Fotoworkshops / Fotoseminare

05.07.2015
Eine funktionierende Großformatkamera aus Lego-Steinen bauen? Jens Werlein demonstriert am 7., 8. und 9. August 2015 in einem Vortrag mit Workshop für Bastler zwischen 8 und 99 Jahren im Deutschen Kameramuseum in Plech wie das geht. Der Hochschullehrer Jens Werlein gastierte damit schon im Guggenheim Museum Berlin.
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Deutsches Kameramuseum Workshop: Kamerabau aus Legosteinen
Eine funktionierende Großformatkamera aus Lego-Steinen bauen? Jens Werlein demonstriert am 7., 8. und 9. August 2015 in einem Vortrag mit Workshop für Bastler zwischen 8 und 99 Jahren im Deutschen Kameramuseum in Plech wie das geht. Der Hochschullehrer Jens Werlein gastierte damit schon im Guggenheim Museum Berlin.

 

 

Entstanden ist das Projekt, mit dem der „Legograf“ schon auf der photokina 2012. Es war ein Geistesblitz des Schwäbisch Gmünder Hochschullehrers und selbstständigen Werbefotografen Jens Werlein, dem beim Aufräumen des Dachbodens einige Kisten mit Lego-Steinen in die Hände fiel und der schnell feststellte, dass man bei eBay ohnehin nicht mehr viel dafür bekommt. Wegwerfen kam natürlich ebenfalls nicht in Frage und so entwickelte man im Familienkreis die Idee, mit den Steinen etwas Neues, noch nie Dagewesenes zu bauen - am besten irgendwas mit Fotografie.

 

 

 

So entstand mit Tochter Paula und Sohn Hannes die erste voll funktionierende Großformatkamera aus Legosteinen (die heute übrigens im Deutschen Kameramuseum in Plech steht). Inzwischen tourt Werlein mit seinen Lego-Kameras - weitere Modelle in allen Variationen folgten - durch ganz Deutschland und bringt Interessenten jeden Alters in kurzweiligen Kursen bei, wie man aus Bergen ausgedienter Lego-Steinchen eine funktionierende Fotokamera bastelt. Werleins Lego-Kamera-Kurse schafften es bis in die Berliner Dependance des weltberühmten Guggenheim Museums und sogar im New Yorker Mutterhaus wurde ein Film über dieses Projekt gezeigt, das in der europäischen Fotoszene für Begeisterung sorgte.

 

Teilnehmen können in Plech alle Interessierten "zwischen 8 und 99 Jahren"  und Vorkenntnisse sind prinzipiell nicht nötig. Der Workshop findet ab 10 angemeldeten Teilnehmern statt

 

Preis: 79 Euro,

Familien (maximal vier Personen pro Familie) 149 Euro.

Dabei können zum Beispiel zwei Kinder mit ihren Eltern oder ein Kind mit Eltern und Großvater mitmachen.  

Natürlich können die Konstrukteure ihr Werk am Kursende mit nach Hause nehmen.

 

Weitere Infos und Anmeldung

http://www.kameramuseum.de/fotoschule/2015/werlein/werlein.htm

 

 

 

18.05.2016
Die IF/Academy – Passion for Photography veranstaltet vom 8.-10. Juli 2016 am Starnberger See den Fotoworkshop „Die Kamera ist nur ein Werkzeug“ mit Heike Rost. Die Kamera in den Händen ist das Werkzeug für »Bilder im Kopf«, für einen individuellen Blick auf Menschen und Situationen.
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IF/Academy Workshop 8.-10.7. – Die Kamera ist nur ein Werkzeug
Die IF/Academy – Passion for Photography veranstaltet vom 8.-10. Juli 2016 am Starnberger See den Fotoworkshop „Die Kamera ist nur ein Werkzeug“ mit Heike Rost. Die Kamera in den Händen ist das Werkzeug für »Bilder im Kopf«, für einen individuellen Blick auf Menschen und Situationen.


Wie eine schlichte Fotografieausrüstung zum verblüffenden Motor für das Sehen, die Kreativität und Ideen wird, das will der Workshop der IF/Academy vermitteln. Die Workshopleiterin Heike Rost ist Fotografin, Journalistin und Trainerin für Visuelle Kultur und möchte den Weg zum Spieltrieb und die „Leichtigkeit des Seins“ im Umgang mit einfachster Kamera Ausrüstung anregen. Heike Rost zeigt in diesem Workshop am Starnberger See, wie eine schlichte Ausrüstung zum verblüffenden Motor für Sehen, Kreativität und Ideen wird.

