder David LaChapelle. Darüber hinaus finden zweimal jährlich Ausstellungen zu Architektur und Design, etwa zum Werk von Carlo Mollino, Verner Panton oder Yayoi Kusama, und schließlich Modepräsentationen, u. a. von Pierre Cardin, André Courrèges oder Paco Rabanne, statt. Manche der ausgestellten Werke gelangen anschließend in Sozzanis Sammlung, die heute annähernd 1000 Werke umfasst und neben Modebildern auch Fotoexperimente von Berenice Abbott und Duane Michals, Akt-Porträts von Francesca Woodman und Daido Moriyama sowie Stillleben von Man Ray und William Klein beinhaltet. So entstand über viele Jahre eine heterogene Sammlung mit Fokus auf klassischer Schwarz-Weiß-Fotografie, die wie ein Blick zurück in eine vergangene Zeit wirkt. Die Galerie Sozzani ist bis heute zentraler Bestandteil des von Carla Sozzani 1991 gegründeten ersten Concept Stores überhaupt: 10 Corso Como, mit Hauptsitz im Zentrum Mailands und inzwischen mit Ablegern in China, Korea und den USA. Die Galerie befindet sich seit 2016 unter dem Dach einer Stiftung.
Helmut Newton Stiftung, Jebenstraße 2, Hamburg


25.05.2018 - 28.09.2018
Als Teil der Fotografietriennale RAY 2018 zeigt die Deutsche Börse Photography Foundation von 25. Mai bis 28. September 2018 in der Unternehmenszentrale der Deutschen Börse, The Cube, in Eschborn „EXTREME.TERRITORIES“.
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Deutsche Börse Photography Foundation: „EXTREME.TERRITORIES RAY 2018“
Als Teil der Fotografietriennale RAY 2018 zeigt die Deutsche Börse Photography Foundation von 25. Mai bis 28. September 2018 in der Unternehmenszentrale der Deutschen Börse, The Cube, in Eschborn „EXTREME.TERRITORIES“.

 

 Christoph Bangert, Kandahar, Afghanistan

 

Die Ausstellung ist Teil der Fotografietriennale RAY 2018 in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet. In diesem Rahmen präsentieren über 15 RAY 2018 Partnerprojekte eigens kuratierte Ausstellungen und erfassen das diesjährige Thema EXTREME aus vielschichtigen Perspektiven in der zeitgenössischen Fotografie. 

Das Kuratorenteam von RAY 2018 setzt sich zusammen aus: Anne-Marie Beckmann (Art Collection Deutsche Börse), Peter Gorschlüter (MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main), Alexandra Lechner (Darmstädter Tage der Fotografie), Celina Lunsford (Fotografie Forum Frankfurt) und Matthias Wagner K (Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main). 

„EXTREME. TERRITORIES“ beschäftigt sich mit Gebieten, deren Bewohner durch politische und wirtschaftliche Entwicklungen außergewöhnlichen Bedingungen ausgesetzt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die in der Landschaft hinterlassenen Spuren und Verschiebungen, die Zeugnis ablegen von Entwurzelung, Abgrenzung und Entfremdung. Sie entstehen durch politische Konflikte und Umwälzungen ebenso wie durch die Auswüchse von rasantem wirtschaftlichen Wachstum. Gezeigt werden Arbeiten von Christoph Bangert, Anne Heinlein und Göran Gnaudschun, Sze Tsung Nicolás Leong, Gregor Sailer und Guy Tillim. 

 

 Guy Tillim, Grande Hotel Beira, Mozambique, 2008

 

Christoph Bangert (*1978 DE) setzt sich in „Hello Camel“ mit den extremen und bisweilen skurrilen Lebensbedingungen im Krieg auseinander. Er zeigt, wie Soldaten aus den USA, Großbritannien und Deutschland, die in Kriegsgebieten im Irak und Afghanistan stationiert sind, dort im Chaos des Krieges um ein Stück Normalität ringen. 