 



Grenzen und Einschränkungen sind spannende Herausforderungen - auch für Fotografen. Wie kann man innerhalb von Grenzen arbeiten, wie sie ausloten oder sogar sprengen?

Heike Rost: „Ich möchte an Walker Evans erinnern, einen Großen der Fotografie: In seinen Anfangsjahren hatte er so wenig Geld, dass es oft nur für einen einzigen Rollfilm reichte - für ein ganzes Wochenende. 12 Bilder, 12 Fotos, basta. Die mussten dann auf den Punkt sitzen.“ Heike Rost sieht dies als empfehlenswerte Übung für ‚digitale Schnellknipser‘.


Als Fotografin ist Heike Rost spezialisiert auf Begegnungen mit Menschen, mit Emotionen, mit Atmosphäre und mit besonderen Momenten. Mit ihrer Leidenschaft fürs Sehen und für die Fotografie sowie einem intensiven Blick für die kleinen Dinge entdeckt sie oft die spannendsten Geschichten.

Die Teilnehmer des Fotoworkshops erfahren Wissenswertes, Tipps und Tricks, die Möglichkeiten einer einfachen Kameraausrüstung (ein Body und 1 Objektiv), und zum Beispiel Lensbaby und Lens-in-a-Cap auszuprobieren und überraschende, spannende Fotos aus dem Workshop mitzunehmen.


Preis und Termin:
8.-10. Juli 2016 am Starnberger See, Tutzinger Hof
Regulärer Preis 450 Euro Der Frühbuchertarif 395 Euro gilt noch bis 10.6.2016

Stammkunden der IF/Academy bekommen auf beide Tarife 35 Euro Rabatt.

Zur Buchung:
http://www.if-academy.net/workshop-kamera-nur-werkzeug/


Über IF/Academy–Passion for Photography
Die IF/Academy–Passion for Photography ist eine kreative und visionäre Fotografie Plattform für leidenschaftlich-engagierte Fotografen, die sich verbessern, austauschen und inspirieren lassen wollen. Die IF/Academy steht für höchste Qualität und hervorragende Organisation ihrer Programme rund um die Fotografie. Weiterführende Informationen unter www.if-academy.net

 

29.06.2016
Die großen Virtuosen in der Musik wussten es schon immer: Nur üben, üben, üben hilft zum Erlernen der Basiskenntnisse. Musikalisches Genie manifestiert sich aber nicht in technischer Perfektion allein. Ist diese erreicht, gilt es dem Vortrag Seele einzuhauchen. Für diesen Schritt braucht es geniale Lehrmeister. Selbst die größten Stars greifen immer wieder auf einen Coach zurück, um sich zu korrigieren und eine Leistung bieten zu können, die über den Anspruch der Perfektion hinausgeht. Für Fotografen ist Rüdiger Schrader so ein Coach. Wir sprachen mit ihm über Sinn und Ziel einer Masterclass.
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Masterclass für Fotografen - Ein Gespräch mit Lehrmeister und Coach Rüdiger Schrader
Die großen Virtuosen in der Musik wussten es schon immer: Nur üben, üben, üben hilft zum Erlernen der Basiskenntnisse. Musikalisches Genie manifestiert sich aber nicht in technischer Perfektion allein. Ist diese erreicht, gilt es dem Vortrag Seele einzuhauchen. Für diesen Schritt braucht es geniale Lehrmeister. Selbst die größten Stars greifen immer wieder auf einen Coach zurück, um sich zu korrigieren und eine Leistung bieten zu können, die über den Anspruch der Perfektion hinausgeht. Für Fotografen ist Rüdiger Schrader so ein Coach. Wir sprachen mit ihm über Sinn und Ziel einer Masterclass.

dasfotoportal.de: Herr Schrader, vielleicht erzählen Sie uns zunächst einmal etwas zu Ihrer Person und Ihrer Beziehung zur Fotografie.

 

Rüdiger Schrader: Ich war Fotograf, Buchautor, Journalist, leitender Redakteur, Fotochef beim Stern, Fotochef beim Focus, habe Gala mitgegründet. Heute bin ich Trainer und Coach im personellen Bereich. Ich versuche  als Coach, Trainer und unorthodoxer Ratgeber zu motivieren. Seelentauchen gehört dazu. Hauptsächlich befasse ich mich damit, die Essentials nicht nur von Fotografen durch das Training von Visuellem Denken weiterzuentwickeln.

 

FP: Herr Schrader, Sie haben etwas Wesentliches weggelassen: Sie sind auch Rechtsanwalt und waren der jüngste Cheffotograf bei der dpa?

 

 

 

Rüdiger Schrader und seine Masterclass der IF-Academy
in den Studios von Hensel Süd, München


RS: Stimmt. Die juristische Ausbildung hat mir lediglich die Wortkraft beschert. Hätte ich damals ein Personal-Coaching genossen, wie ich es heute anbiete, wäre mir später vor allem  beim Stern, wo ich der jüngste Foto-Chef ever war, vieles leichter gefallen. Zudem hätte ich mir weniger Beulen und Platzwunden geholt oder diese verteilt.


FP: Für einen Außenstehenden wirkt ihre Laufbahn dennoch wie eine Blitzkarriere. Was oder wer hat Sie damals motiviert?


RS: Die Liebe zur Fotografie!


FP: Wie kam es dazu?

 

RS: Da kommen zwei Dinge zusammen. Ich spreche gern von den neurologischen Prozessen der Wahrnehmung und trainiere sie auch. Wie wir alle wissen, haben wir neben dem sechsten Sinn auch noch fünf andere. Bei mir ist ein Sinn sehr unterentwickelt und das ist mein Gehör. Ich bin schwerhörig auf die Welt gekommen. Mehr oder weniger unbewusst habe ich dadurch mehr mit den Augen kommuniziert, wohl schon als Kind die Wahrnehmung durch meine Augen extensiv trainiert. Das hat mir später geholfen.

 

FP: Wann ist Ihnen das bewusst geworden?

 

RS: Der entscheidende Einraster oder Synapsenknall kam durch meinen Vater. Er hat mir meine erste Kamera geschenkt. Da war ich zehn Jahre alt.

 

FP: Sie haben dann ja schon in sehr jungen Jahren professionell fotografiert?

 

RS: Ich habe mich mit Fünfzehn noch beim alten Horst Müller in Düsseldorf vorgestellt. Sie müssen sich vorstellen, wie sie damals als Bubi in so einer Agentur in eine andere Welt eingetaucht sind. Sie kommen in ein riesiges Büro und aus allen Ecken und Enden quillt ihnen belichtetes Fotopapier entgegen. Hochglanz-Sportfotos stapeln sich auf jeder freien Fläche, es handelte sich ja um eine Sportbildagentur. Beklebt waren die Aufnahmen mit allen möglichen Vermerken. Über allem hing bleischwer der Duft der diversen Labor-Flüssigkeiten. Ich saß Horst Müller direkt gegenüber, der auf seinem Stuhl sitzend in eine Kiste neben sich griff und aufs Geratewohl ein Foto hervorkramte. ‚Können sie mir sagen wer das ist‘, schnarrte er mich an. Es war ein Fußballer vom FC Kaiserslautern. ‚Ich kann ihnen aber nicht sagen, ob es der Arno oder der Wolfgang Wolf ist‘, habe ich geantwortet. So ging das mit ein paar weiteren Sportlern, die ich alle beim Namen nennen konnte und deren wichtigste Leistungen mir auch bekannt waren. Schließlich fragte er mich, ob ich eine Kamera hätte. Ich hatte damals eine ganz einfache Praktica TTL. ‚Das macht nichts‘, schnarrte er erneut. ‚Samstag um ein Uhr sind Sie da. Alles andere lernen Sie. Viel wichtiger ist: Sie kennen sich im Sport aus.’

 

 

 

Rüdiger Schrader: Die wichtigste Antriebsfeder für seinen Erfolg ist die Liebe zur Fotografie.

 

FP: Haben Sie damals geahnt, dass dies der Startschuss für ihre fotografische Laufbahn war?

 

RS: Mir wurde bei dieser Begegnung erstmals bewusst, dass ich ein sehr gutes Gedächtnis für Gesichter und ein dazu passendes Namensgedächtnis habe. Möglicherweise ist das heute nicht mehr so ausgeprägt, aber ich kenne nur einen Menschen, der in dieser Beziehung besser ist als ich: Das ist mein verehrter, ehemaliger Chef Helmut Markwort, der zusätzlich zu jeder Person noch eine  Anekdote gespeichert hat.