 

Das Projekt „Wüstungen“ von Anne Heinlein (*1977 DE) und Göran Gnaudschun (*1971 DE) zeigt Fotografien und Archivmaterial aus den geschleiften Grenzgebieten in der ehemaligen DDR. Dort wurde alles dem Erdboden gleichgemacht, was dem Schussfeld der Grenzpolizisten im Wege stand. „Wüstungen“ reflektiert die weitreichenden und dramatischen Folgen, die die Errichtung und Bewachung der innerdeutschen Grenze für viele Menschen in der ehemaligen DDR mit sich brachte. Für viele von ihnen bedeutete sie den Verlust von Haus, Hof und Heimat. 

 

Die Arbeiten von Sze Tsung Nicolás Leong (*1970 MX/GB/US) aus der Serie „History Images“ beschäftigen sich mit den rasanten und radikalen architektonischen Veränderungen des urbanen Raums in chinesischen Großstädten. Das dortige Wirtschaftswachstum sowie das Streben nach westlicher Lebensqualität führen zur Auslöschung ganzer Stadtteile, die durch gleichförmige schnell erbaute Hochhaussiedlungen ersetzt werden. Ärmere und ältere Menschen werden aus den Städten gedrängt, die somit ihre Geschichte und ihr Gedächtnis verlieren. 

 

Für seine Serie „Closed Cities“ spürte Gregor Sailer (*1980 AT) verborgene und hermetisch von der Außenwelt abgeschottete Städte in unterschiedlichen Regionen der Welt auf. Diese für einen begrenzten Zeitraum künstlich angelegten urbanen Zonen werden sowohl für den Abbau von Rohstoffen, militärische Übungen oder die Unterbringung von Flüchtlingen geschaffen. Sailer hinterfragt hiermit aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und verweist auf ihre Auswirkungen auf Landschaftsgestaltung und Architektur. Diese Betrachtungen führt er in seinem aktuellen Projekt „The Potemkin Village“ fort, welches der Idee von schnell hochgezogenen Attrappen folgt und ihn zu den erstaunlichsten Kulissen und Kopien geführt hat. 

 

Guy Tillim (*1962 ZA) hat seine Fotografien von Straßenzügen und Gebäuden in afrikanischen Großstädten „Avenue Patrice Lumumba“ nach dem ersten Premierminister des unabhängigen Kongo benannt. Auf den ersten Blick erscheinen die dort abgebildeten postkolonialen Bauwerke wie morbide architektonische Relikte von gescheiterten Utopien. Doch Tillim selbst nennt sie „Avenuen der Träume“, deren Monumente die Visionen von politischer Befreiung ebenso in sich tragen wie deren Scheitern. 

 

Die Deutsche Börse Photography Foundation ist Ausstellungspartner und Förderer von RAY 2018 sowie einer der Hauptförderer des RAY Partnerprojektes „Foam Talents“, das vom 24. Mai - 26. August im Frankfurter Kunstverein gezeigt wird. Im Rahmen von RAY 2018 - PLUS zeigt das MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst 22. Juni bis 9. September 2018 die Ausstellung des „Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018“. 

Über RAY 2018 

RAY 2018 präsentiert zum dritten Mal herausragende Positionen der Fotografie an über zehn Standorten in Frankfurt und der Region Rhein-Main. Eröffnet wird RAY 2018 am 23. Mai 2018 im Festivalzentrum im MMK 3 des Museums für Moderne Kunst Frankfurt (Domstr. 3). Erstmalig findet auch ein viertägiges Festival statt: Vom 24. bis 27. Mai 2018 sind Fotobegeisterte, Fachbesucherinnen und -besucher sowie Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich zum Medium Fotografie und dem Triennale-Thema EXTREME auszutauschen. Das inhaltliche Konzept von RAY 2018 EXTREME wurde von fünf Kuratorinnen und Kuratoren beteiligter Institutionen und Sammlungen für Fotografie gemeinsam entwickelt. In Kooperation mit über 15 Partnerinstitutionen und Sammlungen der Region sowie mit zahlreichen Events verspricht RAY 2018 eine weitere facettenreiche Auseinandersetzung mit der Fotografie vor dem Hintergrund ihrer gesellschaftlichen Bedeutung. 