FP: Sind das Eigenschaften, die Sie im Rahmen Ihrer Masterclasses trainieren und weitergeben wollen? Oder wo sehen Sie ihre wichtigste Aufgabe als Leiter einer solchen Meisterklasse?  


RS: Wer einfach nur lernen möchte, wie er seine Kamera zu bedienen hat, der ist hier verkehrt. Wer Bilder machen möchte, ist auf dem richtigen Weg hierher. Wer aber wissen will, was er selber tun muss, um wirklich gute Bilder zu machen, der ist von Herzen willkommen. Es geht hier nicht um Blende oder Belichtungszeit. Sondern wie jemand, was er sieht, mit einem reflexhaften Automatismus in ein berührendes, anekdotisches Bild verwandelt. Hier soll etwas so lange trainiert werden, bis es von selber geschieht, nämlich den Augen-Blick zu erkennen, der zu einem guten Foto führt. Das geht nur über die Stufe des Visuellen Denkens. Wenn ich mich vor einer Aufnahme hinsetze und mir vorher Gedanken mache, wie mein Bild aussehen könnte, werde ich zu guten Fotografien kommen. Das hört sich vor allem für Profis nach Binse und Banalität an. Aber gerade bei ihnen ist das der entscheidende Ansatz.  


FP: Sollte das nicht der Ansatz für alle kreativ arbeitenden Menschen, nicht nur für Fotografen sein?

 

RS: Absolut. Deswegen sind Sie aber nicht erfolgreich, nur weil Sie einen Plan oder eine Idee haben. Sie sind nur dann erfolgreich, wenn sie in der Lage sind, ihre Dinge vom Ende her zu denken. Also auch die Frage der Umsetzung klären. Leonardo da Vinci hat ewig mit der Haftung und Haltbarkeit von Kalkfarben experimentiert, bevor er seinen skizzierten Entwurf vom „L’ultima Cena“ an die Kirchenmauer in Sta. Maria della Croce „brachte“. Aber dafür muss ich den Weg durch den visuellen Urwald einmal komplett gegangen sein.  Ideen wälzen, verwerfen, Perspektiven durchspielen. Materialien checken. Im Geiste.

 

FP: So etwas lässt sich trainieren?

 

RS: Nehmen Sie einmal die beste Skifahrerin der Welt, Lindsey Vonn. Was macht die vor dem Start? Die steht oben am Berg und fährt mit den Händen im Geiste ihren Rennkurs ab. ab. Sie hat ihre Mindmap ganz und gar darauf programmiert, was sie tun wird. Das ist Trainingsinhalt. Den meisten Kreativen fehlt so eine Mindmap, auch weil sie sich immer wieder sagen, die Mindmap sei nicht die wirkliche Landschaft. Das ist zwar richtig. Aber wenn ich mich ohne sie in die reale Landschaft begebe,  verirre oder verlaufe ich mich. Nicht jeder Weg entsteht beim Gehen, sondern ist sehr oft von Anfang an versperrt. Fotografen brauchen eine visuelle Navigation für sich selber. Meine Aufgabe sehe ich darin, meinen Masterclass Teilnehmern dieses Schema zu implantieren.

 

 

Rüdiger Schrader bekam mit 10 Jahren seine erste Kamera, eine Praktica TTL.

 

FP: Gibt es dafür so etwas wie Eselsbrücken oder Lernhilfen?

 

RS: Sie müssen lernen, in Bildern zu denken und zu sprechen. Und Fragen daraus ableiten. Das klingt vielleicht etwas kompliziert. Ein Beispiel: Wie sieht Liebe aus? Ein anderes Beispiel: Die Verteidigungsministerin der Bundesrepublik Deutschland heißt Ursula von der Leyen, sie hat sieben Kinder und ist Tochter eines ehemaligen Ministerpräsidenten und Mitglied in einem Reitverein. Das könnte mann über Sie sagen: faktisch richtig, aber nüchtern. Wenn ich aber sage: Das Mannequin der Bundeswehr ist die eleganteste Reiterin nicht nur in der in der politischen Landschaft und hat noch dazu sieben Kinder. Dann hat jeder Bilder dazu im Kopf. Möglicherweise werden alle sekundären Daten gleich wieder vergessen, aber das Mannequin der Bundeswehr bleibt haften, das nehmen Sie mit. Und mit diesem Terminus können Sie Fotografen oder sich selber briefen. Der Fotograf Axel Heimken hat die Verteidigungsministerin übrigens genauso für die dpa fotografiert. Wenn jemand  in der Medienbranche in solchen Bildern spricht, braucht der Fotograf keine Erklärung mehr. Alle großen Fotografen denken in Bildern, kommunizieren in Bildern und benutzen ihr visuelles Gedächtnis als Steinbruch für ihr Tun.

 

FP: Wie baut man einen solchen Steinbruch im Gedächtnis auf?

 

RS: Sie müssen Bücher wälzen, sie müssen Bilder inhalieren, aktuelle wie historische. Sie müssen sich ansehen, was und wie in Hollywood produziert wird. Es muss Ihnen nicht gefallen. Aber dort erkennen Sie die aktuellsten visuellen Trends und Strömungen und auch die Veränderungen der Bildsprache. Deswegen bin ich zB. gespannt auf den Film „Independence Day 2“, nicht unbedingt inhaltlich. Visuell. Ich habe keine Ahnung , wie außerirdische Lebewesen aussehen. Mir ist noch keines begegnet. Den Machern dieses Films offensichtlich schon. Und darauf bin ich neugierig.

 

FP: Sie waren Fotograf, Bildproduzent, Auftraggeber für Fotografen und Bildeinkäufer. Wie haben sich die Anforderungen mit der digitalen Revolution in allen drei Feldern verändert?

 

RS: Zunächst einmal fasziniert mich die Geschwindigkeit der heutigen Fotografie. Das Siegtor der deutschen Nationalmannschaft zum WM-Sieg in Rio de Janeiro war im Prinzip noch nicht gefallen, da hatten alle Bildredaktionen dieser Welt das Foto davon schon auf dem Monitor. Lassen Sie sich einmal von Kai Pfaffenbach, Agentur Reuters, erzählen, wie das technisch vonstatten geht. Er hat das beste Foto vom Tor geschossen. Wahnsinn. Ich habe noch den Einsatz von Brieftauben für den Transport eiliger Filme erlebt. Man könnte meinen, die fotografischen Anforderungen seien nun gesunken. Das sind sie vielleicht bezüglich des handwerklichen Könnens, weil die Kamera heute von alleine Kaffee kocht. Aber ob der Kaffee schmeckt, entscheidet immer noch der Mensch. Das heißt, sehr viele Fotografen vergessen beim Fotografieren, für wen sie arbeiten. Das gilt für den professionellen Bereich. Im nicht professionellen Bereich vergessen es fast alle Menschen, weil sie glauben, es gäbe Niemanden, für den sie ihre Bilder machen. Aber vielleicht haben sie sich diese Frage einfach noch nie gestellt. Würden sie ehrlich antworten, würden sie meist sagen: Ich mache diese Bilder für mich! Dann muss ich mir die Frage stellen: „Wer bin ich?“  Vor dieser Frage, oder besser gesagt, vor der Antwort auf diese Frage scheuen Viele, wie Sprungpferde beim Hindernis. Wenn ich weiß, wer ich bin, bin ich derjenige, der gute Fotos macht. Zumindest, wenn ich selbstkritisch mit mir umgehe. Das können die Wenigsten und daher brauchen gute Fotografen, gerade auch professionelle Fotografen, ein gutes Coaching, ein gutes Training, einen guten Trainer. Das ist für alle herausragenden Entertainer selbstverständlich, für alle Schauspieler, für alle Moderatoren und alle Sprecher. Alle in diesen Berufsgruppen erfolgreichen Personen lassen sich regelmäßig coachen. Ganz einfach um zu überprüfen, ob das, was und - vor allem - wie sie es tun, das Richtige ist.     

 

 

Begann mit 15 Jahren professionell zu fotografieren.

 

FP: Zahlt sich dieses Engagement und diese Leidenschaft denn letztendlich auch finanziell aus?