 

24.05.2018 - 20.10.2018
Fotoausstellung Frankfurt am Main . Ihr 25jähriges Bestehen feiert die DZ Bank Kunstsammlung mit einer Ausstellung über die Facetten der Mathematik in der Fotokunst. Ein Thema, das Kunst und Bankwesen in ihrer inneren Verflochtenheit sichtbar macht: den Zahlen und Ziffern, den Formeln und Gleichungen sowie der symbolischen Kraft der Chiffren. Gezeigt werden im Art Foyer rund 50 Arbeiten von zwanzig internationalen Künstlern, die sich mit Zahlenreihen, Messungen, Geometrie, aber auch philosophischen Facetten der Mathematik auseinandersetzen. Vom 24. Mai bis 20. Oktober 2018.
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Die Zahl als Chiffre in der Kunst
Fotoausstellung Frankfurt am Main . Ihr 25jähriges Bestehen feiert die DZ Bank Kunstsammlung mit einer Ausstellung über die Facetten der Mathematik in der Fotokunst. Ein Thema, das Kunst und Bankwesen in ihrer inneren Verflochtenheit sichtbar macht: den Zahlen und Ziffern, den Formeln und Gleichungen sowie der symbolischen Kraft der Chiffren. Gezeigt werden im Art Foyer rund 50 Arbeiten von zwanzig internationalen Künstlern, die sich mit Zahlenreihen, Messungen, Geometrie, aber auch philosophischen Facetten der Mathematik auseinandersetzen. Vom 24. Mai bis 20. Oktober 2018.

Olaf Metzel

Ohne Titel, 1988
Aus der Serie: Der Fälscher ist der Held der elektronischen Kultur
Silbergelatine, Lasurfarbe
50 x 60 cm

 

Schon 1993 begann die DZ Bank eine eigene Kunstsammlung aufzubauen, die sich auf zeitgenössische Fotokunst konzentriert. In einem Vierteljahrhundert entstand so eine renommierte Sammlung mit mehr als 7500 Werken von rund 800 Künstlern.
In der Ausstellung „Die Zahl  als Chiffre in der Kunst“ sind Fotoarbeiten aus der Sammlung von John Baldessari, Peter Bialobrzeski, Jan Dibbets, Tamara Grcic, Andreas Gursky, Astrid Klein, Imi Knoebel, Robert Longo, Mario Merz, Olaf Metzel, Martin Parr, Miguel Rothschild, Timm Ulrichs, Ignacio Uriarte und Anna Vogel sowie Neuerwerbungen von Gwenneth Boelens, Jan Paul Evers, Timm Rautert, Thomas Ruff und Adrian Sauer zu sehen.
„Die Zahl ist das Wesen aller Dinge“ stellte schon der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras fest. Zahlen sind omnipräsent: als Maßeinheit, im Handel, in der Forschung, Wirtschaft, Medizin, Technik, Architektur. Was sich in Zahlenwerte übersetzen lässt, suggeriert Messbarkeit, Erfolgskontrolle, Prognostizierbarkeit. Doch erst der Mensch gibt mit seiner Interpretation diesen Zahlen Sinn.
Die Zahl ist ein Phänomen, das sich durch alle Bereiche des Lebens zieht und auch in der Kunst seit jeher auf unterschiedlichste Weise thematisiert wird. Die Ausstellung beschäftigt sich mit fünf übergeordneten Bereichen: der Fibonacci-Reihe und dem Goldenen Schnitt, der Vermessung der Welt, der Zahlenmystik und der Spiritualität, dem Handel sowie der Digitalität, die in der Fotokunst einen Paradigmenwechsel herbeigeführt hat.

Fibonacci-Reihe und Goldener Schnitt

Die Suche nach einem ordnenden Prinzip in der Natur hat Mathematiker und Künstler von jeher umgetrieben. So verarbeitet Mario Merz (* 1925 in Mailand; † 2003 in Turin) die Fibonacci-Reihe in seinen Werkkomplexen seit 1970 immer wieder als elementare Grundidee. In seiner fotokünstlerischen Installation „Isola della frutta“ sind in Spiralform angeordnete Früchte mit Zahlen der Fibonacci-Reihe durchsetzt. Die ersten zehn Zahlen der unendlichen Zahlenfolge durchwandern auch an einer blau leuchtenden Kette aus Neonröhren seine Installation und bilden damit nicht nur einen ideellen, sondern auch einen physischen Bestandteil der „isola“.
Auch in den Stadträumen von Peter Bialobrzeski (* 1961 in Wolfsburg), in denen Ruinöses neben Unfertigem, Hochhäuser neben Baracken stehen, finden sich Anklänge an die „Göttliche Proportion“, die sich beim Betrachter als Ordnungsprinzip für den visuellen Zusammenhalt der Bilder einstellt. Später sprach man vom Goldenen Schnitt, einem besonders seit der Renaissance bekannten Bildaufbau, welcher der Fibonacci-Reihe folgt.
Timm Ulrichs (* 1940 in Berlin) bemalt die Häuser von Weinbergschnecken mit königsblauer Farbe, setzt sie gleichzeitig aus und lässt sie nach der Form eines blauen Quadrats streben.