 

RS: Ich habe einmal im Scherz gesagt, wer fotografiert, gibt gleichzeitig auch sein Armutsgelübde ab. Das klingt zynisch und böse, ist aber leider auch in vielen Fällen bittere Wahrheit. Ich kenne zu viele, Taxi fahrende Fotografen, um davor die Augen zu verschließen. Selbstverständlich können Sie mit Fotografie immer noch Geld verdienen. Sie müssen dafür aber ein entsprechendes, kaufmännisches Modell haben, eine Merkantilisierungsstrategie. Und Sie müssen sich klar darüber sein, was Sie können bzw. was nur Sie können. Es gibt Microstock-Agenturen, die fotografieren nur Gegenstände in allen möglichen Lichtvarianten und pulvern diese Bilder zu Dumpingpreisen in den Markt und verdienen über die Masse, die sie mit ein und demselben Foto bzw. Motiv produziert haben – und das gar nicht mal schlecht. Nun könnte man sagen, das sei ja keine Fotografie, sondern lediglich Ablichtungsdistribution. Aber wenn diese Leute damit das Geld verdienen, um sich ein Leben als Fotograf leisten zu können, dann tritt die Frage, wo es generiert wird, in den Hintergrund. Die meisten vergessen zu schnell: Fotografie ist zuvorderst ein Auftragsgeschäft. Betreiben Sie kommerzielle Visualisierung und Akquise! Michelangelo Buonarotti hat die Sixtinische Kapelle bestimmt nicht aus freien Stücken ausgemalt  und sechs Jahre da oben auf seinem Gerüst zugebracht. Natürlich hat er es auch aus Liebe zu dem, was er tut, auf sich genommen, obwohl er eigentlich  Bildhauer war, der zuvor die Pieta geschaffen hatte, dieses unfassbare Produkt des Visuellen Denkens: wäre ein Fotograf bei der Bergung des Leichnams Jesu Christi anwesend gewesen, er hätte genau dieses Bild gemacht oder machen können. Sich dieses vorzustellen und zu formulieren, das ist Visuelles Denken. Michelangelo hat das Wohndesign der Sixtinischen Kapelle vor allem auf sich genommen, weil Papst Julius II ihn dafür bezahlt hat. Und der Papst hat ihn bezahlt, weil Michelangelo ihm vorher erzählt hat, wie er die Erschaffung des Menschen, wie er die Teilung der Horizonte visualisieren will. Er hat ihm die Idee verkauft! Auch das ist Visuelles Denken. Eine Idee, die (über)leben will, muss zunächst absurd klingen, hat Albert Einstein einmal gesagt. Ja, aber dazu muss Ihnen eine Idee erst einmal kommen. Das kann man trainieren.

 

FP: Ein anderes Thema: Gute Bilder wurden häufig durch nachträgliche Bildbearbeitung optimiert. Ein Eingriff, der beim aktuellen Nachrichtenbild immer öfter als unzulässig gilt. Wie sollen Fotografen sich dazu verhalten?    


RS: Das Problem bei diesen rigiden Vorgaben: diese werden häufig nicht aus Sorge um die Authentizität und zum Erhalt des Wahrheitsgehaltes eines Fotos heraus gemacht. Sie werden gemacht, weil einmal fertige JPGs sich von den Kunden schneller und einfacher handhaben und transportieren lassen. Jedes JPG ist das Kind einer RAW-Fassung. Wer jetzt glaubt, auf dem Wege dorthin ginge nichts verloren, der gehört der gleichen Fraktion der Photo-Mullahs an, die glaubt, mit der Digitalisierung sei plötzlich ein bisher nicht existentes Authentizitäts- oder Wahrheitsproblem aufgetaucht. Ich habe für so etwas immer die zynische Gegenfrage: Wenn Sie früher ein Foto auf einen Schwarzweißfilm aufgenommen haben und von einem Negativ(!) ein hervorragend gearbeitetes Positiv, also eine nochmalige Umwandlung, hergestellt haben, ist jeder davor niedergekniet und hat den Hochgesang der Fotografie angestimmt. Mit Verlaub: Welcher Mensch sieht schwarzweiss? Ich liebe SW-Fotografie. Daher weiss ich, wie in einer farbigen Welt schwarzweiße Bilder aufgenommen werden und wann sie als monochromes Bild beeindrucken. Das ist für die meisten Hohepriester der Authentizität keine Wahrheitsverdrehung. Im Gegenteil: es hat sich kulturell durchgesetzt, dass Schwarzweissbilder authentische Fotografien seien.  Leider hat sich noch nicht im gesellschaftlichen Kulturverständnis durchgesetzt, dass digitale Bilder eine größere Bandbreite der Bildsprache ermöglichen.  Ich verstehe, wenn digitale Übertreibungen als nicht mehr authentisch haltbar gewertet werden. Ich habe aber nicht verstanden, dass Reuters einen Fotografen entlassen hat und einen Riesen-Bohai daraus gemacht hat, weil dieser eine ohnehin vorhandene Rauchwolke akzentuiert hat. Noch viel weniger verstehe ich die Diskussion um das World-Press Foto    des schwedischen Fotografen Paul Hansen. Er hat diesem Bild eine Farbtemperatur gegeben, die seinem visuellen Denken entsprach. Welchem Maler würde man dies vorwerfen? Ich habe das Gefühl, dass sich die Nachrichtenfotografie in der Zeit der Digitalisierung in ihrem Wesensgehalt noch nicht zu Ende definiert hat. Und da reden viele anerkannte und selbsternannte Experten mit.