 

Peter Bialobrzeski

Transition 20, 2007
chromogener Abzug auf PE-Papier
Rahmen: 126 x 152,5 cm


 

Vermessung der Welt

Der spanische Künstler Ignacio Uriarte (* 1972 in Krefeld) verweist auf die Kulturgeschichte des Vermessens, indem er mit Anordnungen unterschiedlicher Linealtypen experimentiert und sie in seiner Serie „Four Geometry Sets“ zu stellar anmutenden Mustern zusammenstellt.
Imi Knoebel (* 1940 in Dessau) hat Aufnahmen aus astronomischen Publikationen abfotografiert und zu einem Tableau angeordnet. Ein Loch, das er mit einer Nadel in das Firmament sticht, steht für einen neuen Stern: seine damals neugeborene Tochter Olga Lina, die für lange Zeit den Mittelpunkt der elterlichen Welt bilden wird.
Adrian Sauer (* 1976 in Berlin) variiert in seinem Tableau „Dark Star, Light Shadow, Third Point of View“ geometrische Formen, die er aus der weitergeführten Grundform eines Dodekaeders entwickelt hat.
Geometrische Irritationen durch collagenartigen Transfer verschiedener Architekturdetails zeichnen die Formensprache der Werke von Jan Dibbets (* 1941 in Weert, Niederlande) aus, die sich mit europäischer Architektur und Zentralperspektive beschäftigen.

 

Spiritualität und Zahl

In den Bildern der Rosenfenster französischer und spanischer Kathedralen des Wahlberliners Miguel Rothschild (* 1963 in Buenos Aires) sind scheinbar mosaikartige Szenen zu erkennen. Doch tatsächlich haben sich die Muster beim Perforieren des farbigen Tintenstrahldrucks ergeben, und das beim Lochungsprozess entstandene Konfetti lagert am unteren Bildrand.
Das Triptychon der dunklen Kathedralenbilder von Robert Longo (* 1953 in Brooklyn, USA) lässt an die die Zahl 3 denken, die in der mittelalterlichen Symbolsprache dem Vater, Sohn und heiligen Geist zugeschrieben wird. Auch Longos Vorgehen beruht auf einem Dreischnitt: Eine vorhandene Fotografie bildet die Vorlage, die er mit Kohle abzeichnet, um die so entstandenen Bilder erneut zu fotografieren. Die Expressivität der scheinbar ins Wanken geratenen Formen wird durch die Dreigliederung des Triptychons in einer Balance gehalten.
Auf fotografische Bildvorlagen greift auch Jan Paul Evers (* 1982 in Köln) zurück, um sie, in Lichtführung und Ausschnitt verändert, erneut zu fotografieren und exakt nur einen Silbergelatineabzug herzustellen. Diesen Auswahlprozess kann man in einem spirituellen Sinn als eine Art Auserwählung im Reich der Dunkelkammer verstehen.

 

Handel

Die dreiteilige Fotocollage „Life’s Balance (with Money)“ von John Baldessari (* 1931 in National City, Kalifornien) zeigt ausgelassen Feiernde, einen Akrobaten, einen Jongleur. Hervorgehoben sind ein rot und ein gelb kolorierter Ring, die den Bildaufbau zu stabilisieren scheinen. Doch die grünen Dollarnoten beherrschen die Komposition.
Die Bilder von Andreas Gursky (* 1955 in Leipzig) sind aus vielen verschiedenen Aufnahmen und Ansichten digital so montiert, dass sich eine Art Konzentrat ergibt und sich in dem Gewusel der Menschen an der Börse von Singapur eine fast choreografische Ordnung zeigt.
Das Interesse von Timm Rautert (* 1941 in Tuchel/Westpreußen) gilt der Welt des Kunsthandels, hier den Erlösen einer Auktion für Gegenwartskunst bei Christie's in New York. Um zu zeigen, dass nur das monetäre Äquivalent eines Kunstwerks zählt, versieht er Abbildungen aus dem Auktionskatalog mit einem selbst angefertigten roten Stempel und dem erzielten Preis.
Tamara Grcic (* 1964 in München) hat mit ihrer Serie „Die Bank“ – einem Mitarbeiterprojekt von 1999 – gleichsam das Innenleben des Geldhandels in Augenschein genommen: Details wie Tastaturen, Schneidemaschinen oder Telefonhörer, aber auch den temporären, persönlichen Krimskrams an den Arbeitsplätzen, der ein Stück Individualität in der Arbeitswelt behauptet.
Martin Parr (* 23. Mai 1952 in Epsom, Großbritannien) fotografiert Menschen ungeschönt bei ihrem Konsum- und Freizeitverhalten. Gleich zwei Tüten mit Softeis hält die Hand auf dem Foto „Melting Ice Cream Cones“, den dazugehörigen Arm ziert ein Band mit einem Strichcode. Stehen die beiden Eistüten für die Ziffer 2, die fünf Finger der Hand für die 5, so kann, nebeneinander betrachtet, die 25 für das 25-jährige Jubiläum der DZ BANK Kunstsammlung ausgelegt werden.

 

Timm Rautert

SOLD, New York, 2014
Aus der Serie: Artworks 1969-2016
Offsetdruck, gestempelt
verschiedene Größen
Installationsansicht Parrotta Contemporary Art, Stuttgart


 

Digitalität

Gewebe in unterschiedlicher Farbgestaltung sind bei Gwenneth Boelens (* 1980 in Soest, Niederlande) zu sehen – und die erste Assoziation, die sich zur Welt der Digitalisierung einstellt, ist der Jacquard-Webstuhl. Sein Erfinder „programmierte“ Anfang des 19. Jahrhunderts einen mechanischen Webstuhl mit Lochkarten, um komplizierte Muster in vielfältigen Farbschattierungen zu erstellen. Auch Boelens’ Fotogramme von Geweben haben thematisch Informationsübermittlung zum Gegenstand, kodifizierte Botschaften jenseits der Schrift.
Rationalisierung, quantitative Erfassung, Datenschutzprobleme – das waren bereits 1983, als Astrid Klein (* 1951 in Köln) die Arbeit „Gedankenchips“ schuf, Themen, welche die Gesellschaft umtrieben. Es war das Jahr der ersten geplanten Volkszählung, die Angst und Proteste hervorrief. Die Silhouette einer weißen Figur durchquert in großer Eile das Bildfeld, verfolgt von einer Zahlenkette.
Auch die Arbeiten von Olaf Metzel (* 1952 in Berlin), deren Titel „Der Fälscher ist der Held der elektronischen Kultur“ auf ein Zitat von Glenn Gould zurückgeht, greifen die kollektive Ängste vor elektronischer Überwachung auf. Expressiv kolorierte und durch Ritzungen verletzte Fotografien zeigen demolierte Schaltschränke, zerborstene Festplatten, flackernde Röhrenbildschirme, die in den Kontext seiner Installation von 1988 gehören.
Thomas Ruff (* 1958 in Zell am Harmersbach) beschäftigt sich mit stellaren und planetaren Bildwelten. In seinem Werkkomplex „ma.r.s.“ bearbeitet er Schwarz-Weiß-Aufnahmen vom Planeten Mars, die auf der Webseite der NASA öffentlich zugänglich sind, digital und überführt sie in eine gestauchte Schrägsicht: mittels einer 3D-Brille erscheinen runde Krater häufig als Ellipsen. Zudem rufen übereinandergelegte stereoskopische Aufnahmen einen frappierenden räumlichen Eindruck hervor.

Die Ausstellung ist ein Partnerprojekt der Fotografie-Triennale RAY 2018.
ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung,
Platz der Republik, 60325 Frankfurt am Main.
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus 1.