 

FP: Workshops, die vollmundig anpreisen, zu besseren Bildern zu verhelfen,  gibt es wie Sand am Meer. Allerdings gibt es nur sehr wenige gute und noch weniger wirklich sehr gute. Was macht einen sehr guten Workshop aus und wie finde ich ihn?

 

RS: Auf der Website der IF-ACADEMY finden Sie diese erstklassigen Workshops. Sie alle haben „High-End“-Inhalte. So auch dieser. Ich war mir nicht sicher, ob mein Masterclass Konzept funktioniert. Ich mache keine klassische Kameraschulung, keine klassische Motivschulung. Ich biete eine psychosoziale, neurologische Schulung an, die zum Ziel hat, dass Fotografen mit einem anderen Visuellen Denken an ihre Aufgaben und Möglichkeiten herangehen. Es hat sich gezeigt, dass die Bilder der Teilnehmer im selben Moment besser wurden. Und die Haltung der Kollegen gegenüber ihrer Fotografie prägnanter, entschiedener und entschlossener. Das sind großartige Effekte für Teilnehmer. Das beweist, wenn ich mich richtig aufstelle, kann ich jede fotografische Schlacht für mich entscheiden.  Nach meiner Karriere als Fotograf und Bildchef habe ich mich einer Ausbildung zum Trainer und Coach an der Buhr&Team-Akademie in Düsseldorf unterzogen, um solche Dinge verantwortungsvoll und kompetent weitergeben zu können.

 

FP: Sie haben als ein sehr verständliches Schema in Ihrer Masterclass ein „Lernquadrat“ vorgestellt, das den Weg von der ‚bewussten Inkompetenz‘ zur ‚unbewussten Kompetenz‘ beschreibt. Was steckt dahinter?

 

RS: Im Rahmen meiner eben skizzierten Ausbildung ist mir dieses Lernquadrat begegnet. Es verdeutlicht schlagartig, wie der Mensch lernt. Jedes Kind entwickelt sich von der Stufe der unbewussten Inkompetenz zur bewussten Kompetenz. Ein Kind, das lernt, lernt auch, dass es etwas nicht kann. Dann ist es eine Frage der Lernwilligkeit und des Ehrgeizes, die Stufe der bewussten Inkompetenz zu verlassen und sich auf die Stufe der bewussten Kompetenz hoch zu arbeiten. Es hat dazugelernt. Leider hören viele Menschen dann auf, das Wechselspiel von bewusster Inkompetenz und bewusster Kompetenz aktiv zu halten und begeben sich in die unbewusste Kompetenz, wo dann Argumente wie „Das haben wir schon immer so gemacht, da könnt’ ja jeder kommen!“ u. ä. fallen. Diese sehr deutsche Haltung  führt schließlich dazu, dass wir uns nicht weiter entwickeln. Manche Dinge müssen zwar im unbewussten Kompetenzbereich vorhanden sein, wie eben bei Lindsey Vonn, die sich beim geistigen Abfahren ihres Kurses keine Gedanken macht, welchen Ski sie gerade belasten muss. Autofahren oder das Bedienen einer Kamera findet auch in diesem Bereich statt. Sollte es zumindest, sonst würgen Sie ab oder belichten falsch.. Dennoch sollte sich jeder jeden Tag bei seinen Tätigkeiten fragen, warum er etwas macht und warum das, was er macht, das Richtige ist. Diese Frage können sie nur in den Bereichen der bewussten Inkompetenz oder der bewussten Kompetenz beantworten. Das möchte ich den Teilnehmern – nicht nur an meiner Masterclass -  vermitteln. Und sie entsprechend trainieren und coachen.

 

FP: Herr Schrader, vielen Dank für dieses interessante Gespräch.

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