10.05.2018 - 10.03.2019
Ausstellung Mannheim . Nach dem Erfolg der Mitmach-Ausstellung "Total genial!" bieten die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim auch in diesem Jahr ein Highlight für die ganze Familie an. Die Schau "Einfach tierisch! Spaß mit Dino, Panda & Co." im Museum Weltkulturen ist eine überraschende Safari in die Welt der Tiere.Die Besucher können selbst Teil der Szenerie werden. Mit der eigenen Kamera oder dem Handy kann man die witzigsten Szenen einfangen. 10. Mai 2018 bis 10. März 2019
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Rem Mannheim: "Einfach tierisch eine Safari für die ganze Familie“ ab 10.5.2018
Ausstellung Mannheim . Nach dem Erfolg der Mitmach-Ausstellung "Total genial!" bieten die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim auch in diesem Jahr ein Highlight für die ganze Familie an. Die Schau "Einfach tierisch! Spaß mit Dino, Panda & Co." im Museum Weltkulturen ist eine überraschende Safari in die Welt der Tiere.Die Besucher können selbst Teil der Szenerie werden. Mit der eigenen Kamera oder dem Handy kann man die witzigsten Szenen einfangen. 10. Mai 2018 bis 10. März 2019

  © Tricture by eli - eine lose Idee - GmbH

 

Einen Dinosaurier füttern, mit Tiger und Leoparden auf Tuchfühlung gehen, einen Delfin streicheln, mit Fischen tauchen oder eine Mammutfamilie retten – all das und noch viel mehr erwartet große und kleine Besucher ab 10. Mai 2018 in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. Die Mitmach-Ausstellung "Einfach tierisch! Spaß mit Dino, Panda & Co." lädt zu einer außergewöhnlichen Safari mit besonderem Foto-Spaß und spielerischer Wissensvermittlung ein.

 

  © Tricture by eli - eine lose Idee - GmbH

 

 

Der Museumsbesuch verwandelt sich in ein Abenteuer: Große fotorealistische Bilder entführen in die Welt der Tiere – von der Zeit der Saurier bis heute, von den Tiefen des Ozeans bis hoch in die Lüfte, von der Savanne Afrikas über den chinesischen Bambuswald bis ins heimische Maisfeld. Die Besucher begegnen vielen unterschiedlichen Tieren. Sie stehen Dino, Panda & Co. jedoch nicht nur Auge in Auge gegenüber, sondern können selbst Teil der Szenerie werden. Welche Pose sie einnehmen, bleibt den Gästen selbst überlassen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die Besucher können die Aktion mit ihrer eigenen Kamera oder dem Handy festhalten – ein Gewinn für jedes Familienalbum und Spaßgarantie für Facebook & Co. Die Bilder sind bis zu 6 Meter lang und 3,60 Meter hoch. Sie wurden zweidimensional gemalt, durch trickreiche Gestaltung und mit den Besuchern entsteht beim Fotografieren jedoch ein überraschender 3D-Effekt.  

Gleichzeitig nimmt die Schau Kinder und Erwachsene auf eine interaktive Wissensreise durch die Welt der Tiere mit. Eindrucksvolle Objekte aus dem Naturreich wie beispielsweise der Schädel eines T-Rex oder das Skelett eines großen Flugsauriers bringen den Besuchern die Giganten der Vorzeit nah. An zahlreichen Stationen ist Anfassen ausdrücklich erwünscht. Wie fühlt sich beispielsweise die Haut eines Hais oder der Zahn eines Mammuts an? Spannende Wissensinfos zu den einzelnen Tieren sorgen garantiert für Aha-Erlebnisse. Bei einem Quiz stellen die Gäste ihr neu gewonnenes Wissen unter Beweis.

Die Ausstellung "Einfach tierisch!" ist vom 10. Mai 2018 bis 10. März 2019 im Museum Weltkulturen D5 der Reiss-Engelhorn-Museen zu sehen.

www.rem-mannheim.de

05.05.2018 - 23.09.2018
Ausstellung Stuttgart . Im Württembergischen Kunstverein Stuttgart bezieht sich die Ausstellung „50 Jahre nach 50 Jahre Bauhaus 1968“ auf die legendäre Schau vor 20 Jahren, die der Württembergische Kunstverein 1968 in Zusammenarbeit mit Bauhaus-Größen wie Walter Gropius und Herbert Bayer produzierte. 5. Mai bis 23. September 2018
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50 Jahre nach 50 Jahre Bauhaus 1968
Ausstellung Stuttgart . Im Württembergischen Kunstverein Stuttgart bezieht sich die Ausstellung „50 Jahre nach 50 Jahre Bauhaus 1968“ auf die legendäre Schau vor 20 Jahren, die der Württembergische Kunstverein 1968 in Zusammenarbeit mit Bauhaus-Größen wie Walter Gropius und Herbert Bayer produzierte. 5. Mai bis 23. September 2018



Bauhaus Laszlo Moholy Nagy

 

Die Einführung in die Ausstellung bildet eine Sammlung von Objekten, die – vom Ausstellungsmodell bis zu einer Tonaufzeichnung Walter Gropius’ – auf die Ausstellungvon 1968 und ihre Zeit verweisen und zentrale Anhaltspunkte für das aktuelle Projekt waren.

 

Deutsche Bauausstellung 1931

 

 

Foto Marianne Brandt

 

Den Prolog liefert Helmut Heißenbüttel am Eingang zum Vierecksaal: Auf Marcel Breuers berühmten B3 Stahlsessel (auch Wassily genannt) Platz nehmend, bringt ermit seinem Gedicht der mann, der lesbisch wurde (1967) die Geschlechterverhältnisse zu Fall: und damit die zentralen Pfeiler unserer modernen,
auf binären Denkweisen beruhenden Weltordnung.
Dem kontern im gegenüberliegenden Eingang zum Kuppelsaal gewissermaßen John Barker und László Vancsas mit ihrem für die Ausstellung neu produzierten Video Consequences, das unter anderem die männliche Dominanz der Bauhausdiskurse hervorhebt.
Die über 500 Exponate von rund 60 Künstler*innen und ca. 40 Leihgebern umfassen sowohl historische als auch zeitgenössische Werke und Dokumente aus den Bereichen bildende Kunst, Literatur, Fotografie, Film, Design, Architektur und Stadtentwicklung.
50 Jahre nach 50 Jahre Bauhaus 1968 ist Teil des großangelegten bundesweiten Jubiläumsprojektes 100 Jahre Bauhaus.


Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Schlossplatz 2, Stuttgart

04.03.2018 - 23.09.2018
Fotoausstellung Wolfsburg . In der Ausstellung „Robert Lebeck. 1968“ Im Kunstmuseum Wolfsburg werden – fünfzig Jahre später – die im mythisierenden Rückblick bislang nicht immer wahrnehmbaren roten Fäden des Jahres zwischen Aufbruch, Protest, Beharren und Scheitern anhand beispielhafter Fotografie-Serien sichtbar, die der deutsche Fotograf, Bildjournalist und Sammler Robert Lübeck in New York, Bogotá, Kassel, Belfast oder Wolfsburg erstellt hat. Bis 23.9.2018
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Ausstellung "Robert Lübeck 1968" im Kunstmuseum Wolfsburg bis 23.9. verlängert
Fotoausstellung Wolfsburg . In der Ausstellung „Robert Lebeck. 1968“ Im Kunstmuseum Wolfsburg werden – fünfzig Jahre später – die im mythisierenden Rückblick bislang nicht immer wahrnehmbaren roten Fäden des Jahres zwischen Aufbruch, Protest, Beharren und Scheitern anhand beispielhafter Fotografie-Serien sichtbar, die der deutsche Fotograf, Bildjournalist und Sammler Robert Lübeck in New York, Bogotá, Kassel, Belfast oder Wolfsburg erstellt hat. Bis 23.9.2018

Robert Lebeck
Schweißer in den Produktionshallen des Volkswagenwerks, Wolfsburg, 21. Juni 1968
© Archiv Robert Lebeck


„Das Jahr der Studentenunruhen fand ohne mich statt“ so resümiert Robert Lebeck (1929–2014) in den „Erinnerungen eines Fotoreporters“ seine Erfahrung des Jahres 1968: „Als in Paris die Barrikaden brannten, arbeitete ich in Florida an einer Serie über zwei ermordete Studentinnen; während Studenten vor dem Springer-Hochhaus demonstrierten, fotografierte ich die Taufe von Hildegard Knefs Kind; und als die Russen in Prag einmarschierten, begleitete ich gerade den Papst nach Bogotá.“

 

Robert Lebeck
Mutter und Tochter auf dem Bootssteg aus der Fotoserie «Die geschiedene  Frau», 5. Juni 1968
© Archiv Robert Lebeck

 

 


Bei genauerer Betrachtung der Kontaktbogen, Fotoabzüge sowie Reportagen von Robert Lebeck, die in eben diesem epochemachenden Jahr für den „Stern“, eine der damals auflagenstärksten Illustrierten Deutschlands, entstanden sind und in dieser Ausstellung erstmals umfassend präsentiert werden, zeigt sich allerdings, wie sehr sich entgegen der Einschätzung des Fotografen die gesellschaftlichen Veränderungen in seinen pointierten Aufnahmen spiegeln.

 

Robert Lebeck
Joseph Patrick, der älteste Sohn des ermordeten Präsidentschaftskandidaten,
an der Spitze der Sargträger bei der Beerdigung von Robert F. Kennedy auf dem Nationalfriedhof von Arlington,
8. Juni 1968

© Archiv Robert Lebeck

 

Robert Lebeck
Demonstranten während der Eröffnungsrede der 4. documenta,  Kassel,
27. Juni 1968
© Archiv Robert Lebeck

 


Viele der im Kunstmuseum vorgestellten Motive sind – das macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus – nie gedruckt worden und der Öffentlichkeit bislang komplett unbekannt. Ob „Geschiedene Frauen“, Rudi Dutschke in Prag, Robert F. Kennedys Beerdigung oder Joseph Beuys auf der documenta: Stets trifft in Robert Lebecks Arbeiten verdichtete Zeitgeschichte auf starke Bildreportage sowie Fotokunst.

Die Schau beginnt suggestiv mit einem raumhohen All-Over der Fotografie Robert Lebecks und Originaltondokumenten von 1968. Nach einem Saal zu „1968“, der die unterschiedlichsten Aktionsfelder des Fotojournalisten in diesem Jahr sichtbar macht, folgen dann die zentralen acht Ausstellungskapitel und Fotoreportagen in chronologischer Reihenfolge vom Prager Frühling bis zum nordirischen Winter. Medienstationen und Großprojektionen bilden die zeitgeschichtliche Folie, auf der die Bedeutsamkeit der Fotoreportagen Robert Lebecks umso deutlicher wird. Original-Kontaktbogen und „Stern“-Hefte geben den Besuchern zudem vertieften Einblick in die fotografische Arbeit Lebecks und die bildredaktionelle Praxis jener Jahre.

 

Robert Lebeck
Richard Nixon während des Vorwahlkampfes zur Wahl des 46. Präsidenten der USA,
Manchester, New Hampshire, 16. Februar 1968

© Archiv Robert Lebeck

 

Robert Lebeck
Zeitungslesende als sichtbares  Zeichen der neuen Pressefreiheit, Prag, 17. April 1968
© Archiv Robert Lebeck

 


Die Ausstellung „Robert Lebeck. 1968“ findet in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) der Stadt Wolfsburg statt und wird gefördert durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg.

Der Katalog
Das Buch zur Ausstellung, herausgegeben von Ralf Beil und Alexander Kraus, gestaltet von Cordula Lebeck, erscheint im Steidl Verlag, Göttingen, und vereint Essays zur Zeitgeschichte, Bildreportage und Fotokunst von Ralf Beil, Michael Glasmeier, Fabian Köster, Alexander Kraus, Aleksandar Nedelkovski, Stefanie Pilzweger-Steiner, Stephan Ruderer, Annette Vowinckel, Martina Winkler und Ulf Erdmann Ziegler, eine umfangreiche Auswahl bislang unveröffentlichter Fotografien und Kontaktbogen sowie die wichtigsten Reportagen des Jahres 1968. Hardcover, 320 Seiten, 226 Abbildungen, 22,5 x 30 cm, deutsche und englische Ausgabe, 48 € im Museumshop, 58 € im Buchhandel.

 

Kunstmuseum Wolfsburg, Hollerpl. 1, Wolfsburg










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